Wurde die
barocke
Kunst in
Süddeutschland
und Böhmen
zu einem
großen Teil
vom Wirken
der Gebrüder
Asam geprägt
und
beeinflußt,
gilt dies
für den
österreichischen
Raum genauso
umfassend
durch das
weitgespannte
Schaffen
Johann
Michael
Rottmayrs.
Dieser wurde
als Sohn des
Organisten
Friedrich
Rottmayr und
seiner
Gattin
Margareta
Magdalena in
Laufen an
der Salzach
geboren und
am 11.
Dezember
1654 in der
dortigen
Pfarrkirche
getauft.
Eine erste
künstlerische
Ausbildung
erhielt
Rottmayer
bereits im
Elternhause,
war seine
Mutter doch
eine recht
angesehene
Malerin.
1675 zog er
dann aber
zur
Fortsetzung
und
Vervollkommnung
seiner
Studien nach
Italien und
war bis 1687
Schüler
Johann Carl
Loths in
Venedig.
Über den
weiteren
Lebensweg
Rottmayrs,
der im
übrigen
durch ein
umfangreiches
und gut
dokumentiertes
Schaffen an
vielen Orten
ausgezeichnet
ist, liegen
allerdings
widersprüchliche
Angaben vor.
Nach einigen
soll sich
Rottmayr
nach seiner
Rückkehr
zunächst
nach Böhmen
gewandt
haben, wo er
sich durch
Arbeiten für
die Grafen
von
Thun-Hohenstein,
besonders
durch die
Gestaltung
eines
Deckenfreskos
im Palais
der Grafen
zu Prag
empfahl, das
Szenen aus
dem
Trojanischen
Krieg
darstellte
und 1794
durch ein
großes Feuer
vollständig
vernichtet
wurde,
wodurch die
genaue
Zuschreibung
leider nicht
mehr möglich
ist.
Anschließend
soll er nach
Salzburg
gekommen
sein, wo zu
dieser Zeit
mit dem
Kardinal
Johann Ernst
ein Mitglied
der
Thunschen
Familie das
Amt des
Erzbischofs
bekleidete.
Nach anderen
ging er von
Venedig
direkt nach
Salzburg als
einem der
damaligen
Zentren der
Kunstförderung
und des
Mäzenatentums,
um sich,
wenn möglich
bei Hofe
oder im
Dienste der
Kirche, ein
Auskommen zu
sichern.
Jedenfalls
stammen aus
der
Salzburger
Zeit mehrere
sakrale
Werke, so
der in das
Jahr 1691 zu
datierende
Hochaltar
für die
Kirche in
Michaelbeuren
oder das
jetzt in
Graz
befindliche
Gemälde der
„Opferung
Isaaks“ aus
dem
folgenden
Jahr, sowie,
als
Hauptwerk,
die Fresken
im
Karabiniersaal
der
erzbischöflichen
Residenz.
Von Salzburg
aus lieferte
Rottmayr in
den Jahren
1693-1695
auch mehrere
Gemälde nach
Passau,
neben der
„Bekehrung
Sauli“ und
der „Rettung
des Heiligen
Sebastian
durch Irene“
vor allem
die
„Enthauptung
Johannes des
Täufers“ für
den dortigen
Dom St.
Stephan. Ob
sich
Rottmayr
dabei auch
persönlich
in Passau
aufgehalten
hat, bleibt
wiederum
unklar.
1695 finden
wir Rottmayr
dann im
mährischen
Frain, wo er
im Ahnensaal
des
Schlosses
die Kuppel
mit einer
„Verherrlichung
des
Althanschen
Hauses“
ausschmückte.
Ob er sich
gleich im
folgenden
Jahr nach
Wien begab,
wo er für
den Rest
seines
Lebens mehr
oder weniger
ständigen
Wohnsitz
nahm, oder
erst über
Prag 1698 in
die Residenz
der
Habsburger
gelangte,
ist wiederum
nicht
eindeutig zu
ermitteln.
