Unter der
Charta der
deutschen
Heimatvertriebenen
des Jahres
1950 steht
für die aus
der Heimat
vertriebenen
Schlesier
der Name von
Walter Rinke,
des Gründers
der
Landsmannschaft
Schlesien.
Sohn eines
Lehrers,
stammte
Walter Rinke
aus dem am
Ende des 19.
Jahrhunderts
aufblühenden
oberschlesischen
Industrierevier.
In Myslowitz,
das sich
stolz das
"Dreikaisereck"
nannte -
denn hier
stießen die
Grenzen des
Deutschen
Reiches,
Rußlands und
der
österreichisch-ungarischen
Doppelmonarchie
zusammen -,
besuchte er
das
Lehrerseminar
und wurde
Volksschullehrer.
Bevor er
seinen Beruf
ausüben
konnte, zog
er als
Freiwilliger
in den
Ersten
Weltkrieg
und kehrte
als Leutnant
zurück.
Nachdem er
das Abitur
nachgeholt
hatte,
begann er in
Schlesiens
Hauptstadt
Breslau das
Studium der
Volkswirtschaft,
das er mit
der
Promotion
abschloß.
Sein
beruflicher
Weg führte
ihn in das
Versicherungswesen.
Mit 33
Jahren war
er bereits
Direktor der
in Ratibor
ansässig
gewordenen
Oberschlesischen
Versicherungs-anstalten.
Ratibor war
Sitz der
Provinzialverwaltung
der neu
errichteten
Provinz
Oberschlesien.
Der
oberschlesische
Katholik
Rinke war
inzwischen
Mitglied der
in
Oberschlesien
bestimmenden
und von
Prälat Carl
Ulitzka
geleiteten
Partei des
Zentrums.
Als 1933 die
Nationalsozialisten
die
Herrschaft
übernahmen,
verlor auch
Rinke seinen
Posten. Er
siedelte von
Ratibor nach
Breslau über
und
betätigte
sich hier
als
Nationalökonom
in der
privaten
Versicherungswirtschaft.
Mit Beginn
des Zweiten
Weltkrieges
wurde er
wieder
Soldat. Als
Major der
Reserve
geriet er in
russische
Kriegsgefangenschaft,
überlebte
geradezu
abenteuerliche
Monate als
Mediziner
ohne
Approbation
und wurde
wie
Millionen
seiner
schlesischen
Landsleute
vertrieben.
München
wurde sein
neues
Zuhause.
Man kann von
einem
zweiten
Leben
sprechen,
das jetzt
für Walter
Rinke
begann. Als
überzeugter
Republikaner
und
Konservativer
trat er in
München der
Christlich-Sozialen
Union (CSU)
bei und
wurde hier
zum Anwalt
der
Vertriebenen.
Obwohl ein
Fremder und
Unbekannter,
fand er
schnell und
leicht gute
und
herzliche
Verbindung
zu den
führenden
Männern und
Frauen der
CSU, die ihn
1953 als
Bundestagsabgeordneten
ins
Parlament
entsandten.
Zuvor aber
hatte sich
Rinke einen
bekannten
und
anerkannten
Namen als
Gründer der
Landsmannschaft
Schlesien,
als Sprecher
der
Heimatvertriebenen,
als
hervorragender
Redner und
Verfasser
von
zahlreichen
Aufsätzen,
in denen er
für das
Recht auf
die Heimat
stritt,
gemacht.
Rinke wollte
nicht nur
seine
schlesischen
Landsleute
organisatorisch
zusammenführen,
womit er
bereits zu
einer Zeit
begann, als
die
Siegermächte
die
Koalitionsfreiheit
noch nicht
gewährten,
sondern vor
allem auch
die
demokratischen
Kräfte in
der
Bundesrepublik
Deutschland
bündeln.
Angesichts
des Unrechts
der
Vertreibung,
angesichts
der
politischen
Situation,
in der sich
das besiegte
Deutschland
befand,
angesichts
der geradezu
unüberwindlichen
Schwierigkeiten,
das Unrecht
zu
überwinden
und für das
Recht
Bundesgenossen
zu finden,
lag ihm
alles daran,
das Ringen
um die
Zukunft der
Heimat nicht
noch
parteipolitisch
zu belasten.
Konrad
Adenauer und
Hinrich
Wilhelm
Kopf, Hans
Lukaschek
und Paul
Löbe (die
beiden
Letztgenannten
als
schlesische
Landsleute),
CDU/CSU und
SPD gewann
er für die
Sache der
Schlesier,
sei es auf
den
Schlesiertreffen,
wo sich
Hunderttausende
versammelten,
oder als es
1951 darum
ging, in
Niedersachsen
die
Patenschaft
des
Bundeslandes
für
Schlesien zu
errichten.
Dann
allerdings,
wenn es um
tagespolitische
Fragen ging,
konnte Rinke
impulsiv
reagieren
und sogar
aggressiv
polemisieren.
Er wollte
mit seinen
Einlassungen
bestimmt
nicht ein
Freund-Feind-Verhältnis
schaffen,
aber
vielerorts
wurden sie
so
verstanden,
weshalb sie
ihm
wiederholt
heftigsten
Widerspruch
und auch
Feindschaft
einbrachten.
Aber auch
seine Gegner
mußten ihm
Unermüdlichkeit
und
Unbeugsamkeit
rühmend
nachsagen.
In den
Losungen der
ersten
Schlesiertreffen,
später
Deutschlandtreffen
der
Schlesier
genannt,
wird das
Programm für
Rinkes
Handeln
offenbar:
"Schlesien
meldet sich
zu Wort",
"Schlesien -
eine
gesamtdeutsche
Verpflichtung",
"Schlesien
appelliert
an die
Welt". Wo
und wie auch
immer er es
vermochte,
knüpfte er
Verbindungen
zum Ausland,
sei es zum
früheren
Breslauer
Juristen
Ernst Cohn
in London,
sei es auf
seinen
Reisen in
die USA,
deren
Außenminister
James F.
Byrnes er
seit dessen
aufsehenerregenden
Rede von
1946
besonders
hoch
schätzte.
Rinke stand
aus
Gesundheitsgründen
für eine
dritte
Legislaturperiode
des
Deutschen
Bundestages
nicht mehr
zur
Verfügung.
Er ist 88
Jahre alt
geworden.
Die
Schlesier
ehrten ihn
als den
Gründungsvater
und
Ehrenvorsitzenden
der
Landsmannschaft
mit der
höchsten
Auszeichnung,
dem
"Schlesierschild",
denn "Walter
Rinke hat
sich um
Schlesien
verdient
gemacht".
Herbert
Hupka