Ludwig
Reiners
wurde als
Sohn eines
Zigarrenfabrikanten
geboren. Er
besuchte das
Gymnasium in
seiner
Heimatstadt
und legte
1914 das
Abitur ab.
Nach der
Teilnahme am
Ersten
Weltkrieg
studierte er
in Breslau
und München
und erwarb
1920 in
Würzburg mit
einer Arbeit
über die
wirtschaftlichen
Maßnahmen
der Münchner
Räterepublik
den
juristischen
und
volkswirtschaftlichen
Doktorgrad.
Er wurde
Kaufmann und
wirkte
zuletzt als
Verkaufsdirektor
in einer
Münchner
Garnfabrik.
Er starb im
Alter von 61
Jahren nach
kurzer
schwerer
Krankheit.
Seine
schriftstellerische
Tätigkeit
begann
Reiners mit
einem
zweibändigen
Werk über
Die
wirkliche
Wirtschaft
(München
1931 und
1933), einer
populären
Nationalökonomie
in
Dialogform,
1956
weitergeführt
durch die
Buchausgabe
der
Briefe eines
Unternehmers
an seinen
Sohn
unter dem
Titel Die
Sache mit
der
Wirtschaft.
Mit dem
"Brevier"
Fontane oder
Die Kunst zu
leben
(Leipzig
1939) wandte
sich Reiners
der
Literatur
zu. 1948
schrieb er
eine
Sorgenfibel
oder Über
die Kunst,
durch
Einsicht und
Übung seiner
Sorgen
Meister zu
werden
(1992: 112.
Tausend).
Ihr folgten
1950 eine
Fibel für
Liebende
und 1953
sein "Hand-
und
Wörterbuch
der
Sekretärin",
Fräulein,
bitte zum
Diktat,
die beide in
der
Taschenbuchreihe
des
List-Verlages
erschienen,
ebenso sein
Zitatenlexikon
Wer hat
das nur
gesagt?
(1956). 1955
gab er die
umfangreiche
Lyrik-Anthologie
Der ewige
Brunnen. Ein
Volksbuch
deutscher
Dichtung
heraus. In
ihr stellte
er Gedichte
in 25
Themenkreisen
zusammen.
Diese
Sammlung
hat,
versehen mit
Illustrationen
von Andreas
Brylka, 1992
eine
verdiente
Neuauflage
erfahren und
heute (1995)
eine
Gesamtauflage
von 526.000
Exemplaren
erreicht.
Eine große
Leserschaft
fand Reiners
auch mit
seinen
lebendig
geschriebenen
historischen
Darstellungen.
Am Anfang
stand sein
Roman der
Staatskunst
(München
1951), in
dem er eine
fesselnde
Charakterisierung
des
englischen
Oberhauses
und der
englischen
Staatskunst
gab. Es
folgte eine
Biographie
Friedrich
des Großen
(München
1952). 1954
erschien das
Werk In
Europa gehen
die Lichter
aus, in
dem er den
Untergang
der
europäischen
Lebenswelt
vor dem
Ersten
Weltkrieg
schildert.
Sein
letztes,
nicht
vollendetes
Werk ist
eine
Biographie
Bismarcks,
von dem er
die ersten
zwei Bände
Bismarcks
Aufstieg.
1815-1864
und
Bismarck
gründet das
Reich.
1861-1871
noch
fertigstellen
konnte.
Reiners sah
es als seine
Aufgabe an,
das "völlig
verkrustete"
Bismarckbild
neu zu
zeichnen.
Ihm war es
daher in
erster Linie
darum zu
tun, Leben
und Leistung
des
Staatsmannes
in einer
packenden
Darstellung
neu
herauszuarbeiten.
Obwohl die
Zeitschrift
Gegenwart
1958 in
ihrer Kritik
schrieb, daß
die
Wertungen
mit Vorsicht
zu lesen
seien,
zählte sie
diese
Biographie
doch zu den
interessantesten
Darstellungen
des
Staatsmannes
und sah in
ihr ein
wichtiges,
ja
notwendiges
Gegenstück
zu der von
Kritik allzu
überwucherten
Biographie
Erich Eycks
(Bismarck,
Leben und
Werk, 2
Bde., Zürich
1941 und
1944). Der
Historiker
H. Diwald
charakterisierte
sie 25 Jahre
später als
"reserviert
ausgeglichen,
weder
polemisierend
noch
beckmessernd,
urban in
Verarbeitung
und
Beurteilung";
Reiners sei
bemüht
gewesen,
"Bismarck
dem Leser
psychologisch
nahezubringen".
Mit
besonderem
Engagement
wandte sich
Reiners der
Pflege der
deutschen
Sprache zu.
Er stellte
mit Bedauern
fest, daß
eine gewisse
Mißachtung
des Lesers
durch die
Autoren dazu
geführt
habe, daß
die Kunst
der Prosa in
Deutschland
nur selten
den Rang der
Poesie
erreicht
habe. In
dieser
Beziehung
suchte
Reiners zu
helfen, und
aufgrund
vielfältiger
Untersuchungen
und einer
umfassenden
Belesenheit
verfaßte er
seine
Deutsche
Stilkunst,
ein
umfangreiches,
aber nie
lehrhaftes,
sondern
humorvolles
"Lehrbuch
deutscher
Prosa", das
1944
erschien.
Eugen Roth
schrieb
darüber:
"Der
Verfasser
gibt jedem
Leser das
Seine; dem
Anfänger
eine erste
staunende
Ahnung, was
Deutsch ist
und sein
kann, dem
Fortgeschrittenen
den
sicheren, an
Beispielen
zu
lebendigster
Anschauung
genährten
Blick, dem
Meisterschüler
aber eine
Fülle von
Köstlichkeiten.
Der Reichtum
an Wissen
ist so
überraschend
wie der
überlegene
Witz seines
Vortrages."
Mit
zahlreichen
Beispielen
geht Reiners
den
Stilkrankheiten,
dem
Formeldeutsch,
Schachtelsätzen,
dem
Papierstil
und anderen
Stilmängeln
zu Leibe und
ruft in
lebendiger
Darstellung
die Großen
unserer
Literatur
als Zeugen
für eine
vollendete
Form der
Prosa auf.
1951
erschien als
Ergänzung
eine kleine
Stilfibel
Der sichere
Weg zum
guten
Deutsch
(1993: 26.
Auflage mit
insgesamt
199.000
Exemplaren)
und 1955 die
thematisch
verwandte
Einführung
in die
Kunst der
Rede und des
Gesprächs.
Einigen der
Werke
Reiners' ist
ein bis
heute
anhaltender
Erfolg
beschieden:
Sie wurden
im
Buchhandel
zu
"Longsellern".
Ludwig
Reiners
gehört damit
über seinen
Tod hinaus
zu den
erfolgreichsten
deutschen
Autoren auf
dem Gebiete
des
Sachbuchs.
Lit.:
Internationales
Biographisches
Archiv
(Munzinger-Archiv),
Lieferung
32, 1961. -
Walter Killy
(Hrsg.):
Literaturlexikon,
Bd. 9,
München,
Gütersloh
1991.
- Reinhard
M. G.
Nickisch:
Das gute
Deutsch des
Ludwig
Reiners, in:
Der
Deutschunterricht
1972, S.
323-341.
-
Willy
Sanders: Die
Faszination
schwarzweißer
Unkompliziertheit,
in:
Wirkendes
Wort 38
(1988), S.
376-394.
Harro
Kieser