Sehr schnell
stieg er
hier aber zu
einem der
bedeutendsten
und
einflußreichsten
Künstler
auf, der mit
einer
Vielzahl von
Aufträgen
aus Wien
selbst, aber
auch von
anderen
Orten her
geradezu
überhäuft
wurde und
eine größere
Werkstatt
aufbaute.
Gleich
Rottmayrs
erster
größerer
offizieller
Auftrag in
Wien, die
Ausgestaltung
der Decke im
Speisesaal
des
Schlosses zu
Schönbrunn
im Jahre
1703, machte
auf die
Zeitgenossen
durchaus
Eindruck.
Rottmayr
wählte als
Thema des
Freskos die
Ausfahrt der
Griechen von
Aulis und
spielte
damit auf
die Abreise
des späteren
Kaisers
Karls VI.,
damals als
Karl III.
König von
Spanien, auf
die
Iberische
Halbinsel
an. Seine
Wertschätzung
durch den
kaiserlichen
Hof war so
groß, daß er
1704 als
Freiherr von
Rosenbrunn
gar in den
Adelsstand
erhoben
wurde.
1705-1708
folgte dann,
beauftragt
durch die
Fürsten von
Liechtenstein,
ein Zyklus
von
Deckenfresken
mit
Allegorien
und Szenen
aus der
griechischen
Mythologie
für deren
Gartenpalais
in Rossau,
1714 das
Kuppelfresko
mit der
„Himmelfahrt
Mariä“ für
die Kirche
St. Peter in
Wien.
Daneben
entstanden
eine Fülle
von
Ölgemälden
auf
Leinwand,
etwa ein
„Heiliger
Benno“
(1702), das
Werk
„Kephalos
und Proklis“
von 1710
oder
Rottmayrs
bekanntestes
Selbstbildnis
aus dem
gleichen
Jahr.
Die Sommer
verbrachte
Rottmayr
oftmals
außerhalb
Wiens, um
sich
auswärtigen
Aufträgen zu
widmen. So
schuf er
1704-1706
das
Langhausfresko
mit dem
Thema
„Verherrlichung
des Namens
Jesu durch
die Glieder
der
Gesellschaft
Jesu“ für
die Kirche
St. Matthias
in Breslau
und 1717 das
Deckengemälde
im
Marmorsaal
des
Schlosses
Weißenstein
bei
Pommersfelden,
das den
„Sieg der
Schönbornschen
Tugenden
über die
Laster“
thematisiert.
Die beiden
bedeutendsten
Aufträge
führten
Rottmayr
jedoch
wieder nach
Salzburg und
nach Melk.
Zu Salzburg
setzte der
Künstler in
den Jahren
1710-1714
die
Ausschmückung
einzelner
Räume in der
erzbischöflichen
Residenz
fort.
Ging er an
den
„Gottvater
mit Engeln“
in der
Privatkapelle
der
Erzbischöfe
noch in
Freskotechnik
heran,
entstanden
sowohl der
„Alexanderzyklus“
in den
Paradezimmern
als auch die
Kartuschen
mit Episoden
aus dem
„Paris-Mythos“
im Thronsaal
in Form von
in Öl
ausgeführten
Leinwandgemälden.
Für die
Stiftskirche
der
Benediktiner-Abtei
Melk schuf
Rottmayer in
den Jahren
1716-1723
fast den
gesamten
Bildschmuck.
Wieder als
Fresken
entstanden
die
Verherrlichung
der
Dreifaltigkeit
in der
Kuppel und
die des
Heiligen
Benedikt im
Langhaus
sowie
musizierende
Engel im
Querschiff
und ein
Zyklus von
Heiligen in
den
Seitenkapellen.
Dazu kamen
auf Leinwand
ausgeführte
Werke, meist
für Altäre,
so ein
„Heiliger
Michael“
oder eine
„Anbetung
der Könige“,
später,
1727, noch
eine „Taufe
Christi“.
