Die siebte
und letzte
Strophe des
Liedes vom
Jüngsten Tag
“Es ist
gewißlich an
der Zeit”,
das heute
mit leichten
Veränderungen
im
Evangelischen
Gesangbuch
(Nr. 149)
unter der
Rubrik
“Ende des
Kirchenjahres”
zu finden
ist,
spiegelt
wichtige
Aspekte
im
Leben und in
der
Theologie
Ringwaldts
wieder. Er
greift hier
auf ein
älteres, um
1565
entstandenes
Lied zurück,
das auf dem
Dies irae
beruht.
Seine
persönlichen
und die
durch
allgemeine
Zeitumstände
bedingten
Nöte (der
Tod seiner
ersten Frau,
Krankheiten,
Naturkatastrophen,
Hunger)
ließen ihn
das Elend
dieser Welt
spüren. Er
sehnte sich
wie viele
seiner
Zeitgenossen
geradezu
nach dem
baldigen
Kommen des
Reiches
Gottes. Aus
der
Offenbarung
des Johannes
meinte er
herauszulesen,
daß der
Anbruch der
Endzeit auf
1584 zu
datieren
sei.
Ringwaldt
ordnete den
Glaubens-
und
Sittenverfall
und die Nöte
seiner Zeit
den
Endwehen,
den letzten
und ärgsten
Zeiten der
Welt, zu.
Ihm ging es
nicht um die
Erziehung
der Menschen
zur Tugend,
damit sie
geruhsam
weiterleben
können,
sondern um
die letzte
Möglichkeit
der Buße und
Umkehr,
bevor sie
vor dem
Richterstuhl
stehen und
ihnen aus
dem Buch, in
dem die
Taten jedes
Menschen
verzeichnet
sind (von
diesem ist
auch im

obengenannten
Lied die
Rede),
vorgelesen
wird. Das
Kommen des
Reiches
Gottes ist
spürbar
nahe. Er
selbst
möchte nicht
“am jüngsten
Gericht” von
seinem
“treuen
Lehrherren”
“für einen
faulen
Knecht
gehalten
werden”
(vgl. Matth.
25,14-30).
Die ihm
anvertrauten
Zentner, das
Talent, das
er von Gott
erhalten
hat, um es
Früchte
bringen zu
lassen, sind
seine
Dichtkunst
und seine
Berufung in
den
Pfarrdienst.
Darum
beginnt er
zu schreiben
und hält der
Welt immer
wieder in
seinen
Dichtungen
den
“Spiegel”
vor.
Über
Ringwaldts
Leben sind
nur wenige
Daten
bekannt: Er
studierte in
seiner
Heimatstadt,
war dann
wohl wie
üblich
vorerst im
Schuldienst
tätig und
rückte 1556
in das
Pfarramt
auf. In
seiner
dritten
Gemeinde,
Langenfeld,
wirkte er
von 1566 bis
zu seinem
Tode. 1592
heiratete er
zum
zweitenmal,
zwei Söhne
sind
bezeugt.
Ausgesprochen
erfolgreich
schon war
ein
Lehrgedicht
von 1582.
Seit 1588
erschien es
dann auf
6000 Verse
erweitert
unter dem
geänderten
Titel
Christliche
Warnung des
Trewen
Eckart
bis 1738 an
verschiedenen
Orten in 40
Auflagen und
wurde sogar
als
Schauspiel
bearbeitet.
Ringwaldts
bedeutendstes
Lehrgedicht
Die
lauter
Warheit
(1585)
erlebte über
19 Auflagen.
Noch 1644
besorgte
sein Sohn
eine Auflage
in
Königsberg.
Von Hoffmann
von
Fallersleben
wird es als
“Lieblingsbuch
aller
Stände”
bezeichnet.
Aus jedem
Stand wird
darin
beispielhaft
ein
wohlgeratener
und ein
ungeratener
Vertreter
vorgestellt.
Ringwaldt
hoffte, den
Sündern auf
diese Weise
ins Gewissen
reden zu
können und
sie zu
“bußfertigen
Gedanken” zu
bringen,
damit sie
endlich um
Gnade bäten.
Er sah es
als
“Dorfpfarrherr”,
der zu den
geistlichen
Kriegsleuten
gehöre, als
seinen Beruf
an, “wider
den Fürsten
der Welt zu
fechten”,
sein
“Feldherr”
aber ist
Jesus
Christus.
“So will ich
mit diesem
Büchlein
im
Namen Gottes
unter den
Haufen
schießen;
wen ich
treffen
werde, der
wird’s wohl
fühlen”
schrieb
Ringwaldt in
der Widmung.
Ringwaldts
Anliegen ist
auch in
seinen zwei
Schauspielen
Speculum
Mundi
(1590, 2.
