Sie wird die
„Mutter des
Hirschberger
Tales“
genannt,
weil sie
sich wie
eine Mutter
um
Flüchtlinge
kümmerte und
nicht müde
wurde, sich
um das
geistliche
Wohl des
einfachen
Volkes zu
bemühen. Sie
ließ Bibeln
verteilen,
Auszüge aus
dem
Evangelium
drucken und
sorgte
dafür, daß
sie gelesen
wurden. Sie
versuchte,
in der Zeit
der
schlesischen
Weberaufstände
das schwere
Los der
Hungernden
zu mildern
und erwies
sich als
weise
Gutsherrin,
die die
Menschen in
ihren
Dörfern
unterstützte,
sie aber
auch zur
Unabhängigkeit
erzog. Und
vor allem
ist der Name
der Gräfin
Friederike
von Reden
mit einem
der
spektakulärsten
Denkmalpflegeprojekte
des 19.
Jahrhunderts
verbunden:
Sie war es,
der vom
preußischen
König
Friedrich
Wilhelm IV.
die
Verantwortung
für den
Wiederaufbau
der im
norwegischen
Dorf Wang
abgetragenen
Stabkirche
aus dem
frühen 13.
Jahrhundert
übertragen
wurde: Die
Gräfin sagte
begeistert
zu,
organisierte
den Abbruch
der Kirche,
den
Transport
der
wertvollen
Bauteile und
den
Wiederaufbau
im
Riesengebirge.
Sie kümmerte
sich um die
Ausstattung
des
Gotteshauses
und sogar um
die
Besetzung
der
Pfarrstelle
– ein
Denkmal, das
vor „ihrer“
Kirche
steht,
erinnert bis
heute an
sie.
Die Gräfin
wurde als
zweite
Tochter des
Friedrich
Adolf
Riedesel,
Freiherr zu
Eisenbach,
und seiner
Gattin
Friederike
am 12. Mai
1774 in
Wolfenbüttel
geboren und
auf die
Namen
Johanna
Juliane
Friederike
getauft. Sie
verlebte
ihre
Kindheit an
vielen
verschiedenen
Orten: Der
Vater diente
als General
der
braunschweigischen
Truppen in
der
englischen
Armee, und
die Familie
folgte ihm
nach
Amerika, als
er in den
amerikanischen
Befreiungskrieg
zog; ebenso
auch nach
Holland,
wohin der
Vater anno
1788
geschickt
wurde.
Als
Friederike
18 Jahre alt
war, lernte
sie im Haus
ihres Onkels
in Berlin
den
schlesischen
Berghauptmann
Graf
Friedrich
Wilhelm von
Reden
kennen, der
maßgeblich
daran
beteiligt
war, daß das
oberschlesische
Industriegebiet
zum
technologisch
modernsten
in ganz
Europa
gemacht
wurde. Der
Graf war 22
Jahre älter
als
Friederike,
und es
dauerte
lange, bis
sich beide
ihre Gefühle
füreinander
gestanden.
Mehrmals
trafen sie
sich bei
befreundeten
Familien,
und ein
reger
Briefwechsel
entstand,
bis Reden
endlich,
fast 10
Jahre nach
ihrer ersten
Begegnung,
um die Hand
Friederikes
anhielt.
Sie gab ihr
Jawort gern,
und am 9.
August 1802
fand die
Hochzeit in
Trebschen
statt. Die
junge Gräfin
folgte ihrem
Gatten auf
sein Gut
Buchwald im
Hirschberger
Tal, wo das
Paar das
frisch
renovierte
Barockschloß
bezog, das
inmitten
weitläufiger
Parkanlagen
stand.
Friederike
lebte sich
schnell im
Riesengebirge
ein, und nur
ungern zog
sie mit
Reden nach
Berlin, als
er 1804 zum
preußischen
Staatsminister
ernannt
wurde. Seine
politische
Tätigkeit
wurde jedoch
plötzlich
beendet, als
nach der
Niederlage
im Krieg
gegen
Frankreich
alle
preußischen
Minister
entlassen
wurden. Das
Paar zog
sich nach
Buchwald
zurück –
hier konnte
es sich von
der Kränkung
der
Entlassung
erholen und
sich auf das
Gut
konzentrieren,
wenn auch
Friederike
lernen mußte,
viel
sparsamer
als vorher
zu
wirtschaften:
Die
Entlassung
des Grafen
hatte große
finanzielle
Verluste zur
Folge.
Friederike
ging ihren
Aufgaben als
Gutsherrin
gern nach:
Sie
experimentierte
mit der
Einführung
und
Verarbeitung
neuer
landwirtschaftlicher
Produkte,
kümmerte
sich sogar
um die
Wurstherstellung
und die
Verwertung
von Obst und
Gemüse und
half den
Gutsleuten
und ihren
Familien,
wann immer
sie Hilfe
brauchten.
Sie war
glücklich,
wenn ihr
auch eigene
Kinder
versagt
blieben.
Am 3. Juli
1815 starb
der Graf
nach
längerer
Krankheit;
er wurde in
der Kirche
im
Buchwalder
Schloßpark
beigesetzt.
