Aus Anlaß
der 1858
abgehaltenen
dritten
Säkularfeier
von Jenas
berühmter
Alma mater
verkündete
ein
Spruchband:
"Germania
kennt keinen
großen
Namen, den
diese Stadt
nicht ihren
Gast
genannt."
Das
Universitätsjubiläum
war zum
Anlaß
genommen
worden, in
der Stadt
200
Gedenktafeln
anzubringen,
mit Namen
und Adresse,
womit
nachdrücklich
auf das
Wirken
hervorragender
Geister in
dieser
Stadt, die
Goethe als
eine
"Stapelstadt
des Wissens
und der
Wissenschaften"
bezeichnet
hatte,
hingewiesen
wurde.
Zugleich
aber wurde
auch
erkennbar,
wie der
Mathematiker
Hermann
Schaeffer
1858
erklärte,
daß eine
Aufzählung
klangvoller
Namen
"gleichsam
zu einem
Leitfaden
durch die
Literaturgeschichte"
wurde. Am
Beginn sind
Namen wie
Luther und
Melanchthon
zu nennen,
bedeutende
neulateinische
Dichter -
allen voran
Johann
Stigel
(1515-1562),
seit 1548
Professor
der
Beredsamkeit
und der
Poesie, ein
Jahr später
auch Rektor.
Weitgehend
vergessen
ist Kaspar
Dornau aus
Ziegenrück
(1577-1632),
der 1592 in
Jena
studierte
und in die
deutsche
Literaturgeschichte
als Lehrer
des
schlesischen
Dichters
Martin Opitz
am
Schönaichianum
in Beuthen/
Oder
eingegangen
ist.
Die
Universität
Jena stellte
im 17.
Jahrhundert
ein
bevorzugter
Studienort
für viele
schlesische
Studenten
dar: so für
Johann
Heermann
(1585-1647),
der 1606
nach Jena
kam und als
der wohl
bedeutendste
Liederdichter
zwischen
Martin
Luther und
Paul
Gerhardt
anzusehen
ist
("Herzliebster
Jesu, was
hast du
verbrochen").
Zu nennen
ist auch
Abraham von
Franckenberg
(1593-1652)
aus
Ludwigsdorf
bei Öls; er
studierte
1613 an
Jenas "Hoher
Schul". Als
sein
Hauptwerk
gilt eine
Böhme-Biographie.
"Gott war
ihm das
Mittel, den
Kosmos zu
erfassen..."
(Will-Erich
Peuckert).
Auch
Christian
Gryphius
(1649-1706),
ein Sohn des
berühmten
Vaters,
Andreas
Gryphius,
fand den Weg
nach Jena
wie der
mystische
Schwärmer
Quirinus
Kuhlmann
(1651-1689),
der 1670 in
Jena ein
Studium der
Rechte
aufnahm und
hier auch
zum "poeta
laureatus"
gekürt
wurde. Von
ihm stammen
die
überschwenglichen
Verse: "Hier
ist der
Weisheit
Schloß./ Der
Wissenschaft
Sorbonne./
Des Rechten
Paradies./
Der Klugheit
Hoffestadt."
Kuhlmann
endete 1689
auf dem
Scheiterhaufen
in Moskau.
Auch einer
der
bedeutendsten
Breslauer
Kircheninspektoren,
Caspar
Neumann
(1648-1715),
kam 1667 an
Jenas Salana.
Und nicht zu
vergessen:
Das wohl
bedeutendste
lyrische
Talent vor
Goethe, der
geniale
Arztsohn
Johann
Christian
Günther
(1695-1723)
aus Striegau
(über ihn
siehe S.
89-94), der
hier sein
Medizinstudium
vergeblich
abzuschließen
hoffte - und
in großem
Elend
verstarb.
Seine
Grabstätte
auf Jenas
historischem
Friedhof ist
nicht mehr
auffindbar.
Nahezu
unbekannt
ist der
Jurist
Nikolaus
Reusner
(1545-1602)
geblieben,
von dem wir
wissen, daß
er seit 1589
in Jena
weilte und
sogar in das
Rektoramt
berufen
wurde.
Reusners
Vater
bekleidete
in Löwenberg
in Schlesien
das Amt
eines
Ratsherrn.
