"Auf allen
Klavieren
sieht man
jetzt
Rosettische
Stücke, aus
allen
jungfräulichen
Kehlen
hallen seine
Lieder
wider. Und
gewiß, es
läßt sich
kaum etwas
Leichteres,
Lichtvolleres,
Honigsüßeres
denken als
die Stücke
dieses
Mannes. Die
Naivität ist
sonderlich
sein
Hauptzug. So
leicht aber
seine Sätze
aussehen, so
schwer sind
sie
vorzutragen,
wenn man
kein eigenes
Herzgefühl
hat. Der
bloße
musikalische
Luftspringer,
der bloß in
Saltomortalen
seinen Ruhm
sucht, wird
scheitern,
wenn er ein
Rosettisches
Werk
vortragen
soll. Die
Grazie und
Schönheit
ist so
unendlich
feiner
Natur, daß
man nur mit
der Hand
zucken darf,
sonst ist
ihr zarter
Umriß
zerstört,
und das
Venusbild
wird eine
Fratze . . .
Rosetti ist
der erste
Italiener,
welcher
deutsche
Poesie
musikalisch
bearbeitet.
Da er die
deutsche
Sprache tief
studiert
hat, so sind
ihm diese
Arbeiten
meist
ungemein gut
gelungen. .
." Diese
Sätze
schrieb der
Dichter,
Journalist
und
Musikschriftsteller
Christian
Friedrich
Daniel
Schubart in
seinen
Ideen zu
einer
Ästhetik der
Tonkunst
über die
Kompositionen
Rosettis.
Wie andere
auch hielt
Schubart,
der zu
diesem
Zeitpunkt
(1777) auf
der
württembergischen
Feste
Hohenasperg
inhaftiert
war, den
Komponisten
aufgrund der
von Rösler
gewählten
Schreibweise
seines
Namens für
einen
Italiener.
Verwundert
muß dieser
Irrtum
nicht, waren
doch zu
gleicher
Zeit fünf
Antonio
Rosetti als
Musiker
bekannt.
Geburtsdatum
und
Geburtsort
Röslers sind
bis heute
nicht
unumstritten;
genannt
werden auch
1750 und die
Gegend von
Leitmeritz.
Als
Siebenjähriger
wurde
Rosetti nach
Prag auf die
Vorschule
geschickt.
1763 trat er
in das
Jesuitenseminar
in
Kuttenberg
ein. Der ´Scholasticus
Novitius´
erhielt 1769
die Tonsur,
wurde
Magister und
unterrichtete
in Znaim und
Olmütz bis
1773. Seine
Leidenschaft
gehörte von
Beginn an
aber nicht
der
Theologie,
sondern der
Musik. So
ließ er sich
von seinen
Gelübden
entbinden
und trat
1773 in
fürstliche
Dienste,
zunächst als
Kontrabassist
in die
Fürstlich-Oettingen-Wallersteinsche
Hofkapelle.
1780
ernannte man
ihn zum
Kapellmeister.
Auf sein
Gesuch hin
erhielt er
schon 1781
die
Möglichkeit,
seine
musikalischen
Kenntnisse
auf einer
Reise nach
Paris zu
erweitern,
wo er mit
Puccini und
Gluck
Bekanntschaft
pflegte;
weitere
Reisen, etwa
nach
Ansbach,
München und
Mainz
folgten. In
Wallerstein
durch die
Werke von
Stamitz,
Haydn und
Mozart
geprägt, auf
Reisen mit
neuen
Orchestertechniken
vertraut
gemacht,
gewann
´seine
Orchestrierungstechnik
jetzt Kraft
und
Klarheit´ (Fitzpatrick).
Charakteristisch
für seine
Kompositionen,
die er für
die Kapelle
unter
Bevorzugung
der Bläser
schrieb,
sind
Stilmerkmale
der
Mannheimer
und der
Wiener
Schule,
wobei er
auch mit den
älteren
Barockelementen
umzugehen
wußte. Er
gilt als ein
Meister der
Übergangszeit
vom Barock
zur Klassik.
Das wird
sehr
deutlich an
seinen
Sonatensätzen
und
Solokonzerten,
in denen
noch häufig
die aus dem
Barock
bekannte
Ritornelltechnik
des Concerto
grosso zu
hören ist,
während die
Verwendung
des für die
Klassik
charakteristischen
zweiten
Themas noch
zögernd
erfolgt.
Dafür kommen
Rosettis
langsame
Sätze schon
dem
Charakterstück
des
19.
