Friedrich
Wilhelm von
Reden wurde
als Sohn des
Hofrats
Johann Ernst
Wilhelm von
Reden in
Hameln
geboren. Der
beim Tod des
Vaters knapp
16jährige
entschloß
sich, im
Harz eine
Berglehre zu
machen und
bezog als
18jähriger
die
Universität
Göttingen,
um Jura und
Naturwissenschaften
zu
studieren.
Im Alter von
21 Jahren
legte er
sein erstes
juristisches
Staatsexamen
ab und 1774
das zweite.
Es folgte
die übliche
Studienreise,
die ihn auch
nach England
führte, das
zur
damaligen
Zeit
progressivste
Land im
Berg- und
Hüttenwesen.
Reden nahm
nach seiner
Rückkehr
eine Stelle
als Jurist
bei der
Kammer in
Hannover an.
Der
preußische
Bergbauminister
Freiherr von
Heinitz
erkannte die
hohe
Begabung
seines
Neffen und
holte ihn
nach
Preußen.
Durch
Kabinettsorder
wurde Reden
1778 zum
königlich
preußischen
Kammerherrn
und
Oberbergrat
ernannt und
1779 zum
Direktor des
schlesischen
Oberbergamtes
in Breslau.
Sofort nach
Dienstantritt
erarbeitete
er einen
umfassenden
Plan zur
Wiederbelebung
des Bergbaus
in
Schlesien.
Er verwies
dabei
besonders
auf die
nicht
hinreichend
untersuchten,
reichen
Erzvorkommen
in
Oberschlesien
sowie
Kohlevorkommen
in
Oberschlesien
und im
Waldenburger
Raum. Trotz
Finanznot
genehmigte
König
Friedrich
II. die
geforderten
Gelder für
die Aufnahme
des
Tarnowitzer
Erzabbaus,
für
Schwefel-
und
Vitriolwerke
im
Riesengebirge,
für den
Zinn-,
Kupfer- und
Goldabbau,
für die
königlichen
Eisenhütten
Malapane und
Kreuzburg
und für die
Gewinnung
und
Ansiedlung
fremder
Berg- und
Hüttenleute,
denn es
herrschte in
Schlesien,
besonders in
Oberschlesien,
ein
ausgesprochener
Mangel an
qualifizierten
Arbeitskräften.
Reden
beharrte auf
der
Schaffung
von
Staatsbetrieben,
die mit
staatlicher
Anschubfinanzierung
in der Lage
waren,
Preußen mit
guten und
benötigten
Produkten zu
versorgen
und von
teuren
Einfuhren
unabhängig
zu machen.
Der Gewinn
floß nicht
nach
kameralistischem
System in
den
Staatshaushalt,
sondern
blieb im
Eigenbetrieb,
damit die
erwirtschafteten
Mittel für
den weiteren
Aufbau des
schlesischen
Bergbaus,
für neue
Technologien,
die
Anwerbung
und
Ausbildung
von
Fachkräften
und die
soziale
Sicherung
der
Bergleute
und ihrer
Familien
bereitstanden.
Der
Schwerpunkt
dieser
Entwicklungspolitik
lag in
Oberschlesien.
Reden
erreicht
nicht nur
eine
Produktionssteigerung,
sondern vor
allem eine
Verbesserung
der
Produkte. Er
sah im Eisen
den
Werkstoff
der Zukunft.
In Malapane
wurden nicht
nur bessere
Gewehre und
Kugeln
gegossen,
sondern auch
Gegenstände
für den
täglichen
Gebrauch und
1794 die
erste
gußeiserne
Brücke.
In Tarnowitz
wurde die
Friedrich-Wilhelm-Grube
errichtet
und der
Gotthelfstollen
herangetrieben.
Reden stieß,
wie er
berechnet
hatte, auf
reiche
Erzvorkommen.
1786
gründete er
die
Friedrichshütte
in Tarnowitz,
um das
gewonnene
Erz zu
verhütten.
