Der Sohn
eines Seemanns und einer Bauerntochter (Amanda Schmeling, geb.
Fuchs) zog 1906 mit der Familie nach Hamburg, wo der Vater als
Steuermann bei der Hamburg-Amerika-Linie beschäftigt war.
Nach dem
Schulabschluß arbeitete der junge Max für eine Tiefbaufirma,
zunächst in Düsseldorf, später in Köln. 1921 begeisterte ihn ein
Filmbesuch für den Boxsport. Bei einem Boxclub in Köln-Mülheim
begann er, seine sportlichen Interessen zu verwirklichen. 1924
wurde er für diesen Klub in Chemnitz deutscher Vizemeister im
Halbschwergewicht.
Dieser
Erfolg führte zu der Entscheidung, professioneller Boxer
zu werden. Am 10. April 1924
trat er zu den Berufsboxern über. Ab 1925 begann seine
herausragende Karriere als Deutschlands erfolgreichster
Berufsboxer. Im Juni 1926 siedelte er nach Berlin über. 1926
hatte er seine Filmpremiere in dem Tonfilm „Ein Filmstar wird
gesucht“.
Am 24.
August 1926 gewann Schmeling die Deutsche Meisterschaft im
Halbschwergewicht gegen Max Diekmann (Berlin) im Berliner
Luna-Park. Am 19. Juni 1927 wurde er Europameister im Kampf
gegen den Belgier Fernand Delarge in der Dortmunder
Westfalenhalle.
1928
erkannte ihm der Deutsche Boxsportverband sämtliche bisher in
Deutschland errungenen Meistertitel ab, da er sich weigerte,
seinen Titel zu verteidigen.
Am 23.
November1928 bestritt er seinen ersten Profikampf in den USA. Im
New Yorker Madison Square Garden kämpfte er gegen Joe Monte, den
er in der 8. Runde durch K.O. besiegte. Am 12. Juni 1930 kämpfte
er gegen den Amerikaner Jack Sharkey (1902-1994) im New Yorker
Yankee-Stadion um den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Nach
einem regelwidrigen Tiefschlag von Sharkey in der 4. Runde wurde
Schmeling, der danach nicht weiterkämpfen konnte, der WM-Titel
zugesprochen. Schmeling litt sehr darunter, daß ihn Neider und
Gegner als „Tiefschlag-Weltmeister“ verspotteten, er träumte
davon, ein „richtiger“ Weltmeister zu werden.
In den
Jahren 1930 bis 1932 hielt er als erster Nichtamerikaner den
Weltmeistertitel in allen Klassen. Am 21. Juni 1932 siegte
Sharkey nach Punkten in der 15. Runde über Schmeling, allerdings
unter Umständen, die selbst amerikanische Blätter als
„skandalös“ bezeichneten.
Im
selben Jahr verliebte Schmeling sich in die tschechische
Filmschauspielerin und Filmproduzentin Anny Ondra, die er 1933
heiratete. Es wurde eine mustergültige Ehe: Niemals hat die
Skandalpresse irgendeinen Anlaß gefunden, über eine „Affäre“ bei
„Schmelings“ zu berichten.
Im
gleichen Jahre kam in Deutschland Adolf Hitler an die Macht.
Während der gesamten NS-Ära trat Schmeling nicht der NSDAP bei,
obwohl ihm dies sicherlich oftmals nahegelegt worden ist. Am 19.
Juni 1936 besiegte er in New York den als „Brauner Bomber“
bekannten Afro-Amerikaner Joe Louis in der 12. Runde durch
Knockout. Es war ein sensationeller Sieg, Schmeling wurde bei
seiner Heimkehr nach Deutschland ein triumphaler Empfang
bereitet. Dazu gehörte natürlich die unvermeidliche Audienz beim
„Führer“. Wie die Chronisten zu berichten wissen, zeigte sich
Adolf Hitler allerdings mehr vom Charme Anny Ondras beeindruckt,
als von den sportlichen Erfolgen Max Schmelings.
In die
ehrliche Freude über den in einem harten und fairen Kampf
erzielten grandiosen deutschen Sieg mischt sich heute für uns
Deutsche allerdings auch die Beschämung darüber, daß
nationalsozialistische Rassenfanatiker (beispielsweise
„Reichssportführer“ von Tschammer und Osten) ihn als
vermeintliche Bestätigung für eine angebliche Überlegenheit der
weißen Rasse interpretierten. Schmeling konnte diesem
propagandistischen Mißbrauch seiner sportlichen Leistung nicht
entgegentreten, wenn er seine Karriere nicht gefährden wollte.
Er setzte sich jedoch unter Ausnutzung seiner Verbindungen zu
den Größen des „Dritten Reiches“ für verfolgte Juden ein und
beschützte eine jüdische Familie vor den Ausschreitungen der
„Reichskristallnacht“ im November 1938.
