Am
nördlichen
Rand des
Warthebruches,
unweit der
traditionsreichen
neumärkischen
Festung
Küstrin,
liegt Tamsel.
Hier wurde
Hans Adam
von Schöning,
der "zu den
besten
Generalen
des 17.
Jahrhunderts
zählt" (K.
von
Priesdorff),
als Sohn
eines
kurbrandenburgischen
Rittmeisters
und
Rittergutsbesitzers
geboren.
Wer war
dieser
Schöning,
der als
Großvater
der
begehrten
Frau von
Wreech das
Schloß baute
und von
dessen Leben
uns Theodor
Fontane in
seinen
Wanderungen
durch die
Mark
Brandenburg
ausführlich
berichtet ?
In der
Jugend
lernte er
auf "großer
Kavalierstour"
fünf Jahren
lang die
Höfe im
westlichen
Ausland
kennen,
sozusagen
alles, "was
es damals
Großes und
Ausgezeichnetes
in Europa
gab"
(Fontane).
Er studierte
in
Wittenberg
und
Straßburg,
bereiste
Frankreich,
Italien,
Sizilien,
Malta und
Portugal.
Nach seiner
Rückkehr
trat
Schöning in
kurfürstlich-brandenburgische
Dienste und
versuchte
sich
kurzzeitig
als
Diplomat.
Seiner
Profession
entsprach
dies nicht,
war "dieser
leicht
aufbrausende,
immer gerade
und rasch
aufs Ziel
losgehende
Heißsporn"
(P. Haake)
doch für
eine
militärische
Karriere
geeignet.
Als
Kommandeur
des in
Preußen
garnisonierenden
Infanterieregiments
des
Kurprinzen
Karl Emil
festigte er
seine
Kontakte zum
kurfürstlichen
Hof. Nach
dem
glänzenden
Sieg über
die
schwedische
Invasion bei
Fehrbellin
im Juni
1675, an dem
er selbst
nicht
teilgehabt
hatte, trug
er
wesentlich
zur raschen
Vertreibung
der Schweden
und zur
Eroberung
der festen
Plätze in
Vorpommern
bei. Die
anschließende
Belagerung
der
begehrten
pommerschen
Hauptstadt
Stettin
wurde durch
eine
bravouröse
Attacke
Schönings
entschieden,
"indem er
einen Damm
[...] über
eitel tieffe
und
grundlose
Moräste,
vermittelst
der
Faschinen in
geschwinder
Eil
verfertigen
ließ, daß er
einen Weg
fand, wo dem
äußerlichen
Ansehn nach
keiner zu
suchen war"
(J.F. Gauhe).
Soviel
"Fortüne"
wurde
belohnt,
kaum
36jährig
avancierte
er zum
Generalmajor.
Als die
Schweden
dann Ende
1678 in das
unverteidigte
Ostpreußen
eingefallen
waren,
führte der
Große
Kurfürst
seine
zahlenmäßig
unterlegenen
Truppen
teilweise
mit
Schlitten
zum Sieg
heran. Zwar
konnte man
den Schweden
den Rückzug
nicht
abschneiden,
aber mit dem
legendären
Zug über das
Eis des
Frischen und
Kurischen
Haffs
heftete man
sich an ihre
Fersen und
jagte sie
aus dem
Land. Zur
Spitze der
Verfolger
gehörte
Schöning mit
nur knapp
1.600
Reitern. In
bitterer
Kälte kamen
sie bis in
die Nähe
Rigas.
Kurfürst
Friedrich
Wilhelm war
sich bewußt,
was er an
diesem
selten
begabten,
energischen
und tollkühn
draufgängerischen
General
besaß, und
zeichnete
ihn daher
vor Älteren
aus durch
die
Beförderung
zum
Generalleutenant.
Ende 1684
wurde er
Gouverneur
von Berlin,
wo eine
Straße im
Wedding noch
heute seinen
Namen trägt.