Um die
technischen
Schwierigkeiten
– vor allem
die enormen
Wasserzuflüsse
– zu
überwinden,
suchte Reden
nach neuen
Technologien.
Er ließ in
England eine
Dampfmaschine
kaufen, die
1788
erfolgreich
ihren
Betrieb
aufnahm und
bald
Besucher aus
aller Welt
anzog, 1790
auch Johann
Wolfgang von
Goethe.
Um
Brennstoff
für
Maschinen zu
erhalten und
die
Bevölkerung
mit billigem
Brennmaterial
zu
versorgen,
förderte er
den
Steinkohlenbergbau.
Er ließ
Probebohrungen
machen und
entdeckte
bei Zabrze
mächtige
Steinkohlenflöze.
Nach
Aufstellen
einer
Dampfmaschine
konnte 1791
der Betrieb
in der
Königsgrube
aufgenommen
werden. Zum
Transport
der Kohle
wurden der
Zabrzer
Kanal und
der
schiffbare
„Erbstollen“
angelegt.
Nach
Fertigstellung
des
Klodnitzkanals
begann Reden
mit dem Bau
der
Gleiwitzer
Eisengießerei.
Das Anblasen
des ersten
Kokshochofens
auf dem
Kontinent
leitete 1796
die
glanzvolle
Geschichte
dieser Hütte
ein. Er
forcierte
die
Herstellung
von
Maschinen
und holte
den Schotten
Bailton und
Friedrich
Wilhelm
Holzhausen,
der zum
überragenden
Meister des
Dampfmaschinenbaus
wurde, nach
Gleiwitz.
Von 1802 bis
1827
entstanden
über 50
Dampfmaschinen
bester
Qualität. In
den
Kunstwerkstätten
der Gießerei
ließ er die
Gußtechnik
so
verfeinern,
daß ein
Kunstgewerbe
kreiert
wurde, das
zum
Interessantesten
zählt, was
das 19.
Jahrhundert
hervorgebracht
hat: den
Eisenkunstguß,
der zu einem
bedeutenden
Exportartikel
wurde und
noch heute
auf dem
Kunstmarkt
hoch
gehandelt
wird. Reden
führte einen
auf Schienen
laufenden
Wagen ein,
ließ
schiffbare
Stollen
erbauen, so
den
Fuchsstollen
bei
Altwasser,
der – 1794
eröffnet –
bald zu
einer
touristischen
Attraktion
für das
Riesengebirge
und das nahe
gelegene Bad
Salzbrunn
wurde.
Reden war
nicht nur
ein
kompetenter
Verwaltungsmann,
sondern
darüber
hinaus ein
äußerst
begabter
Geologe und
ein
Bergbautechniker
hohen
Ranges.
Unermüdlich
bereiste er
die
Unternehmen
und scheute
sich nicht,
alle
Arbeiten
unter Tage
zu leiten
und zu
überwachen,
Baupläne für
neue Hütten,
Hochöfen,
Verwaltungsgebäude
und
Arbeitersiedlungen
zu
entwerfen,
Schmelzversuche
vorzunehmen,
seine
Mitarbeiter
zum Bau
neuer
Maschinen zu
veranlassen
und für eine
gute
Ausbildung
von
Nachwuchskräften
zu sorgen.
Er bürdete
sich eine
riesige
Arbeitslast
auf,
getragen von
großem
Pflichtbewußtsein,
obwohl er
zeitlebens
unter
gesundheitlichen
Problemen
litt.
Friedrich
Wilhelm von
Reden wurde
1786 „in
Anerkennung
seiner
Verdienste
um den
schlesischen
Bergbau“ zum
Grafen
erhoben und
nach seiner
England-Reise
(1789/90)
immer
häufiger
nach Berlin
gerufen, um
Minister von
Heinitz zu
entlasten.
Im Jahr 1800
erhielt er
ein „Commissorium
generale“,
das ihm fast
alle
Befugnisse
eines
Ministers
zubilligte.
Nach dem Tod
von Minister
Heinitz
(1802) trat
Graf von
Reden als
Staatsminister
die
Nachfolge
an.