In den
letzten
Jahren
seines
Lebens
konzentrierte
sich
Rottmayr
vorwiegend
auf sein
abschließendes
großes Werk,
das
Kuppelfresko
mit der
„Glorie des
heiligen
Karl
Borromäus“
in der
Wiener
Karlskirche,
das ab 1725
entstand.
Daneben kann
auch noch
die
Ausmalung
der
Chorkuppel
in der
Stiftskirche
zu
Klosterneuburg,
die die
Himmelfahrt
Mariens zum
Gegenstand
hatte und an
der Rottmayr
von 1729 bis
zu seinem
Tod
arbeitete,
als
Alterswerk
des
Künstlers
gelten.
Johann
Michael
Rottmayr
verstarb am
25. Oktober
1730 im
Alter von 75
Jahren in
seinem
Wohnhaus in
Wien.
Ist in
Rottmayrs
Leinwandgemälden
in Öl ein
Spannungsbogen
von den
Anfängen in
kontrastreicher
Hell-Dunkel-Manier
zu
zunehmender
polychromer
Inkarnatmalerei
festzustellen,
zeichnet die
Fresken eine
klare
Gliederung
in Haupt-
und
Nebenszenen
aus. Dies
wird durch
die farbige
Abstufung,
die die
Hauptszenen
im
dominierenden
Farbklang
aus Rot,
Gelb (Gold)
und Blau
ausführt und
diesen
konzentrisch
zugeordnete
Trabantenfiguren
beifügt,
erreicht. So
entstehen
weite, hell
durchlüftete
Himmelsregionen
mit
rhythmisch
bewegten
Bildern, die
den
Betrachter
quasi ins
Zentrum
führen.
Eine
Besonderheit
Rottmayrs
ist die
häufig
anzutreffende
Übertragung
von
Bedingungen
des
Kuppelbildes
auf
Longitudinalräume,
durch die
große,
weitumspannende
und
jochübergreifende
Kompositionen
hervortreten.
In
Zusammenarbeit
mit den an
den
jeweiligen
Bauten
beteiligten
Architekten
entstanden
so
dreidimensionale
Gesamtkunstwerke,
die sowohl
dem sakralen
wie auch dem
profanen
Raum eine
gleichwohl
heiter-
gelöste als
auch ernste
Festlichkeit
verleihen
und den
Betrachter
in sich
aufzunehmen
vermögen.
Im Schaffen
Rottmayers
manifestiert
sich eine
neue, aus
der
Verschmelzung
italienischer
und
flämischer
Elemente
geborene
Kunstauffassung,
die gerade
die
Architekturmalerei
nördlich der
Alpen,
besonders
aber im
habsburgischen
Raum, bis
weit in die
2. Hälfte
des 18.
Jahrhunderts
hinein
beeinflußte
und erst
durch den
aufkommenden
Klassizismus
abgelöst
wurde. Er
kann als der
eigentliche,
mit der
Herrschaft
Karls VI.
eng
verbundene
„Kaiserstil“
gelten, als
dessen
Charakteristika
Monumentalität
und Pathos,
aber auch
virtuose
Polychromie
und klare
Komposition
hervorstechen.
Lit.:
Erich Hubala:
Johann
Michael
Rottmayr,
Wien/München
1981. –
Albert Ilg:
Johann
Michael
Rottmayr,
in:
Historische
Commission
bei der
Königl.
Akademie der
Wissenschaften
(Hrsg.):
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
29. Bd.,
Leipzig
1889, S.
402-404. –
Gerhard
Woeckel:
Johann
Michael
Rottmayr,
in: Rolf
Linnenkamp
(Red.):
Kindlers
Malerei-Lexikon,
Bd. 5,
Zürich 1968,
S. 140-142.
Bild:
Johann
Michael
Rottmayr:
„Selbstbildnis“,
um 1710,
abgedruckt
in: Gerhard
Woeckel:
Johann
Michael
Rottmayr, S.
142.
Bernhard
Mundt