Nach
ungefähr 200
Jahren
erfuhr eine
mit dem Ende
der
Barockzeit
ausgestorbene
Kunst des
Trompetenblasens,
bei der die
extrem hohe
Lage der
Trompete,
die
sogenannte
Clarinlage,
bevorzugt
wurde, eine
weltweite
glanzvolle
Renaissance.
Und am
Anfang
dieser
Renaissance
stand einer
der
bedeutendsten
Musiker und
Virtuosen
unserer
Zeit: Adolf
Scherbaum,
der am 23.
August 1909
in Eger
(Sudetenland)
als Sohn des
selbständigen
Malermeisters
Johann
Scherbaum
und dessen
Ehefrau
Anna, geb.
Beck, zur
Welt kam.
Scherbaum
war das
zweite von
vier
Geschwistern.
Seine Eltern
waren beide
sehr
musikalisch.
Der Vater
spielte als
Musikliebhaber
Flöte und
Viola. Er
brachte
eines Tages
eine alte
Trompete und
eine alte
Klarinette
nach Hause.
Während sein
Bruder nach
der
Klarinette
griff, nähme
Adolf die
Trompete. Es
kam zu
keinem
Streit:
jeder blieb
bei seinem
selbstgewählten
Instrument.
So blieb es
auch später.
Mit etwa
sechs
Jahren, noch
vor
Schulbeginn,
erhielt er
den ersten
Unterricht
bei dem
Solotrompeter
des Egerer
Stadttheaters
Georg Rott.
Nach
Abschluß der
Bürgerschule
in Eger
studierte er
in Prag und
Wien. Mit 21
Jahren war
er bereits
Solotrompeter
des
Landestheaters
Brunn,
danach
Solotrompeter
der
deutschen
Philharmonie
in Prag
unter Josef
Keil 1940
wurde er an
die Berliner
Philharmonie
als
Solotrompeter
unter
Wilhelm
Furtwängler
berufen.
Nach dem
Kriegsende,
das
Scherbaum in
Berlin
erlebte,
wollte er
seine
Familie aus
Prag holen.
Zu diesem
Zweck fuhr
er sieben
Tage lang
unter
abenteuerlichen
Umständen
mit dem
Fahrrad nach
Prag, wo er
sofort
interniert
wurde. Seine
tschechischen
Kollegen aus
früheren
Tagen
erkannten
ihn bei
Aufräumungsarbeiten,
und durch
sie kam er
schließlich
nach drei
Monaten frei
und erhielt
eine
Anstellung
als
Solotrompeter
beim
Rundfunk-Symphonieorchester
Preßburg.
Im September
1945 wurde
Adolf
Scherbaum
vom
staatlichen
Konservatorium
Preßburg zum
Professor
ernannt.
Seine Eltern
und
Geschwister
wurden
inzwischen
im Zuge der
Ausweisung
der
Sudetendeutschen
nach Bayern
gebracht.
1951 gelang
es
Scherbaum,
über das
Internationale
Rote Kreuz
im Rahmen
der
Familienzusammenführung
mit einem
Transport in
den Westen
zu kommen.
Erste
Station war
Furth im
Walde, dann
kam die
Familie nach
Neustadt a.d.
Weinstraße
in ein
Barackenlager.
Da dort an
ein Üben
nicht zu
denken war,
erhielt er
von einem
Weinbauern
die
Erlaubnis,
in dessen
Weingarten
nach
Belieben zu
üben.
Nun begann
die Suche
nach einer
Orchesterstelle.
In Hamburg
war die
Stelle eines
ersten
Solotrompeters
beim NWDR
frei. Nach
einem
Probespiel,
an dem sich
ca. 12
Trompeter
beteiligten,
wurde der
damals
42jährige
Scherbaum
vom
Orchester
einstimmig
für 5 Stelle
gewählt.
Schon in
Prag wurde
Adolf
Scherbaum
von Josef
Keilberth
auf die
barocke
Trompetenmusik
aufmerksam
gemacht, und
ihm
verdankte er
die
intensive
Beschäftigung
damit. Er
mußte sich
erst selbstt
eine Technik
erarbeiten,
die es
möglich
machte, die
sehr hohen
Passagen
der
Barockkonzerte
makellos
spielen zu
können. Er
hatte darin
kein Vorbild
und keinen
Lehrer.
