In den
sechziger
Jahren des
19.
Jahrhunderts
wirkten
schlesische
Männer und
Frauen im
gesellschaftlichen
und
politischen
Leben
Deutschlands
besonders
aktiv mit:
Im Jahre
1863
gründete
Ferdinand
Lassalle aus
Breslau den
„Allgemeinen
Deutschen
Arbeiter-Verein“
und im Jahre
1866 Eduard
Graf v.
Bethusy-Huc
aus dem
Kreis
Kreuzburg
die
„Freikonservative
Partei“.
1865 rief
Auguste
Schmidt aus
Breslau
zusammen mit
einer
sächsischen
Frauenrechtlerin
den
„Allgemeinen
Deutschen
Frauenverein“
ins Leben.
Und ein Jahr
später schuf
Lina
Morgenstern,
ebenfalls
eine
Breslauerin,
in Berlin
die erste
„Volksküche“.
Auguste
Schmidt
wurde am 3.
August 1833
als Tochter
eines
preußischen
Offiziers
geboren, der
in bezug auf
die
Ausbildung
seiner drei
Töchter sehr
fortschrittlich
dachte: Eine
durfte
Konzertsängerin
werden,
während die
beiden
anderen den
Beruf einer
Lehrerin
ergreifen
konnten. Die
liberale
Erziehung
dieses
schlesischen
Offiziers
und seiner
Frau steht
in krassem
Widerspruch
zu der immer
wieder zu
hörenden
Behauptung,
die
Frauenemanzipation
sei
lediglich
von
unzufriedenen
„alten
Jungfern“
erkämpft
worden.
Nachdem ihr
Vater nach
Posen
versetzt
worden war,
besuchte
Auguste
Schmidt dort
die
Luisenschule
und trat
dann in das
Lehrerinnenseminar
ein, das sie
nach sehr
gut
bestandenem
Examen
verließ. Der
Polenaufstand
von 1848,
den sie in
jener
preußisch-polnischen
Provinzhauptstadt
bewußt
miterlebte,
prägte sie
für ihr
ganzes
Leben.
Sicherlich
war sie
froh, als
ihr Vater
1850 den
Abschied
nahm und mit
ihr nach
Breslau
zurückkehrte.
Hier
unterrichtete
sie zunächst
in einer
Privatschule
und später
an der
städtischen
Maria-Magdalenen-Schule.
Die
strebsame
Lehrerin
legte bald
ein weiteres
Examen ab,
das sie zur
Leitung
einer Schule
befähigte.
Die Arbeit
in diesem
Amt setzte
ihr jedoch
gesundheitlich
derart zu,
daß sie eine
mehrmonatige
Pause
einlegen
mußte.
Auf ihrer
Erholungsreise
kam Auguste
Schmidt auch
durch
Leipzig, wo
sie in der
Folge blieb.
Hier stellte
sie die
Leiterin
eines
angesehenen
pädagogischen
Instituts
für junge
Frauen als
Lehrerin für
Literatur
ein. Die
gebürtige
Breslauerin
baute diese
Schule nicht
nur weiter
aus und
gliederte
ihr ein
Lehrerinnenseminar
an, sondern
übernahm
nach dem
Tode der
Gründerin
auch die
Leitung, die
sie dann
über zwei
Jahrzehnte
innehatte.
Anfang
August 1864
lernte
Auguste
Schmidt in
Leipzig die
14 Jahre
ältere Luise
Otto-Peters
kennen, eine
in Meißen
geborene
Juristentochter,
die als
Schriftstellerin
für
Demokratie
und
gleichzeitig
für die
rechtliche
Besserstellung
der Frauen
eintrat.
Beide
Frauenrechtlerinnen
schlossen
sogleich
Freundschaft,
die volle
drei
Jahrzehnte
bis zum Tode
von
Otto-Peters
im Jahre
1895
anhielt. Sie
ergänzten
sich gut:
Auguste
Schmidt war
eine
ausgezeichnete
Rednerin,
weshalb ihr
ihre
Freundin,
die eine
gewandte
Feder
führte,
manche
Ansprache
überließ.
Schon wenige
Monate nach
ihrer für
die deutsche
Frauenbewegung
folgenreichen
Begegnung
hielten
beide Anfang
März 1865 in
der
Leipziger
Buchhändlerbörse
eine
öffentliche
Versammlung
ab, in der
zur Gründung
eines
Frauenbildungsvereins
aufgerufen
wurde. Auf
Wunsch von
Luise
Otto-Peters
übernahm
Auguste
Schmidt
einen
Vortrag über
das Thema
„Leben ist
Streben“, in
dem
sie
insbesondere
dafür
eintrat,
ledig
gebliebenen
Frauen die
Möglichkeit
zur vollen
Berufsausübung
zu gewähren.