Friederike
glaubte,
seinen Tod
niemals
verwinden zu
können – sie
war mit
ihrem Gatten
sehr
glücklich
gewesen, und
es erschien
ihr, als sei
ihrem Leben
mit seinem
Tod jede
Grundlage
entzogen
worden. Es
blieb ihr,
sein
Andenken zu
bewahren,
sein Werk
fortzuführen:
Kurz vor
seinem Tod
hatte Reden
nach
Berliner
Vorbild die
Buchwalder
Bibelgesellschaft
gegründet,
und deren
Arbeit wurde
jetzt zu
ihrem
wichtigsten
Anliegen.
Der Glaube
wurde zur
Triebkraft
ihres Lebens
– sie führte
tägliche
Abendandachten
auf Buchwald
ein, öffnete
Missionaren
und
Geistlichen
ihr Haus und
wurde
schnell zum
Mittelpunkt
der
schlesischen
Erweckungsbewegung.
Wie früher
war
Friederike
für die
Leute in
ihren
Dörfern da:
Nach
Mißernten
oder
strengen
Wintern,
wenn den
Gebirgsbewohnern
Hunger und
Not drohten,
richtete sie
Suppenküchen
ein, in
denen
kostenlose
Mahlzeiten
ausgegeben
wurden;
zudem gab
sie Mehl,
Kartoffeln
und Brot an
Bedürftige
zu sehr
günstigen
Preisen ab.
Sie
verschenkte
die
Nahrungsmittel
nicht, um
sich nicht
als
Wohltäterin
feiern zu
lassen,
sondern
wollte den
Menschen die
Möglichkeit
geben, sich
auch in
schweren
Zeiten
selbst
ernähren zu
können –
wenn auch
mit ihrer
Unterstützung.
Um
beispielsweise
die armen
Spinnerinnen
in Buchwald
vor
überhöhten
Forderungen
der
Garnverkäufer
zu schützen,
kaufte sie
1820 große
Mengen
Flachs, ließ
ihn gegen
einen
angemessenen
Lohn zu Garn
verspinnen
und
verkaufte
dieses
selbst. Sie
ließ eine
Schule und
ein
Krankenhaus
bauen und
unterstützte
auch etliche
andere
karitative
Projekte.
Zum hohen
Adel in
Preußen und
selbst zum
Königshaus
hatte das
Grafenpaar
seit Jahren
beste
Beziehungen
gepflegt.
Gäste aus
den
allerhöchsten
Kreisen
gingen in
Buchwald ein
und aus, und
auch König
Friedrich
Wilhelm III.
schätze die
Gräfin sehr.
Er bat sie
um ihre
Hilfe bei
einem
Projekt zur
Unterstützung
von
Flüchtlingen,
und sie
sagte gern
zu: 1837
hatten
einige
Bauern aus
Tirol beim
preußischen
König
angefragt,
ob er sie
mit ihren
Familien in
seinem Land
aufnehmen
würde – sie
hatten wegen
ihres
protestantischen
Bekenntnisses
in
Österreich
große
Schwierigkeiten
und hofften,
im
evangelischen
Preußen eine
bessere
Heimat zu
finden. Der
König nahm
sie auf und
wies ihnen
eine Stück
Land in der
Nähe von
Buchwald zu
– Gräfin
Reden
kümmerte
sich als
Vorsitzende
eines eilig
gegründeten
Komitees um
die
Ansiedlung
der 400
Tiroler
Flüchtlinge:
Dazu ließ
sie drei
Dörfer
gründen, das
Land unter
den Bauern
verteilen
und Häuser
im Tiroler
Stil
erbauen; sie
kümmerte
sich um das
geistliche
und
körperliche
Wohl der
Fremden, und
überwand
dabei manche
Schwierigkeiten
souverän –
dankbar
wurde sie
von den
Tirolern
bald nur
noch „die
Mutter“
genannt.
Als der
König 1840
starb, war
Friederike
tief
betroffen –
ein Freund
war von ihr
gegangen.
Aber auch
der neue
König
Friedrich
Wilhelm IV.
hielt große
Stücke auf
sie,
besuchte sie
gern und
vertraute
auf ihren
Rat. So war
es ihre
Idee, eine
Stabkirche
aus dem
norwegischen
Ort Wang,
die das
Interesse
des Königs
erregt hatte
und die er
vor dem
Abbruch
bewahren
wollte, in
Brückenberg
im
Riesengebirge
wieder
aufzubauen.
In der
Umgebung
Berlins
hatte
Friedrich
Wilhelm
keinen
geeigneten
Standort
gefunden,
und für die
Gebirgsbewohner
bei
Brückenberg,
die in
verstreuten
Bauden
lebten, gab
es noch
keine Kirche
– so würde
das
Gotteshaus
nicht nur
romantischen
oder
touristischen
Zwecken
genügen,
sondern auch
wieder seine
ursprüngliche
Funktion
erfüllen.
