Es
gibt in der
europäischen
Geschichte
nur wenige
Gestalten,
deren Ruhm
über Grenzen
und Zeiten
erstrahlt.
Einer von
ihnen ist
Prinz Eugen
von Savoyen.
Er wurde am
18. Oktober
1663 in
Paris als 5.
Sohn des
Prinzen
Eugen Moritz
von
Savoyen-Carignan,
Grafen von
Soissons,
und der
Olympia
Mancini,
einer Nichte
des
Kardinals
Mazarin,
geboren.
Nach dem
Vater war
Prinz Eugen
ein
Franzose,
nach der
Mutter ein
Italiener.
Die Mutter,
eine
Schönheit,
mußte wegen
verschiedener
Intrigen aus
Paris
fliehen, der
Sohn sollte
ihr bald
folgen. Der
junge Prinz
war eine
unansehnliche
Figur, klein
von Gestalt,
mit einer
aufgestülpten
Nase und „ziemblich
weitten
Naßlöchern“.
So
charakterisierte
die Herzogin
Elisabeth-Charlotte
von Orleans
(„Liselotte
von der
Pfalz“) den
jungen
Prinzen.
Obendrein
sollen seine
Schultern
verkrümmt
gewesen
sein. Wozu
sollte ein
solcher
Junge
erzogen
werden? Für
den
Kriegsdienst
tauge er
keinesfalls,
dachte man
in der
Familie, und
so bestimmte
man ihn für
den
geistlichen
Stand, wie
es in jener
Zeit in
adeligen
Kreisen
üblich war.
Also steckte
man den
Prinzen in
ein
Priesterseminar,
wo man ihn
alsbald als
„kleinen
Abbé“ und
als
„Stumpfnase“
hänselte.
Aber der
Seminarist
interessierte
sich mehr für
Mathematik
und
Geometrie
sowie für
die
Kriegswissenschaften
im
allgemeinen.
Am
liebsten lauschte er den Erzählungen
über
Kriegstaten
und las
darum u. a.
C. Julius
Caesar und
über
Alexander
den Großen
mehr als die
Kirchenväter
oder die
Bibel. Beim
Klang der
Trompeten
und beim
Wirbel der
Trommeln
soll er in
helle
Begeisterung
verfallen
sein. Darum
bat er
Ludwig XIV.
um Aufnahme
in die
königliche
Armee. Aber
der König
lehnte ihn
wegen seiner
häßlichen
Gestalt ab,
möglicherweise
auch wegen
der Affäre
um Olympia,
seine
Mutter. Am
23. Juli
1683, als
Eugen die
Nachricht
erhielt, daß
sein älterer
Bruder
Julius,
Dragoneroberst
im
kaiserlichen
Heer, bei
einem
Rückzugsgefecht
gegen die
Türken
Anfang Juli
bei
Petronell an
der Donau
gefallen
sei,
entschloß er
sich zur
Flucht aus
Paris, in
der
Hoffnung,
das
verwaiste
Regiment
seines
Bruders
übernehmen
zu können.
Sein Weg
führte über
Passau, wo
er dem aus
Wien
geflüchteten
Kaiser
Leopold I.
am 20.
August
vorgestellt
und in die
kaiserliche
Armee
aufgenommen
wurde. Dabei
soll der
junge Prinz
geschworen
haben,
Frankreich
nicht mehr
zu betreten,
es sei denn
mit dem
Degen in der
Hand, obwohl
Ludwig XIV.
sein Idol
war. Außer
der Sprache
und den
französischen
Philosophen
verband ihn
nichts mehr
mit
Frankreich.
Das
Dragonerregiment
war
inzwischen
schon
vergeben
worden.
Nachdem
Eugen sich
beim Entsatz
Wiens die
ersten
Lorbeeren
geholt und
die
Aufmerksamkeit
der Militärs
auf sich
gelenkt
hatte,
erhielt er
am 12.
Dezember
1683 das
erledigte
Dragonerregiment
Kuefstein.
Jetzt begann
seine
blitzartige
militärische
Karriere. Um
nicht zum
zweitenmal
abgewiesen
zu werden,
holte er
sich mehrere
Empfehlungsschreiben
über seine
militärischen
Fähigkeiten.
