Nach fünf
Jahrhunderten fällt es nicht mehr ganz leicht,
Spuren zur Biographie und zu einer Lebensleistung zu
ermitteln, selbst wenn die Persönlichkeit von
höchstem Rang Interesse erweckt und ihrer gedacht
werden soll. Nur die wichtigsten Ränge und Titel
seien hier genannt: Doktor des kanonischen Rechts,
Rektor der Universität Padua, Kaiserlicher Rat
Friedrichs III. und Protonotar, in den Adelsstand
erhoben, Kanzler des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation, Oberlandeshauptmann von Schlesien,
Domdekan von Breslau, Kanonikus in Augsburg, Bischof
von Lavant, Fürstbischof von Breslau und einiges
mehr.
Gemeint ist kein
Geringerer als Dr. Johannes von Roth, der als
Johannes Roth und Sohn eines Schusters in Wemding im
heutigen bayerischen Regierungsbezirk Schwaben
geboren wurde. Sein Geburtshaus, An der Weth Nr. 6,
hat sich erhalten. 1818 ließ Stadtpfarrer Dr.
Gabriel Knogler dort eine Gedenktafel anbringen, um
das „Andenken dieses merkwürdigen Landsmannes zu
ehren“, wohl aber auch als Anerkennung dafür, daß
von Roth selbst in hohem Alter seine Heimatstadt
nicht vergessen hat. Im Jahr 1500 stiftete er
nämlich der Stadt bzw. der Pfarrei Wemding ein „Prediger-Beneficium“,
also eine Predigerstelle mit Pfründen.
Von Roth soll ein
hervorragender Prediger und Redner gewesen sein, so
daß er häufig mit schwierigeren diplomatischen
Missionen betraut wurde. Er setzte sich mit
Nachdruck für den Gebrauch und die Pflege der
deutschen Sprache ein – in Abgrenzung gegenüber den
in seinem Amtsbereich „vom Volke“ gesprochenen
Sprachen Polnisch und Tschechisch. Er ließ Missale,
Breviere und Ritualbücher drucken, förderte den
Kirchengesang und die Künste insgesamt.
Als Politiker
stand er zunächst im Dienste des Königs Ladislaus
Postumus von Böhmen und Ungarn, und nach dessen
frühem Tode wirkte er in höchsten Funktionen für
Kaiser Friedrich III., u. a. als Kaiserlicher Rat
und ab 1468 als Kanzler des Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation. 1464 waren Johannes von
Roth und sogar sein Vater Seyfried Roth geadelt
worden.
Politische
Spannungen und Ränke brachten es mit sich, daß sich
Johannes von Roth 1479 dem Ungarnkönig Matthias
Corvinus anschloß, der Mähren, Schlesien und die
Lausitz erworben hatte und der nicht nur die
Fähigkeiten seines neuen Mitarbeiters erkannte,
sondern sie auch würdigte, indem er ihm half,
mancherlei Auseinandersetzungen in dessen
kirchlichem wie weltlich-politischem Bereich zu
schlichten.
Johannes von Roth
starb am 21. Januar 1506 in Neisse und wurde im Dom
zu Breslau beigesetzt, sein Grab mit einer
künstlerisch wertvollen Grabplatte versehen. Neben
dem Epitaph kündet eine Schrifttafel von den
Verdiensten des Verstorbenen: Quartus Johannes
iacet hic. Vis cetera dicam?
Non alium vellet Silesia Pontificem. – Einen
besseren Bischof für Schlesien konnte man sich also
nicht vorstellen.
1909 wurde vom
oberen Teil des Epitaphs ein Gipsabdruck angefertigt
und in einem Wandpfeiler neben dem Altar der
St.-Wendelin-Kapelle der Wemdinger Stadtpfarrkirche
eingefügt.
Lit.: Anneliese Till, Bedeutende Söhne
von Wemding, in: Liebenswertes Wemding, hrsg. v.
Verein Lebendiges Wemding, 1984. – Josef Walter
König, Johannes von Roth, in: Monika Taubitz
(Hrsg.), Volkskalender für Schlesier 2006, Landshut
2006.
Bild: Zeichnung nach dem Epitaph im
Dom zu Breslau.
Josef Walter König