„Ich liebe
bei aller
Modernität
den
melodischen
Duktus, das
persönliche
Engagement,
die
kritische
Überempfindlichkeit,
den
Farbenrausch
und bei den
vielen
Balletten,
die ich
schrieb,
auch die
entfesselte
Rhythmik.
Meine
beiden, von
mir sehr
verehrten,
aber
konträren
Lehrer, Leos
Janacek und
Philipp
Jarnach
hinterließen
doch
Spuren.“ So
kennzeichnet
Prof. Bert
Rudolf
selbst
seinen Stil.
Und ergänzt
man dies mit
dem Hinweis
auf seine
große
Meisterschaft
in der
Gestaltung
kleiner und
großer
Formen,
seine
ungemein
gekonnte
Instrumentation,
die alle
harmonischen
Möglichkeiten
umspannende
Klanglichkeit
seiner
Partituren
und die
Selbstverständlichkeit,
mit der er
eine Geist
und Gefühl
gleichermaßen
ansprechende,
ausdrucksstarke
Musik
schreibt, so
erklärt sich
die spontane
Wirkung
seiner Werke
und ihr
dauerhafter
Erfolg.
Der
Sudetendeutsche
Kulturpreis
für Musik
des Jahres
1977 war für
den in Linz
a.d. Donau
lebenden
Bert Rudolf
eine längst
fällige und
verdiente
Ehrung in
einer langen
Reihe von
Auszeichnungen,
die das
Schaffen
dieses
vielseitigen
Meisters
unserer Zeit
begleiten:
1935 erhielt
er einen
Liederpreis
des
tschechoslowakischen
Präsidenten
Masaryk,
1937 den
Internationalen
Musikpreis
von Venedig
für seine
„Schwalben-Lieder“,
1938 und
1939 ein
Förderungsstipendium
der Stadt
Duisburg: Es
folgten der
Kantaten-Preis
der Stadt
Wien, 1959
ein
Österreichischer
Staatspreis
für den
Werbefilm
„Kleine
Stadt von
heute“ und
1960 ein
solcher für
den
Kulturfilm
„Österreich
in Dur und
Moll“, der
außerdem
noch mit
einem
Filmpreis in
Valencia
ausgezeichnet
wurde.
Weitere
Filmpreise
erhielt er
in Cannes
für „Einer
ist
mächtiger“
und in
Marseille
für „Reise
in den
Sommer“
(Erster
Preis). 1963
bekam er
einen
Förderungspreis
des
„Theodor-Körner-Stiftungsfonds“
und 1965 den
Kunstwürdigungspreis
der Stadt
Linz. 1971
zeichnete
ihn die
Künstlergilde
e.V. mit
einer
Ehrengabe
des
Johann-Wenzel-Stamitz-Preis
aus.
Bert Rudolf
wurde am 25.
April 1905
in
Seifersdorf
bei
Jägerndorf (Sudetenschlesien)
als Sohn
eines
Oberlehrers
geboren. Die
Musik war
ihm von
Kindheit an
ständiger
Umgang und
vertraute
Sprache. So
nimmt es
nicht
wunder, daß
er sich nach
der Matura
an der
Lehrerbildungsanstalt
in Troppau
ganz der
Musik
widmete. Er
studierte
Orgel bei
Prof. Josef
Heidegger,
Klavier bei
Karl
Frotzler
(1873
Stockerau/1960
Passau), der
seit 1901
Direktor der
Brünner
Musikakademie
war, und
nicht
zuletzt
Komposition
bei Leos
Janacek
(1854
Hukvaldy/1928
Mähr.-Ostrau).
Nach seinem
Brünner
Studium
wirkte er an
verschiedenen
Theatern
seiner
Heimat als
Kapellmeister:
in Brüx,
Teplitz-Schönau,
Karlsbad,
Reichenberg,
Troppau und
in Olmütz.
Dann wurde
er
Konzertbegleiter
des Geigers
Gerhard
Taschner
(1922
Jägerndorf/1976
Berlin) und
des
Kammersängers
Karl Riedl,
sowie seiner
Frau, der
Prager
Opernsängerin
Thea Honsig,
und bereiste
mit ihnen
nicht nur
die
Tschechoslowakei,
sondern auch
Deutschland
und
Jugoslawien.