Im
gleichen Jahre, am 22. Juni 1938, fand Schmelings zweiter Kampf
gegen Joe Louis statt. Diesmal verlor Schmeling durch K.O. nach
124 Sekunden, und die nationalsozialistische Presse schwieg
kleinlaut. Allerdings konnte Schmeling noch einmal in
Deutschland einen bedeutenden Sieg erringen: 1939 siegte er
trotz des in den USA erlittenen Rückschlags in den Europäischen
Schwergewichtsmeisterschaften gegen Adolf Heusel (1907-1988).
1940
wurde Schmeling trotz einer nicht völlig ausgeheilten
Rückenmarksverletzung zur Wehrmacht eingezogen und kam zu den
Fallschirmjägern, die den Ruf einer Elitetruppe genossen. 1941,
beim Absprung über Kreta, wurde er verwundet, von deutschen
Soldaten geborgen und nach Ausheilung seiner Verwundung 1943 aus
der Wehrmacht entlassen. In den letzten beiden Kriegsjahren
wurde Max Schmeling zum Dienst in Kriegsgefangenenlagern
eingesetzt.
Ab 1946
lebte die Familie Schmeling in Hamburg. Dort wurde Schmeling,
angeblich wegen einer nicht vorhandenen Baugenehmigung, von der
britischen Besatzungsmacht für drei Monate im Gefängnis
Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert. Er selbst hat diese
Inhaftierung, wahrscheinlich nicht zu Unrecht, als
„Besatzungsschikane“ bezeichnet.
Die
zweite Karriere des Sportlers
begann, diesmal allerdings als Kaufmann und Unternehmer.
Zunächst betätigte sich Schmeling jedoch noch einmal als
Boxer, obwohl er wußte, daß seine Glanzzeit vorüber war. Diesmal
ging es nur um Geld, um das Startkapital für ein neues Leben.
1947 erhielt Max Schmeling die Boxerlaubnis für die
amerikanische Besatzungszone. Als Dreiundvierzigjähriger
bestritt er am 31. Oktober 1948 seinen letzten Schaukampf in der
Berliner Waldbühne. Der Kampf endete mit einer Niederlage,
wichtig war jedoch der finanzielle Erfolg, der darauf
zurückzuführen war, daß seine Popularität ungebrochen war.
Am Ende
seiner sportlichen Karriere konnte er auf 70 Profi- Kämpfe
zurückblicken, von denen 56 mit einem Sieg endeten und 4
unentschieden ausgingen. Er blieb dem Boxsport weiterhin
verbunden und war noch für längere Zeit als Ringrichter tätig.
Mit dem
ehemaligen Rivalen im Ring, Joe Louis, verband ihn nach dem
Krieg eine andauernde Freundschaft. Als der in den USA völlig
verarmte Joe Louis 1981 starb, beglich Schmeling die
Beerdigungskosten.
Im Jahre
1952 übernahm er eine Coca-Cola-Vertretung und seit 1957 leitete
er die Max Schmeling & Co. Getränkefabrik in Hamburg und
beteiligte sich auch an anderen Getränkefirmen.
Am 28.
Februar 1987 starb Schmelings Frau, Anny Schmeling-Ondra.
Schmelings sportliches Engagement wurde mit zahlreichen
Auszeichnungen bedacht. 1967 wurde er in den USA mit dem „Sport-Oscar“
geehrt. 1971 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.
1991 wurde er als erster Deutscher in die „Hall of Fame“, die
Ruhmeshalle des Boxsports, aufgenommen. Ebenfalls 1991 wurde die
karitative Max-Schmeling-Stiftung ins Leben gerufen, die sich
für behinderte Sportler, körperlich und geistig Behinderte und
Bedürftige einsetzt und mit kirchlichen und gesellschaftlichen
Wohlfahrtsverbänden eine enge Zusammenarbeit pflegt.
1996
erhielt eine neue Sporthalle in Berlin den Namen
„Max-Schmeling-Halle“.
1997 und
2000 spendete Schmeling bedeutende Summen aus seinem
Privatvermögen für die Hochwasseropfer in Brandenburg und
Sachsen.
Am 2.
Februar 2005 starb Max Schmeling in Hollenstedt bei Hamburg. An
der Trauerfeier am 1. März 2005 nahmen Bundespräsident Horst
Köhler und Bundesinnenminister Schily teil. Zu den Trauergästen
zählten die ehemaligen Box-Weltmeister Wladimir Klitschko,
Darius Michalczewski und Henry Maske. In einer
Kondolenzbucheintragung heißt es: „Er war ein Vorbild an Fairneß,
Anstand und Menschlichkeit, ein Mensch, auf den Deutschland
stolz sein kann“.
Lit.:
D. Friedrich, Max Schmeling und Anny Ondra, Berlin 2001. – V.
Kluge, Max Schmeling, Berlin 2004. – M. Schmeling,
8-9-Aus, Berlin 1957. – Max Schmeling, Erinnerungen, Berlin
1957. – D. Pfeifer, Max Schmeling – Berufsboxer,
Propagandafigur, Unternehmer, Frankfurt 2005. – Weitere Quellen:
Harenbergs Personenlexikon 20. Jahrhundert, Dortmund 1992, S.
1132 f.. – Chronik der Deutschen, Dortmund 1984, S. 699, 843,
847, 853, 858, 881, 892.
Bild:
Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen.
Johann Frömel