„Es kam
die bittere
Zeit des
Nationalsozialismus.
Er stand bei
denen, die
dem alten
Evangelium
die Treue
hielten, und
die mit
voller
Klarheit
sahen, daß
die
Veränderungen
des
Evangeliums,
die uns
damals
zugemutet
wurden, zu
nichts
anderem
führen
konnten, als
zu dem
Zusammenbrauch
der
christlichen
Kirche. Aber
sein Sinn
war immer
auf den
Frieden
gerichtet;
das lag in
seiner
ganzen Art.
Er ergriff
jeden
Strohhalm,
der dazu zu
helfen
schien, daß
man wieder
eine Brücke
zueinander
finden
könnte, ohne
das
Entscheidende
preiszugeben“
(Aus der
Gedenkrede
..., s.
Lit.). Mit
diesen
Worten
gedachte
Bischof Otto
Dibelius
(1880-1967)
am 9.
Oktober 1954
im
Greifswalder
Dom seinem
zwei Tage
zuvor
verstorbenen
Bundesbruder
Karl von
Scheven.
Beider Wege
hatten sich
erstmals
während
ihres
Studiums der
evangelischen
Theologie
beim Verein
Deutscher
Studenten (VDSt)
gekreuzt.
Diesem war
Scheven in
Halle zu
Beginn
seines
Studiums im
WS 1901/02
beigetreten,
nachdem er
1901 sein
Abitur auf
dem
Königlichen
Bismarck-Gymnasium
in Pyritz
gemachte
hatte.
Scheven
setzte sein
Studium, in
dem er laut
Dibelius
„mit einem
glühenden
Herzen voll
vaterländischer
Begeisterung“
stand,
zum WS
1902/03 in
Berlin fort.
Zum SS 1904
wechselte er
nach
Greifswald.
Dort legte
er seine
erste
theologische
Prüfung im
Oktober 1905
ab. Ab 1.
Juli 1906
war Scheven
für ein Jahr
Mitglied des
königlichen
Domkandidatenstifts
Berlin. Nach
kurzer
Hilfslehrerzeit
am
Stadtgymnasium
von Stettin
und der
zweiten
theologischen
Prüfung
wurde
Scheven am
13. Oktober
1907 in
Stettin
ordiniert.
Anschließend
war er Vikar
und Pastor
der
deutschen
evangelischen
Gemeinde in
Cannes. Ab
15. Juli
1908 war er
Pastor und
Inspektor an
der Berliner
Stadtmission,
die damals
von Adolf
Stoecker
(1835-1909)
und Schevens
Bundesbruder,
dem Hof- und
Domprediger
Karl Ohly
(1860-1919),
geleitet
wurde.
Scheven
kehrte dann
in seine
Heimat
zurück und
wurde am 1.
Dezember
1911 Pastor
in Pakulent
im
Kirchenkreis
Greifenhagen.
Hier konnte
er neben dem
Gemeindedienst
auch seiner
Leidenschaft,
der
Landwirtschaft,
nachgehen.
Zu Beginn
des Ersten
Weltkriegs
kam Scheven
als
Lazarettpfarrer
nach Kolberg.
1916-1918
war er 2.
Garnisonspfarrer
in Stettin.
Nach
Kriegsende
wurde er
theologischer
Hilfsarbeiter
im
Konsistorium
der
Pommerschen
Provinzialkirche.
Als Mitglied
der
Provinzialsynode
und der
Generalsynode
der
Altpreußischen
Union
arbeitete er
1922
maßgeblich
an deren
Verfassung
mit. Ab 1.
März 1924
war er
Pastor und
Superintendent
im
Kirchenkreis
Colbatz mit
Amtssitz in
Neumark.
Dort war er
auch in der
Landvolkshochschule
tätig. Vom
19. März
1928 bis
1950 war er
Pastor an
St. Nikolai
und
Stadtsuperintendent
in
Greifswald.
Während des
Kirchenkampfes
im „Dritten
Reich“
schloss er
sich der
Bekennenden
Kirche (BK)
an,
wenngleich
er – so
Friedrich
Winter – die
politischen
Veränderungen,
die der
Nationalsozialismus
im Staat
brachte,
begrüßte
beziehungsweise
tolerierte.
Am 22.
August 1933
wurde er in
die
theologische
Prüfungskommission
der
Provinzialsynode
gewählt. In
den
pommerschen
Provinzialkirchenausschuss,
dessen
Vorsitz er
1936/37
innehatte,
wurde er am
19. Dezember
1935
berufen.
Seine
Übernahme
des
Vorsitzes
löste den
Protest der
Deutschen
Christen
(DC) aus,
die eine
erfolglose
Eingabe an
das
Kirchenministerium
schickten:
„Herr
Superintendent
v. Scheven
mag ein
guter Christ
sein, aber
er ist alles
andere als
ein
Nationalsozialist
… Seine
innere
Haltung zu
Staat und
Kirche ist
durch seine
Zugehörigkeit
zur
Bekenntnisfront
gekennzeichnet,
die hier in
Pommern
bekanntlich
einen
besonders
scharfen
Kurs
steuert“
(Kurt Meier:
Der
Evangelische
Kirchenkampf,
Bd. 2, S.
