Zur letzten
Ruhe haben
wir G.A.
Schuller
begleitet,
wenige
Stunden
nachdem mit
dem ersten
Bombenhagel
aus Hitlers
Kriegsmaschinerie
auf Polen
dem alten,
geistigen
Europa, dem
sich auch
Schuller im
Innersten
verbunden
fühlte, das
Grabgeläute
angestimmt
worden war.
Er war der
Sohn des ihm
innerlich
gleichgestimmten
Pfarrers
Georg
Schuller,
der auch als
Verfasser
mehrerer
volkskundlich-historischer
und
theologischer
Aufsätze
hervorgetreten
ist.
Schuller
studierte in
Bern,
München,
Berlin und
zuletzt in
Tübingen
Theologie
und
Geschichte,
wo er 1884
mit einer
Arbeit über
den
deutschen
Bauernkrieg
zum Dr. phil.
promovierte.
In die
Heimat
zurückgekehrt,
hat er
zunächst an
der Seite
Dr. Carl
Wolffs als
Anwalt des
Verbandes
Raiffeisen'scher
Genossenschaften
Siebenbürgens
gewirkt und
dort
nachhaltige
Eindrücke
(Innerkolonisation)
erhalten.
Zugleich
wurde er mit
der
Schriftleitung
der
„Kirchlichen
Blätter“
betraut, die
er in
jahrzehntelangem
Mühen als
ihr
eifrigster
Korrespondent
zu einem
Volksblatt
im wahrsten
Sinne dieses
Wortes
ausgestaltete.
Es ist u.a.
diese
Tätigkeit
gewesen, die
ihm 1926
Ehrendoktor
der
Theologie
der
Universität
Tübingen
eingetragen
hat.
Im Jahr 1887
wurde
Schuller als
Lehrer an
die höhere
evangelische
Volksschule
in Agnetheln
berufen und
1889 zu
deren Rektor
ernannt.
1893
wechselte er
in das
Pfarramt von
Großlasseln
über, wo
einige Jahre
früher sein
Vater in
gleicher
Eigenschaft
gewirkt
hatte, und
war von
1898-1904
Pfarrer in
Großalisch
bei
Schäßburg.
Ein
unheilbares
Gehörleiden,
das zu
völliger
Taubheit
führte,
zwang ihn,
den Beruf zu
wechseln. Im
Herbst 1904
übernahm er
in einer für
die
siebenbürgisch-sächsische
Geschichtsforschung
segensreich
gewordenen
Stunde die
Leitung der
Handschriftenabteilung
des Baron
Brukenthalischen
Museums in
Hermannstadt.
Aus kleinen
Anfängen hat
Schuller
diese
Abteilung in
fünfunddreißigjähriger
zielbewußter
Arbeit zu
einer
Institution
von hohem
wissenschaftlichen
Rang
ausgebaut,
an der bis
über den
Zweiten
Weltkrieg
hinaus
niemand ohne
Gewinn
vorbeigehen
konnte, der
sich mit den
vielfältigen
Problemen
siebenbürgisch-sächsischer
Volksforschung
auseinanderzusetzen
hatte. Auch
für die
eigenen
Arbeiten,
die sein
Bibliograph
mit nicht
weniger denn
566 Titeln
beziffert,
hat Schuller
immer wieder
auf die ihm
in der
Handschriftenabteilung
zuwachsenden
Quellen
zurückgegriffen.
Das
wissenschaftliche
Hauptwerk
Georg Adolf
Schullers,
an dem er
jahrzehntelang
gearbeitet
und gefeilt
hat, ist die
aus den
Akten
vornehmlich
des
Brukenthalischen
Hausarchivs
erwachsene
zweibändige
Biographie
des
Museumsschöpfers
und
langjährigen
Gouverneurs
von
Siebenbürgen,
Samuel von
Brukenthal
(1721-1803).
In sie hat
er, der noch
Giesebrecht,
Mommsen,
Curtius,
Treitschke,
Wattenbach
und
Pflug-Härtung
zu seinen
Lehrern
zählen
durfte, das
Beste
hineingelegt,
was ihm die
vor der
Jahrhundertwende
im Glanze
ihres Ruhmes
stehende
deutsche
Geschichtsschreibung
vermitteln
konnte. Es
gehört zur
Tragik im
Leben dieses
bescheiden-großen
Mannes, daß
er den Druck
dieser Perle
siebenbürgisch-sächsischer
Geschichtsschreibung
nicht mehr
erlebt hat.
Sie ist erst
fast dreißig
Jahre nach
seinem Tod,
1967/1969,
in den zwei
schönen
Bänden 18
und 19 der
Buchreihe
der
Südostdeutschen
Historischen
Kommission
in München
(Verlag R.
Oldenbourg)
erschienen.
Werke:
Aus der
Vergangenheit
der
siebenbürgisch-sächsischen
Landwirtschaft,
Hermannstadt
1895. – Das
Laßler
Kapitel, in:
Archiv des
Vereins für
siebenbürgische
Landeskunde
Bd. 30,
1901, S.
97-138. –
Hermannstadt
um die Mitte
des 18.
Jahrhunderts,
in: Archiv
usw. Bd. 34,
1907, S.
276-380. -
Dorfheimat.
Lebensbilder
aus der
Jüngstvergangenheit
eines
Siebenbürger
Sachsendorfes,
Hermannstadt
1908. –
Innerkolonisation
und
Raiffeisenvereine,
in: 23.
Verbandstag.
Hermannstadt
1909, S.
33-57. –
Johann
Futsch
(1735-1836).
Ein sächs.
Pfarrerleben,
Hermannstadt
1912. – Über
die
Einwanderung
von
Württembergern
in das
Sachsenland
1845-1848,
in:
Landwirtschaftliche
Blätter
1922, S. 260
– mit
zahlreichen
Unterbrechungen
– 505. – Aus
dem Leben
der
Bogeschdorfer
Kapitelsgemeinden
im 17.
Jahrhundert,
Hermannstadt
1930. – Die
älteren
Handschriftenbände
des Baron
Brukenthalischen
Museums, in:
Mitteilungen
aus dem
Baron
Brukenthalischen
Museum, Heft
III, 1933,
S. 13-31;
IV, 1934, S.
16-36, V,
1935, S.
43-49; VI,
1936/37, S.
22-31. –
Samuel von
Brukenthal.
Bd. I und
II.
Buchreihe
der
Südostdeutschen
Historischen
Kommission
Bd. 18/19,
München
1967/1969.
Lit.:
D. Dr. Georg
Adolf
Schuller,
in:
Siebenbürgische
Vierteljahrsschrift
Bd. 56,
1933, S. 87
u. 313-314.
– Hermann
Hienz,
Bibliographie
Georg Adolf
Schuller,
in:
Mitteilungen
aus dem
Baron
Brukenthalischen
Museum, Bd.
VIII, 1941,
S. 8-31. –
Gottlieb
Brandsch,
Zum
Gedächtnis
D. Dr. G. A.
Schullers,
in:
Siebenbürgische
Vierteljahrsschrift
Bd. 63,1940,
S. 41-55. –
Friedrich
Müller-Langenthal,
D. Dr. Georg
Adolf
Schuller
(1862-1939),
in:
Südostdeutsche
Forschungen
Jg. 5, 1940,
S. 614-616.
– Karl Kurt
Klein,
Vorwort, in:
Georg Adolf
Schuller,
Samuel von
Brukenthal,
Bd. I,
München
1967, S.
VII-XI.
Gustav
Gündisch