Schlick war
Sohn des
Egerer Kauf-
und
Ratsherrn
Heinrich
Schlick aus
ursprünglich
vogtländischem
Geschlecht
(aus dem
Gebiet von
Plauen und
Oelsnitz),
das bis in
das Jahr
1230
zurückverfolgt
werden kann.
In Eger ist
es zuerst
für das Jahr
1390
nachweisbar.
Die Herkunft
der Mutter
Constanze
ist ungewiß;
es spricht
mehr für
eine
bürgerliche
Herkunft aus
Eger als für
eine –
früher
behauptete –
Abstammung
von den
italienischen
Grafen
Collalto.
Sohn Kaspar
studierte in
Leipzig und
gehörte 1415
auf der
Reise König
Sigmunds
nach
Spanien,
Frankreich
und England
zu dessen
Gefolge. Im
Folgejahr
trat er als
Schreiber in
die
königliche
Kanzlei ein.
1422
erscheint er
in Urkunden
erstmals als
Sekretär.
1424 wurde
er Notar,
1427
Pronotar und
1429
Vizekanzler.
Als Pronotar
und
Vizekanzler
bestimmte
Schlick die
Beurkundungstätigkeit
der
königlichen
Kanzlei in
weit
stärkerem
Maße als
seine
Vorgänger,
die als
Kirchenfürsten
weder die
entsprechende
Vorbildung
noch Hingabe
an die
Geschäfte
mitgebracht
hatten.
Schlick
scheint vom
König zu
fast allen
Beurkundungsangelegenheiten
herangezogen
worden zu
sein, ob es
nun Fragen
der hohen
Politik, der
Finanzen des
Reiches, des
Lehenswesens
oder des
Strafrechts
waren. "Er
muß eine
unermüdliche
Arbeitskraft
besessen
haben und
offenbar
auch eine
auffallende
Begabung für
den Beruf
eines
Kanzleibeamten,
so daß er
bald seine
Gefährten
weit
übertraf. Es
scheint so,
daß sich in
ihm
beamtenmäßige
Genauigkeit,
aufbauende
und
gestaltende
Tatkraft und
Fachwissen
zusammenfanden
mit frischem
Schwung und
einer
leichten
Hand, daß
kaufmännisch-wirtschaftliche
Klugheit
sich mit
diplomatischer
Geschicklichkeit
und
staatsmännischem
Geiste
paarten."
(A. Zechel)
So ist
Schlick auch
an den
Verhandlungen
Sigmunds mit
den Hussiten
im Jahre
1429
beteiligt
gewesen, die
freilich
scheiterten.
Um die
hussitische
Gefahr für
das Reich zu
bannen und
Böhmen
zurückzuerobern,
kam es noch
im selben
Jahr zu dem
Versuch der
Bildung
einer
Allianz des
Königs mit
Herzog
Albrecht V.
von
Österreich,
dem
Erzbischof
von
Salzburg,
den
Wittelsbachern
sowie den
Städten
Regensburg
und Passau,
der auf
einen
Entwurf
Schlicks
zurückzugehen
scheint.
Schlick
stand dem
König in
seiner Liebe
zu Böhmen in
nichts nach.
Freilich kam
das Bündnis
nicht
zustande. In
den Kämpfen
gegen die
Hussiten wie
in denen
gegen die
Türken hatte
sich Schlick
bereits auch
als Soldat
bewährt, als
der er an
der Schulter
lebensgefährlich
verwundet
worden war.
Noch während
des
Hussitenkrieges
zog König
Sigmund von
Nürnberg aus
im Herbst
1431 nach
Italien, wo
er den
Reichsfeind
Venedig zu
besiegen und
die
Kaiserkrone
zu gewinnen
hoffte. Noch
im selben
Jahre wurde
er in
Mailand mit
der
lombardischen
Krone und am
31. Mai 1433
in Rom zum
Kaiser
gekrönt.
Schlick war
im Gefolge
Sigmunds und
hatte an den
Verhandlungen
mit Mailand,
der Kurie,
Venedig,
Florenz und
Siena sowie
dem Basler
Konzil, die
dem König
den Weg nach
Rom und zur
Kaiserkrönung
bahnten,
wesentlichen
Anteil, über
den
allerdings
die Quellen
zumeist
keinen
näheren
Aufschluß
gewähren. Er
wurde noch
in Rom zum
Kanzler
berufen und,
bereits seit
1422
Freiherr, in
den
Grafenstand
erhoben,
1437
Reichsgraf
von Bossano.
