Heinrich
Sahm
entstammt
einer
ursprünglich
aus
Ostpreußen
einwanderten
pommerschen
Handwerkerfamilie.
Jugend und
Schulzeit
verbrachte
er in Anklam.
Nach
Ablegung der
Reifeprüfung
studierte er
an den
Universitäten
München,
Berlin und
Greifswald
Rechts- und
Staatswissenschaften.
1900-1904
war er als
Gerichtsreferendar
in Wollin,
Greifswald
und Stettin
tätig. 1904
bestand er
das Große
Staatsexamen.
1906
heiratete er
die Tochter
eines
Stettiner
Apothekers;
der Ehe
entstammten
4 Kiinder.
Sahm beschloß, die Kommunallaufbahn
einzuschlagen.
1906 wurde
er Stadtrat
in
Magdeburg,
1912 Zweiter
Bürgermeister
in Bochum.
Im Ersten
Weltkrieg
vom
Reichsamt
des Innern
zum
Kommunalreferenten
bei der
Zivilverwaltung
der gerade
eroberten
Stadt
Warschau
ernannt,
machte er
sich vor
allem um die
Neuorganisation
der
Verwaltung
und die
Sicherung
der
Lebensmittelversorgung
der
Zivilbevölkerung
verdient.
Nach kurzer
Tätigkeit
als
Geschäftsführer
des
Deutschen
und
Preußischen
Städtetages
wurde Sahm
Anfang 1919
als
Oberbürgermeister
nach Danzig
berufen. In die ersten Monate seiner Tätigkeit
fällt die
Loslösung
Danzigs vom
Reich und
die
Schaffung
des
Freistaates
Danzig durch
den
Versailler
Vertrag.
Sahm führte
die
Verhandlungen
in Paris
über den
zukünftigen
Status des
Freistaates
und
insbesondere
seine
Beziehungen
zu Polen. Er
verhinderte
den Durchzug
der
Haller-Armee,
die der
Unabhängigkeit
des jungen
Staatswesens
ein jähes
Ende hätte
bereiten
können. Die
Schaffung
einer
Verfassung
für den
Freistaat
und der
Abschluß der
Danzig-Polnischen
Konvention
waren Sahms
Werk. Als
erster
Präsident
des Senats
der Freien
Stadt Danzig
führte er
diesen Staat
durch die
folgenden
Jahre, die
durch
zahlreiche
wirtschaftliche
Schwierigkeiten
und
politische
Spannungen
gekennzeichnet
waren. Immer
wieder
vertrat er
die
Interessen
Danzigs vor
dem
Völkerbundsrat
in Genf. Er
sah es als
seine
Hauptaufgabe
an, die
durch Polen
bedrohte
Unabhängigkeit
des
Freistaates
und seiner
rein
deutschen
Bevölkerung
zu sichern.
Obwohl er
die Regelung
der
deutschen
Ostgrenzen
durch den
Versailler
Vertrag,
insbesondere
die
Schaffung
des kaum
lebensfähigen
Freistaates
und des
polnischen
„Korridors“,
für falsch
und auf die
Dauer
unhaltbar
ansah,
führte er
die Danziger
Außenpolitik
in loyaler
Übereinstimmung
mit den
internationalen
Verträgen
und den
Entscheidungen
des
Völkerbundes,
da er im
Recht den
stärksten
Schutz des
schwachen
Staates sah.
In der
Innenpolitik
des
Freistaates
verfolgte
Sahm, der
keiner
Partei angehörte
und als
Präsident
eine
überparteiliche
Haltung
einnahm, das
Ziel, die
deutsche
Kultur zu
bewahren und
alle
Möglichkeiten
zur
Förderung
der
Wirtschaft
und damit
des
Wohlstandes
der
Bevölkerung
auszuschöpfen.
Nach
wiederholter
Wiederwahl
zum
Präsidenten
wurde er
1931
gestürzt,
nachdem eine
Verfassungsänderung
die
Fortsetzung
seiner
überparteilichen
Politik
unmöglich
machte und
eine von den
Nationalsozialisten
unterstützte
Minderheitsregierung
unter einem
Deutschnationalen
gebildet
wurde.
Wenige
Monate
später wurde
Sahm von
einer
Mitte-Links-Koalition
zum
Oberbürgermeister
der
Reichshauptstadt
Berlin
gewählt.
Durch
energische
Sparmaßnahmen
bemühte er
sich um die
Gesundung
der durch
die
Weltwirtschaftskrise
zerrütteten
Finanz- und
Haushaltslage
der Stadt.
Im Jahre
1932
gründete er
angesichts
der von den
Nationalsozialisten
drohenden
Gefahr einen
Ausschuß,
der die
Wiederwahl
Hindenburgs
zum
Reichspräsidenten
sichern
sollte.
Nachdem der
Ausschuß
über eine
Million
Unterschriften
zugunsten
Hindenburgs
gesammelt
und dieser
sich
zu einer
neuen
Kandidatur
bereit erklärt
hatte, zog
Sahm sich
von der
Leitung des
Ausschusses
zurück, um
seine
überparteiliche
Stellung
nicht zu
gefährden.
Nach der
Übernahme
der
Regierung
durch die
Nationalsozialisten
im Jahre
1933 blieb
Sahm
zunächst im
Amt. Jedoch
wurde er
zunehmend
Intrigen und
persönlichen
Angriffen
ausgesetzt,
um ihn aus
seinem Amt
zu
verdrängen.
Ende 1935
wich er dem
übermäßig
gewordenen
Druck und
trat zurück.
1936 wurde
er zum
deutschen
Gesandten in
Norwegen
ernannt, wo
er die
letzten
Jahre seines
Lebens
verbrachte.
Sahm war
Inhaber des
Deutschen
Ehrenzeichens
vom Roten
Kreuz,
Ehrendoktor
der
Technischen
Hochschule
Danzig und
der
Universität
Königsberg
sowie
Ehrensenator
der
Universität
Tübingen.
Werke: Erinnerungen aus meinen Danziger Jahren. 1919-1930,
Marburg
1958. –
Entwurf
einer
Verfassung
für die
Freie und
Hansestadt
Danzig.
Danzig 1920.
– Material
zur
Geschichte
der Freien
Stadt
Danzig.
Danzig 1930.
– Zahlreiche
Reden und
Artikel.
Lit.: Heinrich Sprenger, Heinrich Sahm, Kommunalpolitiker und Staatsmann,
Eine
Biographie.
Grote, Köln
und Berlin
1969 (sowie
die dort
genannte
Literatur).
Ulrich Sahm