„1951 habe
ich
angefangen
mit dem 2.
Brandenburgischen
Konzert von
J. S. Bach,
das man
früher nur
mit der
Es-Klarinette
gemacht hat,
und das
wurde dann
fast
eine
Sensation,
so daß man
mich überall
hingeholt
hat, wo man
es
musizieren
wollte. Um
12 Uhr in
der Nacht
hat
Klemperer
einmal von
London aus
angerufen,
ob ich nicht
am nächsten
Tag
kommen
könnte. –
Ja, wenn Sie
mir einen
Flug sagen –
ich hab
morgen
vormittag
frei, dann
komme ich.
Ich kam hin
nach London,
die haben
mich
abgeholt, es
war schon
alles
aufgestellt
gewesen von
den Proben
am
vorhergehenden
Tag, und in
einer halben
Stunde haben
wir's dann
aufgenommen“,
erzählt
Scherbaum in
einem
Interview
mit der
Sulzbacher
Zeitung vom
l. 2.1978.
Jahrelang
war
Scherbaum
der einzige
Trompeter
der Welt,
der berühmte
und virtuose
Werke wie
das 2.
Brandenburgische
Konzert von
J.S. Bach
spielen
konnte. Er
spielte
unter den
namhaftesten
Dirigenten
in den
größten
Konzertsälen
der Welt, z.
B. in der
Carnegie
Hall in New
York, der
Royal
Festival
Hall in
London usw.
1961
gründete er
ein eigenes
Barockensemble,
mit dem er
in ganz
Europa
auftrat.
Adolf
Scherbaum
hat
zahlreiche
Schallplatten
bespielt,
vorwiegend
bei der
Deutschen
Grammophongesellschaft.
Das 2.
Brandenburgische
Konzert
wurde von 15
verschiedenen
Schallplattenfirmen
mit ihm
aufgenommen.
Seine
Schallplatten
waren viele
Jahre lang
Bestseller,
und er
erhielt
zahlreiche
Preise
dafür, u.a.
den
Edison-Preis
für
Schallplatten.
1964 wurde
er an die
Staatliche
Hochschule
für Musik in
Saarbrücken
berufen und
vom
saarländischen
Kultusminister
zum
Professor
ernannt. Es
kamen dort
Schüler von
überall her
zu ihm, auch
aus Nord-
und
Südamerika
und aus
Afrika.
Viele seiner
Schüler sind
inzwischen
berühmte
Trompeter in
großen
Orchestern,
einige
wurden
Professoren.
Viele
weltberühmte
Künstler
zählte er zu
seinen
Freunden,
wie
Oistrach,
Pablo
Casals,
Yehudi
Menuhin und
Jean
Cocteau, der
ihm ein
eigenes Bild
mit
persönlicher
Widmung
verehrt hat.
Adolf
Scherbaum,
der neben
vielen
international
renommierten
Schallplattenpreisen
1968 auch
den
Nordgaupreis
bekommen
hat,
unterrichtete
seit Oktober
1977
allwöchentlich
aus
Idealismus
einige Tage
an der
Städt. Sing-
und
Musikschule
in
Sulzbach-Rosenberg,
wo auch
einige
junge,
begabte
Sudetendeutsche
zu seinen
Schülern
gehörten.
Sulzbach-Rosenberg
ehrte ihn
1979 mit
seinem
Kulturpreis.
Im gleichen
Jahr wurde
ihm die
Albert-Schweitzer-Friedens-Medaille
verliehen,
und die
Sudetendeutsche
Landsmannschaft
zeichnete
ihn mit
ihrem
Kulturpreis
für
darstellende
und
ausübende
Kunst aus.
Außerdem war
Scherbaum
Mitglied der
Sudetendeutschen
Akademie der
Wissenschaften
und Künste.
Lit.:
Adolf
Scherbaum.
Kulturpreis
1979 der
Stadt
Sulzbach-Rosenberg.
Kallmünz
1979. –
Gerassimos
Avgerinos,
Künstler-Biographien.
Die
Mitglieder
im
Philharmonischen
Orchester
von
1882-1972. –
Who's who in
the Arts.
München
1975.
Widmar Hader