Es hat emsiger, von den
verschiedensten
Seiten
vorangetragener
Bemühungen
bedurft, dem
neulateinischen
schöngeistigen
Schrifttum
des
Humanismus
in der
europäischen
Literaturgeschichtsschreibung
den ihm
gebührenden
Rang zu
erkämpfen.
Unter diesem
Gesichtspunkt
sind auch
die
literarischen
Hervorbringungen
des
siebenbürgischen
Humanismus
zu
betrachten.
Daraus zieht
das Werk
seines
hervorragendsten
Vertreters
im ganzen
Südosten,
Christian
Schesäus,
Nutzen; und
diese neue
Betrachtungsweise
wird ihm
zukünftig
wohl noch in
erhöhtem
Maße zugute
kommen.
Schesäus
entstammt
der sozialen
Oberschicht
des erst im
15.
Jahrhundert
zum
unbestrittenen
Vorort des
sächsischen
Selbstverwaltungsverbandes
der „Zwei
Stühle“
aufgestiegenen
Kokelstädtchens
Mediasch.
Sein Vater,
Stephan, war
Richter der
Zwei Stühle
und hat
seinen
Söhnen
Christian
und Joachim
eine
sorgfältige
Erziehung
zuteil
werden
lassen.
Während
Christian
Schesäus
nach
Kronstadt
gehen
durfte, „wo
ich die
Anfangsgründe
der schönen
Künste
betreten
habe“, wie
er 1573 in
einer Elegie
auf die um
das dortige
neugegründete
Gymnasium
hochverdienten
Gelehrten
Honterus,
Valentin
Wagner und
Jakob
Mellembriger
schreibt,
tritt der
Jüngere in
die
Fußstapfen
des Vaters.
In Kronstadt
dürfte
Christian
Privatunterricht
genossen
haben, da
sein Name in
der seit
1544
gewissenhaft
geführten
Schulmatrikel
fehlt.
Vermutlich
wegen der
damals in
Siebenbürgen
heerenden
Pest weicht
er 1553 nach
Bartfeld
aus. Dort
wird
Leonhard
Stöckel, der
Reformator
der Zips,
sein
vielgeliebter
Lehrer, dem
er in einer
1563 bei
Lucius
Transylvanus
in
Wittenberg
erschienenen
Gedenkrede
ein schönes
Denkmal
gesetzt hat.
1556 bezieht
Schesäus
sodann die
Universität
Wittenberg,
wo er am 6.
März
immatrikuliert
wird. Er
hört
insbesondere
bei
Melanchthon
und Nikolaus
Seinecker,
einem der
geistigen
Väter der
Konkordienformel
von 1577,
mit dem ihn
zeitlebens
eine warme
Freundschaft
verbinden
sollte. Noch
im Jahr 1584
widmet er
Seinecker
seinen in
Leipzig
gedruckten
Pfarrerspiegel
„Imago boni
pastoris“.
1558 kehrt Schesäus
in die
Heimat
zurück. Er
wird
zunächst
Prediger in
Klausenburg
und schreibt
seinem
lutherischen
Glaubensbruder,
dem
Stadtpfarrer
und
Superintendenten
der
ungarisch-siebenbürgischen
Kirche,
Franz
Davidis,
noch im
selben Jahr
ein
Begrüßungsgedicht,
dem gleichen
Mann, der
schon im
August des
nachfolgenden
Jahres zum
helvetischen
Bekenntnis
hinüberwechselt.
Schesäus
nächste
Etappe ist
das in
idyllischer
Abgeschiedenheit
gelegene
kleine
Tobsdorf bei
Mediasch,
wohin er
sich um 1560
als Pfarrer
wählen läßt.
Dort findet
er die Muße,
den Großteil
seines nach
dem Vorbild
von Vergils
Aeneis in
zwölf
Gesängen
angelegten
dichterischen
Hauptwerks,
der „Ruinae
Pannonicae“,
niederzuschreiben,
das seinen
Namen
berühmt
gemacht hat.
1569 beruft
ihn dann
seine
Heimatgemeinde
Mediasch zu
ihrem
Pfarrer. Als
solcher
bekleidet er
zeitweilig
auch die
Würde des
Kapitelsdechanten.
Allzu früh
wird er am
30. Juli
1585 von der
Pest
dahingerafft
und im Chor
der
Mediascher
Kirche
beigesetzt.
