Der
„kraftvolle
Erweckungsprediger“
und nach dem
Urteil
seiner Zeit
angesehene
Liederdichter
der
Oberlausitz
war Sohn des
Pfarrers
Aegidius
Rothe und
dessen
Ehefrau
Katharina,
geb.
Pfeiffer.
Nach dem
Besuch des
Gymnasiums
in Görlitz
wechselte er
an das
Breslauer
Marien-Magdalenen-Gymnasium
in Breslau.
Ab 1708
studierte er
evangelische
Theologie in
Leipzig, um
1711 in das
Predigerkolloquium
der
Görlitzer
Dreifaltigkeitskirche,
eine Art
Predigerseminar
für
stellungslose
Kandidaten,
einzutreten.
Mitte
September
1721 lernte
der junge
Graf
Nikolaus
Ludwig von
Zinzendorf
(1700-1760)
den Magister
Rothe
kennen, der
mit 33
Jahren trotz
des großen
Zulaufs, den
seine
Predigten
als Kandidat
in Görlitz
fanden, und
der bereits
literarisch
hervorgetreten
war, immer
noch kein
Pfarramt
erhalten
hatte und
als
Hauslehrer
auf dem Gute
Niederleuba
bei Ostritz
des
pietistisch
geprägten
Landältesten
des
Fürstentums
Görlitz,
Hans
Christoph
von
Schweinitz
(1645-1722),
tätig war.
Diese
Begegnung,
veranlasst
durch die
Herzogin von
Wolfenbüttel,
die einen
Hofkaplan
suchte,
sollte von
weitreichender
Bedeutung
werden. Vor
allem durch
Rothe kam
die für
Herrnhuts
Anfänge so
bedeutsame
Verbindung
zu dem
Görlitzer
Mag.
Melchior
Schäfer
zustande und
durch diesen
wiederum zu
dem Mähren
Christian
David
(1672-1751).
Zinzendorf
fand zu dem
geistig
bedeutenden
und doch so
bescheidenen
Lutheraner
Rothe – er
nennt ihn
einmal
summe
pacificus
– spontan
eine große
Zuneigung,
was wiederum
Verstimmungen
bei seinem
reformierten
schweizerischen
Hofmeister
Heitz in
Hennersdorf
hervorrief.
Die
konfessionellen
Differenzen
waren
allerdings
nach dem
Wegzug des
Hofmeisters
im August
1723 nicht
aus dem Wege
geräumt. War
eine
geplante
Anstellung
Rothes in
der
Residenzstadt
während
Zinzendorfs
Tätigkeit am
Dresdener
Hof auch
nicht
zustande
gekommen, so
ergab sich
mit der
Berufung auf
die vakant
gewordene
Pfarrstelle
in
Berthelsdorf
am 19. Mai
1722 die
Möglichkeit
engster
Zusammenarbeit
mit dem
Patronatsherrn.
„An mir
sollt ihr
mehr einen
treuen
Gehilfen und
lieben
Bruder als
einen
Patronum
haben“,
versicherte
der Graf bei
der
Amtseinführung.
Bereits nach
der
Probepredigt
am 17. Mai
1722
erwähnte er
lobend: „Lutherus,
Spener,
Francke und
Schwedler
waren mit
allen ihren
Gaben in
seiner
Person
beisammen.
Er war
keinem
Bauern zu
dunkel und
keinem
Philosopho
zu seichte.“
Er
charakterisierte
ihn auch als
„grundgelehrt,
einen großen
Didactus,
einen
exelenten
Schulmann“.
Das lag auch
durchaus im
Interesse
Zinzendorfs
in
Verbindung
mit seinen
Plänen der
Errichtung
eines
Waisenhauses
nach
Franckeschem
Vorbild an
dem für die
Exulanten
vorgesehenen
Ort, zu
dessen Anbau
am 17. Juni
1722 der
erste Baum
gefällt
wurde. Mit
der
Kanzelabkündigung
Rothes im
Jahre 1724
erhielt
dieser Ort
endgültig
den Namen
„Herrnhut“.
Am 1.
Dezember
1722
heiratete
Rothe die
Tochter
eines
Verwandten,
des
verstorbenen
Pastors von
Rothenburg,
Julia
Concordia
Rothe.
Als Pastor
der
evangelisch
lutherischen
Landeskirche
hatte er in
Leipzig den
Eid auf die
symbolischen
Bücher
abgelegt und
sich durch
seine
Ordination
verpflichtet,
über die
reine Lehre
zu wachen.
Zinzendorf
bekannte dem
gegenüber,
dass ihm die
„articuli
Dissensus“
immer
weniger
bedeuteten.