201). Die
Funktionen,
die Scheven
zuvor in der
Bekenntnissynode
eingenommen
hatte,
ruhten
während
seiner
Zugehörigkeit
zum
Provonzialkirchenausschuss.
Dort setzte
er sich –
wie eingangs
von Dibelius
angedeutet –
für einen
Ausgleich
zwischen BK
und DC ein.
Hierüber gab
es
Meinungsverschiedenheiten
in der
pommerschen
Bekenntnisfront,
deren
Mehrheit
sich im
Oktober 1936
gegen eine
Zusammenarbeit
mit dem
Konsistorium
wandte. Da
die
BK-Pfarrerschaft
aber keine
Einigung
über die
Weiterarbeit
des
pommerschen
Provinzialbruderrates
erzielen
konnte,
sprach ihm
Scheven den
Kirchenleitungsanspruch
ab. Doch
auch die
Deutschen
Christen
wandten sich
gegen den
Ausschuss.
Staatssekretär
Hermann Muhs
(1894-1962)
teilte
Scheven am
30. August
1937 nach
dem
Rücktritt
des einzigen
DC-Ausschussmitgliedes
mit, dass
der
Ausschuss
nicht mehr
handlungsfähig
sei. Am 3.
September
beauftragte
Dr.
Friedrich
Werner
(1897-1955),
Präsident
des
Evangelischen
Oberkirchenrates
in Berlin,
Scheven
daher
zunächst mit
der
geistlichen
Leitung für
Pommern.
Dagegen
erhob das
Kirchenministerium
Einspruch.
Dementsprechend
übte Scheven
ab dem 23.
September
1937 die
Befugnisse
der
Kirchenleitung
für Pommern
nicht mehr
aus.
Nach
Kriegsende
nahm er –
vom
Konsistoriumsbeirat
am 19.
September
1945
bestätigt –
das
geistliche
Referat im
Evangelischen
Konsistorium
Greifswald
wahr. Laut
Dibelius
„verstand es
sich von
selbst“,
dass Scheven
der leitende
Mann der
Pommerschen
Kirche
sein müsse.
Am 18.
Januar 1946
wurde ihm
als
Vorsitzendem
der
Kirchenleitung
der Titel
Präses
verliehen. Die
Theologische
Fakultät der
Universität
Greifswald
zeichnete
ihn am 18.
Februar 1946
mit der
Ehrendoktorwürde
aus. Ab dem
1. September
1946 war er
Vorsitzender
des
Evangelischen
Konsistoriums
Greifswald
und am 5.
November
1946 wurde
er zum
Bischof der
Evangelischen
Kirche in
Pommern
berufen. Im
Dom von St.
Nicolai in
Greifswald
führte ihn
Dibelius am
5. Januar
1947 in sein
Amt ein.
Scheven
setzte sich
als Bischof
sowohl
gegenüber
den
sowjetischen
Besatzungsbehörden
als auch
gegenüber
den
staatlichen
Stellen der
DDR für die
Freiheit der
Kirche ein.
Er starb
während
eines
Kuraufenthaltes
in Bad
Wiessee an
einem
Schlaganfall
und wurde am
13. Oktober
1954 auf dem
St.-Marien-Friedhof
in
Greifswald
bestattet.
Werke:
Die
evangelischen
Gemeinden
der
Stadtsynode
Stettin und
deren
Einrichtungen.
Wegweiser
für alle
Gemeindemitglieder,
Stettin
1906.
Lit.:
Auskunft
des
Landeskirchlichen
Archivs der
Pommerschen
Evangelischen
Kirche,
Greifswald.
– Bischof
Karl von
Scheven, in:
Akademische
Blätter (Ak.
Bl.) 56
(1954), S.
335. –
Bischof Karl
von Scheven
in memoriam,
in: Ak. Bl.
57 (1955),
S. 156-157.
– Aus der
Gedenkrede
von Bischof
D. Dr.
Dibelius im
Greifswalder
Dom am 9.
Oktober
1954, in:
ebenda, S.
157. – Kurt
Meier, Der
evangelische
Kirchenkampf,
3 Bde.,
Göttingen
1976-1984. –
Dietrich
Labs, Ein
Seelsorger
als Bischof.
Zum 25.
Todestag von
Karl von
Scheven, in:
Standpunkt.
Evangelische
Monatsschrift
7 (1979), H.
10, S.
269-271. –
Marc
Zirlewagen,
Scheven,
Karl v., in:
Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. XXXIV,
Nordhausen
2005, Sp.
1280-1284. –
Friedrich
Winter,
Bischof Karl
von Scheven
(1882-1954).
Ein
bodenständiger
Mann der
Kirche, in:
Baltische
Studien 92
(2006), S.
135-150.
Bild:
Bischof
D. Karl von
Scheven
(Landeskirchliches
Archiv der
Pommerschen
Evangelischen
Kirche,
Greifswald).
Marc
Zirlewagen