Um noch
sicherer zu
gehen,
setzte er
selbst in
deutscher
Sprache ein
Gesuch an
den Kaiser
auf, das
seine wahre
Gesinnung
verrät und
mit
folgendem
Satz
schließt:
„Ich
versichere
eine
unversehrte,
standhafte
Treue und
bei allen
vorkommenden,
auch größten
Kriegsgefahren
alle meine
Kräfften zu
Euer
Kaiserlichen
Majestät des
höchstpreißlichen
Ertzhauses
Österreich
Wohlfahrt
und Wachstum
mit
unerschrockenem
Muth bis auf
meinen
letzten
Bluthstropfen
anzuwenden
und
aufzuopfern“.
„Eugenius,
Hertzog von
Savoye und
Piemont“.
Von nun an
war der
Savoyer,
allgemein
nur Prinz
genannt,
überall
dabei. Schon
hatte er ein
Generalspatent
in der
Tasche. Am
14. November
1685 wurde
er bereits
zum
Generalfeldwachtmeister
(Generalmajor)
befördert.
Bei der
Rückeroberung
Ofens drang
Prinz Eugen
am 29. Juni
1686 mit
seinen
Schwadronen
bis an die
Festung
heran. Am
27. Juli
wurde ihm
sein Pferd
herausgeschossen,
und am 3.
August
durchbohrte
ein Pfeil
seine rechte
Hand. Nach
der
siegreichen
Schlacht am
Berge Harsan,
nahe dem
Schlachtfeld
von 1526, am
12. August
1687, wurde
der 24jährige
am 4.
November
1687 zum
Feldmarschalleutnant
ernannt. Im
Jahre 1688
brach der
sogenannte
Pfälzische
Krieg mit
Frankreich
aus. Am 3.
April 1689
erklärten
Kaiser und
Reich
Frankreich
den Krieg.
Nun setzte
der erste
europäische
„Weltkrieg“
ein, der
Prinz Eugen
bald an die
Donau, bald
an den Rhein
rief, vom
nachfolgenden
Spanischen
Erbfolgekrieg
(1701-1714)
auf allen
Kriegsschauplätzen
ganz zu
schweigen.
An 32
Feldzügen
hatte er
teilgenommen
und 12
Schlachten
auf allen
europäischen
Kriegsschauplätzen
gewonnen (Zenta-Schintau
an der
Theiß, Carpi,
Chiari,
Luzzara,
Höchstädt an
der Donau,
Cassano,
Turin,
Oudenarde,
Malplaquet,
Peterwardein,
Temeschburg
und
Belgrad).
Seit dem 5.
April 1697
war Prinz
Eugen der
Oberbefehlshaber
der gesamten
kaiserlichen
und
Alliierten
Armee in
Ungarn.
Seinen Ruhm
begründete
er am 11.
September
1697 bei
Zenta. Der
von einigen
Historikern
erhobene
Vorwurf,
Prinz Eugen
habe sich
gegen den
Willen des
Kaisers und
des
Hofkriegsrats
in ein
Risiko
eingelassen,
wird
aktenmäßig
widerlegt.
Infolge
dieses
Sieges
mußten die
Türken im
Frieden von
Karlowitz
(1699)
Südungarn
bis auf das
Banat
räumen.
„Diese
siegreiche
Action hat
sich geendet
mit der
Scheidung
von Tag und
Nacht und
hat sogar
die Sonne
von dem Tage
nicht eher
weichen
wollen, als
bis sie mit
ihrem
glänzenden
Auge den
völligen
Triumph von
Eurer
Majestät
glorwürdigsten
Waffen
vollständigen
hat mit
anschauen
können“,
meldete der
Sieger dem
Kaiser nach
Wien. Nach
der
Eroberung
Belgrads
(1717) wurde
auch das
Banat
geräumt.
Allein durch
diese Siege
gehört Prinz
Eugen zu den
größten
Feldherren
der
Weltgeschichte
und wurde
zum Retter
des
Abendlandes,
d.h. Europas
aus der
vierhundert
jährigen
Türkennot.
