Carl Wilhelm Scheele gehört
zu den
großen
Persönlichkeiten
im Bannkreis
der Chemie,
deren
Entwicklung
mit
Paracelsus
beginnt.
Justus von
Liebig
schrieb in
seinen
berühmten
„Chemischen
Briefen“:
„Die
Geschichte
einer
Wissenschaft
ist eine
Seite in der
Geschichte
des
menschlichen
Geistes. Und
in Beziehung
auf ihre
Entstehung
und
Entwicklung
gibt es
keine,
welche
merkwürdiger
und
lehrreicher
wäre als die
Geschichte
der Chemie.“
Durch seine
Entdeckungen
und
Darstellungen
zahlreicher
chemischer
Substanzen
mit
einfachsten
Hilfsmitteln
wurde
Scheele zu
einem der
bedeutendsten
Chemiker
seiner Zeit.
So entdeckte
er bereits
1771/72 als
Laborant in
Uppsala die
„Feuerluft“,
den
Sauerstoff,
ohne dies
allerdings
der
wissenschaftlichen
Welt durch
die
Königlich-Schwedische
Akademie der
Wissenschaften
in Stockholm
mitzuteilen.
So konnte es
geschehen,
daß nicht
er, sondern
der
Engländer
Joseph
Priestley,
der am 1.
August 1774
durch
Erhitzen des
„Praecipitat
per se“
seine „dephlogistirte
Luft“
gewann, als
Sauerstoff-Entdecker
gefeiert
wurde. 1777
erschien
endlich
Scheeles
„Chemische
Abhandlung
von der Luft
und dem
Feuer“, die
ihn auf die
Höhe
seiner
Lebensbahn
führte. Er
nannte als
„Gegenstand
und
Hauptzweck“
der Chemie,
„die Körper
geschickt in
ihre
Bestandteile
zu zerlegen,
deren
Eigenschaften
zu entdecken
und sie auf
verschiedene
Art
zusammenzusetzen“.
Dieses Programm wandte er
bei seinen
systematischen
Untersuchungen
auch der
Luft an,
„dasjenige
flüssige
unsichtbare
Wesen,
welches wir
beständig
einatmen,
den Erdboden
allenthalben
umgibt, sehr
elastisch
ist und eine
Schwere
besitzt. Die
Luft muß aus
elastischen
Flüssigkeiten
von
zweyerlei
Art
zusammengesetzt
sein. Da
diese Luft
nothwendig
zur
Entstehung
des Feuers
erfordert
wird, so
werde ich
sie der
Kürze halber
ins Künftige
die
Feuerluft
nennen. Die
andere Luft
aber, welche
zur feurigen
Erscheinung
gar nicht
dienlich
ist, will
ich mit dem
bereits
bekannten
Namen
,verdorbene
Luft‘
belegen.“
Außer dem
Sauerstoff
entdeckte
und
erforschte
er u.a. auch
Stickstoff,
Chlor,
Molybdän,
viele Salze
und
organische
Säuren aus
dem
Pflanzen-
und
Tierreich.
Die
Malerfarbe
„Scheeles
Grün“ und
das Mineral
„Scheelit“
tragen
seinen
Namen. Seine
Genialität
bestand in
einer
unsystematisch
ausgerichteten
Forschungsweise:
„Er machte
alle
möglichen
Versuche
durcheinander
– so bekam
er vieles zu
sehen und zu
entdecken,
was ein
Systematiker
für
unmöglich
ansah, weil
es gegen
seine
Prinzipien
stritt“, -
berichtet
A.J. Retzius
(1742-1821),
Professor
der Chemie
und Botanik
an der
Universität
Lund.
Carl Wilhelm
Scheele, am
9. Dez. 1742
als
siebentes
von elf
Kindern im
seit 1648
schwedischen
Stralsund
geboren,
entstammte
einer wohl
in
Niedersachsen
beheimateten,
seit dem 13.
Jh. in
Pommern und
Rügen
nachgewiesenen
Familie.
Sein
Geburtshaus
in der
Stralsunder
Fährstraße
trägt seit
1874
Erinnerungstafel
und
Reliefbildnis
des
berühmten
Sohnes der
alten
Hansestadt.
Schon als
Gymnasiast
offenbarte
er
Kenntnisse
und
Neigungen
zur
Pharmazie.
1757 –
vierzehnjährig
– verließ er
seine
Vaterstadt
und trat in
Göteborg in
die Apotheke
„Zum
Einhorn“ des
aus Güstrow
stammenden
Martin Bauch
als Lehrling
und Laborant
ein. Sein
Lehrherr
erkannte
schnell die
große
Begabung und
ließ ihm bei
Versuchen
und
Forschung
freie Hand.
1765
wechselte
Scheele für
fast 3 Jahre
als
„Studiosus
pharmaciae“
in die
Apotheke von
Peter Magnus
Kjeilström
nach Malmö,
der seine
eigene
Ausbildung
ebenfalls
Scheeles
Lehrmeister
Bauch
verdankte.
Nur einmal –
1767 – war
Scheele in
Stralsund zu
Besuch.
Damals
entstand das
einzige,
nach dem
Leben
gemalte
Bildnis
Scheeles,
1931 erst
wieder
aufgefunden
und heute im
Besitz der
„Schwedischen
Apotheker-Sozietät“.
1768
übersiedelte
Scheele für
zwei Jahre
als Laborant
in die
Apotheke
„Zum Raben“
nach
Stockholm,
in der
Erwartung
und
Hoffnung,
Berührungen
mit
wissenschaftlichen
Kreisen zu
finden. Er
wurde
enttäuscht.