Ebenfalls
1437
heiratete er
Agnes, eine
dem
Königshaus
verwandte
Tochter des
Herzogs
Konrad von
Oels und
Wohlau.
Schlick, der
im folgenden
an der
Lösung der
böhmischen
bzw. der
Hussitenfrage
namhaften
Anteil
hatte, blieb
Reichskanzler,
als nach dem
Tod Sigmunds
am 9.
Dezember
1437 im
südmährischen
Znaim dessen
habsburgischer
Schwiegersohn
Albrecht als
deutscher
König sowie
als König
von Böhmen
und Ungarn
gefolgt war.
Die
Kurfürsten,
die das von
Kaiser
Sigmund
betriebene
Vorhaben der
Reichsreform
mit dem Ziel
einer
Schwächung
der
königlichen
Gewalt und
einer
Mediatisierung
der Städte
wiederaufgenommen
hatten,
versuchten
vergeblich,
den als
städtefreundlich
bekannten
Schlick aus
seinem Amte
zu drängen.
Nach dem
Tode König
Albrechts,
der am 27.
Oktober 1439
einer
Ruhrerkrankung,
die er sich
auf einem
Feldzug
gegen die
Türken in
der
Theißniederung
zugezogen
hatte, erst
42jährig
erlegen war,
bewährte
sich
Schlicks
staatsmännische
Kunst. Er
konnte es
erreichen,
daß in
Böhmen und
Ungarn, wo
sich nach
dem Tode
Sigmunds
einheimische
Gewalten
erhoben
hatten, die
Thronrechte
der
Habsburger
(freilich
unter der
Reichsverweserschaft
Georg
Podiebrads
in Böhmen
und Johannes
Hunyadis in
Ungarn) eine
formelle
Sicherung
erfuhren.
1452 wurde
Albrechts
nachgeborener
Sohn
Ladislaus
Postumus als
König von
Ungarn
anerkannt
und 1453 in
Prag zum
König von
Böhmen
gekrönt.
Freilich
starb er
hier bereits
1457,
wahrscheinlich
durch Gift.
Schlick
blieb auch
unter Kaiser
Friedrich
III., der
zunächst für
Ladislaus
vormundschaftlich
regierte,
Kanzler. In
dem großen
Konflikt der
Zeit
zwischen dem
Papst und
der um eine
Reform der
Kirche
bemühten
konziliaren
Bewegung
stand er auf
der
päpstlichen
Seite und
bestimmte
dementsprechend
die Politik
des Reiches.
Er wie der
italienische
Humanist
Aeneas
Silvius de
Piccolominibus
(der spätere
Papst Pius
II.), dem
Schlick
Zugang zur
Kanzlei und
zum Hof
verschafft
hatte,
betrieben
eine
Verständigung
zwischen
Friedrich
III. und dem
vom Basler
Konzil
abgesetzten
Papst Eugen
IV., der
1443 aus
seinem Exil
in Avignon
nach Rom
zurückgekehrt
war. Als
Ergebnis
wurde im
Frühjahr
1448 das
Wiener
Konkordat
geschlossen.
Schlicks
Aufstieg als
Bürgersohn
zum
Reichskanzleramt,
das mit ihm
erstmals ein
Laie
bekleidete,
war
außergewöhnlich.
Er empfing
hohe Ehren
und reiche
Belohnungen
(nicht nur
von seinem
kaiserlichen
Herrn),
sogar
Herrschaften
als Pfand.
In den Genuß
seiner
Standeserhöhungen
kamen auch
seine
Brüder. Der
Vater
Heinrich war
bereits 1420
zum König
unter die
Familiares
(Hausgenossen)
aufgenommen
worden. Doch
sind die
Familienurkunden
nicht, wie
früher
angenommen,
von Schlick
gefälscht
worden. Im
Besitze der
Bildung
seiner Zeit,
tat sich
dieser auch
als Gönner
der
Gelehrten
hervor.
Lit.:
Artur Zechel:
Studien über
Kaspar
Schlick.
Anfänge/Erstes
Kanzleramt/Fälschungsfrage
(= Quellen
und
Forschungen
aus dem
Gebiete der
Geschichte,
hrsg. von
der
Historischen
Kommission
der
Deutschen
Gesellschaft
der
Wissenschaften
und Künste
in Prag, Bd.
15), Prag
1939.
Bild:
Reichsapfel,
letztes
Viertel des
12.
Jahrhunderts.
Original in
der
Weltlichen
Schatzkammer
Wien.
Peter
Mast