Der heute in
die südliche
Chorseite
eingelassene
Grabstein in
hellem
Marmor zeigt
— außer der
In- und
Umschrift —
als Wappen
„im
Lorbeerkranz
den
Baumstamm,
auf dem
Noahs
Friedenstaube
sitzt“.
In den
„Ruinae
Pannonicae“
nimmt sich
Christian
Schesäus
nach
humanistischer
Gepflogenheit
ein
zeitgeschichtliches
Thema vor:
Die
Auseinandersetzung
des Hauses
Habsburg mit
dem
Geschlecht
der
Zápolya's um
den Besitz
Siebenbürgens
von dem Fall
Ofens (1541)
bis zum Tod
Johann
Sigismunds
im Jahr
1571. Der
Ablauf der
Handlung
wird in
historische
Einzelgemälde
aufgelöst,
„und hier
entwickelt
er ein
Talent der
Darstellung,
worin sich
keiner
seiner
heimischen
Zeitgenossen
mit ihm
messen darf“
(M. Albert).
Sei es der
Fall Ofens,
die
Ermordung
des
siebenbürgischen
Statthalters
Georg
Utiessenovich
gen.
Martinuzzi,
der Aufstand
des niederen
Szeklervolkes,
die
Eroberung
der Feste
Szigetvár
mit dem
Heldentod
ihres
Verteidigers
Nikolaus
Zrinyi, Tod
und
Begräbnis
seines von
Schesäus
freilich
über Gebühr
eingeschätzten
Gönners
Johann
Sigismund
etc.: Es
sind
packende
Gemälde von
großer
Anschaulichkeit
und
Prägekraft.
H. Schuller,
der sich
zwischen der
beiden
Weltkriegen
am
eingehendsten
mit dem Werk
des Schesäus
auseinandergesetzt
hat, rühmt
an ihm „die
Kraft und
die
Fähigkeit,
den riesigen
Stoff
künstlerisch
zu formen“
und sieht in
den „Ruinae
eine, trotz
einiger
Abstriche,
von Leben
und Erleben
erfüllte
Dichtung“, für
die er
zurecht als
„poeta
laureatus“
gefeiert
worden ist.
Die schon lange fällig
gewesene
kritische
Schesäusausgabe,
die 1979 im
Budapester
Akademieverlag
erschienen
ist,
verzeichnet
12
Originalwerke.
Außer den
schon
genannten
Widmungsgedichten
und einigen
Hochzeits-
und
Trauerliedern
hat er auf
der Synode
der
siebenbürgisch-sächsischen
Pfarrer von
1580 die
erste
zusammenfassende
große
Darstellung
vom Ursprung
und Verlauf
der
Reformation
in
Siebenbürgen
gegeben.
Auch hat er
1580 in
Wittenberg
eine
Auslegung
des 90.
Psalmes in 7
Predigten in
Druck
gebracht.
Werke:
Christianus
Schesäus,
Opera quae
supersunt
omnia.
Edidit
Franciscus
Csonka.
Budapest,
Akademie-Verlag
1979, mit
allen
Angaben über
frühere
Drucke. Dazu
die
eingehende
Besprechung
von G.
Gündisch in:
Zeitschrift
für
Siebenbürgische
Landeskunde
3, 1980, S.
61-63.
Lit.:
J. Trausch,
Schriftsteller-Lexikon
der
Siebenbürger
Deutschen,
Bd. III,
Kronstadt
1871, S.
168-175.
Ebenda Bd.
IV von Fr.
Schuller,
Hermannstadt
1902, S.
376/377. M.
Albert, Die
Ruinae
Pannonicae
des
Christian
Schesäus.
In: Programm
des ev.
Gymnasiums
in
Schässburg
1872/73.
Hermannstadt
1873, S.
49-75. – H.
Schuller,
Des
Christian
Schesäus „Bellum
Pannonicum
Solymanni
imperatoris
Turcorum
ultimum“,
in: Beiträge
zur
Geschichte
der ev.
Kirche A.B.
in
Siebenbürgen.
(Festschrift
Fr. Teutsch).
Hermannstadt
1922, S.
85-109;
Derselbe,
Die
handschriftlich
erhaltenen
Gesänge aus
Schesäus'
Ruina
Pannonica.
Mediasch
1923;
Derselbe,
Christian
Schesäus als
Lyriker.
Mediasch
1927, – B .
Capesius,
Sie
förderten
den Lauf der
Dinge.
Bukarest
1967, S.
233-288.
Gustav
Gündisch