Nach Ausweis
des
Taufbuchs
der Pfarrei
Freiwaldau
kam Johann
Schroth am
11. Februar
1798 zu
Böhmischdorf
als Sohn des
Bauern
Melchior
Schrod und
seiner
Ehefrau
Theresia
geb. Werner
zur Welt.
Der Vater
starb, als
Johann
sieben Jahre
alt war.
Bald danach
heiratete
seine Mutter
den Bauern
Ignaz Gröger,
zu dem sie
und ihr Sohn
nach
Lindewiese
zogen. Nach
dem Besuch
der
Elementarschule
in
Freiwaldau –
einer seiner
Mitschüler,
vielleicht
sogar ein
Klassenkamerad,
war der
knapp zwei
Jahre
jüngere
Vinzenz
Prießnitz,
der
ebenfalls
und zudem
ein noch
bekannterer
Naturheilkundler
wurde – trat
Johann
Schroth in
das
Fuhrunternehmen
des Adolf
Gröger,
eines
Vetters
seines
Stiefvaters,
in Adelsdorf
ein. Lange
Fahrten
führten in
nach Wien,
in die
Steiermark
und nach
Ungarn.
Seine
Militärzeit
leistete er
als
Kavallerist
und Bursche
bei einem
Tierarzt ab.
Danach
übernahm er
den Hof
seines
Stiefvaters
und
heiratete
1822 die
Gärtlerstochter
Theresia
Müller, mit
der er wohl
sechs Kinder
hatte.
Auf Grund
von
Naturbeobachtungen
und
Selbsterfahrungen
entwickelte
Johann
Schroth ab
1817 eine
eigene, auf
der Wirkung
von feuchter
Wärme,
Dürsten und
Fasten
beruhende
Heilmethode.
Neben seiner
Landwirtschaft
behandelte
er
kostenfrei
und
erfolgreich
Kranke, was
ihm jedoch
von seiten
der
akademisch
gebildeten
Ärzte den
Vorwurf der
Kurpfuscherei
einbrachte.
Mehrfach
wurde ihm
die Ausübung
seiner
heilkundlichen
Tätigkeit
untersagt,
er mit
Gefängnisstrafe
bedroht,
doch wurde
er immer
wieder um
Hilfe
gebeten. Der
Erfolg gab
ihm
schließlich
Recht: 1840
erhielt
Johann
Schroth die
öffentliche
Genehmigung
zur Ausübung
seiner
Kurmethode
und zum
Betrieb
eines
Sanatoriums,
nachdem sich
im Jahr
zuvor
bereits die
ersten
ständigen
Kurgäste in
Nieder-Lindewiese
eingefunden
hatten; 1840
waren es 88,
1841 dann 77
Gäste. Zu
seinen
hochgestellten
Patienten
und späteren
Gönnern
gehörten
Fürst
Alexander
von
Bariatinsky
und Prinz
Wilhelm von
Württemberg.
Anfang 1856
erließ
Johann
Schroth ein
Kurreglement,
am 26. März
desselben
Jahres starb
er an einem
organischen
Herzleiden.
Von
Personen,
die ihn
kannten,
wurde Johann
Schroth als
„langer,
hagerer
Mann“
geschildert,
„als ein
wahrer Arzt
und Helfer
..., mit
einem
offenen
freundlichen,
gewinnenden,
liebenswürdigen
und
vertrauenserweckenden
Wesen“, dazu
uneigennützig
und
hilfsbereit
(Brauchle,
S. 161 f.).
Sein
Heilsystem
hat Schroth
der Natur
abgeschaut:
vom Gedeihen
der Saat im
feucht-warmen
Ackerboden
und vom
Verhalten
erkrankter
Tiere, die
fast keine
Nahrung
aufnehmen.
Er verband
somit
Dürsten und
Fasten mit
der
planmäßigen
Anwendung
feuchter
Wärme.
