Der in Elbing geborene,
ursprünglich
zum Kreis um
Stefan
George
gehörende
Albrecht
Schaeffer
(1885-1950)
ist mit
seinem, nur
in den
Anfängen von
George,
Rilke und
Hölderlin,
aber auch
von Platen
beeinflußten
umfangreichen
und
vielseitigen
Werk einer
der
hervorragenden
Repräsentanten
anspruchsvoller
neuklassischer
Dichtung
unseres
Jahrhunderts.
An der
Dichtung der
griechischen
Klassik
orientiert,
von der er
einzelne
Werke wie
die
„Odyssee“
mustergültig
ins Deutsche
übertrug,
schuf
Albrecht
Schaeffer
sein schon
vom äußeren
Umfang her
gewaltiges
schriftstellerisches
Werk. Neben
den
Übertragungen
und
Nachdichtungen
aus fremden
Sprachen
(Wilde,
Verlaine)
bewährte
sich
Schaeffers
unerschöpflich
scheinendes
Talent in
einer
Vielzahl
lyrischer
Gedichte, in
Versepen,
Dramen und
Romanen.
Trotz
mancher
vielleicht nicht
unberechtigter
Zweifel
kritischer
Zeitgenossen
an der
Originalität
seiner
Produktion
bleibt es
sein
Verdienst,
die an der
klassischen
Antike
orientierte
Forderung
nach
Beachtung
der
Formgesetze
der Dichtung
inmitten der
zeitgegebenen
und
modischen
Auflösungstendenzen
in seinem
Werk
unbeirrt
befolgt zu
haben. Das
bei seinem
Erscheinen
wie heute
störend
wirkende
Element in
den Werken
Schaeffers
hat Walter
Muschg in
einer Studie
über den
Roman „Helianth“
zutreffend
herausgestellt.
Es ist der
von
Schaeffer
nicht
bewältigte
Widerspruch
zwischen der
bedrängenden
Überfülle
des Zuviel
an Stoffen,
Motiven,
Bewegungen
und den
Bemühungen,
dem strengen
Anspruch des
klassischen
Formgesetzes
zu genügen.
Unter seinen Romanen,
deren Reihe
mit dem aus
Novellen
zusammengefügten
„Josef
Montfort“
(1918)
begann, ist
die
Beschreibung
eines
Frauenlebens
vor dem
Ersten
Weltkrieg,
„Elli oder
sieben
Treppen“
(1919)
Schaeffers
allegorisch
verschlüsselte
Abrechnung
mit Stefan
George und
seinem
Kreis, von
dem er sich
nach
anfänglicher
Begeisterung
losgesagt
hatte,
während der
dreibändige
Roman „Helianth“
(1920, mit
dem
Untertitel
„Bilder aus
dem Leben
zweier
Menschen von
heute und
aus der
norddeutschen
Tiefebene in
neun
Bildern“) –
Schaeffers
Hauptwerk –
sich heute
als von
seinem
Verfasser
kaum so
gewollte
Dokumentation
der
politischen,
geistigen
und
kulturellen
Welt im
Deutschland
der
wilhelminischen
Ära erweist.
Von
künstlerischer
Qualität
sind
Schaeffers
Novellen in
den Bänden
„Das Prisma“
(1925),
„Mitternacht“
(1928), „Das
Opfertier“
(1931) und
„Knechte und
Mägde“
(1931),
sowie die
meisterhafte
Erzählung
„Der
General“
(1934).
1939 sah sich Schaeffer
zur
Emigration
gezwungen.
1950 kehrte
er aus den
Vereinigten
Staaten nach
Deutschland
zurück.
In der
materiellen
und
geistigen
Notsituation
entstand der
aus dem
Zusammenspiel
verschiedener
Novellen
sich
aufbauende
Roman um
Ereignisse
aus der
napoleonischen
Zeit „Rudolf
Erzerum oder
des Lebens
Einfachheit“
(1945). Er
enthält
Schaeffers
Bekenntnis
zur durch
die
Machthaber
des Regimes
zerstörten
deutschen
Kultur und
zur
Humanität.
1949
vollendete
er den im
17.
Jahrhundert,
nach
Abschluß des
Westfälischen
Friedens
spielenden
Roman „Janna
du Coeur“,
der
mittelbar
die eben zu
Ende
gegangenen
Zustände der
Gewaltherrschaft
in
Deutschland
spiegelt.
Über der
Ausführung
einer groß
angelegten
„Schöpfungsgeschichte
der
Menschheit“
starb
Schaeffer.
Die
Darmstädter
Akademie für
Sprache
und Dichtung
veröffentlichte
1958 aus
seinem
Nachlaß den
Teil
„Mythos“ aus
dem letzten
unvollendet
gebliebenen
Werk des
Dichters.
Werke:
Amata, G.
1911; Die
Meerfahrt,
G. 1912
(erw. u. d.