Nach den
anstrengenden
Wanderjahren
trat er in
die
Fußstapfen
seines
Vaters und
wurde 1931
Bürgerschullehrer
in
Jägerndorf,
was ihn aber
nicht
abhielt,
unablässig
musikalisch
weiterzuwirken:
Er
beteiligte
sich
maßgeblich
an der
Programmgestaltung
der
deutschen
Sendungen,
die die
Rundfunkstationen
von
Mähr.-Ostrau,
Brunn und
Prag
ausstrahlten.
In dieser
Zeit
erzielte er
auch
zunehmende
Beachtung
als
Liedkomponist.
Überhaupt
begleitet
ihn das Lied
durch sein
ganzes
Schaffen,
und obwohl
unsere Zeit
dieser Form
oft recht
verständnislos
gegenübersteht,
gelingt es
ihm immer
wieder,
beachtliches
Echo damit
zu finden,
so 1976 in
München mit
seinem
Rilke-Liederzyklus
und in Linz
mit den
altägyptischen
Liebesliedern,
die von
Ingeborg
Hallstein
und Erik
Werba aus
der Taufe
gehoben
wurden.
Neben
Liedern mit
Klavierbegleitung
stehen aber
auch Gesänge
mit
Orchesterbegleitung
wie die von
Miltiades
Caridis
uraufgeführten
Gesänge aus
der Zeit der
Lysistrata
und die in
München
uraufgeführten
James-Joyce
Lieder, die
Edmond de
Stoutz mit
der Sängerin
Catherine
Geyer im
Programm
hatte. Ein
großer
Erfolg war
auch
„Monolog und
Abschied der
Sappho“: Das
Werk kam in
Wien und
Linz, sowie
später mit
den
Bamberger
Sinfonikern
zur
Aufführung.
Auf ihre
Uraufführung
warten noch
die
persischen
Gesänge, die
Gottschalk-Lieder,
das
österreichische
Liedertagebuch
und der
sinfonische
Zyklus für
Sopran und
Orchester
„Das
menschliche
Jahr“.
Nach dem
Anschluß des
Sudetenlandes
1938 an das
Deutsche
Reich kam
Rudolf als
Musikstudienrat
nach
Duisburg, wo
er für seine
Bemühungen
um eine
aktive
Schulmusik
an Höheren
Schulen mit
dem bereits
erwähnten
Musikförderungspreis
der Stadt
geehrt
wurde. Trotz
Erfolg und
Anerkennung
als
Komponist
nutzte
Rudolf
seinen
Aufenthalt
im
Rheinland,
um bei Prof.
Philipp
Jarnach
(geb. 1892
Noisy) an
der Kölner
Musikhochschule
noch einmal
zu studieren
und sich den
letzten
kompositorischen
Schliff
anzueignen.
Nach
Absolvierung
der
Meisterklasse
für
Komposition
und Theorie
erhielt er
1940 für ein
Klavierkonzert
und für
Streichquartett-Lieder
das
Abschlußzeugnis.
Im Jahre
1941 wird
Rudolf
Studienrat
an der
Lehrerbildungsanstalt
in Wien und
Dirigent des
Lehrer-Sinfonieorchesters
und des
Sängerbundes.
Hatte er
bereits 1937
mit der
Prager
Uraufführung
seiner
Veit-Stoß-Oper
„Die
holzgeschnitzte
Madonna“
einen ersten
großen
Bühnenerfolg
errungen, so
gelang ihm
nun 1944 ein
noch
größerer,
durchschlagender
Erfolg mit
seinem
Ballett „Ali
Baba und die
Räuber“
unter Lovro
von Matacic
an der
Wiener
Volksoper.
Seither
verschrieb
sich Rudolf
immer mehr
der
Bühnenmusik,
die ins
Zentrum
seines
musikalischen
Schaffens
rückte und
die seiner
expressiven
Musikauffassung
am weitesten
entgegenkam.
