Ottomar
Schreiber
wurde am 1.
Mai 1889 als
Sohn eines
Lehrers in
Marienburg
geboren. Die
Familie ist
seit 1412 im
Preußenland
in der
Komturei
Rehden
nachweisbar.
Nach dem
Abitur
Ostern 1907
im
westpreußischen
Neustadt
studierte
Schreiber an
den
östlichsten
Universitäten
des Reiches,
in Breslau
und
Königsberg,
Geschichte,
Philosophie
und neuere
Sprachen.
1912
promovierte
er in
Königsberg
mit einer
Arbeit über
die
Personal-
und
Amtsdaten
der
Hochmeister
des
Deutschen
Ordens. Das
Staatsexamen
legte er
1913 ab.
Im Ersten
Weltkrieg
kämpfte der
Leutnant der
Reserve in
Ostpreußen,
Polen und
den
Karpaten.
Das Diktat
von
Versailles
trennte mit
dem größten
Teil
Westpreußens
auch
Neustadt,
die Stadt
seiner
Jugend- und
Schulzeit,
vom Reich
und
überantwortete
es
polnischer
Herrschaft.
Danzig,
gleichfalls
ohne
Befragung
der
Einwohner in
Versailles
von
Deutschland
abgetrennt,
wurde
„Freistaat“.
Dort, in
Langfuhr und
Oliva, war
er als
Studienreferendar
im
Schuldienst
tätig, bis
er, seiner
Neigung zur
Literatur
folgend, die
Leitung des
Verlages
„Deutsche
Meister“
übernahm, wo
er für
die
Verlagszeitschrift
und die
Herausgabe
von 50
Klassiker-Einzelausgaben
verantwortlich
zeichnete.
1922 wurde
Dr.
Schreiber,
der weder
Volkswirtschaft
studiert
noch
praktische
kaufmännische
Erfahrungen
aufzuweisen
hatte, die
Stelle des
Syndikus an
der
Industrie-
und
Handelskammer
in Memel
angeboten.
Er trat dies
Amt in einer
für Land und
Wirtschaft
nahezu
perspektivlosen
Zeit an,
hatten doch
die
alliierten
Friedensmacher
diesen
nordöstlichsten
Teil
Ostpreußens
mit 141000
Einwohnern
und 2700
Quadratkilometern
ohne
Volksabstimmung
vom
Mutterland
losgerissen,
ohne weitere
Verfügungen
zu treffen.
Kurz nach
seinem
Amtsantritt
erlebte
Schreiber,
wie
litauische
Freischärler
im Januar
1923 in das
von
französischen
Truppen
besetzte
Memelland
einfielen
und die
französische
Besatzung
vertrieben.
Schreibers
nun folgende
Tätigkeit
darzulegen
hieße, die
20jährige
Geschichte
dieses um
sein
Deutschtum
kämpfenden
„Memelgebiets“
zu
schreiben.
Sehr schnell
erarbeitete
er sich die
für sein Amt
erforderlichen
umfassenden
Kenntnisse
der
wirtschaftlichen
Lage und
handelspolitischen
Verflechtungen
des
Memellandes.
In
Verhandlungen
mit den
Litauern, in
Handelsbesprechungen
mit Moskau
wie mit
Berlin oder
den
baltischen
Staaten
bewies er
seine
Fähigkeiten,
Gegensätze
auszugleichen,
wie auch
besonnen
gegen den
litauischen
Chauvinismus
aufzutreten.
1932 von
allen
deutschen
Parteien zum
Präsidenten
des
Memeldirektoriums
gewählt,
wurde er von
der
litauischen
Regierung im
Juni 1934
abgesetzt
und des
Hochverrats
angeklagt.
1938 konnte
Schreiber
sein Amt als
Syndikus
wieder
übernehmen.
Am 22. März
1939 kehrte
das
Memelland
auf Grund
des
deutsch-litauischen
Staatsvertrages
zum Reich
zurück.
Anfang 1945
kam
Schreiber
als
Vertriebener
nach
Tegernsee.
Sehr bald
begann er,
in zahllosen
Reden und
Schriften
für das
Recht der
Vertriebenen
und gegen
das Unrecht
der
Vertreibung
Zeugnis
abzulegen.
Mehr als 130
solcher
Reden hat
Fritz Gause
in seiner
1955 bei
Gräfe und
Unzer
erschienenen
Dokumentation
„Erbe und
Aufgabe des
deutschen
Ostens“
aufgelistet.
Bei der
Godesberger
Tagung
führender
Persönlichkeiten
der
deutschen
Ostprovinzen
am 11. und
12. August
1948 wurde
Schreiber
zum
Repräsentanten
Ostpreußens
bestimmt. Am
3. Oktober
1948
gründeten
die
ostpreußischen
Kreisvertreter
die
Landsmannschaft
Ostpreußen
und wählten
Ottomar
Schreiber
zum Sprecher
der
Landsmannschaft.
Anfang 1949
wurde er
Leiter des
Amtes für
Fragen der
Heimatvertriebenen
im
Verwaltungsrat
des
Vereinigten
Wirtschaftsgebietes
in
Frankfurt;
bei der
Errichtung
des
Bundesministeriums
für
Vertriebene,
Flüchtlinge
und
Kriegsgeschädigte
dessen
Staatssekretär.
Im November
1953 schied
er aus dem
Amt, im
Frühjahr
1954 wird er
mit
Erreichen
der
Altersgrenze
in den
Ruhestand
versetzt. In
Schreiber,
der unter
den Mauern
der
Marienburg
geboren
worden war,
im
westlichen
Preußenland
geformt
wurde und im
memelländischen
Nordosten
sich in
schwieriger
Zeit als
Patriot
bewährte,
trafen
Pflichttreue,
Redlichkeit
und ein aus
historischen
und
philosophischen
Studien
geprägtes
Weltbild
zusammen.
Die im Osten
gewonnenen
Erfahrungen
befähigten
ihn wie
keinen
anderen, die
Landsmannschaft
ins Leben zu
rufen, sie
zu führen
und zu
formen und
sie mit
einem aus
Tradition
und
Gegenwartsforderungen
gebildeten
Auftrag in
das geistige
und
politische
Ringen um
den
deutschen
Osten treten
zu lassen.
Im Oktober
1951, als
die
berufliche
Arbeit ihm
nicht mehr
Zeit für die
anwachsenden
Aufgaben im
organisatorischen
Bereich
seiner
Landsmannschaft
gab, trat er
vom
Sprecheramt
zurück. Als
erster und
einziger
Ehrenpräsident
hat er
seiner
Landsmannschaft
noch weiter
gedient, bis
der Tod
diesem mit
weitgesteckten
Planungen
erfüllten
Geist ein
jähes Ende
setzte. In
der Nacht
vom 5. zum
6. Februar
1955 starb
er in
München nach
einer schon
beinahe
überstandenen
Krankheit an
einer
Lungenembolie.
Er war eine
große
Persönlichkeit
des
deutschen
Ostens und
hat an sich
die von ihm
in einer
Rede 1950
erhobene
Forderung
wahrgemacht:
„Auf unseren
Gräbern
werden keine
steinernen
Kreuze
stehen, aber
leben
sollten wir
so, daß,
wenn wir
unsere
letzte
Ruhestätte
gefunden
haben,
unsere
Nachkommen
sagen
werden: Er
ist ein
anständiger
Mensch
gewesen.“
Lit.:
Landsmannschaft
Ostpreußen
1948—1968,
Hamburg;
Fritz Gause,
Erbe und
Aufgabe des
deutschen
Ostens,
Gräfe und
Unzer,
München
1955.
Harry Poley