Im Alter von
75 Jahren
starb 1984
in Bern der
Schriftsteller
Edzard
Schaper. Im
Deutschland
der Mitte
des vorigen
Jahrhunderts
war er
wohlbekannt,
in seiner
Wahlheimat
Estland aus
mehreren
Gründen fast
vergessen,
beim
Aufenthalt
im
finnischen
Gastland von
der Polizei
ständig
observiert,
in der
Schweiz hoch
geehrt,
obwohl sein
literarisches
Werk wenig
mit der
Schweiz zu
tun hat, im
Dritten
Reich
geächtet, im
sogen.
Ostblock als
unrealistisch
und
reaktionär
abqualifiziert.
Ein
schillernder
Schriftsteller
also? Das
sollte
neugierig
machen.
Edzard
Schaper
wurde am
30.9.1908 in
Ostrowo
(Provinz
Posen) an
der
damaligen
russischen
Grenze
geboren. In
Glogau
(Schlesien)
und Hannover
ging er zur
Schule. Es
folgten
stürmische
Jugendjahre
mit
abenteuerlichen
Berufsversuchen.
So arbeitete
er als
Regieassistent
an den
Theatern in
Herford,
Hannover und
Stuttgart,
probierte
sich
nebenher
literarisch
aus, zog
sich für
drei Jahre
auf eine
winzige
dänische
Insel
zurück, wo
er u.a. an
einem
Händel-Roman
schrieb.
Dann
verdingte er
sich als
Gärtner und
heuerte noch
für ein Jahr
als Matrose
auf einem
Fischdampfer
an. So waren
die Jahre
1925-1931
vergangen.
Während
eines kurzen
Aufenthalts
in Berlin
lernte er
Fräulein
Alice
Pergelbaum
aus Reval
kennen, bat
sie um ein
Rendezvouz
und folgte
ihr nach
Estland, wo
man ein paar
Monate
später die
Hochzeit
feierte. Die
beiden
Töchter
wurden hier
geboren.
Schaper
schrieb
seine ersten
Erfolgsromane
Die Insel
Tütarsaar,
Die
sterbende
Kirche,
Das Leben
Jesu und
1940 Der
Henker.
Der
Insel-Verlag
nahm sich
seiner an,
obwohl
Schaper
schon 1936
von der
Reichsschrifttumskammer
ausgeschlossen
worden war
und der
Vertrieb
seiner
Bücher in
Deutschland
unterbunden
wurde. Für
die
Nationalsozialisten
war er als
sogenannter
„Christlicher
Schriftsteller“
erledigt.
In Haapsalu/Estland
hatte er
sich eine
„Schreibklause“
eingerichtet,
um dort
ungestört
arbeiten zu
können.
Nebenbei war
er offiziell
als UPI
(United
Press
International)-Korrespondent
tätig. Das
dürfte ihn
nach der
Besetzung
Estlands den
Sowjets
verdächtig
gemacht
haben. Nur
knapp konnte
er sich im
August 1940
der
drohenden
Verhaftung
durch eine
Flucht über
den
Finnischen
Meerbusen
entziehen.
In Finnland
fand er gute
Freunde,
sogar beim
finnischen
Geheimdienst!
Den
Lebensunterhalt
für die
Familie
verdiente er
sich als
Korrespondent
der
deutschen
Börsen-Zeitung,
mit
Übersetzungen
und als
Kriegsberichterstatter
im sogen.
Fortsetzungskrieg,
wo Deutsche
und Finnen
in Karelien
gemeinsam
gegen die
sowjetischen
Angreifer
kämpften.
Im April
1944 wurde
ihm von der
deutschen
Botschaft in
Helsinki der
Pass
entzogen und
fünf Monate
später
eröffnete
der
Volksgerichtshof
in Berlin
ein
Verfahren
gegen ihn,
„weil er
es
unternommen
hat, sich
der
Erfüllung
des
Wehrdienstes
zu entziehen
und zugleich
während
eines
Krieges
gegen das
Reich den
Feindmächten
Vorschub
geleistet
hat“.
Auf diese
„Verbrechen“
stand nach
den
damaligen
Gesetzen die
Todesstrafe.
Als im
September
1944 der
finnisch-sowjetische
Krieg zu
Ende war,
floh Schaper
in einem
Fischerboot
nach
Schweden.
Dort hielt
er sich drei
Jahre
verborgen,
arbeitete
als
Holzfäller,
in der
Kriegsgefangenfürsorge,
und
zeitweise in
einem
Krankenhaus,
um nicht wie
tausende
Anderer an
die
Sowjetunion
ausgeliefert
zu werden.
