Johanne
Juliane
Friederike
Freiin
Riedesel von
Eisenbach,
so der
Mädchenname
der Gräfin
Reden,
verlebte
eine
abenteuerliche
Jugend: als
Zweijährige
reiste sie
mit ihrer
Mutter
und zwei
Schwestern
über England
nach
Amerika, um
in Quebeck
mit ihrem
Vater, dem
als
Befehlshaber
der
braunschweigischen
Truppen in
der
englischen
Armee nach
Amerika
abgeordnete
General,
zusammenzutreffen,
geriet mit
den
englischen
Truppen in
amerikanische
Gefangenschaft
in Boston
und New
York,
gelangte
nach Kanada
und kam erst
1783 als
Neunjährige
wieder in
Wolfenbüttel
an. Ab 1788
lebte die
Familie in
Braunschweig,
dann in
Maastricht,
verbrachte
aber jeweils
mehrere
Monate auf
dem
Stammsitz in
Lauterbach
in Hessen,
auf den
thüringischen
Besitzungen
und nach der
Heirat ihrer
ältesten
Schwester
mit dem
Fürsten Reuß
in Berlin.
1795 kehrte
die Familie
nach
Braunschweig
zurück.
Friederike
war
inzwischen
21 Jahre
alt, sprach
fließend
französisch
und
englisch,
war es
gewohnt, in
den besten
Hofkreisen
zu
verkehren,
galt als
sehr hübsch,
hatte
beachtliche
Kenntnisse
in der
Botanik
erworben und
stellte
Herbarien
zusammen,
die selbst
von
Alexander
von Humboldt
geschätzt
wurden, und
kannte alle
Fertigkeiten,
um ein
großes Haus
zu führen.
Nach dem
plötzlichen
Tod des
Vaters zog
die Familie
im Jahr 1800
nach Berlin.
Über ihre
Schwester
erhielt
Friederike
sehr intimen
Zugang zur
preußischen
Königsfamilie.
Am 9. August
1802 schloß
sie mit dem
22 Jahre
älteren
Grafen
Friedrich
Wilhelm von
Reden –
Ober-Berghauptmann
und ab 1804
Wirklicher
Geheimer
Staats-Minister
in Preußen –
die Ehe. Im
September
1802 hielt
das Paar
Einzug in
Redens
Herrensitz
Buchwald im
Hirschberger
Tal.
Friederike
bereiste mit
ihrem Mann
Oberschlesien,
besichtigte
die neuen
Hütten,
kümmerte
sich um das
Wohl der
Arbeiter und
schuf einen
repräsentativen
Rahmen und
die
häusliche
Wärme für
den Gatten.
Nach dessen
Ernennung
zum Minister
trafen sich
fortan
regelmäßig
führende
Vertreter
des
politischen
und des
wissenschaftlichen
Preußen in
ihren
Häusern in
Berlin oder
in Buchwald.
Sie kümmerte
sich um
soziale
Einrichtungen.
Während der
französischen
Besatzung
organisierte
sie mit
höchstem
persönlichem
Einsatz
humanitäre
Hilfe. So
wurden im
März 1807
täglich 6000
Personen
gespeist.
Bei dem
Grafen
zeigte sich
immer
deutlicher
ein
Lungenleiden,
dem er 1815
erlag. Knapp
einen Monat
vor seinem
Tod gründete
er im Schloß
Buchwald die
Buchwalder
Bibelgesellschaft
und machte
seine Frau
zur
Präsidentin
auf
Lebenszeit.
Damit hatte
Graf von
Reden seiner
geliebten
Frau ein
Feld
eröffnet,
auf dem sich
ihr soziales
Engagement
entfalten
konnte.
Gräfin von
Reden
begann, ein
Kinderhilfswerk
im
Hirschberger
Tal
aufzubauen
und gründete
das
“Rettungshaus”
in
Schreiberhau.
Ihre
botanischen
Kenntnisse
nutzte sie,
um
Kräuterapotheken
einzurichten.
Sie bemühte
sich um
besseres
Saatgut.