Dort
erinnern
auch die
Parallelstraßen
an die
damalige
Zeit. Mit
der "Ofener
Straße"
verbindet
sich das
Andenken an
die
Beteiligung
brandenburgischer
Truppen an
der
siegreichen
Eroberung
Ofens 1686.
Für den
Türkenzug
("Türkenstraße")
nach Ungarn
("Ungarnstraße"),
aus dem
diese
Waffentat
herausragt,
hatte der
Kurfürst in
Crossen an
der
märkisch-schlesischen
Grenze ein
Hilfkorps
gemustert
und
Schönings
Kommando
unterstellt.
Eine schöne
Türkin,
Fatime mit
Namen,
konnte
dieser als
Beute nach
Tamsel
mitbringen.
Schönings
aufbrausendes
Wesen,
grenzenloser
Ehrgeiz und
der Wille,
die höchste
militärische
Charge zu
erlangen,
riefen
persönliche
Anfeindungen
hervor;
seine
intensiven
Kontakte
nach
Frankreich
sowie von
dort
gewährte
Geldgeschenke
in
erheblichem
Umfang
nährten
Zweifel an
seiner
Loyalität.
Unter dem
neuen
Kurfürsten
Friedrich
III., dem
nachmaligen
ersten
preußischen
König, wurde
Schöning
anfangs
Feldmarschalleutnant,
was ihn über
alle
Generäle
emporhob und
als
Vertreter
des
Feldmarschalls
mit
weitreichenden
Inspektions-
und
Befehlsbefugnissen
ausstattete.
Aber an
Vertrauen
unter seinen
Kameraden
gewann er
nicht; bei
einer
Belagerung
Bonns kam es
zu
fachlichen
und
persönlichen
Auseinandersetzungen.
Vor dem
kurfürstlichen
Zelt geriet
Schöning mit
dem
(ebenfalls
mit einer
Straße im
Berliner
Wedding
bedachten)
damaligen
Generalleutnant
Hans
Albrecht von
Barfus
(1635-1704),
einem
Kampfgefährten
aus dem
Türkenfeldzug,
"in Händel,
die in
Thätigkeiten
ausgebrochen
wären, wenn
man nicht
beide auf
churfürstlichen
Befehl
arretirt
hätte" (B.
König).
Barfus wurde
rasch
wiederverwendet,
Schöning
hingegen aus
der ihm als
Sühne
auferlegten
Verbannung
nach Tamsel
nicht
zurückgerufen;
seine Feinde
am Hofe,
allen voran
wohl der
Minister
Eberhard von
Danckelmann,
ließen ihn
nicht wieder
zum Zuge
kommen.
Jedenfalls
nicht im
Kurfürstentum
Brandenburg,
denn im
Tausch gegen
den
Feldmarschall
Flemming
wurde
Schöning vom
Kurfürsten
der
Übertritt in
den
kursächsischen
Dienst
gestattet.
Johann Georg
III.
ernannte
Schöning
1691 zum
kursächsischen
Generalfeldmarschall.
Ansehen,
Ehre und
Funktion
hielten
nicht lange.
Schöning zog
sich als
Parteigänger
Ludwigs XIV.
den
besonderen
Haß des
Kaisers zu.
Als er sich
im Juni 1682
zur Kur in
Teplitz
befand,
nahmen ihn
die
Österreicher
kurzer Hand
fest und
inhaftierten
ihn
schmählich
und
widerrechtlich
auf der
Festung
Spielberg
bei Brünn. "Ohnerachtet
sich nun der
sächsische
Hof seiner
Befreiung
wegen alle
mögliche
Mühe gab, so
erhielt er
doch solche
nach vielen
erregten
Weitläufigkeiten,
um ihn
empfindlich
zu kränken,
erst 1694 im
Januar
wieder" (B.