T. Der göttliche
Dulder,
1920);
Attische
Dämmerung,
G. 1914; Die
Mütter, Dr.
1914;
Heroische
Fahrt, G.
1914;
Kriegslieder,
1914; Des
Michael
Schwertlos
vaterländische
Gedichte,
1915; Mosis
Tod, Dicht,
1915; Josef
Montfort, R.
1918 (u. d.
T. Das nie
bewegte
Herz, 1931);
Gudula, E.
1918; Elli
oder Sieben
Treppen, R.
1919; Der
Raub der
Persefone,
Dicht. 1920;
Helianth, R.
III 1920-24;
Gevatter
Tod, Ep.
1922; Die
Saalborner
Stanzen, G.
1922; Der
Reiter mit
dem
Mandelbaum,
Leg. 1922;
Parzival, Ep.
1922; Die
Wand, Dr.
1922; Lene
Stelling, E.
1923;
Legende vom
verdoppelten
Lebens-Alter,
1923; Das
Gitter, E.
1923; Die
Treibjagd,
N. 1923;
Regula
Kreuzfeind,
Leg. 1923;
Abkunft und
Ankunft,
Dicht. 1923;
Dichter und
Dichtung,
Ess. 1923;
Demetrius,
Tr. 1923;
Fidelio, N.
1924; Die
Marien-Lieder,
1924;
Kritisches
Pro domo,
Ess. 1924;
Konstantin
der Große,Tr.
1925; Der
Falke und
die Wölfin,
En, 1925;
Der
verlorene
Sohn, K.
1925; Der
Gefällige,
Lsp. 1925
(nach
Diderot);
Das Prisma,
En. 1925;
Die
Schuldbrüder,
E. 1926 (u.
d. T. Die
Geschichte
der Brüder
Chamade,
1928); Der
Apfel vom
Baum der
Erkenntnis,
E. 1927; Der
goldene
Wagen, Leg.
1927;
Mitternacht,
Nn. 1928;
Kaiser
Konstantin,
R. 1929;
Gedichte,
1931; Das
Opfertier,
En. 1931;
Der Roßkamm
von Lemgo,
R. 1933 (u.
d. T. Janna
du Coeur,
1949); Der
General, E.
1934; Das
Haus am See,
G. 1934;
Heimgang, N.
1934; Cara
R. 1936 (bearb.
1948);
Apahaia,
Sehr. 1937;
Ruhland, R.
1937;
Kaniswall,
N. 1938; Die
Geheimnisse,
Parabeln
1938 (erw.
als Die
goldene
Klinke,
1950);
Rudolf
Erzerum, R.
1945; Enak
oder das
Auge Gottes,
E. 1948;
Mythos, Ess.
hg. W.
Ehlers 1958.
Lit.:
W. Muschg.
D. dichter.
Charakter
1929; A. S.,
Gedächtnisausstellung
Marbach,
Katalog
I960; W.
Breuer,
Diss. Bonn
1961; I.
Hausmann,
Diss. Köln
1961; Bibl.:
W Ehlers,
1935; Walter
Muschg, Der
dichterische
Charakter.
(Studie über
Albrecht
Schaeffers „Helianth“.)
1929; Ernst
Lissauer,
Albrecht
Schaeffers
Gedichte.
In: Die
Literatur,
1932; Walter
Ehlers,
Albrecht
Schaeffer.
Das Werk.
Eine
Bibliographie,
zusammengestellt
und hrsg.
von W.
Ehlers.
Hamburg
Verlag der
Blätter für
die
Dichtung,
1935
(enthält 2
biographische
Aufsätze des
Dichters:
„Abkunft und
Ankunft“ und
„Siebengang“);
Ernst
Kreuder,
Nachruf auf
Albrecht
Schaeffer
(mit
Schriftenverzeichnis).
In: Jahrbuch
der Akademie
für Sprache
und
Dichtung.
Mainz 1951;
Hans
Wölffheim,
Sprache als
Wirklichkeit.
In: Die
Sammlung.
Zschr. für
Kultur und
Erziehung.
Göttingen
1951; Hans
Hennecke,
Vergessen –
und doch
unvergeßlich.
Der Fall
Albrecht
Schaeffer.
In: Hans
Hennecke,
Kritik.
Gütersloh
1958;
Rosemarie
Lorenz und
Werner
Volke,
Albrecht
Schaeffer.
Gedächtnisausstellung
zum 75.
Geburtstag
des Dichters
im
Schiller-Nationalmuseum
Marbach a.
N. (Katalog)
I960; Werner
Vordtriede,
Albrecht
Schaeffer.
In: Neue
deutsche
Hefte
78,1961;
Walter
Breuer, A.
Schaeffers
Helianth.
Eine Studie
zum Problem
der
Menschendarstellung
im
Bildungsroman.
Diss. Bonn
1964.
Abb.:
Gemälde
von Herbert v. Reyl-Hanisch, 1921
Helmut
Motekat