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Unter den Lyrikern des 19.
Jahrhunderts nimmt Leopold Schefer eine Position ein, die recht
eigenartig, auf jeden Fall typisch schlesisch ist.
Er war der Sohn eines
Arztes aus Muskau und besuchte das Gymnasium in Bautzen von 1799 bis
1804. In seine Heimat zurückgekehrt,
beschäftigt er sich zunächst mit Mathematik, Philosophie und Musik.
Seine ersten poetischen und musikalischen Erzeugnisse, Gedichte mit
Kompositionen, Berlin 1811, wurden von seinem Gönner, Graf Pückler,
Muskau, herausgegeben, der deshalb lange Zeit als ihr Verfasser galt.
Diesem seinem Gönner war Schefer zeit seines Lebens innerlich besonders
verbunden. Bei Übernahme seines Majorats ernannte Graf Pückler 1808 ihn
zum Generaldirektor seiner Besitzungen. Dieses Amt hatte Schefer bis
1845 inne. Er war an der Gestaltung des berühmten Parks mitbeteiligt.
Mit Hilfe Pücklers unternahm Schefer von 1816 bis 1820 eine große Reise,
die ihn nach Wien, Italien, Griechenland, zu den ionischen Inseln, in
die Türkei und nach Kleinasien führte. Dort studierte er Neugriechisch
und Arabisch. Aus dem Kontakt mit dem Morgenland ging später seine
orientalische Lyrik hervor. 1820 kehrte er nach Muskau zurück und
entfaltete zunächst als Novellist eine rege Tätigkeit. Seiner ersten
Sammlung Novellen (Leipzig 1825-1829, 5 Bände) folgte bald eine zweite
Sammlung neuer Novellen (1831-1835, 4 Bände), dann seine Werke „Lavabecher“
(2 Bände) und „Kleine Romane“ (6 Bände, 1836-1839). Weitere kleine
Romane und Novellen erschienen in der Folge. Dieses umfangreiche
novellistische Werk ist weitgehend vergessen trotz seiner Gemütstiefe,
guter Naturschilderungen und genauer Kenntnis von Zeit und Sitte in den
von ihm bereisten Ländern.
Sein
lyrisches Werk erreichte im 19. Jahrhundert zahlreiche Auflagen. Hier
folgt er wie sein Landsmann Friedrich von Sallet der Mystik des
schlesischen Schusterphilosophen Jakob Böhme und versucht,
pantheistischen Ideen lyrischen Ausdruck zu geben. Am bedeutendsten ist
sein „Laienbrevier“ (1834/35, 2 Bände), danach erschienen noch „Der
Weltpriester“ (1846) und „Hausreden“ (1854). In mehreren Gedichten
schlägt sich seine innere Bindung zum Orient nieder, wie in „Hafis in
Hellas“ (Hamburg 1853) und „Koran der Liebe“ (1854).
Seine
musikalische Begabung kommt in seinen Liedern, einer Oper „Sakontala“
und mehreren von ihm komponierten Quartetten, Capriccios und Ouvertüren
zum Ausdruck.
Die
ausgewählten Werke Schefers erschienen in Berlin von 1845-1846 in 12
Bänden. Gottschall gab 1867 ausseinem Nachlaß „Für Haus und Herz. Letzte
Klänge“ heraus.
Schefer
gehörte wie der mit ihm befreundete Waldau, der eigentlich Richard Georg
Spiller von Hauenschild hieß und 1822 in Breslau geboren wurde, zu jener
Generation schlesischer Dichter, die durch ihre Vielseitigkeit ihrer
Zeit neue Impulse gaben, ohne jedoch zu zeitloser Größe durchzustoßen.
Lit.:
Arno Lubos, Geschichte der Literatur Schlesiens I, Bergstadt-Verlag
Wilhelm Gottlieb Korn, München, S. 305; Wolfgang von Eichhorn,
Schlesiens Vermächtnis, VMA Verlag Wiesbaden, S. 300; Brockhaus v. 1935,
S. 555.
Claus
Ullmann
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