Freunde
holten ihn
1947 in die
Schweiz.
Hier fand er
endlich
Sicherheit
und
Schaffensruhe.
In den
folgenden
Jahren ist
Schaper mit
zahlreichen
Veröffentlichungen,
Vorträgen
und Rundfunksendungen
für die
baltischen
Länder
eingetreten,
um das
öffentliche
Interesse im
deutschsprachigen
Raum
wachzuhalten.
Unter dem
Titel
Auch wir
sind Europa
erschien
sein
aufrüttelnder
Essay, der
wie folgt
beginnt:
„Vergesst
uns nicht!
Auch wir
sind Europa!
Wem lege ich
diese
Mahnung
gegen die um
sich
greifende
Vergesslichkeit
und dieses
so stolze
Bekenntnis
in den Mund?
Drei Völkern
im
europäischen
Nordosten,
drei jetzt
im
Würgegriff
einer
außereuropäischen
Faust
verstummten
Völkern:
Estland,
Lettland und
Litauen, für
die ich hier
stellvertretend
das Wort
ergreifen
will:
Vergesst uns
nicht! Auch
wir sind
Europa ...“.
Bis 1952
hielt sich
Schaper in
Zürich auf.
Die Romane
Der
letzte
Advent,
Die
Freiheit des
Gefangenen
und Die
Macht der
Ohnmächtigen
entstanden,
daneben
Erzählungen,
Reden und
Betrachtungen.
1951
konvertierte
er zum
römisch-katholischen
Glauben,
wurde aber,
wie er
selbst
einmal klar
stellte,
kein
kirchenfrommer,
folgsamer
Katholik,
sondern
bekannte
sich zu
einem
Christlichen
Humanismus.
Ihn als
Ideologieabhängigen
zu
verstehen,
hieße aber,
die Lektüre
seiner
Bücher
verpasst zu
haben.
Letztendlich
ist er sich
stets treu
geblieben.
Wie
Kettfäden
ziehen sich
bestimmte
Themen wie
Grenze,
Flucht,
Vertreibung
und
Verfolgung
durch seine
Romane und
Erzählungen.
Auch
Offiziere
und Priester
tauchen
wiederholt,
dann aber
als
Hauptfiguren
seiner Werke
auf. Seine
Sprache
könnte man
schwerblütig,
gelegentlich
sogar etwas
umständlich
nennen. Wir
Mediengeschädigte
sind eben
heute oft
geneigt,
einem
lockeren
unterhaltsamen
Stil den
Vorzug zu
geben, wohl
ahnend, dass
uns Edzard
Schaper
wesentlich
mehr zu
bieten
hätte.
Von 1952 an
bis zu
seinem Tod,
am
29.1.1984,
lebte er in
Bern und in
Brig/Schweiz.
Neben
Vorträgen
und
Erzählungen
schrieb er
hier mehrere
Romane, von
denen vor
allem Der
Gouverneur
und Der
vierte König
erfolgreich
waren. Mit
den beiden
letzten
Romanen
Degenhall
und Die
Reise unter
den
Abendstern
fand sein
episches
Werk einen
Abschluss.
Edzard
Schaper
erhielt eine
Reihe
literarischer
Auszeichnungen,
so 1953 den
Fontane-Preis
der Stadt
Berlin, 1962
den
Internationalen
Charles-Veillon-Preis,
1967 den
Gottfried-Keller-Preis
der
Martin-Bodmer-Stiftung,
im gleichen
Jahr die
Goldene
Medaille der
Humboldt-Gesellschaft
und 1969 den
Konrad-Adenauer-Preis
für
Literatur.
Von der
Universität
Fribourg
wurde ihm
für sein
Eintreten
für die
baltischen
Länder die
Ehrendoktorwürde
verliehen.
1978 erhielt
er das Große
Verdienstkreuz
der
Bundesrepublik
Deutschland.
Einige
seiner Werke
wurden
übersetzt,
die meisten
noch zu
Lebzeiten.
Im
Buchhandel
sind nur
noch zwei
schmale
Bändchen aus
dem Werk
Edzard
Schapers
erhältlich,
Das
Christkind
aus den
großen
Wäldern
als
Restausgabe
von 1995 und
die
wundervolle
Legende
vom vierten
König,
erschienen
im
Artemis-Verlag
in der 22.
Auflage.
Bild:
Kulturstiftung.
Arnulf
Otto-Sprunck