Robert
Roberthin
entstammte
einem
lutherischen
Pfarrhaus
und somit
jenem für
die
Kulturgeschichte
Ostpreußens
in der
Frühen
Neuzeit so
ungemein
prägenden
lutherisch-humanistischen
Milieu, das
nach der
Säkularisierung
des
Ordensstaates
im Jahre
1525 die
Verbreitung
des
Luthertums
und der mit
diesem
verbundenen
Bildungsideale
unter der
vornehmlich
ländlichen
Bevölkerung
entscheidend
sicherte.
Roberthins
Vater Georg,
am 4. Januar
1569 in
Düren
(Herzogtum
Jülich-Berg-Ravensberg)
geboren, war
seit 1594
Pfarrer im
ostpreußischen
Saalfeld,
wechselte
1608 als
Superintendent
nach
Rastenburg
und ging
1616
schließlich
an die
Kirche auf
dem
Löbenicht,
wo er am 13.
Dezember
1620 an der
Pest
verstarb.
Robert
Roberthin
wurde nach
dem Besuch
der Schule
in Saalfeld
und der von
Herzog
Albrecht
begründeten
höheren
Schule in
Rastenburg
bereits am
24.
September
1611 als „Robertus
Roberti,
Salveldensis
Borussus“
zusammen mit
seinem
jüngeren
Bruder
Johannes in
die
Königsberger
Matrikel
eingetragen.
Diese frühe
Immatrikulation
war bei
Söhnen
berühmter
Väter oder
bei
besonderer
Begabung
damals nicht
ungewöhnlich
und
bedeutete
zunächst
einmal nur
einen
Rechtsakt,
nämlich die
Unterstellung
unter die
akademische
Jurisdiktion,
nicht aber
die Aufnahme
eines
regelrechten
Studiums.

In
Königsberg
besuchten
die
inskribierten
Knaben
entweder das
auf die
Universität
vorbereitende
Particularium
oder wurden
je nach
Vermögensstand
durch
Privatlehrer
unterrichtet
bzw. mußten
sich als
Diener von
Professoren,
Beamten und
vermögenden
Studenten
durchschlagen.
Wahrscheinlich
mußte
Roberthin,
von Hause
aus nicht
vermögend,
diesen
letzteren
Weg
einschlagen
und blickte
deshalb
später auf
diese Zeit
als auf die
„deperditos
adulescentiae
annos“, die
verlorenen
Jahre der
Jugend,
zurück. Seit
1618
ermöglichte
ihm jedoch
ein
herzogliches
Stipendium
ein Studium
an der
Universität
Leipzig,
danach ab
1620 an der
Straßburger
Akademie. In
der
oberrheinischen
Reichsstadt
fand
Roberthin
Zugang zum
späthumanistischen
Schüler- und
Freundeskreis
des damals
bereits
weltberühmten
Philologen
und
Geschichtsprofessors
Matthias
Bernegger
und lebte
zeitweise in
dessen Haus.
Diese
wichtige
Verbindung
brach auch
nach seiner
Rückkehr
nach
Königsberg
im Jahre
1623 nicht
ab und lebte
in einer
Korrespondenz
mit
Bernegger
fort.
In
Königsberg
nahm
Roberthin
eine
Hofmeisterstelle
an, eine für
junge
Gelehrte
ohne
akademischen
Grad
adäquate
Beschäftigung.
Als sich ihm
1625 eine
ähnliche
Stelle in
Kurland
anbot,
begann für
Roberthin
ein fast
zehnjähriges
Wanderleben,
das ihn in
verschiedenen
Dienstverhältnissen
weit in
Europa
herumführte.
In diesem
Jahrzehnt
stand
Roberthin
mit den
Größen des
westeuropäischen
Späthumanismus
wie Janus
Gruter,
Georg
Michael
Lingelsheim,
Daniel
Heinsius,
Hugo Grotius,
Nicolas
Rigault oder
Claude de
Saumaise in
losem –
brieflichen
wie
persönlichen
– Kontakt.