Dementsprechend
besteht die
‘Schroth-Kur’
aus drei
therapeutischen
Elementen:
der feuchten
Wärme der
‘Schrothschen
Packungen’,
der
möglichst
eiweiß- und
salzarmen
Nahrung der
‘Schrothschen
Semmelkur’
und dem
periodischen
Wechsel von
Trockentagen
und mäßigen
Trinktagen
(Wein,
Wasser oder
Tee). Die
originale
‘Schroth-Kur’
für
chronisch
Kranke
bestand aus
einer
dreiwöchigen
Vorkur, in
der der
Organismus
auf
Trockenobst
und
Flüssigkeitsentzug
umgestellt
und erste
Teilwickel
angewandt
wurden,
einer fünf-
bis
achtwöchigen
Hauptkur mit
strenger
Trockensemmeldiät,
einem zwei-
bis
fünftägigen
Dürsten mit
einem
anschließenden
kleinen oder
großen
Trinktag
sowie
nächtlichen
Ganzpackungen
und einer
abschließenden,
zur
Normalkost
hinführenden
Nachkur. Im
Gegensatz zu
Prießnitz,
der die
Krankheitsstoffe
mit kalten
Wasser
‘auszuschwämmen’
versuchte,
wollte
Schroth sie
durch seine
Entschlackungs-
und
Austrocknungsbehandlung
dem Körper
‘entziehen’.
Nach
Schroths
Vorstellung
ging es um
die
Reinigung
der
Körpersäfte
und damit um
die
Entfernung
der in ihnen
enthaltenen
krankhaften
Stoffe auf
natürlichem
Wege. In der
‘Verderbnis
der
Körpersäfte’
sah er die
Ursache
der meisten,
insbesondere
der
chronischen
Krankheiten.
Schroth war
also der
antiken
Säftelehre
verhaftet.
Die heutige
Schroth-Kur
stimmt im
Grundsätzlichen
mit der
originalen
Form
überein,
doch ist sie
nun kürzer
(21 Tage)
und in der
Nahrung
abwechslungsreicher
–
schmackhafte
Gemüsesuppen
ersetzen den
Getreidebrei,
als
Hauptnahrungsmittel
ergänzen
Knäcke- und
Leinsamenbrot
die
altbackenen
Semmeln, neu
sind
vitaminhaltige
Frischpreßsäfte,
Salate und
andere
Rohkostprodukte.
Angezeigt
ist die
Schroth-Kur
heute vor
allem bei
Erkrankungen,
die zu
Herz-Kreislauf-Komplikationen
führen
können, wie
Übergewicht,
Bluthochdruck,
Fettstoffwechselstörungen,
Zuckerkrankheit,
Rheuma und
anderem.
Um das
Andenken von
Johann
Schroth, die
einheitliche
Anwendung
der Kur
sowie Aus-
und
Weiterbildung
der
inzwischen
als
Naturheilverfahren
ärztlicherseits
weitestgehend
anerkannten
Kur bemüht
sich heute
vor allem
der
Schrothverband
e. V. in
Oberstaufen
als
Interessenvertreter
aller
Schrothvereine
und
Schrothkurbetriebe.
Zentren der
Schroth-Kur
sind heute
Oberstaufen
im Allgäu,
Obervellach
in Kärnten
und seit
einigen
Jahren auch
wieder
Nieder-Lindewiese
(Lipová
Lázně) in
der
Tschechischen
Republik.
Lit.:
Emanuel
Schroth:
Johann
Schroth.
Gründer der
Diätkur und
sein
Lebenslauf.
o. O. 1877.
– Erich
Ebstein:
Johannes
Schroth, in:
ADB 54.
Berlin 1908,
S. 219-222.
– Alfred
Brauchle:
Die
Geschichte
der
Naturheilkunde
in
Lebensbildern.
Stuttgart 2.
Aufl., 1951,
S. 158-164.
– Ulrich
Schmilewski:
Die
Naturheilbewegung
in
Österreich-Schlesien,
in:
Elisabeth
Trux (Bearb.):
Schlesien in
der
Biedermeierzeit.
Kultur und
Geschichte
Schlesiens
in der
ersten
Hälfte des
19.
Jahrhunderts.
Würzburg
1987, S. 75
f. – Robert
Jütte:
Geschichte
der
Alternativen
Medizin. Von
der
Volksmedizin
zu den
unkonventionellen
Therapien
von heute.
München
1996, S.
144-149. –
Fritz Haug:
Leben und
Wirken von
Johann
Schroth. o.
O. u. J.
(Paper). –
Vladimir
Křížek: Die
Bibliographie
zur
Schroth-Kur,
in: Archiv
für
physikalische
Therapie
(Leipzig)
22, 1977, S.
289-299. –
Vera Brosig:
Die
originale
Schrothkur.
Das
altbewährte
Naturheilverfahren
nach Johann
Schroth.
Hannover
1992.
Ulrich
Schmilewski