In
der
lutherischen
Kirche
Siebenbürgens
setzt die
kirchliche
Matrikelführung
erst im
Laufe des
17.
Jahrhunderts
voll ein.
Wer daher in
der
heimischen
Gelehrtenwelt
früher das
Licht der
Welt
erblickt
hatte, war
seinen
späteren
Biographen
gegenüber
in einem
erheblichen
Nachteil,
denn
genauere
Daten über
Geburt,
Eheschließung,
eventuelle
Nachkommenschaft
und Tod des
Betreffenden
konnten nur
im Wege
umständlicher
Ermittlungen
erhoben
werden.
Meist
blieben die
zu
gewinnenden
Daten
unvollständig.
Im konkreten
Fall des
humanistischen
Kartographen
Georg Reicherstorffer
konnte etwa
Folgendes
ermittelt
werden:
Reicherstorffer
ist um das
Jahr 1495 in
Hermannstadt
als Sohn des
Kapitelsdieners
Andreas
Reicherstorffer
und einer
gewissen
Veronica
geboren und
hat mehrere
Geschwister
gehabt. Der
Vater dürfte
frühzeitig
gestorben
sein. Von
der Mutter,
die in
Hermannstadt
ein
bescheidenes
Anwesen
besaß, gibt
es aus dem
Jahr 1543
ein letztes
Lebenszeichen.
Insgesamt
vermitteln
die
kärglichen
Nachrichten
das Bild
eines
kleinbürgerlichen
Daseins.
Immerhin muß
der Sohn
Georg eine
gründliche
humanistische
Ausbildung
genossen
haben. Wo er
studiert
hat, läßt
sich nur in
einem Punkte
zweifelsfrei
ermitteln.
Wir wissen,
daß er am
25. Oktober
1510 an der
Universität
Wien
immatrikuliert
wurde. Für
Padua als
Studienort
gibt es nur
einen leider
unsicheren
Hinweis.
Spätestens
im Jahr 1522 muß er aber
sein Studium
abgeschlossen
haben. Denn
im selben
Jahr ist er
in
Hermannstadt
als Notar
bezeugt und
zeichnet als
"Sacra
apostolica
et
imperiali
autoritatibus
notarius
publicus et
tabellio
juratus". Er
legte das
Ratsprotokoll
selber an
und trug
darin
vollmächtig
testamentarische
Verfügungen
ein.
Um das Jahr
1525 finden
wir
Reicherstorffer
überraschenderweise
im Dienst
von Königin
Maria,
Gemahlin des
unglücklichen
Ungarnkönigs
Ludwig II.
und
Schwester
des
habsburgischen
Erzherzogs
Ferdinand,
der nach der
Katastrophe
von Mohatsch
(1526)
vertragsgemäß
zum König
von Ungarn
aufrücken
sollte.
Auffallend
ist, in
welch engen
Beziehungen Reicherstorffer
zu König
Ferdinand
gestanden
ist, die nur
auf dem
Grund
absoluten
gegenseitigen
Vertrauens
so lange
bestehen
konnten. War
schon die
Berufung Reicherstorffers
in den
Dienst der
Königin nach
Ofen im
Jahre 1525,
zweifellos
auf
Empfehlung
Ferdinands
hin erfolgt,
ein Zeichen
dafür, so
wird dies
bei den
Bündnisverhandlungen
Ferdinands
mit dem
Moldaufürsten Petru
Rareş
umso
deutlicher.
Schon bei
der
Zusammenkunft
Ferdinands
mit einem
Delegierten
des Moldauerfürsten,
die in
Breslau
stattfand,
sollte es
sich
erweisen,
daß
Rareş
den Wünschen
Ferdinands
durchaus
nicht ganz
ablehnend
gegenüberstand.
Es wurde
daher ein
neuerliches
Treffen
vereinbart,
bei dem
Ferdinand
durch einen
beglaubigten
Vertrauensmann
vertreten
sein sollte.
Als solchen
bestimmte
Ferdinand
keinen
andern als Reicherstorffer,
den er -
vielleicht
um ihm zu
den
wichtigen
Verhandlungen
den Rücken
zu stärken
- mit Dekret
vom 2. Juni
1527 zu
seinem
Kabinettssekretär
ernannte. Am
27. Juni
desselben
Jahres trat Reicherstorffer
dann seine
erste
Gesandtschaftsreise
in die
Moldau an.
Von Wien, wo
er sich
gerade
aufhielt,
nahm er den
Weg über
Preßburg,
Olmütz,
Krakau und
Lemberg in
die Moldau,
traf aber
mit dem
Landesfürsten
erst in
Bacåu,
der
Hauptstadt
des
Fürstentums,
zusammen
und hatte so
Gelegenheit,
fast die
ganze Moldau
in
nord-südlicher
Richtung kennenzulernen.
Die
Verhandlungen
haben
offenbar zu
einem guten Abschluß
geführt, was
entsprechend
anerkannt
wurde. Denn
am 15.
Dezember
1527 wurde
Reicherstorffer
zum Rat bei
der
ungarischen
Hofkammer in Preßburg
ernannt und
noch im
selben Jahr
mit dem
Prädium "Bgarth"
belehnt, in
welchem
Reicherstorffers
früher
Biograph,
Johann Karl
Schuller,
die
rumänische
Ortschaft Bungard/
Baumgarten
bei
Hermannstadt
zu erkennen
vermeint.
