Die
gebürtige
Posenerin
wuchs in
Posen auf
und besuchte
dort die
Schule. Ihre
Musikpädagogen
erkannten
ihr
musikalische
Begabung und
rieten den
Eltern, ihre
Stimme
ausbilden zu
lassen. Doch
die Eltern
wehrten sich
dagegen.
Daher
verließ die
Tochter aus
eigenem
Entschluß
unangekündigt
ihr
Elternhaus
und fuhr mit
ihren
wenigen
Ersparnissen
nach Berlin.
Dort begann
sie, in der
Inflationszeit
auf sich
allein
gestellt,
unter großen
Entbehrungen
mit dem
Musikstudium.
Sie war
Schülerin
der
Kammersängerin
Professor
Hertha
Dehmlow. Mit
großer
Energie und
unermüdlichem
Fleiß
schaffte sie
es nach vier
Jahren, ihr
Studium zu
beenden und
ihr erstes
Engagement
anzutreten.
Im Jahre
1924
debütierte
Gertrud
Rünger am
Staatstheater
in Gera, wo
sie bis 1927
blieb,
danach sang
sie in
Nürnberg und
Köln, bevor
ihr bereits
1929 der
große Sprung
an die
Staatsoper
von Wien
gelang. Dort
blieb sie
bis 1935.
Zugleich war
sie von 1932
bis 1938 an
der
Staatsoper
von Berlin
verpflichtet.
Besonders
große
Erfolge
hatte sie
bei den
Salzburger
Festspielen,
wo sie 1932
bis 1933 die
Amme in der
Richard
Strauss-Oper
Die Frau
ohne
Schatten
sang. Dieser
Erfolg
konnte bei
einem
Gastspiel in
Venedig mit
dem
Komponisten
am Pult
erneuert
werden. Bei
den
Salzburger
Festspielen
1934 sang
sie auch die
Klytämnestra
in
Elektra
von Strauss
und 1938 die
Leonore in
Fidelio
von
Beethoven.
1934
gastierte
Gertrud
Rünger in
Amsterdam
und in Den
Haag als
Venus im
Tannhäuser
von
Richard
Wagner.
Weitere
Auslandstourneen
führten die
nach Paris,
London (Coventgarden),
Monte Carlo,
Amsterdam,
Barcelona,
Madrid,
Antwerpen
und an die
Mailänder
Scala. Auch
an den
Staatsopern
in Dresden
und München
war sie zu
Gast. Bei
den
Salzburger
Festspielen
lernte sie
den Direktor
der
Metropolitan
Oper New
York,
Johnson,
kennen, der
sie von 1936
bis 1939
dorthin
engagierte.
Von 1939 bis
1944 sang
sie an den
Staatsopern
von Wien und
München.
Seit 1949
war sie
wieder an
der
Staatsoper
Berlin
verpflichtet.
Später gab
sie
Gesangsunterricht.
In Klein
Machnow bei
Berlin hatte
die
Künstlerin,
die zur
Kammersängerin
ernannt
worden war,
sich ein
Eigenheim
eingerichtet
und fand
ausgleichende
Freude an
ihrem
Garten.
An Gertrud
Rüngers
Stimme
bewunderte
man die
üppige Fülle
der
Tongebung
und die
mitreißende
Dramatik
ihres
Vortrages.
Hatte sie zu
Beginn ihrer
Karriere
Alt-Partien
gesungen, so
wandelte
sich ihre
Stimme
später zum
hochdramatischen
Sopran. Ihre
stimmliche
Dramatik kam
vor allem im
Wagner-Gesang
(Brünhilde,
Venus,
Isolde,
Brangäne)
zum
Ausdruck.
Leider gibt
es von ihr
nur wenige
Schallplatten,
immerhin
aber viele
Rundfunkaufnahmen.
Beeindruckend
war ihr Weg,
den sie, aus
bescheidenen
familiären
Verhältnissen
kommend, mit
Energie und
Fleiß, ihrer
Neigung und
Begabung
folgend,
genommen
hatte und
auf dem sie
zu einer
erfolgreichen
und
gefeierten
Künstlerin
geworden
war.
Lit.:
Deutsches
Theaterlexikon.
21.
Lieferung,
Bern 1977. –
Kutsch/
Riemann:
Unvergängliche
Stimmen.
Kleines
Sängerlexikon.
2. Auflage
München
1982. –
Gertrud
Rünger: Der
verkannte
Amerika-Vertrag.
In:
Heimatbund-Nachrichten.
Zeitschrift
der
Deutschen
aus
Bromberg u.d.
Netzegau.
Berlin
17.1937 Nr.
2, S.1-2. –
Hugo Rasmus:
Lebensbilder
westpreußischer
Frauen.
Quellen und
Darstellungen
zur
Geschichte
Westpreußens
Bd. 22,
Münster i.
W. 1984.
Bild:
Ausschnitt
aus dem
Rollenfoto
in
“Tiefland”
von Eugen d’
Albert,
vom 8.
Dezember
1945 in der
Staatsoper
Berlin.
Fotograf:
Abraham
Pisarek.
Bild aus dem
Besitz des
Stadtmuseums
Berlin.
Hugo Rasmus