Daher
erhielt sie
1822 ein
Diplom als
Ehrenmitglied
des Vereins
zur
Beförderung
der
Gartenkultur
im
preußischen
Staat. Sie
kümmerte
sich um die
Flachsernte,
errichtete
Garndepots
und sorgte
für
den
Absatz des
schlesischen
Leinens. Man
darf wohl
davon ausgehen,
daß ihr
Wirken ein
Übergreifen
des
Aufstands
der
schlesischen
Weber 1844
auf den
Hirschberger
Raum
abwendete.
Soziales
Engagement
auf der
Basis des
christlichen
Glaubens
konnte
Gräfin von
Reden auch
bei der
Ansiedlung
der
Zillertaler
im
Hirschberger
Tal
verwirklichen.
Hier wirkte
sie als
Freundin des
preußischen
Königs
Friedrich
Wilhelm
III., dem
die
betreffende
Kommission
immediat
unterstellt
war, und vor
Ort hatte
das “Comité
für die
Zillertaler
Inclinanten”
zu
entscheiden,
deren
Präsidentin
die Gräfin
war. Ihr ist
es letztlich
zu
verdanken,
daß die 60
Zillertaler
Familien,
insgesamt
422
Personen,
die ihres
protestantischen
Glaubens
wegen in
Preußen
Zuflucht
suchten, im
Hirschberger
Tal binnen
Jahresfrist
eine Schule,
eine Kirche
und 60
Häuser, die
aus Holz in
ihrem
traditionellen
alpenländischen
Stil erbaut
wurden,
erhielten.
Die
Zillertaler
gaben der
Gräfin
liebevoll
den
Ehrentitel
“Mutter des
Hirschberger
Tals”.
Die nächste
große Tat
der Gräfin
galt der
Kirche in
Vang,
Norwegen.
1841
ersteigerte
der
Kunstprofessor
Johann
Christian
Dahl die
Kirche zum
Holzpreis
für die
preußische
Krone.
Zuverlässig
dokumentiert
und verpackt
erreichte
sie Ende
1841 das
Berliner
Museum. Der
folgende Akt
der Rettung
der alten
norwegischen
Kirche lag
nun in
Händen der
Gräfin. Mit
der
charakteristischen
Mischung aus
künstlerischer
Sensibilität
und
praktischer
Veranlagung
suchte sie
das 885
Meter hoch
gelegene
Brückenberg
am Fuße der
Schneekoppe
als Platz
für die
Kirche aus.
Sie regelte
die
Grundstücksfrage
und
zeichnete
verantwortlich
für die
Aufstellung,
Restaurierung
und
Ausstattung
der Kirche
und die
Schaffung
des Umfelds
mit
Pfarrhaus
und Schule.
Das, was in
Brückenberg
entstand,
war weit
mehr als die
Translokation
eines
Kunstdenkmals,
es wurde zu
einem höchst
aussagekräftigen
Objekt der
Denkmalpflege
des 19.
Jahrhunderts,
erwachsen
aus der
Sorge um die
protestantischen
Schlesier im
Riesengebirge.
König
Friedrich
Wilhelm IV.
betrachtete
die Gräfin
als
“Ober-Bauherrn”,
befragte ihn
zu allem,
der
Dachneigung,
zum
Charakter
der
Gemeindebauten,
zur
Farbigkeit,
zur
Beleuchtung.
Sie bat ihn
um einen
Entwurf des
Glockenturms,
den er auch
lieferte,
jedoch von
seinem
Oberbaurat
Stüler
überprüfen
ließ. Eine
Apsis wurde
rekonstruiert,
die
Beleuchtung
des
Kirchenschiffs
durch das
Einstellen
von Reihen
eng gefügter
Bogenfenster
verbessert,
die
Anordnung
der Portale
verändert.
Verwitterte
Außenportale
wurden ins
Innere
verlegt, um
die alten
Schnitzereien
zu erhalten.
Beibehalten
wurden die
Maße von
Schiff und
Umgängen,
die Höhe der
Kirche und
der
Dachreiter.
Die gesamte
Innenausstattung
wurde neu
gestaltet.
