Das
Geburtsjahr
Hermanns
kann nur
erschlossen
werden aus
der
Überlegung,
daß er zum
Zeitpunkt
seines
Amtsantritts
als
Hochmeister
des
Deutschen
Ordens wohl
das 30.
Lebensjahr
erreicht
haben
dürfte. Er
ist
ministerialischer
Abkunft,
wahrscheinlich
aus dem Raum
Gotha –
Langensalza
–
Sondershausen,
und wohl
einem
Langensalzaer
Geschlecht
zugehörig.
Eine genaue
verwandtschaftliche
Zuordnung
läßt sich
nur zu einem
1237
genannten
Bruder
Hugold
vornehmen.
Wichtig ist
das
Herkunftsgebiet,
entwickelte
sich doch
während der
Regierungszeit
Hermanns der
thüringisch-hessische
Raum zu
einem
Schwerpunkt
der
Ordensbesitzungen.
Bereits 1200
oder früher
in
Halle/Saale
ansässig,
bezog der
Orden einen
großen Teil
seines
personellen
Nachschubes
von dort.
Hermanns
Eintritt in
den Orden
ist nicht
datiert;
erstmals
sicher
nachgewiesen
ist er als
Hochmeister
1209. Als
solcher
dürfte er
während der
ersten
Regierungsjahre
sich
ausschließlich
im
Mittelmeerraum
aufgehalten
haben, auch
wenn er
politisch
den Raum des
Reiches und
seiner
Randgebiete
mit ins Auge
faßte. In
seine
Regierungszeit
fällt die
erhebliche
territoriale
Ausweitung
der
Ordensaktivitäten,
von Spanien
bis Livland.
Der erste
entscheidende
Ansatz
erfolgte
1211, als
König
Andreas II.
von Ungarn
dem Orden
das
Burzenland
übertrug mit
der Aufgabe
des
Abwehrkampfes
gegen die
heidnischen
Kumanen. Bei
diesem –
1225 dann
gescheiterten
und mit der
Austreibung
des Ordens
endenden –
Unternehmen
wird
deutlich,
worin sich
der Deutsche
Orden von
den übrigen
Ritterorden,
vor allem
Templern und
Johannitern,
unterschied.
Betrachteten
jene das
Heilige Land
als
eigentliches
Zentrum und
ihre
europäischen
Besitzungen
als
Außenstationen,
so verfolgte
der Deutsche
Orden
offenbar das
Ziel einer
möglichst
geschlossenen
Territorialherrschaft.
Das aber war
– unter
Beibehaltung
des ideellen
Zentrums
Palästina
und des
weiteren
Ausbauversuchs
dort – in
erster Linie
möglich an
den Rändern
christlicher
Herrschaft.
Armenien bot
den ersten
Ansatz 1209,
Hermann
reiste
1211/12
selber
dorthin.
Gleichzeitig
erhielt der
Orden, wie
Templer und
Johanniter,
Besitz auf
der
Peloponnes.
Ungarn
folgte 1211,
auch wenn
Hermann erst
nach der
Vertreibung
des Ordens
sich
persönlich
bemühte, das
verlorene
Burzenland
zurückzuerlangen
(1231). In
Spanien
sehen wir
1222 den
nächsten
Versuch, und
ab 1230 kam
dann Preußen
hinzu. Blieb
der Orden
mit
Armenien,
Griechenland
und Spanien
noch im
Mittelmeerraum
und somit in
Konkurrenz
zu anderen
Ritterorden,
so griff er
mit Ungarn
und vor
allem
Preußen in
ganz andere
Räume aus,
wo er
konsequent
seine
Territorialisierungspläne
verfolgte.
Die
„Bejahung
der Macht“ (Maschke)
– dies
dürfte das
von Anfang
an sich in
der Politik
Hermanns
niederschlagende
Movens
gewesen
sein, das
eine
wesentliche
Seite seines
politischen
Wirkens
erklärt. Das
zeigt sich,
als er mit
dem Papst –
vielleicht
anläßlich
des 4.
Laterankonzils
1215 – und
1216 mit
Friedrich
II.
zusammentraf
und seitdem,
besonders
aber ab
1222, eine
wesentliche
politische
Rolle als
Parteigänger
des Staufers
wie als sein
Vermittler
gegenüber
der Kurie
spielte. Das
heißt, daß
Hermann von
nun an an
den
Brennpunkten
kaiserlicher
Politik zu
finden war,
sei es die
Auseinandersetzung
Friedrichs
mit dem Bund
der
lombardischen
Städte, sei
es in der
dänischen
Frage gegen
König
Waldemar und
dem damit
verbundenen
Ausgreifen
in den
Ostseeraum,
oder sei es
in der
Problematik
des von
Friedrich
gelobten,
immer wieder
aufgeschobenen
und dann
unter dem
Bann des
Papstes
Gregor IX.
doch
durchgeführten
Kreuzzuges
mit der
Einnahme
Jerusalems
und der
Selbstkrönung
Friedrichs
1229. Er sah
sich selber
dabei, wie
er 1229 aus
Jerusalem
schrieb, als
„Mann, der
die Ehre der
Kirche und
des Reiches
liebt und
nach beider
Erhöhung
strebt“. Die
folgende
Aussöhnung
zwischen
Kaiser und
Papst im
Frieden von
S. Germano
1230 ist
Hermanns
Werk – den
Abschluß
bildete ein
Mahl zu
dritt. Doch
trotz seiner
politischen
Vermittlungsaktionen
– z.B.
zwischen den
Stedingern
und der
Kirche,
zwischen dem
Kaiser und
seinem Sohn
Heinrich
VII. 1235 –
können wir
Hermann
nicht als
„Versöhnungspolitiker“
(Cohn)
kennzeichnen.