König). Ob
er nun
wirklich ein
Hoch- oder
Reichsverräter
war, ist
niemals
schlüssig
beantwortet
worden. Ganz
gleich wie
die
damaligen
sächsischen
Interessen
gewichtet
werden, so
muß seine
Begünstigung
französischer
Interessen
und
insbesondere
das Votum
für eine
Änderung der
außenpolitischen
Linie unter
Einschluß
eines
möglichen
oder gar
wahrscheinlichen
Bruchs mit
Wien und
Berlin doch
zumindest
als
leichtfertig
angesehen
werden.
Durch die
Festungshaft
wurde
Schönings
Gesundheit
derart
geschwächt,
daß er nur
noch kurz
als Chef des
adligen
Kadettenkorps
in Dresden
fungieren
konnte, wo
er erst
55jährig
starb.
In der
Kirche
seines
Stammsitzes
Tamsel fand
Hans Adam
von Schöning
seine letzte
Ruhestätte.
Hinter einer
Trennwand
liegt die
heutige
Sakristei
mit zwei
prächtigen
barocken
Epitaphien.
Eines ist
das
Doppelgrabmahl
des
Weitgereisten
und seiner
Gemahlin,
der einzigen
Tochter des
kurbrandenburgischen
Generalmajors,
Kämmerers
und
Gouverneurs
von
Lippstadt,
Johann Ernst
von
Poellnitz
(1618-1684).
Die
lebensgroßen
Figuren,
mutmaßlich
Berliner
Arbeiten aus
dem Umfeld
Andreas
Schlüters,
sind auch
von außen
durch die
Fenster zu
erspähen.
Die Kirche
liegt neben
dem im 19.
Jahrhundert
veränderten
gleichnamigen
Schloß, das
als
zukünftiger
Sitz der
deutsch-polnischen
Verwaltung
einer um
Küstrin
herum
eingerichteten
Euroregion
gehandelt
wird.
Nach dem,
was wir
wissen,
können auch
für Schöning
die
abgewogenen
Worte
gelten, die
Theodor
Fontane für
einen
anderen
kurbrandenburgischen
Feldherrn
seiner Zeit,
den als
"Alten
Derfflinger"
bekannten
Reichsfreiherrn
Georg von
Derfflinger
(1606-1695),
fand: "Durch
und durch
ein
'Charakter',
scheint er
all sein
Leben lang
zu den
spezifisch
Unbequemen
gehört zu
haben."
Lit.:
(Biographien)
Theodor
Fontane:
Wanderungen
durch die
Mark
Brandenburg.
Zweiter
Teil. Das
Oderland. ND
Berlin 1991,
S. 342 -
363. -
Johann
Friedrich
Gauhe:
Historisches
Helden- und
Heldinnen-Lexicon.
Leipzig
1716. -
Haake, Paul:
Generalfeldmarschall
Hans Adam
von Schöning.
In: Studien
und Versuche
zur neueren
Geschichte.
Max Lenz zum
60sten
Geburtstag
gewidmet.
Berlin 1910,
S. 91 -
206. -
Anton
Balthasar
König:
Biographisches
Lexikon
aller Helden
und
Militairpersonen,
welche sich
in
preußischen
Diensten
berühmt
gemacht
haben.
Berlin 1790,
Bd. 3. -
Bernhard
Poten. In:
ADB XXXII,
S. 309 -
311. -
Kurt von
Priesdorff:
Soldatisches
Führertum.
Hamburg o.J.
[1937], Bd.
1, S. 30 f.
- Kurd
Wolffgang
von Schöning:
Des
General-Feldmarschall
Hans Adam
von Schöning
auf Tamsel
Leben und
Kriegsthaten.
Berlin 1837
[1789-1859;
Neffe des
Hans Adam
von Schöning;
1856 wurde
ihm der
Charakter
eines
Generalmajors
und der
Titel
"Historiograph
der Armee"
zuteil;
faktenreiche,
jedoch nicht
stets
zuverlässige,
Biographie].
Bild:
Vorsatz zu
Kurd
Wolffgang
von Schöning:
Des
General-Feldmarschall
Hans Adam
von Schöning
auf Tamsel
Leben und
Kriegsthaten.
Berlin 1837.
Stephan
Kaiser