Friedrich
Wilhelm
Riemer, als
Goethes
Sekretär und
Berater in
die
Literaturgeschichte
eingegangen,
war Sohn
eines
preußischen
Beamten, der
1763 aus der
Mark nach
Schlesien
versetzt
worden war.
In seiner
Jugend hatte
er
technische
und
künstlerische
Neigungen,
wurde aber
Philologe.
Nach dem
Besuch des
Breslauer
Magdalenäums
folgte 1794
ein Studium
der
Theologie
und
Philologie
in Halle.
Riemer war
Schüler von
Friedrich
August Wolf,
des
bedeutenden
Altphilologen.
Es folgte
eine
Privatdozentur
mit
Aussichten
auf die
akademische
Laufbahn,
welche
jedoch, da
unzureichend
besoldet,
wieder
aufgegeben
werden mußte.
Um seinen
Lebensunterhalt
zu
verdienen,
wurde Riemer
Hauslehrer
bei Wilhelm
von
Humboldt,
dem er nach
Rom folgte,
als dieser
dort
preußischer
Gesandter
wurde. Eine
unglückliche
Leidenschaft
zu Humboldts
Frau
Caroline
hatte
Riemers
Abschied zur
Folge. Nach
Deutschland
zurückgekehrt,
wurde er auf
Empfehlung
Humboldts
Hausgenosse
Goethes am
Frauenplan,
als Erzieher
von dessen
Sohn August,
den er auf
den Besuch
des Weimarer
Gymnasiums
vorzubereiten
hatte.
Wichtiger
war für
Goethe, und
schicksalsbestimmend
wiederum für
Riemer, daß
der Dichter
in ihm einen
Mann
gefunden
hatte, der
an seinen
Arbeiten
lebhaften
Anteil nahm
und ihm in
philologischen
und
antiquarischen
Dingen mit
Rat und Tat
zur Seite
stand. Neben
Heinrich
Meyer und
Johann Peter
Eckermann
gehörte
Riemer bald
zu Goethes
engstem
Lebenskreis
und blieb es
über fast
drei
Jahrzehnte.
Noch enger
wurden die
Bande
geknüpft,
als er nach
Christianes
Tod deren
Freundin und
Gesellschafterin
Caroline
Ulrich
heiratete,
die
ebenfalls im
Haus am
Frauenplan
wohnte.
Riemer blieb
nicht
dauernd bei
Goethe. 1812
nahm er eine
Stelle als
Professor am
Weimarischen
Gymnasium
an, die er
allerdings
bald als
unerträgliche
Last empfand
und 1820
wieder
aufgab. Eine
Berufung an
die
Universität
Rostock
wurde
schließlich
verworfen.
Was ihn in
Weimar und
bei seinem
Gönner hielt
(wiederum
bei schmalem
Gehalt, das
Goethe aus
eigener
Tasche
bestritt),
war das
Gefühl,
wichtig, ja
unentbehrlich
zu sein, im
Umfeld des
größten
deutschen
Schriftstellers
leben und
arbeiten zu
dürfen. Die
Tätigkeit
des
Sekretärs
war
vielgestaltig.
Goethe ging
mit Riemer
Manuskripte
in
stilistischer
Hinsicht
durch und
befolgte
nicht selten
den Rat des
kenntnisreichen
Mannes.
Willig nahm
dieser auch
gewöhnliche
Schreib- und
Handlangerdienste
auf sich.
Namens- und
Sachregister
waren zu
erstellen,
Korrekturen
zu lesen.
Ordnung in
älteren
Papieren zu
schaffen und
Material zu
sammeln für
neue
Arbeiten.
Aber auch
über den
"Dienst am
Werk" hinaus
wußte sich
Riemer bald
unentbehrlich
zu machen:
als
Reisebegleiter
des Dichters
in die
böhmischen
Bäder, als
Organisator
von
Maskenzügen
und
Festspielen.
Besucher
Goethes, die
aus ganz
Europa
anreisten,
hatten sich
zuerst bei
ihm zu
melden. Mit
der Zeit
avancierte
Riemer in
dem mehr und
mehr
patriarchalische
Züge
annehmenden
Hauswesen zu
einer Art
Hofmarschall,
der seinen
Herrn und
Meister in
Stil und
Tonfall
kopierte und
mitunter
Ehrenbezeugungen,
die gar
nicht ihm
galten, gern
auf sich
bezog - ein
dankbarer
Gegenstand
satirisch-humoristischer
Darstellung
und
literarischer
Persiflage.
Zu den
editorischen
Leistungen,
die
Erwähnung
verdienen,
gehören die
von Riemer
mitredigierte
erste
Cottasche
Ausgabe von
Goethes
Werken in
zwanzig
Bänden sowie
die von ihm
und
Eckermann
allein
besorgte
Herausgabe
der
Nachgelassenen
Werke.
1833 edierte
er Goethes
Briefwechsel
mit Zelter.
Acht Jahre
später
erschienen -
Riemers Opus
magnum -
seine
Mittheilungen
über Goethe.
Aus
mündlichen
und
schriftlichen,
gedruckten
und
ungedruckten
Quellen.
Obwohl auch
Unwichtiges
und
Beiläufiges
enthaltend
und nicht
immer
zuverlässig,
so finden
sich darin
doch
Informationen
über
Druckdaten
und
Korrekturen,
die für ein
tieferes
Verständnis
des
Goetheschen
Schaffensprozesses
unentbehrlich
sind.
Zugleich
bieten sie
überraschende
Einblicke in
Goethes
Arbeits- und
Lebensweise.
"Das ist
kein bloßer
Kopist", so
resümiert
Richard
Friedenthal
in seiner
großen
Biographie
die Rolle
von Goethes
Adlatus.
"Riemer
denkt mit.
Er denkt
zuweilen
über Goethe
hinaus, und
dann wird er
zur Ordnung
gerufen.
Aber er ist
unentbehrlich,
für Goethe
wie für
uns."
Lit.:
Friedenthal,
Richard:
Goethe. Sein
Leben und
seine Zeit.
München
1982, bes.
S. 469 ff. -
Geiger,
Ludwig:
Goethes
Kammerdiener.
In: Die
Nation.
Wochenschrift
f. Politik,
Volkswirtschaft
u.
Literatur.
10. Jhg.
(17. Juni
1893), S.
476 - 478. -
Biedrynski,
Effi:
Goethes
Weimar. Das
Lexikon der
Personen u.
Schauplätze.
Zürich 1992,
S. 327 -
330.
Bild:
Friedrich
Wilhelm
Riemer,
Kreidezeichnung
von Joseph
Schmeller,
undatiert;
Bildarchiv
Stiftung
Weimarer
Klassik,
Weimar.
Klaus
Berthel