Viel eher
müssen wir
in ihm einen
– vielleicht
den größten
– Politiker
an der
Spitze des
Deutschen
Ordens
sehen, der
aufgrund
seiner
Herkunft und
der
Entwicklung
seines
Ordens in
den ersten
zwei
Jahrzehnten
seit der
Gründung
1190 die
Entfaltungsmöglichkeiten
der jungen
Gemeinschaft
nur in
engster
Verbindung
mit dem
Kaiserhause,
aber
gleichzeitig
vom
päpstlichen
Wohlwollen
getragen
sah. Der
Erfolg gab
ihm recht.
Jeder
Aufenthalt
am Kaiserhof
oder an der
Kurie
brachte neue
Schenkungen
und
Privilegien.
Die
päpstliche
Exemtion
1216 und die
Gleichstellung
mit den
Templern und
Johannitern
1221 waren
gewiß ebenso
wichtig wie
die
kaiserliche
Schenkung
Preußens
1226. Gerade
dort sah
Hermann wohl
die Zukunft
des Ordens,
wie die
ebenfalls im
März 1226
erfolgte
Begabung
Lübecks, das
damit das
Tor zur
Ostsee
wurde, mit
der
Reichsfreiheit
verdeutlicht.
Durch das
Beispiel
Ungarn
gewarnt,
verlief die
preußische
Erwerbung
viel
zielstrebiger;
sie ist
offenbar
auch ein
Ergebnis der
gereifteren
politischen
Erfahrung
Hermanns.
Jedenfalls
wurden ganz
bewußt alle
Rivalen
ausgeschaltet,
die dem
Orden seinen
noch zu
erobernden
Territorialbesitz
hätten
streitig
machen
können:
Herzog
Konrad von
Masowien,
Bischof
Christian
von Preußen
und damit
die
Zisterzienser
sowie der
zwischenzeitlich
von jenen
begründete
Ritterorden
von Dobrin
(1235
inkorporiert),
so daß
schließlich
auch die
Kurie das
Preußenunternehmen
akzeptierte
(1234).
Allerdings
ist Hermann
nie
persönlich
in Preußen
gewesen.
Dasselbe
Ordenskapitel,
das 1237
auch noch
der
Inkorporation
des
livländischen
Schwertbrüderordens
zustimmte,
womit
Hermann die
größte
Spannweite
seines
Ordens
erreichte,
versuchte
jedoch,
seinen
Hochmeister
zurückzuziehen
von der
politischen
Tätigkeit
als
kaiserlicher
Unterhändler
bei den
Lombarden –
die
Entfernung
zwischen
Meister und
Orden wurde
offenbar zu
groß. Doch
inzwischen
ließen auch
die Kräfte
nach. Ende
1238 zog er
sich nach
Salerao
zurück, wo
er am 20.
März 1239
starb. Sein
Grab, heute
unbekannt,
fand Hermann
in der
Thomaskirche
in Barletta.
Während
Hermanns
politisches
Wirken
zwischen
Kaiser und
Papst mit
seinem Tode
endgültig
zerbrach,
wurde für
den Orden
der Ansatz
in Preußen
tragend und
führte zu
einem
eigenen
Staat, der
fast drei
Jahrhunderte
– in
wechselnder
territorialer
Größe –
Bestand
hatte. Die
in der
kaiserlichen
Bulle von
1226
aufgrund der
päpstlichen
Lehnsexemtion
festgelegte
Rechtsform,
die Hermann
eine
reichsfürstengleiche
Position
ohne
Eingliederung
Preußens ins
Reich gab
und die
gewiß auf
den
Hochmeister
selber
zurückgeht,
ermöglichte
1525 die
Umwandlung
des
Ordensstaates
in ein
weltliches
Herzogtum
ebenso wie
nach dem
Anfall an
Kurbrandenburg
die
Rangerhöhung
des
Kurfürsten
zum König in
Preußen 1701
– eben
außerhalb
des Reiches.
Die
letztlich
sich darauf
gründende
Tradition
einer
kleindeutsch-preußischen
Reichsgründung
benutzte den
Orden und
seinen
Meister ab
der Mitte
des 19.
Jahrhunderts
als
tagespolitische
Argumentationshilfe,
was seinen
Rückschlag
bis in die
hart
geführten
Auseinandersetzungen
nationaler
Historiographien
in
Deutschland
und Polen
fand.
Lit.:
Udo Arnold,
Hermann von
Salza, in:
Theologische
Realenzyklopädie,
Bd. XV,
Lief. 1/2,
Berlin 1986,
S. 97–100
(mit
Literatur).
Udo Arnold