Aufl. 1645)
und
Plagium
(1597), der
Übertragung
einer
lateinischen
Komödie, zu
spüren. Der
Inhalt des
“Spiegels
der Welt”,
wird im
Titel
folgendermaßen
wiedergegeben:
“Eine feine
Comoedia,
darinne
abgebildet,
wie vbel an
etlichen
orten,
getrewe
Prediger
(welche die
warheit
reden)
vorhalten
werden, Vnd
widerumb,
wie angeneme
sie seind,
bey
rechtschaffnen
Christen,
welche
Gottes wort
lieb haben.
Vnd zu
letzt, wie
sie von den
Widersachern
bißweilen
hefftig
verfolget,
vnd dennoch
offtermals,
aus jren
henden,
wunderlich
errettet
werden.
Nützlich zu
lesen, vnnd
im agiren
beweglich.”
Es geht um
einen
Pastor, der,
nachdem er
gegen die
Völlerei
gepredigt
hat, von
einem
trunksüchtigen
Landjunker
vertrieben
wird. “Das
Stück
verräth eine
große
Vertrautheit
des Dichters
mit der
gemeinen
Umgangssprache
des Volks,
auch viel
volkstümlichen
Humor”,
urteilt
Wackernagel,
der in
seiner
Kirchenliedausgabe
einige
Kostproben
bietet (Bd.
1, S.
802-808).
Die Anzahl
der Lieder
Ringwaldts
läßt sich
nicht genau
ermitteln;
150 bis über
200 werden
genannt. Zu
Lebzeiten
gab
Ringwaldt
einen Teil
im
Handbüchlein:
Geistliche
Lieder und
Gebetlein
(Ausgaben
1586-1608)
heraus.
Bemerkenswert
ist, daß die
Zahl seiner
Lieder in
manchen
Gesangbüchern
bis Mitte
des 18.
Jahrhunderts
zunimmt
(z.B. sind
im
Karlsruhe-Durlachischen
Gesangbuch
von 1754
zwölf Lieder
von ihm
enthalten,
andere
Zeitgenossen
sind mit
höchstens
drei
vertreten).
Wie zu der
Zeit in
evangelischen
Kreisen weit
verbreitet,
bereimte
auch
Ringwaldt
aus
pädagogischen
Gründen die
Sonntags-
und
Festevangelien
(1581) und
fügte
jeweils ein
Gebetslied
hinzu.
Ringwaldts
Danklied
nach dem
Essen “Lobet
den Herrn
und dankt
ihm seine
Gaben” mit
einer
Melodie
Johann
Crügers
zählt heute
zum
ökumenischen
Liedgut.
Wie man an
den häufigen
Auflagen bis
in das 17.
Jahrhundert
hinein
erkennen
kann, waren
Ringwaldts
Veröffentlichungen
ausgesprochen
beliebt. Ob
seine Leser
jedoch den
Ruf zur
Umkehr und
die
Aufforderung
zu einer
christlichen
Lebensführung
angesichts
des nahenden
Endes
vernommen
haben, ist
zu
bezweifeln.
Sie
schmunzelten
wohl eher
über die
treffenden
Schilderungen
der
Verfehlungen
ihrer
Mitmenschen.
Dem heutigen
Leser, der
leider auf
keine
modernen
Nachdrucke
zurückgreifen
kann, würde
es wohl
ähnlich
ergehen.
Zudem
scheinen uns
die Verse
leicht
ungelenk und
holprig,
doch darf
man nicht
die Maßstäbe
ansetzen,
die erst
durch Opitz
und seine
Mitstreiter
zur Norm
wurden. Von
seinem
dichterischen
Rang her ist
Ringwaldt
mit Hans
Sachs
gleichzusetzen;
er wurde von
seinen
Zeitgenossen
geschätzt
und galt als
“fürtrefflicher”
Dichter.
Lit.:
Wackernagel,
Philipp: Das
deutsche
Kirchenlied.
Bd. 1,
Leipzig
1864, Bd. 4
(Liednrr.
1339-1546),
Leipzig 1874
(Hildesheim
1964).
–Koch,
Eduard Emil:
Geschichte
des
Kirchenliedes
und
Kirchengesanges,
Bd. 2,
31867,
S. 183-190.
–Lebensbilder
der
Liederdichter
und
Melodisten
... bearb.
von Wilhelm
Lueken,
Göttingen
1957
(Handbuch
zum
Evangelischen
Kirchengesangbuch,
Bd. 2/1, S.
114-116).
–Biographisch-bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. 8,
Herzberg
1994,
Sp. 384f.
(in diesen
Artikeln
Werke und
weitere
Lit.).
Heike Wennemuth