Jahrhunderts
nahe; sie
verwenden
die
dreiteilige
Liedform und
beruhen
vielfach auf
österreichischem
oder
böhmischem
Volksgut
(Fitzpatrick).
Rosettis
Vorliebe für
die Bläser
kam dann
besonders
von 1789 an
der
Mecklenburg-Schwerinschen
Hofkapelle
zugute, die
ihren Sitz
zu Rosettis
Bewerbungs-
bzw.
Wirkungszeit
in
Ludwigslust,
dem
damaligen
Ort der
Hofhaltung,
hatte. Nach
dem Tode des
vor ihm in
Ludwigslust
amtierenden
Kapellmeisters
Carl-August
Westenholz
hatte sich
Rosetti bei
dem als
Musikenthusiasten
bekannten
Fürsten
Friedrich
Franz I. um
ein
lebenslängliches
Engagement
beworben.
Seine
vergleichsweise
hohen
Forderungen,
neben Haus
und Garten
finanzielle
Sicherung
für seine
Frau,
Naturalien,
Futter für
zwei Pferde,
Logis,
Doktor- und
Apothekenfreiheit,
wurden vom
Fürsten
akzeptiert,
und er wurde
zusammen mit
dem Geiger
J.F. Marpurg
und dem
mährischen
Kontrabassisten
J.M. Sperger
engagiert.
In der 1701
gegründeten
Ludwigsluster
Kapelle
musizierten
kaum
Mecklenburger,
sie war
international,
wie damals
üblich,
besetzt. Von
den 65
Musikern
stammten nur
neun aus
Mecklenburg,
die übrigen
kamen aus
Pommern,
Braunschweig,
Holstein,
Lübeck,
Hamburg,
Westfalen,
Braunschweig,
Sachsen,
Thüringen,
der Pfalz,
Baden,
Hessen,
Bayern,
Österreich,
Schlesien,
Böhmen,
Italien und
Portugal.
Vor allem
böhmische
Musikanten
haben durch
ihre
Bläsertechnik
das
Musikleben
Mecklenburgs
befruchtet,
indem sie
die neue
Klappentechnik
für Jagd-
und Waldhorn
einführten,
durch die
die
Möglichkeiten
des
Zusammenspiels
gerade mit
nichttransponierenden
Instrumenten
enorm
erweitert
wurden. Und
eben mit
Rosetti
hatten die
mecklenburgischen
Musikliebhaber
einen
Komponisten
und
Dirigenten,
der
besonderen
Wert auf die
Blasmusik
legte. Diese
Vorliebe
geht bereits
aus einem
Werk hervor,
das die
Wallersteinsche
Bibliothek
verwahrt,
´was
Streiter für
das moderne
Bläserquartett
als frühest
Komponiertes
in ihrem
Genre
ansehen´
(Klett): ein
Musikstück
für "Flauto
traverse,
Oboe,
Clarinette
in B, Dalie
und Fagotto".
Rosettis
neuer
Dienstherr
schwärmte
für
geistliche
Musik, und
so führte
sich der
neue
Kapellmeister
1789
geschickt
ein mit
einer Oper
im
Kantatenstil:
Das
Winterfest
der Hirten,
ein Drama/
auf des
regierenden
Herrn/
Herzogs zu
Mecklenburg-Schwerin/
Friedrich
Franzens/
Durchl.
Geburts -
Tag...
Rosettis
Ruhm ging
weit über
die
mecklenburgischen
Grenzen
hinaus. So
erteilte ihm
der Kurfürst
von Trier
den Auftrag,
einige
Sinfonien
für sein
Orchester zu
schreiben.
1791
erfüllte der
böhmische
Komponist
den Auftrag,
ein Requiem
zu Mozarts
Totenfeier
in Prag zu
komponieren
und
aufzuführen.
Nur das
Titelblatt
hat sich
erhalten,
über die
Aufführung
informiert
ein
Zeitungsartikel
in der
Musikalischen
Correspondenz:
"Am 14. Dec.
(1791) um 11
Uhr wurden
in der
Kleinseitner
Pfarrkirche
bei St.
Niklas in
Prag die
feierlichen
Exequien für
ihn
gehalten;
eine Feier,
ganz des
großen
Meisters
würdig. Das
Requiem war
von dem
berühmten
Kapellmeister
Rosetti. Es
wurde von
120 der
ersten
Tonkünstler,
an deren
Spitze die
große
Sängerin
Duschek
stand, so
herrlich
exekudiert,
daß Mozarts
großer Geist
im Elisium
sich darüber
freuen mußte."