Sie schloß
mit dem
Satz: „Wir
verlangen
nur, daß die
Arena der
Arbeit auch
für uns und
unsere
Schwestern
geöffnet
werde.“ Nach
der vollen
Zustimmung
der
Teilnehmerinnen
gründeten
beide
Freundinnen
den
„Leipziger
Frauenbildungsverein“
und
übernahmen
dessen
Leitung.
Dieser
Verein gilt
als der
erste
Frauenverein,
der kein
Wohltätigkeitsverein
war, sondern
in erster
Linie die
Bildung und
die
Berufsmöglichkeiten
der Frauen
fördern
wollte. Mit
der
Schaffung
einer
Stellenvermittlung,
einer
Kochschule,
einer
Bücherei
u.a.m.
leistete er
echte
Pionierdienste.
Mit dieser
Neugründung
schuf sich
Leipzig den
Ruf, der
wichtigste
Stützpunkt
der noch
jungen
deutschen
Frauenbewegung
zu sein. So
war es nicht
verwunderlich,
daß schon
ein halbes
Jahr später,
Mitte
Oktober
1865, in
diese Stadt
die erste
deutsche
Frauenkonferenz
einberufen
wurde.
Wieder hielt
die
redegewandte
Auguste
Schmidt das
Hauptreferat,
in dem sie
die
natürliche
Berechtigung
der Frauen
betonte,
sich aus der
bisherigen
Unterordnung
zu der ihnen
gebührenden
Gleichberechtigung
neben dem
Manne
emporzuheben.
Mehr als der
„männliche
Egoismus“,
so führte
sie aus, sei
die
Teilnahmslosigkeit
derjenigen
Frauen zu
befürchten,
„die sich in
der ewigen
Kindheit und
Unterordnung
glücklich
und
befriedigt
fühlten“.
Das
eigentliche
Problem der
Frauen läge
nämlich in
der
mangelnden
Erkenntnis
ihrer
eigenen
Lage.
Die
Konferenz
stellte
einen ganzen
Katalog von
Forderungen
auf, an
deren erster
Stelle
Bildungseinrichtungen
standen,
sogar
„weibliche
Hochschulen
für das
Studium der
Medizin und
Philosophie“. Auf dem sozialen Gebiet sollten – wohl in Anknüpfung an Lassalle –
„Arbeiterinnen-Assoziationen“
geschaffen
werden. Da
sich der auf
dieser
ersten
Frauenkonferenz
ebenfalls
von Auguste
Schmidt und
Luise
Otto-Peters
gegründete
Verein
über ganz
Deutschland
ausdehnen
sollte,
gaben sie
ihm den
Namen
„Allgemeiner
Deutscher
Frauenverein“
(ADF). In
den
Vorstand
wurde neben
beiden
Freundinnen
auch
Henriette
Goldschmidt
gewählt, die
aus der
Provinz
Posen
stammende
Frau eines
Leipziger
Rabbiners.
„Neue
Bahnen“ hieß
der
programmatische
Titel des
Vereinsorgans,
das
ebenfalls
das
Führungsduo
herausgab.
Auch wenn
sich Auguste
Schmidt noch
so stark für
diesen alle
Frauen
betreffenden
Verein
einsetzte,
so vergaß
sie dabei
nicht die
besonderen
Anliegen
ihres
Berufsstandes.
Im Jahre
1869
gründete die
„innovationsfreudige“
Pädagogin
zusammen mit
einer
anderen
Kollegin den
„Verein
deutscher
Lehrerinnen
und
Erzieherinnen“.
Und als ob
ohne Auguste
Schmidt kein
weiterer
Frauenverein
geschaffen
werden
konnte,
leitete sie
1890 die
Gründungsversammlung
des
„Allgemeinen
Deutschen
Lehrerinnenvereins“.
Ein Jahr
später
übergab die
inzwischen
72jährige
Otto-Peters
aus
gesundheitlichen
Gründen den
1. Vorsitz
des ADF an
ihre
Freundin,
die
bisherige 2.
Vorsitzende.