Auch
beschäftigte
er sich in
dieser Zeit
mit
philologischen
Studien und
verfaßte
einen
Florus-Kommentar,
der in die
1632 von
Johannes
Freinsheim
in Straßburg
veranstaltete
Edition des
römischen
Dichters
einging.
Roberthin
besuchte die
Niederlande
und
verbrachte
den Winter
1626/27 in
England,
hielt sich
zwischen
1627 und
1631
meistenteils
in
Frankreich
auf,
darunter von
April 1629
an für etwa
ein Jahr
lang als
Sekretär des
dänischen
Gesandten in
Paris. Kurz
zuvor hatte
er sich am
26. November
1628 erneut
an der 1621
zur
Universität
privilegierten
Straßburger
Hochschule
in die
Matrikel der
juristischen
Fakultät
eingeschrieben;
die von
seinem
Förderer
Bernegger
betriebenen
Bemühungen,
ihm in
Straßburg
eine feste
Anstellung
zu besorgen,
scheiterten
jedoch.
Mitte des
Jahres 1630
finden wir
Roberthin
kurzzeitig
wieder in
Königsberg,
wohin ihn
die Aussicht
auf eine
Kantorenstelle
gezogen
hatte. Er
erneuerte am
4. Juli
seine
Immatrikulation
an der
dortigen
Universität
und trat mit
ersten
deutschsprachigen
Gelegenheitsgedichten
hervor,
kehrte
jedoch über
die
Niederlande
im Mai 1631
wieder nach
Paris
zurück.
Weiterhin
ohne festes
Auskommen,
trat
Roberthin
schließlich
die Stellung
eines
praeceptors
bei
einem Sohn
des
kurfürstlichen
Rates
Michael
Adersbach an
und
begleitete
diesen auf
seiner
peregrinatio
academica
durch
die
Niederlande,
Frankreich
und Italien
(Ende 1631
bis 1633).
Im Anschluß
an diese
Reise
eröffneten
sich für
Roberthin
endlich
Perspektiven
in
brandenburgischen
Diensten:
1634 wurde
er Sekretär
des
Johanniterordens
in
Sonnenberg,
zwei Jahre
später
erhielt er
eine
Berufung als
Sekretär an
das
Hofgericht
in
Königsberg.
Nachdem sich
seine
persönlichen
Verhältnisse
solchermaßen
verbessert
hatten,
heiratete er
1639 Ursula
Vogt.
In der Stadt
am Pregel,
die auf eine
reiche
literarische
und
musikalische
Tradition
zurückblicken
konnte,
avancierte
Roberthin
zum
Mittelpunkt
jenes
Freundeskreises,
der in die
Literaturgeschichte
als
Königsberger
Dichterkreis
eingegangen
ist. Seine
ausgedehnten
Reisen und
seine
persönlichen
Kontakte mit
der
europäischen
res
publica
litteraria
hatten
ihn mit
deren
Lebensform
vertraut
gemacht; er
hatte die
italienischen
Akademien
ebenso wie
die
gelehrten
Zirkel im
späthumanistischen
Paris
kennengelernt;
er hatte die
Anfänge
einer neuen
deutschen
Kunstdichtung
miterleben
können, die
von Martin
Opitz
initiiert,
gerade in
Straßburg im
Umkreis
Berneggers
und des aus
Heidelberg
geflohenen
Lingelsheim
gefördert
wurde; er
besaß gute
Kenntnisse
der
niederländischen
Dichtung,
die durch
Daniel
Heinsius den
gleichen Weg
einer
Transformation
humanistischer
Poetik und
Rhetorik in
die
Muttersprache
eingeschlagen
hatte. Zudem
verfügte
Roberthin
durch sein
öffentliches
Amt, in
welchem er
es 1645
sogar bis
zum
kurfürstlichen
Rat bringen
konnte, in
Königsberg
über Einfluß,
den er zum
Vorteil
seiner
Freunde
durchaus
einzusetzen
wußte: So
verdankte
Simon Dach –
zweifellos
der
bedeutendste
und
produktivste
dieser
Königsberger
Dichter –
maßgeblich
ihm seine
Berufung auf
die
Poesie-Professur
an der
Albertina
(1639).