Über
Kindheitseindrücke
und
Jugenderlebnisse
hüllen sich
die
spärlichen
Quellen
nahezu
vollkommen
in
Schweigen;
als
gesichert
gilt, daß
Reusner -
zusammen mit
seinen
Brüdern
Elias,
Jeremias und
Bartholomäus
- in
Goldberg das
Gymnasium
besucht hat
und auch
Schüler des
berühmten
Breslauer
Elisabeth-Gymnasiums
war. Danach
immatrikulierte
er sich,
erst
fünfzehnjährig,
an der
Wittenberger
Universität
und hörte
dort
Vorlesungen
über
Philosophie,
klassische
Sprachen und
Anatomie,
Pharmazie
und Botanik.
1563 setzte
er sein
Studium an
der
Universität
Leipzig
fort, wobei
die
Rechtswissenschaft
stärker in
sein
Blickfeld
rückte. Sie
wurde sein
eigentliches
Arbeitsgebiet,
was eine
Reihe von
Publikationen
belegt, die
auch
literarische,
poetologische,
philosophische
und
historisch-politische
Texte
umfassen.
Sie weisen
Reusner als
einen für
seine Zeit
universal
gebildeten
Gelehrten
aus. Dabei
wurde das
methodisch-didaktische
Element
nicht
verleugnet
in der
klaren
Bestimmung
für eine
juristische
Unterweisung.
Einige Texte
verraten
auch
Reusners
Bemühungen,
Karriere
machen zu
wollen, wie
seine
Epistolarum
Turcicarum
et
Diversorum
Authorum
Libri XIV
(Leipzig
1595/96) -
zu einem
Zeitpunkt,
in dem der
Jurist nach
Krakau
gereist war,
um dort vom
polnischen
König
Sigismund
III. Truppen
für den
Einsatz
gegen die
Türken zu
erwirken.
Angesehene
Standespersonen
und
Fürstenhöfe
wurden von
Reusner mit
Hochzeits-
und
Trauerofferten
"beliefert",
wohl auch um
seine Person
stärker in
den
Mittelpunkt
des
Interesses
zu rücken.
Im Jahre
1583
promovierte
dieser
vielseitig
begabte
Schlesier an
der
Universität
Basel zum
Doktor der
Jurisprudenz
und folgte
noch im
selben Jahr
einem Ruf
nach
Straßburg.
Reusners
Bedeutung
als
angesehener
Jurist
seiner Zeit
mag die
Jenaer Alma
mater
veranlaßt
haben, ihn
1588 an
Thüringens
"Hohe Schul"
zu rufen -
eine Ehrung,
die auch die
Pflichten
eines
Beisitzers
am
Hofgericht
einschloß,
ferner
verbunden
war mit der
Auszeichnung
durch den
Titel eines
Hofrats zu
Weimar und
Coburg.
Schließlich
wurde er als
Vertreter
der beiden
sächsischen
Höfe an das
Reichskammergericht
in Speyer
berufen.
Während
Reusners
Tätigkeit an
der Jenaer
Universität
wurde er
auch durch
die
Verleihung
der
kaiserlichen
Pfalzgrafenwürde,
mit dem
Titel eines
poeta
laureatus
und der
Würde des
erblichen
Adels
geehrt. Er
ist
wahrscheinlich
in der
früheren
Universitätskirche,
die nicht
mehr
besteht,
beigesetzt
worden.
Davon gibt
es jedoch
keinerlei
erhaltene
Spuren.
Nikolaus
Reusner ist
weitgehend
unbekannt.
Vergeblich
sucht man
seinen Namen
in den
einschlägigen
Kompendien
zur
schlesischen
Kultur- und
Literaturgeschichte.
Einer
größeren
Öffentlichkeit
entzieht
sich ein
Zugang und
eine
Auseinandersetzung
mit seinem
Werk schon
dadurch, daß
die Texte
ausnahmslos
in Latein
verfaßt
sind. Selbst
einer
spezialisierten
wissenschaftlichen
Öffentlichkeit
sind kaum
mehr als
zwei, drei
Bücher des
schlesischen
Juristen
gegenwärtig,
die sämtlich
von
namhaften
Formschneidern
wie Virgil
Solis, Jost
Amman und
Tobias
Stimmer
illustriert
worden sind.
Zu ihnen
gehören in
erster Linie
die
Icones sive
Imagines
Virorum
Literis
Illustrium,
in denen
Reusner die
berühmtesten
Gelehrten
seines
Jahrhunderts
in
Holzschnittporträts
und
lateinischen
Versen
verschiedener
Autoren
versammelt
hat
(Straßburg
1587,
Nachdruck
hg. v.
