Rochowanski hat in seinem
Buch
über den aus
Südmähren
stammenden
Landsmann,
den großen
Architekten
Josef
Hoffmann,
zum Schluß
geschrieben:
„Er hat auf
Erden
niemandem
weh getan,
er hat das
Holz nicht
beleidigt
und nicht
das Gestein,
er hat allen
Schätzen der
Erde, dem
Gold und den
Kristallen,
zu
Ehrenstellen
bei den
Menschen
verholfen,
er hat sich
in stiller
Bewunderung
vor der
Architektur
der Pflanzen
geneigt, er
hat alle
Dinge
geliebt, die
Schale, den
Krug und
jedes
Gehäuse, die
Schale aus
Silber,
gleich einem
bleichen
Teich, die
Vase aus
Silber,
gleich dem
aufgerichteten
Meer, er hat
die
gütigsten
Hände
gesammelt,
daß sie in
die Dinge
hineingehen
und sich
darin
niederlegen,
er hat an
alle
Menschen
gedacht,
damit ihre
Stunden
verschönert
würden. Er
hat für sie
die besten
Häuser
ersonnen und
erbaut, hat
sie am
liebsten mit
einem hellen
Glasgemach
hoch oben
wie mit
einem
Kindertraum
geendigt,
wie des
Lebens
erklommene
Reifung,
weil dort,
dem Himmel
nahe, Sterne
um Sterne
dem Menschen
ewig ins
Angesicht
sprechen und
die Erde
unten schon
ins
Unirdische
gleitet.“
Dieser, in
dem
bibliophilen
Band 1950 in
Wien
herausgebrachte
Text ist
bezeichnend
für
Rochowanskis
Einstellung
und Stil,
für einen
Schriftsteller,
der dem
Einfachsten
seinen Glanz
verleihen
konnte. Der
in dem
reizvollen
Städtchen
Zuckmantel
in
Österreichisch-Schlesien
nahe der
alten
preußischen
Grenze
geborene ist
von großer
Heimatliebe
getragen
gewesen, die
er auch auf
seine
Wirkungszeit
in der
Großstadtwelt
von Wien
übertragen
hat. Am
Anfang
seiner
Veröffentlichungen
steht eine
Sammlung
schlesischer
Mundartdichtung
mit dem
Titel „Hämetgesang“.
Dann begibt
sich der
Verfasser
nach Wien,
steht dort
als
Beobachter,
Darsteller
und
Beteiligter
mitten in
der
weltmännischen
Kunstszene.
Doch kehrt
er
thematisch
immer wieder
in seine
Heimat
zurück, der
er eine
Reihe
knapper,
schlichter
und
liebevoller
Dichtungen
widmet.
Wie er in
seinem
Hoffmann-Buch
die
überschaubare
Welt von
dessen
Geburtsort
Pirnitz
anschaulich
darstellt,
so huldigt
er seiner
Geburtsstadt
Zuckmantel
in einem der
Mutter
zugeeigneten
„Kranz aus
Erinnerungen“
unter dem
Titel „Die
unendliche
Straße“
1946, in der
Neufassung
seiner Prosa
„Rändlaleut“
(1940). Es
ist die Welt
unter dem
Altvatergebirge
in den
östlichen
Sudeten:
„Das kleine
Städtchen,
ich habe es
ganz nahe
vor mir, es
liegt ja in
den
Tränenschalen
meiner
Augen, und
darum kann
mein Herz
alles genau
betrachten
und
erzählen.
Der Kopf des
Städtchens
ruht schon
auf den
hügeligen
Schläfen der
Berge, sie
hängen ihm
in zwei
wundervoll
begrünten
Bögen bis zu
den
schwachen
Schultern
hinab,
umbauen
schützend
seinen Leib.
Nur mit den
Füßen greift
es hinaus
auf die
Äcker, auf
die Felder
mit den
Haselnußbüschen
und
Brombeerhecken,
über seine
Zehen
wandert der
Blick weit
über Land
und in einen
großen
Himmel, den
die Lerchen
bewohnen und
besingen.
Die uralte
sagenstarke
Nachbarschaft
zeigte ihre
Kraft, die
Berge waren
in die
Stirne der
Menschen
dort oben
hineingewachsen,
sie lebten
in ihnen.