Der
Komponist,
seit dem
Kriegsende
freischaffend
in Wien,
seit 1954 in
Linz wirkend
und 1963 zum
Professor
ernannt,
schrieb
bisher sechs
weitere
Opern: die
Kammeroper
„Regen am
Sonntag“ war
ein
Auftragswerk
des
Österreichischen
Rundfunks,
wurde 1964
in Linz
uraufgeführt
und ist für
eine einzige
Darstellerin,
die
musikalisch-psychologisch
so trefflich
gestaltet
ist, daß das
Linzer
Premierpublikum
zu
Beifallsstürmen
hingerissen
wurde. Die
komische
Oper „Der
Salon“ (nach
Molière)
wurde 1965
zunächst im
österr.
Hörfunk
uraufgeführt
und war dann
auch im
österr.
Fernsehen zu
erleben. Als
Auftragswerk
des
Bruckner-Konservatoriums
entstand die
Oper „Der
Traum des
Ovid“, die
am 25.
6.1967 in
Linz
uraufgeführt
wurde.
Ferner
komponierte
er die
zweiaktige
Oper „Die
Liebende“
und die
Kammeroper
„Penelope
und der
Landstreicher“
(1913).
Einen
Höhepunkt
stellt die
neueste Oper
„Liebelei“
nach Arthur
Schnitzler
dar. Aber
auch die
Operette
„John und
die Perle“
(1950
Opernhaus
Graz) und
das Musical
„Schwarze
Perlen“
(Stadttheater
St. Gallen)
müssen hier
erwähnt
werden. Als
weitere
Bühnenwerke
schuf Rudolf
eine Reihe
vorzüglicher
Ballette.
Nach „Ali
Baba und die
Räuber“
entstanden
die „Legende
von den
sauren
Trauben“ die
„Acht
Gesichter am
Biwasee“
nach
Dauthendey
(1957 Linz)
und die in
Hagen
uraufgeführte
„Rosarote
Nelke“, eine
Ballettgroteske,
bei der
Chansongesang
einbezogen
wird. Die
Ballettstudie
„Le Rappel“
(Linz 1974)
ist ein
Auftragswerk
des Royal
Ballett
London. Sie
„nützt ganz
besonders
die
Klangsinnlichkeit
der
Streicher
und ihre
reichen
Möglichkeiten
zu
intensiver,
dynamisch
lebendiger
Farbwirkung“.
(H.
Schönegger
in:
Salzburger
Nachrichten,
1954). Die
Bühne ist
Rudolf das
Abbild des
Lebens in
seiner
Vielfalt und
Vielschichtigkeit.
Auf sie kann
man Licht
und Farben
projizieren,
die Rudolf
so gerne in
seinen
Partituren
aufleuchten
läßt. „Dem
großen
Geheimnis
von der
ungeheuren
Macht der
Farben, der
die Menschen
erlegen
sind“,
versucht er
in seinem
Farbenballett
„Vis colorum“
(„Die Macht
der Farben“)
näher zu
kommen. (Dr.
Margareta
Wöss in:
Oberösterr.
Kulturbericht,
23. 4.1965).
Von hier aus
ist nur noch
ein kleiner
Schritt hin
zum Film,
für den er
etwa
sechzig, zum
Teil
preisgekrönte
Musiken
geschrieben
hat. Aber
auch das
Hörspiel hat
Rudolf, dem
das
Komponieren
ungemein
leicht von
der Hand
geht, mit
etwa achtzig
Beiträgen
bedacht. Daß
diese
Produktivität
nicht zu
Lasten der
Qualität
geht,
beweist auch
Rudolfs
konzertante
Musik. Der
einfallsreichen,
lebendigen
Sinfonietta
für großes
Orchester
aus dem
Jahre 1971
fügte Rudolf
eine zweite
1976 hinzu.
An seinem
Concertino
per Archi
rühmt das
Badische
Tagblatt u.a.
„Kraft und
lyrische
Zartheit“
des ersten
Satzes, die
„seelenvolle
Aussage“ des
Mittelsatzes
und den „geist-und
humorvollen“
Finalsatz.
Das
Divertimento
für Flöte
und
Streicher
ist ein
„sehr
vitales, an
slawische
Volksweisen
anklingendes
Werk“ (Prof.
Gerhard
Ritschel).
