Seit 1949
lebt Prof.
Franz Rotter,
der sich als
Bildhauer
einen Namen
gemacht hat,
in Cuxhaven.
Durch Zufall
kam er heran
die flache
Küste, von
wo seine
Blicke über
das Meer in
weite
Horizonte
schweifen.
Eine
„unplastische“
Landschaft
ohne
Erhebungen,
ohne Berge,
ohne
Gebirge.
Rotters
Wiege stand
im
ungarischen
Komorn, wo
sein Vater
in der k.
und k.
Monarchie
als
Oberstleutnant
Stadtkommandant
war. Von
1928-1934
studierte er
an der
Kunstgewerbeschule
in Prag und
war ab 1939
zunächst
Assistent,
danach
Professor an
diesem
Institut.
Von seinen
frühen
Bildwerken,
die zum
großen Teil
verschollen
sind,
existieren
noch Fotos,
in Alben
chronologisch
geordnet.
Damals
arbeitete
er, dem
Zeitgeschmack
angepaßt, in
einem
idealisierenden
Stil. Die
klassizistische
Formsprache
wurde in
expressionistischer
Vereinfachung
weiter
entwickelt.
Manches
Bildnis
zeichnet
sich
einerseits
durch die
psychologische
Erfassung
des Modells
aus,
andererseits
durch eine
impressionistische
Oberflächenbehandlung
des
Materials;
viele
Dezennien
danach
taucht diese
Manier in
seinen um
einen
Eisenkern
gebauten
Wachsplastiken,
in
räumlich-grafischen
figuralen
Kompositionen,
die Alberto
Giacometti
erinnern,
wieder auf.
Andererseits
ist eine
Annäherung
an den
Realismus zu
spüren;
parallel
hierzu
entstehen
gegenstandsfreie
Arbeiten.
Auch Franz
Rotter war
ein
Flüchtlingsschicksal
beschieden.
Bekannte
vermittelten
ihm eine
Stelle in
der
Industrie in
Cuxhaven;
über den
Sport – er
war
Hockeyspieler
– erwarb
sich der
gesellige
Ostdeutsche
in der
steifen
norddeutschen
Gesellschaft
bald einen
Freundeskreis,
und als man
erfuhr, daß
er Bildhauer
sei, erhielt
er bald ein
eigenes
Atelier und
konnte
wieder als
freier
Künstler
tätig sein.
Heute
begegnet man
in Cuxhaven
Dutzenden
seiner Werke
am Bau (an
Schulen,
Kirchen,
Sportstätten,
Banken,
Gebäuden der
Fischereiindustrie
und der
Post). Von
der
angewandten
Kunst,
Schmuck aus
verschiedenen
Materialien
in Außen-
und
Innenräumen
bis zur
dekorativ
gestalteten
Türklinke,
spannt sich
der Bogen
zur
figuralen
Bronzeplastik,
dem „Mahnmal
der
Vertreibung“,
das den
einen Pol
seines Stils
markiert,
und der
abstrakten
„Dreiteiligen
Form“,
Symbol für
beide Teile
Deutschlands
und Berlins;
von der der
Künstler
einmal
gesagt hat:
„Möge die
Kugel sich
wieder zu
einem Ganzen
schließen“.
Schon
während
seiner
Prager Zeit,
als Leiter
der
Abteilung
„Angewandte
Bildhauerei
und
Metallbearbeitung“,
nahm das
Porträt in
seinem
Oeuvre eine
wichtige
Rolle ein.
Aus der
Reihe der
ungezählten,
von ihm
porträtierten
Persönlichkeiten
seien hier
nur einige
hervorgehoben:
Generalmusikdirektor
Josef
Keilberth
(Prager und
Bamberger
Symphoniker),
Generalmusikdirektor
Dr.
Thierfelder
(Hannover),
Bundesminister
Dr. Hans
Christoph
Seebohm,
Ministerpräsident
Alfons
Goppel
(München)
und der
Dichter Hans
Lipinsky-Gottersdorf(Köln).
Weniger ist
der Maler
und Zeichner
Rotter
bekannt. Als
der
Bildhauer
wegen einer
schweren
Krankheit
längere Zeit
mit dem
Arbeiten in
Stein, Ton
und Zement
aufhören
mußte,
wandte er
sich der
Malerei, der
Zeichnung
und der
Collage,
später auch
dem
Linolschnitt
zu. In
dieser Zeit
entstanden
seine
vegetativen,
bewegten
Formspiele
und seine „Skriptogramme“.
Nach seiner
Genesung
durfte er
sich der
bildhauerischen
Arbeit
wieder
widmen, die
nunmehr
ihren alten
zentralen
Platz in
Rotters Werk
einnimmt.
Wer den
Namen Franz
Rotter
nennt, denkt
freilich
nicht nur an
den
Bildhauer.
Vielen ist
dieser
Künstler
noch aus der
Zeit seiner
Tätigkeit
als
Vorsitzender
der
Künstlergilde
in
Niedersachsen
bekannt,
besonders
aber als
Schöpfer des
Künstlerateliers
in
Kugelbacke,
heute in
Duhnen am
Meer, für
die
Mitglieder
der
Künstlergilde.
Seit 1955
suchen seine
Kollegen und
andere
Kulturschaffende
aus allen
Teilen der
Bundesrepublik
Deutschland
und aus
Westberlin
hier Ruhe
und
Erholung,
sammeln
Eindrücke,
skizzieren,
malen,
schreiben.
Stolz zeigt
uns der
„Vater von
Kugelbacke“
in seinem
Cuxhavener
Heim eine
Reihe von
Gästebüchern,
in denen
sich
Hunderte von
„Urlaubern“
in Versen
und
Illustrationen
und
freundlichen
Worten nach
einem
mehrwöchigen
Aufenthalt
dankbar
verewigt
haben.
Lit.:
Günther Ott
„Franz
Rotter zum
70.
Geburtstag“
in: „Der
Wegweiser“,
Düsseldorf
7-8/'80 –
Günther Ott:
„Künstlerprofile“
Walter-Rau-Verlag,
Düsseldorf
1980 –
Johanna von
Herzogenberg:
„Franz
Rotter
porträtiert
den
Ministerpräsident
a.D. Alfons
Goppel“, in:
Kulturpol.
Korrespondenz,
Bonn
380/381/79.
Günther Ott
(1985)