Nachts kamen
die flinken
Stollenmännlein
bis zu den
Hütten der
armen Weber
und
Steinmetze,
sie hoben
die
hölzernen
Riegel der
Türen weg,
trippelten
aufweichen
Moossohlen
in den
Stuben herum
und stießen
manchmal mit
den steilen
spitzen
Mützen an
die niedere
Balkendecke
an, sie
tippten dem
Schlafenden
auf die Nase
und
flüsterten
ihm in die
glückhungrigen
Ohren: Kumm
och Franzla,
ich führ
dich.“
Es ist etwas
darin von
der Welt der
schlesischen
Mystik, wie
er in seinen
kunstgeschichtlichen
und die
Kunstszene
der Zeit
behandelnden
Büchern
Elemente des
Jugendstils
und des
Expressionismus
verbindet.
In Wien ist
er zum
manchmal
geradezu
hymnischen
Darsteller
von
Weggefährten
geworden,
die einen
neuen
Aufbruch in
der Kunst
zugleich als
Lebensreform
verstanden.
Da gibt es
seine
Monographien,
neben der
über den
Architekten
Josef
Hoffmann
eine über
Franz Cizek
(Wiener
Kunstgewerbeschule),
überschrieben
„Der
Formwille
der Zeit in
der
angewandten
Kunst“, über
den
barockexpressiven
Bildhauer
aus Mähren,
Anton Hanak,
„Der
brennende
Mensch“,
über „Wiener
Keramik“,
über
„Theaterkunst“
über
„Dagobert
Peche“, „Die
Wiener
Jugendkunst“.
In seinem
umfangreichsten
Buch
„Columbus in
der Slovakei“
(1936) lesen
wir den
anschaulichen
Satz: „Die
Slovakei ist
eine
wundervolle
alte
Bauerntruhe,
angefüllt
mit
Kostbarkeiten,
mit Sagen
und Liedern,
mit
tanzender
Fröhlichkeit
und
weinenden
Gespenstern.“
Der
Notarssohn
hat als
Herausgeber
und
Schriftsteller
in Wien nie
seine karge,
so schöne
schlesische
Heimat
vergessen
und in einer
Reihe von
Lyrik- und
Prosabänden
immer wieder
variiert. Zu
seinen
letzten
Veröffentlichungen
gehören ein
Gedichtband
(1954) und
eine weitere
Landschaftsdarstellung
„Einladung
in die
Wachau“
(1956). Eine
Reihe seiner
Bücher
warten auf
Neuauflage,
das eine
oder andere
dürfte noch
unveröffentlicht
der Nachlaß
bergen.
Werke:
Der Phantast
(Epos,
1918);
Nackte
Inspirationen
(Nov. 1918);
Unsterblicher
Daniel
(Sch.,
1918); Der
tanzende
Schwerpunkt
(1922);
Abend,
Morgen,
Mittag (Ged.,
1922);
Formwille
der Zeit
(1922);
Psychopathische
Künstler
(1923); Der
brennende
Mensch
(1923);
Wiener
Keramik
(1923);
Festung
(Sch.,
1923);
Klapphut und
Zylinder (Kom.
1923);
Phantastische
Schaubude
(Nov.
1923,1946);
Theaterkunst
(1923)
;Dagobert
Peche
(1923);
Bewegung
(Sch.,
1924); Im
Namen des
Gesetzes
(Trag.,
1924);
Dreißig
Jahre
Jugendkunst
(1928);
Columbus in
der Slovakei
(1936);
Rändlaleut
(1940,
Neufassung
unter dem
Titel: Die
unendliche
Straße,
1946); Das
Liebesfest
(1946);
Wiener
Kulturgeschichte
(1946); Die
Wiener
Jugendkunst
(1947);
Unser Land
mit unseren
Augen
(1949);
Josef
Hoffmann
(1950);
Gedichte
(1954);
Einladung in
die Wachau
(1956). –
H.:
Hämetgsang
(Anthologie
schlesischer
Mundartdichtung;
1912).
Lit.:
Wilhelm
Formann,
„Der
Surrealist
aus
Zuckmantel“.
In: Wilhelm
Formann,
„Sudetendeutsche
Dichtung
heute“, S.
45f.;
München,
1961.
Ernst
Schremmer