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Ab 1914 besuchte
Gerhard Rautenberg das Kgl. Wilhelms-Gymnasium in Königsberg und
absolvierte danach eine Banklehre, ehe er 1925 seine eigentliche
Berufsausbildung begann: Er erlernte alle zum Buchdruck gehörenden
Fertigkeiten und den Verlagsbuchhandel; dazu besuchte er Fachschulen.
Nach der Lehrzeit arbeitete er in angesehenen Firmen in München, Leipzig
und Berlin und trat 1930 in den väterlichen Betrieb in Königsberg ein.
Nach dem Tod seines Vaters Ludwig Gerhard Rautenberg (1872-1932)
übernahm Gerhard Rautenberg 1933 in vierter Generation die Leitung von
Verlagsbuchdruckerei und -buchhandlung, die von seinem Urgroßvater Carl
Ludwig Rautenberg (1803-1873) 1825 in Mohrungen gegründet worden waren.
Gerhard Rautenberg modernisierte den Betrieb und erweiterte die
Produktion, so daß die Kunden auch von außerhalb der Provinz kamen.
Neben Büchern wurden in seinem sich ständig vergrößernden Formularverlag
amtliche Formulare und amtliche Zeitschriften gedruckt. Im Zweiten
Weltkrieg, den Rautenberg meist als Soldat an der Front erlebte, kamen
viele kriegswichtige Druckaufträge hinzu, so für Lebensmittelkarten,
Wehrpässe und Bezugscheine für Waren. Auch nachdem die Betriebsgebäude
bei den britischen Luftangriffen auf Königsberg im August 1944
vollständig zerstört waren, konnte in Ausweichbetrieben in Cranz an der
Ostsee und Preußisch Eylau weiter gearbeitet werden.
Nach der
Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft fand Rautenberg Ende
1945 in der sowjetischen Besatzungszone seine Familie wieder, siedelte
mit ihr 1946 nach Westdeutschland um und begann ab der Jahreswende
1948/1949 in Leer/Ostfriesland in einer stillgelegten Druckerei mit dem
Wiederaufbau des Familienbetriebs, in dem er bis 1955 mit einem
Teilhaber arbeitete. Rautenberg baute eine leistungsfähige Buch-,
Offset- und Rotationsdruckerei auf, dazu einen Verlag mit
Verlagsbuchhandlung. Als einer der wenigen aus dem Osten stammenden
Verleger hat er stets ganz bewußt das kulturelle Erbe Ostdeutschlands,
besonders Ostpreußens, gepflegt durch Herausgabe von wissenschaftlichen,
belehrenden und unterhaltenden Schriften. So setzte er das schon seit
1831 bei Rautenberg erscheinende Kalenderbuch „Der redliche Ostpreuße“
ab 1950 fort, veröffentlichte zahlreiche Bildbände über die Regionen
Ost- und Westpreußens in der Reihe „... in 144 Bildern“ sowie die Reihe
„Ostpreußisches Mosaik“. Auch erschienen in seinem Hause zahlreiche
Bände über ostdeutsche Kreise neben Werken über seine neue Heimat
Ostfriesland; ferner wurden u. a. seit 1950 über 50 Jahre lang die
Wochenzeitungen „Das Ostpreußenblatt“ und „Die Pommersche Zeitung“ (ab
1951) gedruckt, ebenso von 1963-1982 „Preußenland“, die Zeitschrift der
Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung.
Da der Betrieb
sich gut entwickelte, errichtete Rautenberg schon 1956 einen
Zweigbetrieb in Glückstadt/Elbe, den sein ältester Sohn Carl Ludwig
übernahm, während er in Leer bis zu seinem Tod von seinem zweitjüngsten,
gleichnamigen Sohn Gerhard unterstützt wurde. So kann der Betrieb auch
in fünfter Generation als Familienunternehmen fortgeführt werden.
Lit.: Nachweise bei: Klaus
Bürger, Rautenberg, Emil Hermann Gerhard, in: Altpreußische Biographie,
Bd. IV, 1. Lieferung, Marburg/ Lahn 1984, S. 1144-1145.
Bild:
Privatarchiv des Autors.
Klaus Bürger
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