Und er
spricht von
„dem
großen
Verderben“,
den die „Interpretationes
et
additiones
humanae“
versacht
hätten. Hier
zeigen sich
unüberbrückbare
Gegensätze,
die von
Anfang an
die
Beziehungen
zu der sich
formierenden
Brüdergemeine
belasteten.
Dennoch
hatte Rothe
entscheidenden
Anteil an
dem
Katechismus
und den
ersten
Herrnhuter
Gesangbüchern.
Er verfasste
einen
umfangreichen
exegetischen
Anhang zu
Zinzendorfs
Ebersdorfer
Bibel.
Am 28.
August 1729
unterzeichnete
Rothe das
Notariatsinstrument,
das die
Zusammengehörigkeit
der
Brüdergemeine
und der
evangelisch-lutherischen
Kirche und
gleichzeitig
die
Unabhängigkeit
von ihrer
Verfassung
aussprach.
Die
Unterzeichnung
der
Herrnhuter
Statuten
brachten dem
Berthelsdorfer
Pfarrer aus
Dresden
einen
strengen
Verweis mit
der
Androhung
der
Suspension
ein. Als
schließlich
ruchbar
wurde, dass
sich Rothe
im Jahre
1737 der
sächsischen
Regierung
gegenüber
verpflichtet
hatte, über
das
Verhalten
Zinzendorfs
in
Religionssachen
vertraulich
Bericht zu
erstatten,
war das
Vertrauensverhältnis
vollends
gestört. Es
kam zum
endgültigen
Bruch. Im
Herbst 1737
nahm Rothe
einen Ruf
als Pfarrer
nach
Hermsdorf (poln.
Jerzmanski)
bei Görlitz
an, um im
Jahre 1739
einem Ruf
des Grafen
Promnitz zu
Sorau, einem
strengen
Vertreter
des
Pietismus
Hallescher
Provenienz,
nach
Thommendorf
bei Bunzlau
zu folgen.
Hier
verstarb der
am 6. Juli
1758.
Überliefert
sind von ihm
ca. 18
erbauliche
Traktate und
ca. 35
Lieder.
Werke:
Siehe
Johann Georg
Meusel,
Lexikon der
für das Jahr
1750 bis
1800
verstorbenen
teutschen
Schriftsteller,
Bd. XI
(1811, Repr.
1968), S.
441-443 –
Gottlieb
Friedrich
Otto,
Lexikon der
seit dem
fünfzehenden
Jahrhunderte
verstorbenen
und
jetztlebenden
Oberlausitzischen
Schriftsteller
und Künstler
…, Bd. 2,
Erste Abth.
R und S,
Görlitz
1803, S.
100-105.
Lit.:
H.A. Lier,
Rothe,
Johann
Andreas, in:
ADB 29
(1889, Repr.
1970), S.
351-353. –
Hermann
Steinberg,
Hohann
Andreas
Rothe.
Pfarrer in
Berthelsdorf
1722-1737 (=
Lebensbilder
aus der
Brüdergemeine,
H. 3),
Herrnhut
1922. –
Gerhard
Reichel, Die
Anfänge
Herrnhuts.
Ein Buch vom
Werden der
Brüdergemeine,
Herrnhut
1922. –
Eberhard
Teufel,
Johann
Andreas
Rothe
1688-1758.
Ein Beitrag
zur
Kirchengeschichte
der
sächsischen
Oberlausitz
im 18.
Jahrhundert,
Teil 2,
1688-1712,
Teil 2,
1732-1788,
Leipzig
1917/18. –
W. Jannasch,
Rothe,
Johann
Andreas
(1688-1758),
in: RGG V (31961),
Sp. 1196f. –
Dietrich
Meyer,
Rothe,
Johann
Andreas, in:
RGG 7 (42004),
Sp. 645f. –
Rothe,
Johann
Andreas, in:
DBE 8
(2001), S.
418. -
Henning
Schröer,
Rothe,
Johann
Andreas, in:
Wolfgang
Hernst
(Hrsg.),
Komponisten
und
Liederdichter
des
Evangelischen
Geangbuches,
Göttingen
22001,
S. 262f. –
Helmut
Scheunchen,
Oberlausitz,
in:
Schlesisches
Musiklexikon,
Augsburg
2001, S.
527-530. –
Michael
Fischer/
Rebecca
Schmidt,
„Mein
Testament
soll seyn am
End“.
Sterbe- und
Begräbnislieder
zwischen
1500 und
2000.
Münster/New
York 2005. –
„Wenn kleine
Himmelserben“.
Autor:
Johann
Andreas
Rothe
(1688-1758),
S. 153-179.
Guntram
Philipp