Diese
Berufsbezeichnung
trifft das
geistig-wissenschaftliche
Schaffen und
berufliche
Werk des
emeritierten
Mainzer
Universitätsprofessors
Dr. Wilfried
Schlau nur
zum Teil. Am
27. April
1917 im
nordrussischen
Welikij-Ustjug
im
Gouvernement
Wologda,
wohin es die
Eltern
während der
Ersten
Weltkrieges
verschlagen
hatte,
geboren,
verlebte
Wilfried
Schlau seine
Jugendjahre
in Mitau,
der alten
Hauptstadt
Kurlands.
Hier war
sein Vater
Direktor des
staatlichen
deutschen
Gymnasiums,
das auch
Schlau
besuchte und
an dem er
1934 sein
Abitur
ablegte.
Geprägt von
einem in
bester
humanistischer
Bildungstradition
bestimmten
Elternhaus
und dem
Gedankengut
der
deutschen
Jugendbewegung,
lernte er
frühzeitig
die
Probleme,
die sich aus
dem
Zusammenleben
verschiedener
Völker in
einem Raum
ergeben,
kennen.
Diese
Erfahrungen
der
Militärzeit
in der
lettländischen
Armee, die
für ihn ganz
sicher harte
Lehrjahre
waren,
finden sich
immer wieder
in seinen
Schriften
und
Vorträgen.
Nach dem
Abitur ging
Schlau für
ein Jahr an
die
Heimvolkshochschule
Jablonken im
Kreis
Ortelsburg
in Ostpreußen.
An dieser
nach dänischem
Vorbild
eingerichteten
Bildungsstätte
begegnete er
dem
Gedankengut
Grundtvigs,
das für
entscheidende
Abschnitte
seines
weiteren
Lebens
richtungsweisend
sein sollte.
Grundtvigs
Auffassung,
daß das
dänische
Volk nach
der
Niederlage
an den
Düppeler
Schanzen
durch
Volksbildung
im Inneren
wiedergewinnen
müsse, was
nach außen
verlorengegangen
war, wurde
Leitmotiv
für Wilfried
Schlau nach
der
Niederlage
des Reiches
im Zweiten
Weltkrieg
und seiner
Zerschlagung
durch die
Sieger. Auf
die Zeit in
Jablonken
ist wohl
auch seine
Entscheidung
zurückzuführen,
sich dem
Studium der
Agrarwissenschaften
zuzuwenden.
Nach
praktischen
Lehrjahren
in Kurland,
der Mark
Brandenburg
und
Westfalen
begann er
1939 das
Hochschulstudium
an der
lettländischen
Universität/Landwirtschaftliche
Akademie in
seiner
Heimatstadt
Mitau. Sehr
bald danach
griff jedoch
die
weltpolitische
Entwicklung
entscheidend
in sein
Leben ein.
Die im
Hitler-Stalin-Pakt
beschlossene
Umsiedlung
der
Deutschen
aus dem
Baltikum
traf auch
ihn und
seine
Familie.
Während die
Eltern im
Poenschen
ein neues
Zuhause
fanden,
meldete
Schlau sich
im Jahr 1940
freiwillig
zur
Deutschen
Wehrmacht.
Das Ende des
Kriges
erlebte er
als
Oberleutnant
und
Bataillonsführer.
Nach
Kriegsgefangenschaft
bei
Engländern,
Amerikanern
und Sowjets
setzte er
seine
Studien an
der
Hochschule
in Hohenheim
bei
Stuttgart
fort, um sie
1949 mit dem
Diplom
abzuschließen.
1950 begann
er seine
Lehrtätigkeit
an der
Hessischen
Landvolkshochschule,
einer Stätte
allgemeiner
und
politischer
Bildung, vor
allem
hauptberuflich
in der
Landwirtschaft
tätiger
junger
Erwachsener,
deren
Leitung er
von 1952 an
für 16 Jahre
innehatte.
Hier
verwirklichte
Schlau
Grundtvigs
Gedanken in
der der Zeit
angemessenen
Form. Mehr
als 4000
jungen
Erwachsenen
aus vielen
Berufsgruppen
war Schlau
in diesen
Jahren
Erzieher und
Wissensvermittler
zugleich.