Als Krönung
seiner
bisherigen
Tätigkeit im
Dienst König
Ferdinands
mag Reicherstorffer
es empfunden
haben, als
er am 12.
Juli 1532
von Kaiser
Karl V.
zusammen mit
seinem
Bruder
Nicasius in
den
erblichen
Adelsstand
erhoben
wurde. Zwei
Jahre danach
wurde er
erneut für
eine
diplomatische
Mission in
Aussicht
genommen.
Der
Instruktion
vom 8.
Dezember
1532 zufolge
sollte er
wiederum mit Petru ein
Abkommen
schließen,
diesmal in
der
fürstlichen
Residenz Jassy.
Ferdinand
scheint
daran
besonders
interessiert
gewesen
sein. Man
kann sich
vorstellen,
wie sich Reicherstorffer
bemüht
haben wird,
diesen
Auftrag
zugesprochen
zu erhalten.
Denn dann
bot sich ihm
die
Gelegenheit,
den
fürstlichen
Hof aus
eigener
Anschauung kennenzulernen,
was er 1527
vermutlich
verpaßt
hatte. Es
ist ihm
tatsächlich
gelungen.
Mit dem
Bündnisvertrag
vom 4. April
1535
zwischen
König
Ferdinand
und Petru
in
der Tasche
konnte
Reicherstorffer
auch diesmal
erfolggekrönt
die
Heimreise
antreten.
Von
Siebenbürgen
mußte sich
Reicherstorffer
seit dem
Ende der
zwanziger
Jahre
allerdings
fernhalten.
Dort hatte
sein
latenter
Gegensatz
zum
Sachsengrafen
Markus
Pemfflinger
dahin
geführt, daß
er sich mit
Hilfe
Kronstadts
(Lukas
Hirscher)
eine
Truppenmannschaft
zulegte, mit
der er und
sein schon
genannter
Bruder ihre
Gegner im
Schach
halten
konnten.
Dabei sind
drei im
politischen
Leben
hervorgetretene
Persönlichkeiten
unter
Umständen
ermordet
worden, die
bis heute
ungeklärt
geblieben
sind, aber
auf das Bild
Reicherstorffers
einen
Schatten
geworfen
haben.
Wie aus
seiner
merkwürdigerweise
im
bayrischen
Kloster
Ettal
erhalten
gebliebenen
Korrespondenz
hervorgeht,
hat
Reicherstorffer
sich in der
Zwischenzeit
viel in Wien
und
Preßburg
aufgehalten
und an
seiner
Chorographia
Moldaviae
gearbeitet,
die im Jahr
1541 bei
Johannes
Singrenius
in Wien
gedruckt
wurde. Sie
ist das
kartographe
Meisterwerk
Reicherstorffers,
viel
nachgedruckt
und sogar
ins
Rumänische
übersetzt
worden.
Im Jahre
1543 ist
Reicherstorffer
vom Graner
Erzbischof
als
Statthalter
von Ungarn
aus seinem
Dienst bei
der
ungarischen
Hofkammer in
Preßburg mit
einer
Pension von
nur 150
Gulden
jährlich
kurzerhand
entlassen
worden.
Reicherstorffer
hat sich
darauf in
einem
erschütternden
Schreiben
bei König
Ferdinand
bitter
beschwert
und auf die
schweren
materiellen
Verluste
hingewiesen,
die er in
seinen
Diensten
erlitten
habe.
Genützt hat
es ihm
nichts. Er
hat sich zu
seiner
Tochter auf
deren Gut
im
mährischen
Proßnitz
zurückgezogen,
wo er, wie
sein
Schweizer
Schwiegersohn
schreibt, an
podagrischen
Erscheinungen
erkrankt und
verarmt,
seine
letzten
Lebensjahre
verbracht
hat. Die
letzte von
ihm
überlieferte
Nachricht
stammt vom
17. Juni
1554. So
konnte er
das
Erscheinen
seiner
Chorographia
Transylvaniae
noch
erleben, die
im Jahre
1550 wieder
in Wien,
aber diesmal
bei Aegidius
Aquila im
Druck
herausgebracht
wurde, als
Zeugnis
unermüdlichen
humanistischen
Schaffens
des
Verfassers.
Werke:
Moldaviae,
quae olim
Daciae pars
Chorographia.
Excusum
Viennae per
Joannem
Singrenium
MDXLI.
Chorographia
Transylvaniae,
quae Dacia
olim
appellata
aliarumque
provinciarum
et regionum
succincta
descriptio
et
explicatio...
Viennae
excudebat
Aegidius
Aquila Anno
MDL.
Lit.:
Johann Karl
Schuller:
Georg
Reicherstorffer
und seine
Zeit. In:
Archiv für
Kunde
österreichischer
Geschichtsquellen
XXI, 1859,
S. 3-69. -
Friedrich
Teutsch:
Drei
sächsische
Geographen
des
sechzehnten
Jahrhunderts.
In: Archiv
des Vereins
für
Siebenbürgische
Landeskunde
15, 1880, S.
562-652.
Bernhard
Capesius:
Der
Hermannstädter
Humanist
Georg
Reicherstorffer.
In:
Forschungen
zur Volks-
und
Landeskunde,
1967, S.
35-62.
Gustav
Gündisch