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Ende der sogenannten
Goldenen zwanziger Jahre brachte Scholtis das Manuskript seines bereits
erwähnten Romans Ostwind nach Berlin. Der Verleger S. Fischer
erkannte das große Talent des jungen Dichters und brachte das Werk 1932
heraus. Als weiterer Förderer ist Max Tau anzusehen. Als Lektor des
Bruno-Cassirer-Verlages empfahl er den zweiten Roman von Scholtis,
Baba und ihre Kinder, der im Hultschiner Ländchen spielt. Dieser
Roman wurde hier ein voller Erfolg, auch ins Tschechische übertragen und
in der Tschechoslowakei so etwas wie ein Bestseller. Es folgten weitere
Werke wie Jas der Flieger (1935), die Erzählungen Schlesischer
Totentanz (1938), der Roman Eisenwerk (1939), der Roman
Die mährische Hochzeit (1940) sowie die Erzählungen König
Friedrich in Kamenz und Die Begegnung. An Bühnen werken kam
1932 bereits das Drama Der müde Krieg in Borodin und 1936 die
Komödie Der Kürbis heraus. Im Dritten Reich war seine
Schreibweise nicht gefragt, weil sie zuwenig blut- und bodenständig
erschien. Scholtis war zudem sehr streitbar und von rückhaltloser
Offenheit. So wurde er einige Male verhaftet und verhört, aber immer
wieder freigelassen. Im Krieg war er unter anderem Hilfswachtmeister bei
der Feuerwehr in Berlin-Spandau. Kurz vor Kriegsende wurde er noch zum
Volkssturm eingezogen. Schließlich kam er in amerikanische
Gefangenschaft, aus der er bald nach Berlin entlassen wurde.
Nun schrieb Scholtis für
Zeitungen und setzte sich mit seinen Erzählungen Die Zauberbrücke
(1948) und Die Fahnenflucht aus dem gleichen Jahr mit falschem
Heldentum auseinander. Im Jahre 1958 erschienen unter dem Titel Die
Katze im schlesischen Schrank seine köstlichen oberschlesischen
Erzählungen, und im Paul-List-Verlag kamen 1959 seine Lebenserinnerungen
Ein Herr aus Bolatitz heraus, in denen er, schonungslos gegen
sich selbst, sein Erleben ausbreitet.
Im zweiten Band der
Geschichte der Literatur Schlesiens schreibt Arno Lubos über ihn: „Scholtis
hat wie kaum ein anderer die Menschen seiner Heimat geliebt; es gibt
kein Buch und keinen Aufsatz, in dem er sich nicht zu ihnen bekennt.“ Er
fühlte sich verpflichtet, seine Heimat immer wieder literarisch
vorzustellen. Aber das brachte ihm indessen nicht den Lohn, den er
eigentlich verdient hätte. Seine wirtschaftliche Situation war mitunter
katastrophal, und die damit verbundenen Sorgen ließen ihn oft genug
verbittert erscheinen. Als leidenschaftlicher Zeitungsleser konnte er
sich
über manche Schlagzeile empören und schrie
dabei seinen ganzen Unmut und Protest heraus, wie Freunde berichten. Im
Herbst 1961 reiste Scholtis in seine alte Heimat und schrieb die
Eindrücke dieser Reise nieder. Es entstand ein Buch, das zur
Völkerverständigung aufrief: Reise nach Polen. Als Anerkennung
für sein literarisches Wirken wurde er in die Akademien für Sprache und
Dichtung in Berlin und Darmstadt gewählt, so wie er auch Mitglied im
PEN-Zentrum der Bundesrepublik gewesen ist. August Scholtis starb knapp
68jährig in seiner Wohnung in Berlin-Steglitz. Seine Grabstelle auf dem
landeseigenen Friedhof Charlottenburg wird auf Veranlassung des Senats
zusammen mit weiteren sechs als Ehrengrab gepflegt.
Aus Anlaß der Neuauflage
seines Schelmenromans Ostwind im Jahre 1986 schrieb die
Berliner Morgenpost: „Heute hat dieses Buch historischen Wert. Es
hält ohne Schönfärberei, ohne Sentimentalität oberschlesische
Vergangenheit fest, Sagen und Märchen, Wirklichkeit und Traum. Es ist
ein Buch, dessen Held Kaczmarek witzig und voller Bitterkeit, wie
Scholtis selbst, durch die Zeitumstände der Jahre nach 1918 und auch
etwas durch den vorletzten Krieg wandert ..., ein Eulenspiegel mit
Schläue und Naivität des einfachen Gemüts, umgeben von einer Landschaft,
die von Scholtis in unverwechselbaren Bildern festgehalten wird.
Scholtis gelingt es, Oberschlesien zauberisch zu machen, mit Magie zu
erfüllen, anekdotisch zu retten vor der Zeit, die alles zerstört hat.
Ein Stück deutsche Geschichte ist hier aufgehoben ....“
Lit.:
Arno Lubos: Die
schlesische Dichtung im 20. Jahrhundert, München 1961.
Konrad Werner
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