Heute noch
beherrschen
die
Erinnerungen
an die oft
bis in die
spät in die
Nacht
währenden
Gespräche
mit „ihrem
Doktor
Schlau“ die
Erzählungen
der
ehemaligen
Schüler,
denen er
Orientierung
und
Lebenshilfe
gab. Junge
Menschen zum
Blick über
die Grenzen
zu gewinneen,
sie
neugierig
und
aufgeschlossen
zu machen
für das
Anderssein
anderer
Völker, war
ihm
besonderes
Anliegen.
Dänen und
Finnen,
Schweden,
Franzosen,
Niederländer,
Flamen, aber
vor aber
auch
Südtiroler
und
Österreicher
gewann
Schlau für
diese
Bildungsarbeit
und führte
seine
Schüler in
die
Nachbarländer.
Bei ei
seinen
Studienreisen
in die
meisten
europäischen
Länder, nach
USA und
Kanada fand
er immer
wieder neue
Anregungen.
Neben der
praktisch-pädagogischen
Tätigkeit
widmete er
sich weiter
den
Problemen
der Sozial-
und
Erziehungswissenschaften.
Ergebnis war
sein
Hauptwerk
„Politik und
Bewußtsein“.
Nach seiner
Habilitation
1969 an der
Wirtschafts-
und
Sozialwissenschaftlichen
Fakultät der
Universität
Hohenheim
erhielt er
die venia
legendi für
das
Fachgebiet
politische
Soziologie
und neuere
Sozialgeschichte.
Nach
einjähriger
Tätigkeit
als Dozent
für
Wirtschafts-
und
Sozialwissenschaften
an der
Stabsakademie
der
Bundeswehr
in Hamburg
erhielt er
1971 einen
Ruf als
ordentlicher
Professor
für
Soziologie
zunächst an
die
Erziehungswissenschaftliche
Hochschule
Rheinland-Pfalz
und 1979 an
die
Johannes-Gutenberg-Universität
Mainz. Auch
hier reicht
sein Wirken
über die
Lehrverpflichtungen
weit hinaus.
Aus dem von
ihm 1965
gegründeten
Studentenbildungswerk
entwickelte
sich das
sogenannte
„Mainzer
Modell“,
eine
Bildungseinrichtung
für
Studenten
unterschiedlicher
Fachrichtungen
zum Erlernen
der
polnischen
Sprache und
dem
Kennenlernen
der
Geschichte
des
polnischen
Volkes. Sein
Rat ist von
den Kollegen
der eigenen
und
benachbarten
Wissensbereiche
gefragt, was
sich in der
Mitgliedschaft
Schlaus in
zahlreichen
wissenschaftlichen
Gesellschaften
niederschlägt.
Werke (Auswahl): Heimatvertriebenes ostdeutsches Landvolk, 1955; Politik und
Bewußtsein,
1971; Lehrer
in
Rheinland-Pfalz
(mit Gerhard
Schadwill,
1984;
Bedingungslose
Heimkehr
(Hrsg.),
1979; Das
Mainzer
Modell
(Hrsg.),
1983; Die
bäuerliche
Führungsschicht
in Hessen im
19. und 20.
Jahrhundert,
in: G. Franz
(Hrsg.),
Bauernschaft
und
Bauernstand
1500-1970,
1975; Die
blockierte
Mobilität,
in: Die
deutsche
Neurose,
1980;
Deutsche
draußen und
drinnen in
der Welt von
heute, in:
VDA-Gesellschaft
für deutsche
Kulturbeziehungen
im Ausland
e. V.
(Hrsg.),
Wege und
Wandlungen,
1981;
Entwurzelung
und
Verwurzelung
von
Flüchtlingen
als
soziologisches
Problem, in
: F. H.
Riedl,
(Hrsg.),
Menschenrechte-Volksgruppen-Regionalismus,
1982; Nation
und Volk in
soziologischer
Sicht, in:
Nation und
Selbstbestimmung
in Politik
und Recht,
1984; Die
gesellschaftliche
Eingliederung
der
Vertriebenen
in der
Bundesrepublik
Deutschland,
in:
AWR-Bulletin
Nr. 4/1981;
Menschen
unterwegs,
die
deutschen
Aussiedler
als
Beispiel,
in:
AWR-Bulletin
Nr.
2-3/1983.
Wolfgang
Egerter
(1987)