Dichtung und
Journalistik
haben Robert
Reiter durch
sein langes
Leben
geleitet.
Der Banaler
Deutsche war
in zwei der
drei
Sprachen des
westlichen
Rumänien
heimisch: Er
hat in
ungarischer
und in
deutscher
Sprache
gelebt und
gedichtet.
Das
Rumänische
beherrschte
er, hat aber
keine
literarischen
Versuche in
der
Staatssprache
vorgelegt.
Seine
Anfänge
standen im
Zeichen der
gesamteuropäischen
Umwertung
aller Werte.
Soziale
Ansprüche
erheben die
frühen
deutschen
Verse
Reiters, die
bald
einsetzenden
Gedichte in
ungarischer
Sprache sind
Wegbereiter
der
ungarischen
Avantgarde
in Budapest
und Wien
gewesen. Mit
Gedichten
und mit
Essays, die
in Berlin
nachgedruckt
wurden, z.B.
in Herwarth
Waldens
„Sturm“, hat
Robert
Reiter auch
in den
deutschen
Sprachraum
hineingewirkt.
Kennzeichnend
für ihn sind
eine
langjährige
Kontinuität,
die sich
etwa im
Festhalten
an
traditionellen
sozialdemokratischen
Denkhaltungen
bemerkbar
macht,
ebenso aber
auch die
spontan
versuchten
Neueinsätze,
die scharfe
Trennlinien
zwischen
früher und
später
aufwerfen.
Bis 1925
schreibt
Reiter – er
ist ein
prominentes
Mitglied der
angesehenen
Zeitschrift
„Ma“ –, fast
ausschließlich
ungarisch.
Danach wird
er Redakteur
bei einer
Temeswarer
deutschen
Zeitung und
gibt die
Versuche in
ungarischer
Sprache auf.
Nach 1946 –
Reiter war
wie viele
Banater und
Siebenbürger
Deutsche zur
Zwangsarbeit
in die
Sowjetunion
deportiert
worden –
legt sich
der Autor
einen neuen
Künstlernamen
zu, der ihm
in seinem
zweiten
Lebensabschnitt
neue
Offenheit
garantieren
soll. Als
Franz
Liebhard
wird er im
Ostblockland
Rumänien
bekannt. Das
gilt sowohl
für
offizielle
Kreise, die
an den
Thesen-Gedichten
interessiert
sind, als
auch für die
Banater
Landsleute,
denen –
ebenso wie
früher – vor
allem der
engagierte
Lokalhistoriker
wichtig war
und blieb.
Robert
Reiter wurde
am 6.6.1899
in Temeswar
geboren. Er
war der Sohn
einer
Wäscherin
und eines
Schusters
und hatte es
nie leicht.
Die Schulen
in der
Banater
Hauptstadt
durften am
Jahrhundertanfang
ausschließlich
in
ungarischer
Sprache
Unterricht
erteilen.
1917 besteht
Reiter sein
Abitur in
der
Staatlichen
Oberrealschule.
Ein Jahr
zuvor hatte
er eine
Schülerzeitung
(„Holnap“ –
Morgen)
herausgegeben,
die wegen
eines
Friedensappells
untersagt
wurde. Im
Arbeiterkalender
debütierte
Reiter als
Schriftsteller.
Von
1917-1919
und von
1922-1924
war er
Student der
Philologie
in Budapest
und in Wien,
ohne einen
Studienabschluß
zu
erreichen.
Seit 1925
war Robert
Reiter
Redakteur
der „Banater
Deutschen
Zeitung“.
Durch seine
kulturgeschichtlichen
Aufsätze
wird er zu
einem der
bekanntesten
deutschen
Journalisten
im Banat.
Seine
ungarischen
Gedichte,
bis 1925
geschrieben
und in der
Zeitschrift
„Ma“
veröffentlicht,
scheint der
Autor selbst
vergessen zu
haben (sie
wurden 1973
ins Deutsche
übertragen).