Schon zu
Lebzeiten
wurde er mit
Lobhymnen
und
Auszeichnungen
überhäuft,
wie kein
Feldherr vor
und nach
ihm, und
zwar von
Dichtern und
Schriftstellern
aller
europäischen
Völker. Die
gängigen
Sprüche über
ihn, wie
z.B. „decus
imperii“
(Zierde des
Reiches), „custos
imperii“
(Wächter des
Reiches), „miles
christianus“,
„miles
Christi“
(christlicher
Soldat,
Soldat
Christi),
widerspiegeln
treffend die
Auffassung
und die
Meinung
seiner Zeit.
In der
Kriegsführung
war er ein
Hasardeur,
aber seinen
Soldaten ein
Familienvater.
Seine
Freunde
betrachtete
er als
Familiäre,
da er infolge seiner vielen Aufgaben, Obliegenheiten,
Ämter etc.
wohl nie an
eine Heirat
dachte bzw.
denken
konnte. Als
Mensch war
er von
höchster
Humanität
und
Ritterlichkeit,
der z.B.
nach der
Eroberung
Temeschburgs
im Oktober
1716 den
Türken und
den mit
ihnen
verbündeten
Kuruzzen
(aufständischen
Ungarn)
freien Abzug
gewährte.
Nach der
Eroberung
Belgrads
entstand im
kaiserlichen
Lager das
Prinz-Eugen-Lied
vom „edlen
Ritter“,
das, als
Prinz-Eugen-Marsch
vertont, bei
donauschwäbischen
Veranstaltungen
jahraus,
jahrein
erklingt und
zum eisernen
Repertoire
der
donauschwäbischen
Kapellen
gehört.
Prinz Eugen
ist auch
einer der
größten
donauschwäbischen
Kolonisatoren,
der auf
seinen
Gütern
südlich von
Ofen-Pest
und im
Branauer
Dreieck
zwischen
Donau und
Dräu
Kolonisten
ansiedelte.
Der Prinz
war aber bei
weitem nicht
nur ein berühmter
Feldherr,
sondern auch
ein großer
Freund,
Mäzen und
Förderer von
Kunst und
Wissenschaft,
davon weiß
die Nachwelt
allerdings
nicht viel.
Er gehört zu
den größten
Kunstsammlern
Österreichs.
Er stand mit
vielen
Gelehrten
seiner Zeit
in
Verbindung,
von welchen
Leibniz wohl
der
bedeutendste
ist, mit dem
er u. a. den
Plan einer
Akademie in
Wien
erörterte.
Seine
Beziehungen
zum älteren
Rousseau,
Voltaire und
Montesquieu
füllen
Bände. „Un
philosophe
guerrier“
ein
Feldherrnphilosoph,
apostrophierte
ihn
Rousseau.
Seine
Bibliothek
mit 14.000
Bänden und
237
Handschriften,
Porträts und
seine
Kupferstichsammlung
von 290
Bänden
bilden durch
kaiserliche
Schenkung
den
Grundstock
der heutigen
Österreichischen
Nationalbibliothek.
Paläste, wie
z. B. das
Obere und
Untere
Belvedere in
Wien, künden
von seinem
Kunstsinn.
Von seinem
Ruhm zehrt
die
Nachwelt,
wie das
Montesquieu
schon
ausgedrückt
hat: Il
[Eugene] est
dans une
teile
Situation
qu'il peut
donner de la
gloire à qui
il veut.“
Lit.:
Bibliogr.:
B. Böhm,
Bibliographie
zur
Geschichte
des Prinzen
Eugen und
seiner Zeit,
Wien 1943.
Aus der
zahllosen
Literatur
über Prinz
Eugen hier
nur zwei
Werke von
grundlegender
Bedeutung:
Max
Braubach,
Prinz Eugen
v. Savoyen.
Eine
Biographie,
5 Bde.,
München
1963-1965;
Helmut
Oehler,
Prinz Eugen
im Urteil
Europas. Ein
Mythos und
sein
Niederschlag
in Dichtung
und
Geschichtsschreibung,
München
1944.
Anton
Tafferner