Eines seiner
schönsten
Gedichte,
das durch
seinen
persönlichen,
unprätentiösen
Ton aus der
deutschen
Barockdichtung
heraussticht,
widmete Dach
seinem
Freunde.
Diese
„Aufrichtige
Danckbarlichkeit“,
im Jahre vor
Roberthins
Tod
entstanden,
war das
offene
Bekenntnis
einer
intensiven
Freundschaft,
welche die
beiden seit
seiner
Rückkehr
nach
Königsberg
verband, und
zugleich ein
Zeugnis der
besonderen
Bedeutung,
die jener
für Dach und
für den
gesamten
Freundeskreis
besaß:
„Gib, Herr,
der Warheit
stat, denn
ich
versichre
mich,
Kein Mensch
hat hie dir
mehr zu
dancken
weder ich.
Ich lag hie
vnbekant,
verschwiegen
vnd
vergessen,
Der Rost hub
meinen Sinn
gemählich an
zu fressen,
Biß meiner
Lieder eins
dir
ohngefehr
behagt,
Du hast dich
nicht
gestillt,
biß du mich
außgefragt;
Bist da auff
einen Tag
wol zweymahl
zu mir
kommen,
Hast Bücher
mitgebracht
vndt, waß
ich nicht
vernommen,
Mir trewlich
außgelegt,
mir einen
Muht gemacht
Vnd mich zu
manchen
Fleiß im
Schreiben
auffgebracht.
Nicht anders
pflegt ein
Löw die
Jungen
anzuführen,
Sobald an
ihnen Mähn
vnd Klawen
sind zu
spüren,
So nimpt der
Adler
stracks auch
seine Zucht
mit auß
Frey nach
der Sonnen
zu biß an
der Sternen
Hauß.
So wußte
Scaliger den
Genter-Schwahn
zu leiten
Vnd dein
Bernegger
Dich. Ich
komme zwar
bey weiten
Nicht
solchen
Seelen bey,
doch hast du
meinen Sinn
Erkant vnd
dieß auß mir
gemachet waß
ich bin.
[...]
Du hörst
mich deinen
Witz vnd
Vrtheil
nicht
erheben,
So himmlich
sind bey
dir, nicht
dein
gerechtes
Leben,
Daß weder
Geitz noch
Stoltz noch
sonst ein
Laster
kennt,
Daß schwehr
vnd selten
sich von
solchen
Ehren
trennt;
Nicht die
Vollkommenheit
der herrlich
schönen
Gaben,
Mit welchen
dich Natur
vnd Gott
versehen
haben,
Nicht deiner
Reisen Last,
nicht vieler
Sprachen
Grund,
Nicht andre
Wissenschaft
noch den
beredten
Mund,
Dieß alles
laß ich seyn,
waß darff
ich auch es
rühren,
Daß gantze
Land weiß
dich zum
Muster
anzuführen
Gewünschter
Fertighet,
in allem
dem, waß wol
ein solcher
Mann wie du
verstehen
kan vnd
soll.
Nur dieses
wirst du mir
zu melden ja
vergönnen,
Daß
Schimmelfennig,
Thiel vnd
mehr nicht
leugnen
können:
Wirdt waß
von vnß
gethan, daß
etwas ist
von Wehrt,
Wir gehen
erst zu dir,
dein raht
wirdt erst
begehrt.“
Man darf
deshalb in
Roberthin
wohl zu
Recht den
spiritus
rector
des
Königsberger
Dichterkreises
sehen, der
sich zwar
keine feste
Organisation
gab, der
jedoch die
Freunde
immer wieder
im außerhalb
der Stadt so
idyllisch
gelegenen
Garten
Heinrich
Alberts,
ihrer
Kürbishütte,
zusammenführte,
die sie in
ihrer
vornehmlich
als
Gelegenheitsdichtung
entstandenen
Dichtung
priesen.