Übersetzungen
aus dem
Ungarischen
und aus dem
Rumänischen
erscheinen
in vielen
Periodica.
Am
bekanntesten
blieb die
Übertragung
des
lyrischen
Poems „Das
Lämmchen“,
das 1926 in
der „Prager
Presse“
erschien.
1940 ist die
erste
Buchpublikation
Reiters eine
Künstlermonographie
(„Franz
Ferch, ein
Banater
Maler“).
Obwohl er an
den
nationalsozialistischen
Bestrebungen
keinen
Anteil
gehabt
hatte, wurde
Reiter 1945
in die
Sowjetunion
deportiert.
Die dort
entstandenen
Kurzgedichte
sind bis
heute
unveröffentlicht
geblieben.
Nach der
Rückkehr ins
Banat, wo er
weiterhin im
Stadtteil
„Fabrik“
wohnt, wurde
aus Robert
Reiter Franz
Liebhard. Er
prägt
entscheidend
die ersten
Versuche des
neugegründeten
Schriftstellerverbandes
in Temeswar
und der
Zeitschrift
„Banater
Schrifttum“.
In der
Tageszeitung
„Neuer Weg“
läßt Reiter
seine
Entdeckungen
mit Bezug
auf Kunst
und
Literatur im
Banat
erscheinen.
Die
Lenau-Forschung
verdankt ihm
ebenso
einiges wie
die
Erforschung
der
Geschichte
der
deutschen
Presse in
Südosteuropa.
Zur
Stadtgeschichte
von Temeswar,
das 1716 von
den Truppen
Eugen von
Savoyens
erobert
worden war,
das dann bis
um 1930 eine
vorwiegend
deutsche
Stadt blieb,
hat Franz
Liebhard
sehr viele
Beiträge
erbracht.
In seinen
Gedichten
hat Liebhard
vor allem
die Euphorie
der neuen
gesellschaftlichen
Beziehungen
dargestellt
und die
Sozialgeschichte
des Banats
vom 19.
Jahrhundert
bis nach
1950
illustriert.
Dafür
erhielt er
zahlreiche
Auszeichnungen
und
Literaturpreise,
zuletzt
1977.
Für das
Deutsche
Staatstheater
war
Reiter-Liebhard
von 1953 bis
1968
Dramaturg.
Das
Repertoire
dieser Jahre
wurde von
dem
Dramaturgen
entscheidend
beeinflußt.
Wiener
Klassik,
rumäniendeutsche
Versuche
kommen am
häufigsten
auf die
Bühne. Aber
auch die
Schiller-,
Brecht-,
Hacks-Aufführungen
sind
bemerkenswert,
was
anläßlich
der Tourneen
durch die
DDR
bestätigt
wird. Die
Vielfalt der
Lokalgeschichte
hat den
Autor zu
immer neuen
Ansätzen
gereizt.
Eine
systematische
Anordnung,
eine
abschließende
Einheit
seiner
Erkundungen
hat Reiter
nicht
angestrebt.
Geschichte
erschien ihm
als etwas
ewig
Bewegtes,
Unabgeschlossenes
und
Unabschließbares.
Seine
Sammlungen
von
Einzelfakten
und
Einmaligkeiten
sind auch
heute noch
bedeutsam.
Werke:
Franz Ferch,
ein Banater
Maler, 1940.
–
Schwäbische
Chronik, G.,
1952. – Der
Türkenschatz,
Erz., 1958.
– Glück
auf!, G.,
1959. – Die
schönsten
Gedichte,
1964. –
Menschen und
Zeiten,
1970. –
Banater
Mosaik, Ess.,
1976. –
Temeswarer
Abendgespräch,
Ess., 1978.
Lit.:
Nikolaus
Berwanger,
Franz
Liebhard.
Ein
Schriftstellerleben,
Temeswar,
1979, 228 S.
– Marian
Popa,
Dictionar de
literaturä
romänä
contemporanä,
Bukarest,
1977, S.
314ff.
Horst Fassel