Um der in
mehreren
Einzelvereinen
zersplitterten
Frauenbewegung
mehr Einfluß
zu
verschaffen,
regte
Auguste
Schmidt
deren
Zusammenschluß
in einem
Dachverband
an. Als im
Frühjahr
1894 der
„Bund
deutscher
Frauenvereine“
gegründet
wurde,
erhielt sie
mit dessen
Vorsitz ein
weiteres Amt
und wirkte
somit
gleichsam
als oberste
deutsche
Frauenführerin.
Doch auf
diesem
Posten waren
Auguste
Schmidt nur
noch wenige
Jahre
beschieden.
Zum letzten
Mal trat sie
in der
Öffentlichkeit
auf, als die
Teilnehmerinnen
des
Deutschen
Lehrerinnentages
zu Pfingsten
1901 die
Wartburg
besuchten.
Mit großer
Begeisterung
dankten die
Kolleginnen
der
schlesischen
Frauenrechtlerin
für ihre
großen
Verdienste
um die
deutsche
Frauenbewegung.
Es mag sein,
daß Auguste
Schmidt von
ihrer
Freundin
auch zur
Schriftstellerei
angeregt
wurde.
Jedenfalls
veröffentlichte
sie schon
1868 die
Novellen
„Tausendschönchen“
und
„Veilchen“.
Trotz ihrer
zeitraubenden
Ämter fand
sie auch
später noch
Zeit zum
Schreiben.
1895
erschien
ihre
Erzählung
„Aus
schwerer
Zeit“. Diese
literarischen
Titel sind
längst
vergessen
und heute
kaum noch
irgendwo
auszuleihen.
Auguste
Schmidt
starb nach
kurzer
Krankheit
68jährig am
10. Juni
1902 in
Leipzig.
Beigesetzt
wurde sie
dort neben
ihrer
Freundin
Luise
Otto-Peters.
Auf ihrem
Grabstein
standen
folgende
Worte: „Der
geliebten
Führerin,
dem großen
Menschen!
Der
Allgemeine
Deutsche
Frauenverein.“
Auch wenn
sie im
Gegensatz zu
ihrer
Freundin
unverheiratet
blieb, lebte
sie nicht
allein,
sondern
zusammen mit
ihren beiden
verwitweten
Schwestern,
die sie –
vor allem
Anna – in
ihren
Anliegen
tatkräftig
unterstützten.
Auguste
Schmidt, die
zum
mittleren,
dem
gemäßigten
Teil der
Frauenbewegung
zu zählen
ist,
hinterließ
ein
wohlgeordnetes
Erbe, das
die
Oldenburger
Lehrerin
Helene Lange
(1848–1930)
übernahm.
Der
„Allgemeine
Deutsche
Frauenverein“
zählte etwa
14.000 und
der
„Allgemeine
Deutsche
Lehrerinnenverband“
sogar rund
20.000
Mitglieder.
Das erste
große
Verdienst
dieser
bedeutenden
Schlesierin
ist es,
gemeinsam
mit ihrer
Freundin
Otto-Peters
die
Frauenbewegung
wiederbelebt
zu haben,
nachdem sie
nach der
mißglückten
Revolution
von 1848 vom
Staat
kompromißlos
zurückgedrängt
worden war.
Als ihr
zweites
Verdienst
darf ihr
unermüdlicher
Einsatz
gerade für
bessere
Bildungsmöglichkeiten
der Frauen
angesehen
werden.
Zugleich
dokumentiert
Auguste
Schmidt
neben der
Sozialpolitikerin
Lina
Morgenstern
aus Breslau
und der
Sozialistin
Emma Ihrer
aus Glatz
den großen,
leider noch
wenig
erforschten
Beitrag
Schlesiens
zur
deutschen
Frauenbewegung.
Lit.:
Anna Plothow:
Die
Begründerinnen
der
deutschen
Frauenbewegung,
Leipzig
51907.
– Martha
Schmidt-Großrau:
Auguste
Schmidt,
Leipzig
1933. – Ute
Gerhard: Die
Geschichte
der
deutschen
Frauenbewegung,
Reinbeck
1990. –
Florence
Hervé (Hg.):
Geschichte
der
deutschen
Frauenbewegung,
Köln 61998.
– Helmut
Neubach: Die
Arbeiter-
und
Frauenbewegung,
in:
Schlesien,
hg. von W.
Irgang, W.
Bein u. H.
Neubach
(Deutsche
Geschichte
im Osten,
Bd. 4), Köln
21998,
S. 191–197.
Bild:
Archiv des
Verfassers.
Helmut
Neubach