Aus dem
Kunstdenkmal
machte
Gräfin von
Reden ein
funktionierendes
Ensemble,
das schon
bald zu den
wichtigsten
Sehenswürdigkeiten
des
Riesengebirges
zählte und
die
Touristen
aus aller
Welt
anlockte und
noch heute
anlockt. Der
preußische
König, der
die Weihe
der Kirche
1844
persönlich
vornahm, hat
es ihr
gedankt mit
einem
Denkmal auf
dem Platz
vor der
Kirche, das
zwei Jahre
nach ihrem
Tod
errichtet
wurde. In
der von ihm
persönlich
verfaßten
Inschrift
heißt es:
... EINE
TREUE UND
DEMÜTIGE
JÜNGERIN
GOTTES ...
TREU IM
KLEINSTEN,
KLAR UND
BEHARRLICH
IM
SCHWIERIGSTEN,
IMMER SICH
GLEICH VOR
HOHEN WIE
VOR
NIEDEREN,
EINE MUTTER
DER ARMEN,
EINE
ZUFLUCHT
ALLEN FÜR
RATH UND
HÜLFE WAR
SIE EINE
STÜTZE DES
RETTUNGSHAUSES
ZU
SCHREIBERHAU,
EINE
PFLEGERIN
DER
ANSIEDLUNG
DER UM DES
EVANGELISCHEN
WILLEN
AUSGEWANDERTEN
ZILLERTALER,
... DIE
HIRSCHBERGER
BIBEL ENTZOG
SIE ARGEM
VERGESSEN ZU
NEUER
VERBREITUNG,
DIE URALTE
KIRCHE VON
WANG IN
NORWEGEN VOM
UNTERGANG
GERETTET,
WURDE AUF
IHREN RAT
HIER NEU
AUFGERICHTET
DIE
PFARRKIRCHE
DER
BERGBEWOHNER
... KÖNIG
FRIEDRICH
WILHELM IIII.
SEIT BEGINN
DES
JAHRHUNDERTS
MIT DER
FREUNDSCHAFT
DER
UNVERGESSLICHEN
BEEHRT;
SETZTE IHR
DIESES
DENKMAL IN
UNVERGESSLICHER
LIEBE;
ANERKENNUNG
UND
DANKBARKEIT
IM JAHRE
1856.
Lit.:
Eleonore
Fürstin Reuß:
Friederike
Gräfin
Reden, Ein
Lebensbild,
Berlin 1897.
– Th.
Eisenmänger:
Graf
Friedrich
Wilhelm
Reden, in:
Bunte Bilder
aus dem
Schlesierlande,
Frankfurt
1898, S.
205-212. –
R. Kölbing:
Buchwald,
Fischbach
und
Erdmannsdorf,
in: Bunte
Bilder aus
dem
Schlesierlande,
Frankfurt
1898, S.
213-219. –
G. Wende:
Die
Einwanderung
der
Zillertaler,
in: Bunde
Bilder aus
dem
Schlesierlande,
Frankfurt
1898, S.
220-224. –
E. Gebhard:
Gräfin F.
Reden
– die
Wohltäterin
des
Riesengebirges,
Diesdorf
1906. – Anna
Vateton:
Friederike
Gräfin von
Reden, in:
Schlesische
Lebensbilder,
Bd. 2,
Breslau
1926,
Neudruck,
Sigmaringen
1985, S.
156-160. –
Günther
Grundmann:
Schloß
Buchwald und
seine
Besitzer
Graf und
Gräfin von
Reden, in:
Kunstwanderungen
im
Riesengebirge,
München
1969, S.
159-182. –
Günther
Grundmann:
Die Briefe
der Gräfin
Reden
während der
Aufrichtung
der
Bergkirche
unseres
Erlösers zu
Wang, in:
Kunstwanderungen
im
Riesengebirge,
München
1969, S.
183-200. –
Günther
Grundmann:
Buchwald,
der
Alterssitz
des Grafen
und der
Gräfin
Reden, in:
Stätten der
Erinnerung,
München
1975, S.
205-208.
Bild:
Friederike
Gräfin von
Reden,
Ölgemälde,
ehem.
Riesengebirgsmuseum
Hirschberg.
Idis B.
Hartmann