1802
heiratete er
Friederike
Juliane von
Riedesel,
die später
für die
gelungene
Ansiedlung
der
Zillertaler
und die
Errichtung
der Kirche
Wang
verantwortlich
wurde.
Als 1806 die
napoleonischen
Truppen
Berlin
besetzten,
floh Reden
nicht,
sondern
versuchte
durch
Zusammenarbeit
mit der
Besatzungsmacht,
den Betrieb
in den
Bergwerken,
Hütten und
Salinen im
preußischen
Königreich
aufrecht zu
erhalten.
1807 wurde
er aufgrund
einer
erzwungenen
Vereidigung
durch die
Besatzungsmacht
entlassen.
Graf von
Reden zog
sich auf
sein Gut
Buchwald im
Hirschberger
Tal zurück,
spielte in
engem
Kontakt mit
von
Hardenberg
und vom
Stein als
graue
Eminenz bei
den
Befreiungskriegen
eine nicht
zu
unterschätzende
Rolle. 1810
verlieh ihm
der König in
Anerkennung
seiner
Verdienste
den Roten
Adler-Orden.
Aber sein
Gesundheitszustand
verschlechterte
sich. Er
starb am 3.
Juli 1815.
Nach seinem
Willen wurde
er in der
Abtei in
Buchwald
beigesetzt.
Zu seinem
100.
Geburtstag
errichtete
man ihm auf
dem
Redenberg in
Königshütte
ein Denkmal,
das von
König
Friedrich
Wilhelm IV.
persönlich
einweiht
wurde.
Friedrich
Wilhelm von
Reden war
noch ein
Vertreter
des Ancien
Régime,
stellte die
Monarchie
nie in
Frage,
diente
gewissenhaft
unter drei
preußischen
Königen.
Andererseits
war er ein
moderner
Mensch,
befürwortete
alle
technischen
Neuerungen,
hob durch
moderne
Produktionsmethoden
den
Lebensstandard
des Volkes
und führte
neue
Wirtschaftsmethoden
ein. Er
schuf das
oberschlesische
Montanrevier.
Er machte
seinen
Herrensitz
mit einem
englischen
Park zu
einer
Sehenswürdigkeit
und
Attraktion
in
Schlesien.
In seinem
persönlichen
Auftreten
war er
bescheiden.
Obwohl er
oft zu Gast
bei Hofe und
mit fast
allen
preußischen
Ministern
befreundet
war, suchte
er den
Umgang mit
Wissenschaftlern,
Philosophen,
Dichtern und
Künstlern.
Er war in
vieler
Hinsicht
genial.
Goethe soll
von ihm
gesagt
haben: „Ich
habe ihn
nicht nur
gekannt –
ich habe ihn
geschätzt,
geliebt ...
welche Anmut
und Würde
...,
ausgebildet
zu einer
seltenen
Größe.“
Lit.:
Ausführliche
Literaturangaben
bei P.A.
Galbas:
Friedrich
Wilhelm Graf
von Reden,
in: Edgar
Kalthoff
(Hg.):
Niedersächsische
Lebensbilder,
Hildesheim
1971. –
Konrad
Fuchs:
Friedrich
Wilhelm Graf
von Reden
(1752–1815),
in: Josef
Joachim
Menzel/Ludwig
Petry (Hg.):
Schlesische
Lebensbilder,
Bd. 6,
Schlesier
des 15.–20.
Jahrhunderts,
Sigmaringen
1990. – Idis
B. Hartmann:
Die Besitzer
von
Buchwald,
in: Das Tal
der
Schlösser
und Gärten.
Das
Hirschberger
Tal in
Schlesien,
ein
gemeinsames
Kulturerbe,
Jelena Gora
2001. –
Dies.:
Friedrich
Wilhelm von
Reden und
die
Inszenierung
dese
Fuchsstollens,
in: Der
Anschnitt,
2–4/2002.
Bild:
Anonymer
Stich um
1790.
Idis B.
Hartmann