Eine erste
Arbeit über
die
Untersuchung
des
Weinsteins
erschien
1769 in den
Abhandlungen
der
Königlich-Schwedischen
Akademie der
Wissenschaften
– unter dem
Namen von
Andreas
Johann
Retzius,
sein Name
war nur
beiläufig
genannt.
Abhandlungen,
die Scheele
geschrieben
und an den
Sekretär der
Akademie,
Professor
Torben
Bergman,
geschickt
hatte,
blieben
unbeachtet.
Erst in
Uppsala,
wohin
Scheele im
Sommer 1770
gegangen
war,
entwickelte
sich durch
Zufall
zwischen den
beiden so
ungleichen
forschenden
Männern ein
lebhafter
wissenschaftlicher
Verkehr, von
großem
Nutzen für
die Chemie,
der bis zum
Tod von
Bergman 1784
ein wahres
Freundschaftsverhältnis
geworden
war.
Scheeles
wissenschaftlicher
Ruf war so
sehr
gestiegen,
daß er am 4.
Febr. 1775,
ohne
akademische
Grade zu
besitzen,
mit der Wahl
zum Mitglied
der
Schwedischen
Gesellschaft
der
Wissenschaften
geehrte
wurde.
Die
überragende
Bedeutung
Scheeles und
sein
wissenschaftlicher
Ruf fanden
jetzt auch
äußerliche
Anerkennung.
So war
Scheele z.B.
als
wissenschaftlicher
Begleiter
des Prinzen
Heinrich von
Preußen bei
seinem
Besuch der
Universität
Uppsala
abgeordnet –
was wenig
später dazu
führte, daß
der Hof
Friedrichs
II. von
Preußen ihn
abzuwerben
versuchte.
Scheele
wehrte
mehrere
ehrenvolle
Berufungen
ab, zumal
er, seit
1776
Apotheken-Provisor
in Köping,
die schon
lange
gewünschte,
selbständige
Lebensstellung
erlangt
hatte, in
der er auch
seinen
wissenschaftlichen
Neigungen
nachgehen
konnte: „Ich
kann mich
nicht mehr
als satt
essen, und
wenn ich das
in Köping
tun kann, so
brauche ich
mein Brot
nicht
anderswo zu
suchen“,
schrieb er
dem
Akademie-Sekretär
Prof.
Bergman. Er
hatte seinen
wissenschaftlichen
Weltrang
ohne ein
akademisches
Studium
erlangt.
Zahlreich
reisten
Besucher aus
Deutschland
und Europa
nach Köping,
um den
berühmten
Mann
kennenzulernen.
Stipendien
und Ehrungen
wurden ihm
zuteil, 1784
ernannte ihn
die
Königliche
Akademie der
Wissenschaften
zu Turin zum
Mitglied,
gleiche
Ehrungen aus
Paris,
Verona und
Erfurt
trafen kurz
nach seinem
Tod in
Köping ein.
Die
„Gesellschaft
der naturforschenden Freunde zu
Berlin“
konnte ihn
noch zu
Lebzeiten
ehren, die
„Preußische
Akademie der
Wissenschaften“
aber hat
ihre
Mitgliederliste
nicht mit
seinem Namen
geziert. Am
21. Mai
1786, erst
im 44.
Lebensjahr,
starb er in
Köping –
nicht an
einer
Blausäurevergiftung,
wie ein
Gerücht
besagte – er
hatte die
hochgiftigen
Arsenwasserstoffe
und
Blausäure
zwar
entdeckt und
damit
experimentiert
–, sondern
an
Tuberkulose:
„Das
Leichenbegräbnis
war das
ehrenvollste,
daß die
Stadt (Köping)
je gesehen“.
In Stockholm
und Köping
wurden für
ihn
Denkmäler
errichtet.
Wie bei
vielen,
stand auch
„bei dem
Genie Carl
Wilhelm
Scheele die
Größe seiner
Leistungen
im
umgekehrten
Verhältnis
zu der Gunst
der äußeren
Verhältnisse“.
Werke:
Nachgelassene
Briefe und
Aufzeichnungen,
Hg. von A.E.
Nordenskiöld
Stockholm
1892
(Nachdruck
Walluf b.
Wiesbaden
1973) – Karl
Wühelm
Scheele:
Sämtliche
physische
und
chemische
Werke; Dt.
Übers, u.
Hg. S.F.
Hermbstadt
Berlin 1793
(Nachdruck
Walluf 1970)
– Carl
Wilhelm
Scheele:
Chemische
Abhandlung
von der Luft
und dem
Feuer; Hg.
Torbern
Bergman,
Uppsala u.
Leipzig 1777
(in
deutscher
Sprache –
Denkschriften
d. Königl.
Schwed.
Akademie der
Wissenschaften;
Stockholm,
Jahrgänge
1776 bis
1780.
Lit.:
R.
Sachtleben/A.
Hermann: Von
der Alchemie
zur Großsynthese
– Große
Chemiker;
Vlg. E.
Battenberg,
Stuttgart
1960 –
Pommersche
Lebensbilder,
Bd. IV
(Veröffentlichungen
d. Histor.
Kommission
für
Pommern),
Böhlau-Verlag
Köln 1966 –
G. Bugge:
Das Buch der
Großen
Chemiker;
Vlg. Chemie
GmbH Berlin
1929 – O.
Zekert: Carl
Wilhelm
Scheele –
Apotheker,
Chemiker,
Entdecker,
Stuttgart
1963.
Bild:
C.W. Scheele
Bronzemedaille
von Johan
Gabriel
Wickman um
1790.
Franz K.
Waechter