Leo
Santifaller,
Sohn eines
angesehenen
Notars,
entstammte
einer alten
Bauernfamilie,
deren
Ursprung
sich bis auf
einen Hof in
Ladinien
zurückverfolgen
läßt. Er
studierte –
mit
Unterbrechung
eines
Semesters in
Freiburg im
Breisgau –
am Institut
für
Österreichische
Geschichtsforschung
in Wien und
wurde dort
bei Oswald
Redlich mit
einer
umfangreichen
Monographie
über „Das
Brixener
Domkapitel
in seiner
persönlichen
Zusammensetzung
im
Mittelalter"
promoviert,
nachdem er
den ersten
Weltkrieg an
der
italienischen
Front erlebt
hatte.
Santifaller
war dann
1921-27
Archivar an
dem von den
Italienern
neu
errichteten
Staatsarchiv
in Bozen.
Dort
entdeckte
der führende
Mediävist
Paul Kehr
seine
Begabung und
berief ihn
Mitarbeiter
der
Monumenta
Germaniae
Historica
nach Berlin,
wo er sich
1928
habilitierte.
Bereits ein
Jahr darauf
folgte die
Berufung an
die
Universität
Breslau auf
die von
einem
Katholiken
zu
besetzende
Lehrkanzel
für mittlere
und neuere
Geschichte.
1943 erhielt
Santifaller
die berühmte
Professur
seines
Faches am
Institut für
Österreichische
Geschichtsforschung
in Wien.
Nach dem
Krieg
übernahm er
die
Vorstandschaft
dieses
Instituts
und trat als
Generaldirektor
an die
Spitze der
österreichischen
Archivverwaltung.
Damit war
ihm eine
führende
Position in
der
österreichischen
Geschichtswissenschaft
zugefallen,
um deren
Wiederaufbau
nach der
Katastrophe
er sich hohe
Verdienste
erwarb.
Insbesondere
wirkte er an
der
Österreichischen
Akademie der
Wissenschaften
als Obmann
beziehungsweise
als
Begründer
einer ganzen
Reihe von
Kommissionen.
Er setzte
die
Wiedererrichtung
des
Österreichischen
Historischen
Instituts in
Rom durch
und stellte
sowohl die
Wiener
Diplomata-Abteilung
der
Monumenta
Germaniae
Historica
als auch die
Österreichische
Kommission
für die
Neubearbeitung
der Regesta
Imperii
wieder er.
1962
emeritiert,
starb er am
5. September
1974 in
Wien.
Santifaller
war
mehrfacher
Ehrendoktor
und Mitglied
einer Reihe
von
Akademien
der
Wissenschaften.
Das Wirken
dieses
hervorragenden
Gelehrten an
der
Universität
Breslau
(1929-1943)
war
keineswegs
eine
unbedeutende
Episode.
Gleichzeitig
mit dem
unmittelbar
vorher
berufenen
Hermann
Aubin
leitete er
dort einen
höchst
beachtlichen
Aufschwung
seines
Faches in
Forschung
und Lehre
ein. Die
wissenschaftliche
Richtung,
die er
vertrat, war
durch die
Traditionen
der Wiener
Schule am
Institut für
Österreichische
Geschichtsforschung
geprägt. Sie
gipfelte in
der Pflege
der exakten
Methoden der
Historischen
Hilfswissenschaften
und der mit
ihnen
verbundenen
Quellenkritik.
Obwohl
Santifaller
gerade auch
in seinen
Breslauer
Jahren seine
vornehmlichsten
Arbeitsgebiete,
die
Papsturkundenforschung
und die
Erschließung
der
urkundlichen
Denkmäler
der
Geschichte
seiner
schönen
Heimat
Südtirol,
energisch
weiter
betreute,
verstand er
es doch
gleichzeitig
ausgezeichnet,
die Methoden
der Wiener
Schule auf
die bisher
noch zu
wenig nach
diesen
strengen
Regeln
bearbeiteten
schlesischen
Quellen
anzuwenden.
Sein
Vorlesungszyklus
über
Paläographie
und
Diplomatik
fand bei den
Breslauer
Hörern
starken
Anklang,
ebenso seine
Seminarübungen,
die sich mit
den
mittelalterlichen
Quellen des
Landes
befaßten.
Eine
stattliche
Reihe von
Schülerarbeiten
wurde von
ihm
angeregt.