Mit
Feuereifer
stürzte sich
die Gräfin
in dieses
neue
Projekt,
kümmerte
sich um
jedes Detail
beim Aufbau
der Kirche,
stattete sie
aus, sorgte
dafür, daß
ein
Pfarrhaus
gebaut
wurde,
bestimmte
einen
Geistlichen
und ließ
sogar – wie
in Norwegen
üblich –
einen
separaten
Glockenturm
neben der
Kirche
bauen, für
die der
König zwei
Glocken
stiftete.
Mehrere
Jahre
dauerten die
Arbeiten,
bevor am 28.
Juli 1844
die Kirche
Wang
feierlich
eingeweiht
werden
konnte: Es
war ein
großes Fest,
und der
König kam
selbst ins
Riesengebirge,
um sich die
Kirche
anzusehen
und der
Gräfin zu
danken.
Der
Buchwalder
Bibelgesellschaft,
die das
gedruckte
Wort Gottes
unter denen
verteilte,
die noch
keine Bibel
besaßen,
hatte
Friederike
mittlerweile
seit
Jahrzehnten
vorgestanden.
Jetzt
drängte sie
auf eine
Neuauflage
der „Hirschberger
Bibel“, die
es ihm 18.
Jahrhundert
gegeben
hatte und
die längst
vergriffen
war: Als
Auszug aus
der Heiligen
Schrift, mit
Bildern und
volkstümlichen
Erklärungen
versehen,
hatte sie
sich gerade
für die
Lektüre
durch
einfache
Leute gut
geeignet –
dank der
finanziellen
Unterstützung
des Königs
konnte sie
1844 eine
Auflage von
10.000
Exemplaren
drucken
lassen und
fünf Jahre
später noch
einen
zweiten
Neudruck
veranlassen.
Die 40er
Jahre des
19.
Jahrhunderts
waren in
Schlesien
eine Zeit
der sozialen
Spannungen.
Spinner und
Weber
verarmten
infolge der
billigeren
Arbeit der
Maschinen,
und 1844
brach der
bekannte
Aufstand der
schlesischen
Weber aus,
die ihre
Familien
trotz
unermüdlicher
Arbeit nicht
mehr
ernähren
konnten.
Gräfin Reden
half auch
diesmal mit
Nahrungsmitteln
und
verbesserte,
wo sie nur
konnte, die
Arbeitsbedingungen.
So gelang es
ihr, einen
Übergriff
des
Aufstands
auf das
Hirschberger
Tal
verhindern.
Doch der
Stimmung im
Revolutionsjahr
1848 konnte
auch sie
nichts mehr
entgegen
setzen:
Spinner und
Weber, denen
sie kurz
vorher noch
geholfen
hatte, zogen
plündernd
durch das
Buchwalder
Gebiet. Die
alte Gräfin
mußte
fliehen und
kehrte erst
nach drei
Monaten
wieder
zurück – es
war eine
Folge der
Revolution,
daß sie die
Rechte und
Pflichten
einer
Gutsherrschaft
aufgeben
mußte. Doch
wenn sich
auch die
Zeiten
geändert
hatten,
blieb
Friederike
bei den
Ihren
geachtet und
geehrt.
Sie starb am
14. Mai
1854, zwei
Tage nach
ihrem 80.
Geburstag,
und wurde
neben ihrem
Gatten in
der Kirche
im
Buchwalder
Schloßpark
beigesetzt.
Zwei Jahre
später ließ
ihr König
Friedrich
Wilhelm IV.
an der
Kirche Wang
ein Denkmal
errichten,
das bis
heute an
eine
bedeutende
Frau
Schlesiens
erinnert; an
eine
engagierte
Christin,
die nicht
nur eines
der größten
Denkmalpflegeprojekte
ihrer Zeit
durchgeführt
hat, sondern
auch durch
ihre
tatkräftige
Nächstenliebe
vielen eine
Heimat
geschaffen
hat: Gräfin
Friederike
von Reden,
die Mutter
des
Hirschberger
Tales.
Lit.: Rudolf
Grieger:
Friederike
Gräfin Reden
in Buchwald
als
evangelische
Christin,
in:
Schlesischer
Gottesfreund
40, 4
(1989), S.
57-60. –
Eleonore
Fürstin
Reuß:
Friederike
Gräfin von
Reden, geb.
Freiin
Riedesel zu
Eisenbach.
Ein
Lebensbild
nach Briefen
und
Tagebüchern.
Bd. 1 und 2.
Berlin 1888.
– Heinrich
Schubert:
Gräfin
Friederike
von Reden.
Ein kurzes
Lebensbild,
in: Der
Wanderer im
Riesengebirge.
Januarheft
1913, S.
6-10 und S.
20-24. –
Anna
Valeton:
Friederike
Gräfin von
Reden, in:
Friedrich
Andreae u.a.
(Hrsg.):
Schlesische
Lebensbilder.
Zweiter Bd.
Schlesier
des 18. und
19.
Jahrhunderts.
Sigmaringen
2. Aufl.
1985, S.
156-160. –
Eva-Susanna
Wodarz: Ich
will wirken
in dieser
Zeit.
Bedeutende
Frauen aus
den
historischen
deutschen
Ostgebieten.
52
Kurzbiographien.
Bonn 2000.
Bild:
Denkmal bei
der Kirche
Wang
Eva
Wodarz-Eichner