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Im
äußersten Südosten des Deutschen
Reiches als ältester Sohn eines Gastwirts geboren, verbrachte Bruno
Schmialek seine Jugend und die ersten Berufsjahre in Oberschlesien. Um
ihm eine bessere Schulbildung zu ermöglichen, wuchs er vom 6. Lebensjahr
an bei Verwandten in Rosenberg auf.
In
Peiskretscham besuchte er die Lehrerpräparandie
und arbeitete nach Abschluß seines Studiums bis 1919 als
Volksschullehrer im Landkreis Tarnowitz, unterbrochen durch eine
dreijährige Militärdienstzeit.
Die frühzeitige
Trennung vom Elternhaus und das Junggesellenleben als Dorfschullehrer
prägten sein späteres Kunstschaffen. Die Erlebnisse jener Zeit fanden
ihren Niederschlag im Holzschnittzyklus „Das östliche Dorf“.
Von
1919 bis 1923 studierte Schmialek an der Breslauer Kunstakademie. Seine
Lehrer waren der Jugendstilkünstler
August Endell und der „Brücke“-Maler Otto Mueller, bei dem er zwei Jahre
lang als Meisterschüler arbeitete. Von 1923 bis 1927 war Schmialek als
Kunsterzieher am Staatlichen Gymnasium in Elbing tätig.
War in seinen vorakademischen Werken der Impressionismus vorherrschend,
so lassen Schmialeks Holzschnitte der zwanziger Jahre stark
expressionistische Züge erkennen,
verbunden mit einem betont sozialen Engagement.
Ausstellungen in Breslau und Berlin machten den Künstler
weit über die Grenzen seiner engeren Heimat bekannt. Vor allem seine
ausdrucksstarken Holzschnitte fanden bei den Kunstkritikern große
Beachtung. Es kam zu Ankäufen für Museen in Europa und sogar in Japan.
Zu den bedeutenden Holzschnittfolgen der zwanziger Jahre zählen:
„Oberschlesien“, „Kleinstadt“, „Köpfe“ und „Die Heiligen meiner Zeit“.
1930
wurde Bruno Schmialek als Professor für
bildende Kunst an die Pädagogische Akademie nach Beuthen/Oberschlesien
berufen. Während dieser Zeit schuf er die gewichtigen Holzschnittfolgen
„Die Sanfte“ nach einer Novelle von Fedor Dostojewskij und „Ostwind“
nach dem gleichnamigen Roman von August Scholtis. Wie produktiv der
Künstler in den Jahren 1923 bis 1931/32 war, zeigt die stattliche Zahl
von 400 Holzschnitten, zu denen noch zahlreiche Aquarelle,
Tuschzeichnungen und Ölbilder hinzukommen.
An der
letzten überregionalen
Ausstellung beteiligte sich der Künstler im Frühjahr 1934 in Berlin.
Schon zwei Jahre später wurden seine Bilder von öffentlichen
Ausstellungen ausgeschlossen. 1936 wurden zehn seiner Holzschnitte auf
der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt und anschließend
öffentlich verbrannt. Ebenso verfuhren die Nationalsozialisten mit
seinem Holzschnittzyklus „Die Sanfte“ in Breslau.
Von
der Öffentlichkeit unbeachtet,
entstanden in den folgenden Jahren zahlreiche Bilder. Dem
heimatverbundenen Künstler lieferten dazu die Menschen und die östliche
Landschaft mit ihrer befreienden Weite die Motive. In seinem Aufsatz
„Die Schönheit im Unscheinbaren“ legte der Künstler ein Bekenntnis zur
oberschlesischen Industrielandschaft ab. Auch dieser Landschaftstyp war
ihm wert, gestaltet zu werden, und Schmialek versuchte es wiederholt in
realistischer Weise.
Schon
früh erkannte der Künstler das
Verhängnis, das dem deutlichen Osten drohte. Von 1942 bis 1944 arbeitete
er am Holzschnittzyklus „Deutsche im Osten“, der u.a. Darstellungen von
Immanuel Kant, Gottfried Herder, Joseph von Eichendorff, Gustav Freytag,
Nikolaus Kopernikus und Graf Reden enthält.
Als der Künstler aus der Heimat
vertrieben wurde, war die Zahl seiner Holzschnitte auf über 500
angewachsen. In Erlangen wurde der fast 60jährige ansässig und begann
wieder von vorne, zunächst mit Aquarellmalerei, später mit Linol- und
Holzschnitten. Abgestoßen von der Cliquenwirtschaft in der Kunstszene
der Nachkriegszeit, zog sich Schmialek immer mehr aus der Öffentlichkeit
zurück. So entstanden nun Bilder der inneren Vereinsamung und der
äußeren Isolation.
Im
Alter von fast 75 Jahren starb Schmialek, unbeachtet von der
Öffentlichkeit. Er geriet in
Vergessenheit, obwohl schon zu seinen Lebzeiten die Museen in Beuthen,
Braunschweig, Breslau, Danzig, Dessau, Elbing, Gleiwitz, Königsberg,
Marienburg und Recklinghausen seine Bilder ankauften und seine Werke in
zahlreichen Publikationen besprochen und reproduziert wurden.
Waldemar Zylla
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