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Wer die Kollektionen der
rumäniendeutschen
Presse der letzten 20 Jahre durchblättert, stößt immer wieder auf den
Namen des Architekten Günther Schuller, sei es als Verfasser von
Beiträgen über Restaurierung und Konservierung historischer Bauten,
modernes Bauen, Stadtverschönerung, Umweltschutz oder über
heimatkundliche Fragen, sei es, daß seine Tätigkeit als Architekt und
Restaurator, als völkisch engagierter Kronstädter oder als Vortragender
der deutschen Volkshochschulen gewürdigt wird. Ende des Jahres 1982
brachten dann alle rumäniendeutschen Zeitungen, aber auch solche aus der
Bundesrepublik Deutschland und Österreich, die Nachricht, daß dem
rührigen Kronstädter Günther Schuller in Wien der Gottfried-Herder-Preis
für 1983 verliehen wurde. Die Auszeichnung wird jedes Jahr von der
gemeinnützigen Stiftung F.V.S. in Hamburg und der
Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung in Basel durch die Universität Wien
an Persönlichkeiten aus Ost- und Südosteuropa verliehen, die sich um die
Pflege und Förderung der kulturellen Beziehungen verdient gemacht und
beispielgebend zur Erhaltung und Mehrung des europäischen Kulturgutes im
Sinne einer friedlichen Verständigung der Völker beigetragen haben.
Günther
Schuller ist der erste Rumäniendeutsche, der diesen Preis erhielt. Er
tritt damit in die illustre Reihe jener südosteuropäischen
Persönlichkeiten – Dichter, Historiker, Musiker, Folkloristen –, denen
bisher diese Anerkennung zuteil wurde. Als Sohn des bekannten
Kronstädter Bauarchitekten Albert Schuller wurde er am 10. Oktober 1904
in Kronstadt geboren. Durch die Tätigkeit des Vaters wurde der Sohn
gewissermaßen für seinen zukünftigen Beruf vorprogrammiert. Nach dem
Abschluß des „Honterus“-Gymnasiums von Kronstadt besuchte Günther
Schuller die Technische Hochschule von München und erwarb den Titel
eines Dipl.-Bauingenieurs. Obwohl er in seinem Beruf zunächst keine
Anstellung fand, erhielt er durch die Tätigkeit des Vaters, der in den
dreißiger und Anfang der vierziger Jahre als Vorsitzender des
Bauausschusses die Restaurierungsarbeiten der Schwarzen Kirche leitete,
Einblick in einen Bereich, der ihm Herzenssache werden sollte. Günther
Schuller selbst wirkte zunächst als Sachverständiger für Feuerschäden
bei einer Versicherungsfirma.
Im Januar
1945 wurde er zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, von wo er
als Schwerbehinderter (ohne die rechte Hand) in seine Vaterstadt
Kronstadt zurückkehrte. Anstellung fand er erst bei einem
Entwurfsinstitut für Bauten und dann beim Kreisamt für Architektur und
Systematisierung. Die Tätigkeit, durch die er sich einen Namen machte,
leistete er zum guten Teil nebenberuflich und ehrenamtlich, bzw. nach
seiner Pensionierung. Es handelt sich vornehmlich um seine Mitarbeit auf
dem Gebiete der Restaurierung und Konservierung Altkronstadts. Von den
historischen Bauten Kronstadts, die auf seine Initiative hin oder unter
seiner Mitwirkung instandgesetzt wurden, sind zu nennen: das
„General-Quartier“ auf der Flachszeile, die Graftpartie der westlichen
Stadtmauer mit der Sattlerbastei, das Hircherhaus, das Katharinentor,
der Weiße Turm, das alte Rathaus, das Waisenhausgässertor, die
malerische Fassadengestaltung der Böttcherzeile u. a.
Mit
besonderer Anteilnahme beteiligt sich G. Schuller vor allem an den
Restaurierungsarbeiten der „Schwarzen Kirche“, die seit 1968 laufen und
z. Z. von Arch. Hermann Fabini geleitet werden. Es sei nur daran
erinnert, mit welcher Verbissenheit er gegen die Freilegung der
überdachten Maßwerkgallerie gefochten hat. Auch jetzt ist er ständig auf
der Baustelle zu finden und versucht mitzuhelfen. Man kann nur wünschen,
daß die in den letzten Jahren ins Stocken geratenen Arbeiten zügiger
voranschreiten. Dies um so mehr, als gegenwärtig auch in der
Bundesrepublik eine Spendenaktion zu diesem Zwecke läuft.
Michael
Kroner (1983)
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