Hier sangen
sie
gemeinsam
ihre Lieder,
die in
Heinrich
Alberts
Arien,
der
wichtigsten
zeitgenössischen
Quelle für
das
poetische
und
musikalische
Schaffen des
Königsberger
Dichterkreises,
versammelt
sind. In den
Arien
finden sich
auch die
meisten der
von
Roberthin
bekannten
Lieder, die
sich durch
ihren
leichten Ton
und ihn als
regeltreuen
Opitzianer
ausweisen.
Der Zahl der
von ihm –
nicht selten
unter dem
schäferlichen
Anagramm
Berrintho –
verfaßten
Lieder und
Gelegenheitsgedichte
war indes
nicht groß,
doch tauchen
heute
vereinzelt
in den
umfangreichen
Konvoluten
Königsberger
Gelegenheitsdrucke,
die der
Zweite
Weltkrieg
aus den
Königsberger
Bibliotheken
nach Polen,
Litauen und
Rußland
verschlagen
hat, immer
wieder
bisher
unbekannte
Gedichte aus
seiner Feder
auf.
Lit.:
(zu Georg
R.) D.
Daniel
Heinrich
Arnoldts:
Kurzgefaßte
Nachrichten
von allen
seit der
Reformation
an den
Lutherischen
Kirchen in
Ostpreußen
gestandenen
Predigten,
ed.
Friedrich
Wilhelm
Benefeldt,
Königsberg
1777, S. 59,
257, 422. –
(zu Robert
R.) G.
Christoph
Pisanski:
Das Leben
Robert
Roberthins,
in:
Gesamelte
Nachrichten
zu
Ergäntzung
der
Preußisch-,
Märckisch-
und
Polnischen
Geschichte,
ed. Johann
Reinhold von
Werner,
Küstrin
1755, S.
188-200. –
Hermann
Oesterley:
Robert
Roberthin,
in:
Altpreußische
Monatsschrift
12 (1875),
S. 27-50. –
L. H.
Fischer:
Nachträge zu
Robertins
Gedichten,
in:
Altpreußische
Monatsschrift
22 (1885)
606-617. –
Briefe G. M.
Lingelsheims,
M.
Berneggers
und ihrer
Freunde,
Nach
Handschriften
[...] ed.
Alexander
Reifferscheid,
Heilbronn
1889 (=
Quellen zur
Geschichte
des
geistigen
Lebens in
Deutschland
während des
siebzehnten
Jahrhunderts,
1). – Ewald
Schepper, (sub
verbo), in:
Altpreußische
Bibliographie
2 (1967), S.
562. –
Gerhard
Dünnhaupt:
Personalbibliographien
zu den
Drucken des
Barock,
Zweite,
verbesserte
und
wesentlich
vermehrte
Auflage des
Bibliographischen
Handbuches
der
Barockliteratur,
Fünfter
Teil,
Stuttgart
1991, S.
3460-3465. –
Ulrich Maché,
(sub verbo),
in:
Literatur
Lexikon,
Autoren und
Werke
deutscher
Sprache, ed.
Walther
Killy, Band
9 (1991), S.
491-492. –
(zum
Königsberger
Dichterkreis)
Wulf
Segebrecht:
Simon Dach
und die
Königsberger,
in:
Deutscher
Dichter des
17.
Jahrhunderts,
Ihr Leben
und Werk,
ed. Harald
Steinhagen
und Benno
von Wiese,
Berlin 1984,
S. 242-269.
– (Gedichte
von R.)
Oesterley,
op. cit. –
Gedichte des
Königsberger
Dichterkreises
aus Heinrich
Alberts
Arien und
musicalischer
Kürbishütte
‹1638-1650›,
ed. L. H.
Fischer,
Halle 1883
(= Neudrucke
deutscher
Litteraturwerke
des XVI. und
XVII.
Jahrhunderts,
44/45). –
Simon Dach
und der
Königsberger
Dichterkreis,
ed. Alfred
Kelletat,
Stuttgart
(1986) (=RUB,
8281).
Axel E.
Walter