Manfred
Lemmer,
Leipzig
1973). Zu
ihnen zählen
auch die
Picta Poesis
Ovidiana
(Frankfurt
a.M. 1580),
in der
Reusner
Verse
mehrerer
neulateinischer
Ovidbearbeiter
miteinander
verschmolzen
und mit
Holzschnitten
unterschiedlicher
Herkunft
verbunden
hat.
Die jüngste
Veröffentlichung
der
Emblemata
Partim
Ethica, Et
Physica:
Partim vero
Historica &
Hieroglyphica
(Frankfurt
am Main
1581) bringt
uns ein
Hauptwerk
des
schlesischen
Juristen
nahe und
darf
vielleicht
noch am
ehesten
unser
Interesse
heute
beanspruchen.
Es handelt
sich bei
dieser im
Georg Olms
Verlag
Hildesheim -
Zürich - New
York
veranstalteten
Neuausgabe
um den
Versuch,
Texte
Reusners
unserem
heutigen
Verständnis
nahezubringen.
Die Texte
Reusners in
diesem Werk
sind
weitgehend
didaktisch-ethischer
Provenienz,
möchten als
eine Art
Leitfaden
Tugenden und
Sitten
preisen und
als
Richtschnur
in der
Lebensführung
verstanden
werden (ad
virtutis,
morumque
doctrinam
omnia
ingeniose
traducta).
Eine Reihe
griechischer
und
lateinischer
Egigramme
unterstreichen
eine solche
Absicht.
Ferner wird
der Wert von
Kunst und
Weisheit,
die
Bedeutung
der
Historie,
der Natur
und des
Mythos
hervorgehoben
und, wie im
dritten
Buch, auf
Ovids
Metamorphosen
Bezug
genommen.
Eine
strenge,
klare
Systematik
fehlt, ist
wohl auch
nie
angestrebt
worden.
"Zwar
eröffnet mit
dem Löwen"
(im zweiten
Buch, wo
vorwiegend
nur Tiere
vorgestellt
werden)
"die
hierarchische
Spitze des
Tierreichs
das Buch,
doch in der
Folge ist
kein
Ordnungsprinzip
mehr
erkennbar..."
(M.
Schilling).
Unsere
Aufmerksamkeit
verdienen
die in vier
Büchern
enthaltenen
40 Embleme;
das erste
davon ist
Kaiser
Rudolf II.
gewidmet,
weitere
gelten den
österreichischen
Erzherzögen
Ernst und
Maximilian,
dem
Pfalzgrafen
Friedrich,
Adam von
Dietrichstein,
und dem
Reichsprokanzler
Sigismund
Vieheuser -
eine
Darstellung,
die auf ein
an einem
sozialen
Rangstufenprinzip
orientiertes
System
hinweist.
Das vierte
Buch enthält
keine
Holzschnitte;
es handelt
sich um eine
sogenannte "Emblemata
nuda": der
Leser ist
dabei
aufgefordert,
in seiner
eigenen
Phantasie
gewissermaßen
Bilder zu
projezieren.
Das Werk
enthält
neben diesen
vier Büchern
noch einen
weiteren
Teil: "Emblemata
Sacra", der
wiederum 40
Sinnbilder
enthält und
in der Art
der
Darstellung
sich an der
christlichen
Heils- und
Schöpfungsgeschichte
orientiert.
Den Beschluß
dieses
Werkes
bildet noch
ein weiterer
Teil: "Stemmatum,
Sive Armorum
Gentilitiorum
Libri Tres".
Ein Bruder
von Nikolaus
Reusner,
Jeremias,
gab die "Emblemata"
von 1581
heraus -
versehen
auch mit
einem
Widmungsbrief
an die
Brüder
Johann
Friedrich
und Johann
Heinrich
Schertlin.
Lit.:
Nikolaus
Reusner:
Emblemata
Partim
Ethica, Et
Physica:
Partim vero
Historica &
Hieroglyhica
(Frankfurt
am Main
1581). Mit
einem
Nachwort und
Register von
Michael
Schilling.
Georg Olms
Verlag
Hildesheim -
Zürich - New
York 1990.
Dieses Werk
enthält
Angaben zur
Vita und zur
Primär- und
Sekundärliteratur
von Nikolaus
Reusner.
Günter
Gerstmann