Neben der
Urkundenforschung
war es
Santifallers
Dissertation
über das
Brixener
Domkapitel,
die als
Muster und
Vorbild
einer ganzen
Gruppe
analog
aufgebauter
Monographien
über die
persönliche
Zusammensetzung
des
Breslauer
Domkapitels,
der Klöster
und anderer
kirchlicher
Institutionen
Schlesiens
fruchtbar
wurde. Die
Ergebnisse
reichen weit
über den
kirchlichen
Bereich
hinaus und
sind vor
allem für
die
Bildungsgeschichte
und für die
Geschichte
des
Ständewesens
von Wert.
Santifaller
und Aubin
ergänzten
einander
vortrefflich;
der letztere
vertrat die
ganzheitlich
ausgerichtete
geschichtliche
Landeskunde
und
Kulturraumforschung,
der erstere
die
Urkundenforschung.
Ende 1933
war es Aubin
in seiner
Eigenschaft
als
Vorsitzender
der
Historischen
Kommission
für
Schlesien
gelungen,
Santifaller
zur
Übernahme
der Leitung
des
Schlesischen
Urkundenbuches
zu bewegen.
Den
gemeinsamen
Anstrengungen
dieser
beiden
organisatorisch
hochbegabten
Persönlichkeiten
ist es zu
danken, daß
es in
kürzester
Frist
möglich
wurde,
bedeutende
Mittel für
die
Realisierung
dieses
Unternehmens
flüssig zu
machen, das
seit
Generationen
ein
Desideratum
der
Geschichtswissenschaft
war.
Santifaller
berief für
das
Urkundenbuch
zwei
Absolventen
des Wiener
Instituts
(Hanns
Krupicka-Wohlgemuth
und Heinrich
Appelt) nach
Breslau und
bildete aus
seinem
eigenen
Schülerkreis
einen
tüchtigen
Mitarbeiterstab.
Aufgabe
dieser
Kräfte war
es, durch
ausgedehnte
Archivreisen
in
Schlesien,
aber auch im
übrigen
Deutschland,
in Polen und
in der
Tschechoslowakei
bis nach
Österreich
das gesamte
einschlägige
Urkundenmaterial
zu erfassen
und zu
fotografieren,
um die
Grundlage
für die
Editionsarbeit
zu schaffen.
Ein
wissenschaftlicher
Apparat
wurde
aufgebaut,
eine Reihe
kritischer
Vorarbeiten
konnte
erscheinen,
die die
schwierigen
Fragen der
diplomatischen
Beurteilung
der älteren
Urkunden des
Landes nach
modernen
Methoden zu
klären
hatten, in
der Absicht,
eine
gesicherte
Basis für
die
Geschichte
der
Besiedlung
zu bieten.
Da kam der
Krieg.
Santifaller
verlagerte
die
Filmsammlung
nach Wien,
als er 1943
dorthin
berufen
wurde. Sie
blieb daher
erhalten,
während der
wissenschaftliche
Apparat in
Schlesien
zugrundeging
und die
Hauptmasse
der
Originale
als
verschollen
galt. Da die
Filme
gerettet
waren, wurde
es möglich,
auf dieser
Grundlage
nach dem
Verlust des
Landes das
landschaftliche
Urkundenbuch
doch noch
ins Leben zu
rufen; sechs
Bände – bis
zum Jahre
1300 – sind
bei dem J.G.
Herder-Institut
in Marburg
an der Lahn
erschienen.
Das
Urkundenbuch
wurde eine
Hauptaufgabe
der
Historischen
Kommission
für
Schlesien in
der
Nachkriegszeit.
Damit kam
wider
Erwarten
doch noch
ein
monumentales
Quellenwerk
zustande,
dem andere
Landschaften
in unserer
Zeit
schwerlich
etwas
gleichwertiges
gegenüberzustellen
haben. Dies
ermöglicht
zu haben,
ist das
bleibende
Verdienst,
das sich Leo
Santifaller
um die
Erforschung
der
Geschichte
der
deutschen
Ostgebiete
erworben
hat.
Lit.: Die
beste
Gesamtwürdigung
(mit
Literatur)
bietet
Harald
Zimmermann,
Leo
Santifaller,
Nachruf im
Almanach der
Österreichischen
Akademie der
Wissenschaften
125 (1975),
S. 478 ff;
Heinrich
Appelt, Leo
Santifaller
und die
schlesische
Kirchengeschichte.
Archiv für
schlesische
Kirchengeschichte
34 (1976)
187-191;
Heinrich
Appelt, Die
Mediävistik
an der
Universität
Breslau am
Vorabend des
Zweiten
Weltkrieges,
Jahrbuch der
Schlesischen
Friedrich-Wilhelms-Universität
zu Breslau
40 (1989).
Heinrich
Appelt