Dankbare
Aufgaben
stellen sich
dem Solisten
in den Tempi
concertati
für
Solo-Violine,
Cembalo und
Streicher.
Seine „Musik
für 5 Bläser
– à la
memoire de
Stifter“
wurde am 13.
Mai 1971 in
Stuttgart
bei der
Verleihung
der
Ehrengabe
des
Johann-Wenzel-Stamitz-Preises
vom
Stuttgarter
Bläserquintett
uraufgeführt.
Auch das
Violoncello,
das Klavier,
die Oboe,
die Orgel
und die
Bratsche
bedachte er
mit
gewichtigen
konzertanten
Stücken mit
Orchesterbegleitung.
Die „Drei
Impressionen
und
Nachspiel“
sind für
Flöte,
Englischhorn
und
Streicher.
Seine
Aprèsludes
für großes
Orchester
wurden 1964
in Athen
uraufgeführt.
Die 6
Stories für
Violine,
Bratsche und
Violoncello
sind ein
neueres
Werk.
Gewichtige
Beiträge auf
dem Gebiet
der
geistlichen
Musik
entstanden
im letzten
Dezennium.
So
komponierte
er zur
Basilika-Erhebung
der Lorcher
Pfarrkirche
(bei Enns,
Oberösterreich)
einTriptychon:
Praeludio
rhapsodico
in honorem
Sti.
Laurentii,
Passio Sti.
Floriani
(Kantate für
Alt, Oboe
und
Streicher)
und Fantasia
(laudatio
Sti.
Severini).
Das Werk
wurde am 11.
Oktober 1970
uraufgeführt
und erschien
bei Philips
auf
Schallplatte.
Mit der
Passio Sti.
Floriani aus
diesem
Triptychon
ersang die
Altistin
Margit
Neubauer
1971 beim
internationalen
Gesangswettbewerb
in
s'Hertogenbosch
(Holland)
den Preis
der
Bundesrepublik
Deutschland.
In Düren bei
Aachen fand
1974 die
Uraufführung
seines
„Requiems“
für Oboe,
Englisch
Hörn, Fagott
und Orgel
statt. Die
hymnische
Katate „Der
Sonnengesang
des heiligen
Franziskus“
(für
Solo-Sopran,
Sprecher,
gemischten
Chor und
Orchester)
fand bei der
öffentlichen
Uraufführung
im Studio
Linz des
Österreichischen
Rundfunks
unter
Leopold
Mayer im
Januar 1974
eine
geradezu
enthusiastische
Aufnahme. Zu
den
ergreifendsten
Partien
gehört der
Chor an den
Bruder Tod,
den
Franziskus
knapp vor
seinem Tode
dichtete
(Wilhelm
Formann in:
Wiener
Zeitung, 31.
1.1974).
Abschließend
sei noch
kurz auf ein
Werk
eingegangen,
das am
22.11.1967
anläßlich
des
10jährigen
Bestehens
des Linzer
Volksbildungsvereins
uraufgeführt
wurde:
Dialoge um
den Frieden,
Dramma
oratorio in
drei Sätzen.
Diesem
eindrucksvollen
Werk liegen
Texte von
John F.
Kennedy,
Josef
Weinheber,
Miguel
Hernández,
Ralph Bunche,
Josef
Luitpold,
Cesar
Vallejo,
Hugo
Schanovsky,
Albert
Camus,
Günther
Anders,
Jewgenij
Jewtuschenko,
Martin
Luther King,
Pablo
Neruda,
Guillaume
Apollinaire
und Papst
Paul VI.
zugrunde.
Ängste und
Hoffnungen
der Menschen
finden in
den durch
Rudolfs
bildstarker
Musik
überhöhten
Texten ihren
zeitgemäßen,
überzeugenden
Ausdruck.
Von den
Werken Bert
Rudolfs
schrieben
die
Salzburger
Nachrichten
zu Recht:
„Rudolf ist
in der
Substanz
seiner
Herkunft und
Entwicklung
so stark
verwurzelt,
daß er nicht
an
zweifelhaften
Experimenten
und
avantgardistischen
Selbsttäuschungen
mühsam Halt
suchen muß.“
Quelle:
Sudetenland
3, 1977, S.
212-214
Widmar Hader