Aus dem
Jahre 1776
stammt ein
Requiem für
die
Beisetzung
der Fürstin
Maria-Theresia
zu
Oettingen-Wallerstein,
das viele
Aufführungen
erlebte, und
dabei
jeweils auf
Anlaß und
Ort hin
aktualisiert
wurde. Es
ist nach
Ansicht von
Forschern
nicht
auszuschließen,
daß beide
Requien
identisch
sind.
Als reifstes
Werk
Rosettis
gilt sein
Oratorium
Jesu in
Gethsemane,
nach dem
Text von
Heinrich
Julius Tode,
Prediger zu
Fritzier.
Auf
Einladung
des
preußischen
Königs
Friedrich
Wilhelm II.
dirigierte
er es am 2.
März 1792 in
Berlin,
zusammen mit
dem 1791
entstandenen
Halleluja
vor dem Hof
und der
Geistlichkeit
Berlins.
Gesundheitlich
bereits
angegriffen,
starb
Rosetti drei
Monate
später in
Ludwigslust
"an
Entkräftung",
wie es im
Kirchenbuch
der Gemeinde
Ludwigslust
heißt. Mehr
als 200
Jahre später
erklang das
Oratorium am
8. April
1995 in der
Schweriner
Schelfkirche
St. Nikolai
mit der
Domkantorei
Schwerin,
dem
mecklenburgischen
Barockorchester,
international
besetzt mit
den Solisten
Ann Monoyios,
(USA),
Sopran,
Bogna
Bartosz
(Polen),
Alt, Jörg
Dürrmüller,
Tenor und
Raimund
Nolte, Baß,
unter der
Leitung des
Domkantors
Jan Ernst,
angekündigt
im
Programmheft
als
´Mecklenburgs
bedeutendstes
Oratorium´.
So scheinen
Name und
Werk des
böhmischen
Komponisten
und
Dirigenten
zumindest in
Mecklenburg
eine neue
Renaissence
zu erleben.
Wie man auch
Röslers (Rosettis)
kompositorisches
Können
bewerten mag
- ganz
sicherlich
wird es
sowohl in
seiner
Bläserliteratur
als auch
unter den 90
Sinfonien,
den drei
Oratorien
und anderen
sakralen
Werken
Aufführungswertes
für die
heutige
Konzertliteratur
zu entdecken
geben.
Lit.:
Allgemeines
-
Historisches
Künstler-Lexikon
für Böhmen,
Prag 1815. -
Österr.
National-Encyklopädie
IV, Wien
1836. - O.
Kaul: Die
Vokalwerke
Anton
Rosettis,
Phil. Diss.
München
1911. -
ders.:
Ausgewählte
Symphonien
A. Rosettis,
m. Them.
Verzeichnis
und
stilkritischen
Bemerkungen.
In:
Denkmäler
der Tonkunst
in Bayern
22, 1912. -
Zum
Geburtstag
A. Rosettis
s. ZfMw XVI,
1934, 176 u.
248. -
Artikel
Franz Anton
Rösler, von
Horace
Fitzpatrick
in: Die
Musik in
Geschichte
und
Gegenwart
11, Kassel
1989. -
Heike Müns:
Ausländische
Musikanten
in
Mecklenburg.
In: Jahrbuch
für
Volkskunde
und
Kulturgeschichte
32 (NF 17),
Berlin 1989.
-
Dieter
Klett: Ein
Böhme in
Ludwigslust.
Erkundungen
über den
Hofkapellmeister
Rosetti. In:
Stier und
Greif,
Blätter zur
Kultur- und
Landesgeschichte
in
Mecklenburg-Vorpommern
1992.
Werke:
Vgl. vor
allem auch
Verzeichnis
im MGG. -
A.
Vokalwerke:
Orat. Der
sterbende
Jesus, (T:C.F.B.
Zinkernagel)
1786.
- Orat.
Jesus in
Gethsemane,
(T: K.W.
Ramler)
1790. -
Requiem in
´Es´ zum Tod
der Fürstin
Maria
Theresia v.
Thurn und
Taxis 1776.
-
Requiem zu
Mozarts
Totenfeier
1791.
-
Kantate
Halleluja
1791. -
Drama/Oper
Das
Winterfest
der Hirten
1789. -
etliche
Choral- und
Chorsätze
mit
Instrumentalsätzen.
B.
Instrumentalwerke:
etwa 90
Sinfonien,
darunter
mehrere sog.
Concertante
Sinfonien,
zahlr.
Konzerte,
bes. für
Jagdhorn,
Hörner,
Bläser allg.
-
zahlr.
Streichquartette,
Sonaten.
Heike Müns