Als Sohn eines
gleichnamigen
Lautenisten
zu Löwenberg
in Schlesien
geboren,
wurde ihm
das
Lautenspiel
gleichsam in
die Wiege
gelegt. Sein
Vater stand
um 1645 als
Lautenist in
den Diensten
des Fürsten
von
Bernstadt.
Der Knabe
konzertierte
bereits als
Zehnjähriger
1646 in
Danzig vor
der
polnischen
Königin und
wurde als
Wunderkind
bestaunt.
Als
Kammerdiener
der Fürstin
Radziwill
wurde er von
einem
unbekannten
französischen
Musiker
weiter
ausgebildet.
1655 berief
ihn Herzog
Georg III.
an seinen
Hof nach
Brieg, wo er
auch noch
unter Georgs
Nachfolger,
Herzog
Christian,
bis zu
dessen Tode
1672 wirkte.
Von den in
diesen
Jahren
gedruckten
Werken ragen
die
Delitiae
Testudinis
(1667),
ein Jahr
später unter
dem Titel
Erfreuliche
Lautenlust
veröffentlicht,
hervor.
Dieses für
Laute solo
komponierte
Opus enthält
15 Suiten.
Kaiser
Leopold L,
ein
besonders
musikliebender
Herrscher
des Hauses
Habsburg,
lud ihn an
den Wiener
Hof ein, wo
er sehr
erfolgreich
konzertierte.
Nach dem Tode seines Fürsten
1672 aus dem
Brieger
Hofdienst
entlassen,
fand Reusner
in Schlesien
keine
Arbeitsmöglichkeit
mehr.
Vorübergehend
schlug er
sich
schlecht und
recht in
Leipzig
durch das Leben, gab
Privatunterricht
und spielte
unter
Leitung des
Thomaskantors
Sebastian Knüpfer
die Theorbe
(tiefgestimmte
Laute). Ein
Konzert am
Berliner Hof
fand 1673 so
großen
Anklang, daß
ihn der
Große
Kurfürst im
folgenden
Jahr als
Kammerlautenisten
mit dem
ansehnlichen
Gehalt von
300
Reichstalern
einstellte.
In Berlin
entstanden
weitere
bedeutende
Kompositionen,
die unter
den Titeln
Hundert
Geistliche
Melodien
Evangelischer
Lieder
(1676 und
1678) und
Neue
Lauten-Früchte
(1676)
mit 13
Suiten und
einer
Passacaglia
in Berlin
veröffentlicht
und z. T.
später in
anderen
Städten
nachgedruckt
wurden. Dem
neuen
Schaffensimpuls
setzte der
Tod des von
Statur
kleinen,
gesundheitlich
bereits
angegriffenen
Musikers am
1. Mai 1679
ein jähes
Ende.
In dem
„gebrochenen“
Lautenstil
seiner
Suiten folgt
Reusner, wie
alle
europäischen
Lautenisten
des 17.
Jahrhunderts,
dem Vorbild
der
führenden
französischen
Musiker, vor
allem
Jacques und
Denis
Gaultier.
Diese
Spielmanier
ist
instrumentengerecht
und
gestattet
die
Darstellung
einer
mitunter
sogar recht
dichten
Polyphonie
mit den
gegenüber
der Orgel
und dem
Cembalo
begrenzten
Mitteln der
Laute.
Überlegen
ist die
Laute jedoch
den
Tasteninstrumenten
der Zeit
hinsichtlich
ihrer
Fähigkeit,
den Ton
diffizil zu
nuancieren
und die
Dynamik
stufenlos
vom pp bis
zum ff zu
schattieren.
Reusner gilt als der erste
bedeutende
deutsche
Meister der
Lautensuite.
Er gliedert
seine Zyklen
relativ
locker,
verzichtet
aber nicht
auf die vier
traditionellen
deutschen
Stammsätze
Allemande-Courante-Sarabande-Gigue,
die er
mitunter
verdoppelt.
Seine Kunst
stellt hohe
Ansprüche
und wendet
sich an den
gebildeten
Kenner,
nicht an den
dilettierenden
Liebhaber
der Musik.
Sein
Personalstil
ist durch
Würde, Ernst
und eine
bemerkenswerte
Tiefe der
oft
melancholisch
verschatteten
Empfindung
gekennzeichnet.
Alle seine
Stücke
zeichnen
sich durch
hohe
künstlerische
Disziplin
sowie eine
sorgfältige
und
vielseitige
Gestaltung
aus. Fern
allem
Spielerischen,
oberflächlich
Glänzenden
stellt
Reusner
immer die
Elaboratio
über die
Inventio.
Und dennoch
vermag er in
jedem seiner
Werke etwas
Besonderes,
mitunter
sogar
Einmaliges
zu bieten.
Seine Kunst
repräsentiert
ein
kompositorisches
Niveau, das
keine
Vergleiche
mit der
französischen
Musik zu
scheuen
braucht und
deshalb
überregionale
Geltung
beanspruchen
darf.
Werke:
8 Suiten und
9 Choräle
in:
Lautenmusik
des 17. und
18.
Jahrhunderts,
hrsg. von H.
Neemann (Das
Erbe
deutscher
Musik, Bd.
12),
Frankfurt
1939,
4/1974.
Lit.:
A. Sparmann,
E. Reusner
und die
Lautensuite,
Diss. Berlin
1926; K.
Dorfmüller,
Artikel „Reusner“,
in: Die
Musik in
Geschichte
und
Gegenwart“,
Bd. 11,
Kassel 1963,
331 ff.; L.
Hoffmann-Erbrecht,
Der
schlesische
Lautenist
Esaias
Reusner der
Jüngere, in:
Schlesien
24/1979,193
ff.; ders.,
Bedeutende
schlesische
Lautenisten
der
Barockzeit,
in: Barock
in
Schlesien,
Dülmen 1981,
35 ff.
Lothar
Hoffmann-Erbrecht