Kurt
Schumacher
wurde am 13.
Oktober 1895
in der
westpreußischen
Kleinstadt
Culm an der
Weichsel
geboren. Er
besuchte das
dortige
Königliche
Gymnasium.
Bei
Kriegsausbruch
1914 legte
er das
Notabitur ab
und meldete
sich
freiwillig
zur Armee.
Anfang
November
1914 wurde
er als
Infanterist
an die
Ostfront
geschickt
und bereits
im November
1914 schwer
verwundet.
Sein rechter
Arm mußte
bis zur
Schulter
amputiert
werden. Da
er nunmehr
nicht mehr
kriegsdiensttauglich
war, konnte
er ein
Studium
aufnehmen
und legte
1918 an der
Friedrich-Wilhelm-Universität
zu Berlin,
der heutigen
Humboldt-Universität,
sein erstes
juristisches
Staatsexamen
ab. Im
Januar 1918
trat er in
die SPD ein.
Am 1.
Dezember
1920 wurde
er Redakteur
des
sozialdemokratischen
Parteiblatts
„Schwäbische
Tagwacht“ in
Stuttgart.
1924 wurde
er in den
Württembergischen
Landtag
gewählt.
Schumacher
war
Mitbegründer
des
„Reichsbanners
Schwarz-Rot-Gold“
und bis 1929
Vorsitzender
des
Stuttgarter
Reichsbanner-Vereins.
1926
promovierte
er bei Prof.
Johann
Plenge in
Münster über
das Thema
„Der Kampf
um den
Staatsgedanken
in der
deutschen
Sozialdemokratie“.
1928 gehörte
Schumacher
zum Vorstand
der
württembergischen
Landtagsfraktion.
Am 20. Mai
1930 wurde
er in den
Deutschen
Reichstag
gewählt und
blieb
Reichstagsabgeordneter
bis nach der
Machtergreifung
der
Nationalsozialisten
im Januar
1933. Am 23.
Februar 1932
geißelte er
in einer
Replik auf
eine Polemik
des
nationalsozialistischen
Reichstagsabgeordneten
Dr. Joseph
Goebbels den
Nationalsozialismus
als „einen
dauernden
Appell an
den inneren
Schweinehund
im
Menschen“.
Seitdem
gehörte er
zu den von
den
Hitleranhängern
meistgehaßten
deutschen
Politikern.
Kurt
Schumacher
war an der
Ausarbeitung
der
Erklärung
der
SPD-Reichstagsfraktion
vom 23. März
1933
beteiligt,
in der das
„Ermächtigungsgesetz“
für den
Reichskanzler
Adolf Hitler
abgelehnt
wurde. Durch
Erlaß des
Reichsinnenministeriums
am 22. Juni
1933 wurde
die SPD
verboten. Am
6. Juli 1933
wurde
Schumacher
verhaftet
und blieb
zunächst bis
März 1943 in
Haft.
Schumacher
lehnte es
ab, sich
durch eine
geheuchelte
Ergebenheitserklärung
gegenüber
dem
NS-Regime
oder durch
eine
Verzichtserklärung
auf weitere
politische
Tätigkeit
die
Entlassung
aus der Haft
zu
erschwindeln.
Stationen
seiner Haft
waren u.a.
das
Polizeigefängnis
Berlin
Alexanderplatz,
das
Gestapo-Gefängnis
in der
Prinz-Albrecht-Straße,
die
Konzentrationslager
Dachau und
Flossenbürg.
Wegen seines
angegriffenen
Gesundheitszustandes
wurde er
1943 mit
Aufenthaltsbeschränkung
auf Hannover
aus der Haft
entlassen,
jedoch nach
dem Attentat
auf Hitler
am 20. Juli
1944 erneut
verhaftet.
Diesmal kam
er in das KZ
Neuengamme
bei Hamburg,
aus dem er
im Frühjahr
1945 wieder
nach
Hannover
entlassen
wurde.
Hannover
wurde am 10.
April 1945
durch
amerikanische
Truppen
besetzt. Am
6. Mai 1945,
also noch
vor der
endgültigen
Kapitulation
der
deutschen
Wehrmacht,
hielt er vor
sozialdemokratischen
Funktionären
in Hannover
eine
Grundsatzrede
unter dem
Titel „Wir
verzweifeln
nicht!“, in
der er mit
dem
nationalsozialistischen
Regime
abrechnete
und seinen
Führungsanspruch
beim
„Wiederaufbau
von Partei
und Staat“
anmeldete.
Einen Teil
dieser Rede
widmete er
auch dem
Verhältnis
von SPD und
KPD und
erklärte,
daß eine
politische
Vereinigung
dieser
beiden
Parteien
nicht
möglich sei,
weil die KPD
ausschließlich
an eine der
Siegermächte
des Zweiten
Weltkrieges,
nämlich an
Rußland und
seine
außenpolitischen
Ziele,
gebunden
sei. Aus dem
Bewußtsein
heraus, daß
die SPD als
einzige
Partei vor
1933 die
Grundsätze
einer
demokratischen
und
friedenfördernden
Politik voll
durchgehalten
habe, müsse
die SPD die
schwere
Aufgabe
übernehmen,
„aus den
Trümmern
Deutschlands
ein neues
und besseres
Reich“ zu
erbauen. Er
befürwortete
zunächst
eine
Zusammenarbeit
mit den
Kommunisten
in „allen
sozialen
Fragen und
in der
Austilgung
des
Faschismus“.
Jedoch
lehnte er
von
vornherein
die Bildung
einer so
genannten
„Antifaschistischen
Front“ ab,
da dies nur
den Zweck
verfolge,
„Nichtkommunisten
für
kommunistische
Zwecke
einzuspannen
und für die
Kommunistische
Partei zu
erziehen.“
Die weitere
Entwicklung
in der SBZ
und späteren
DDR sollte
Schumachers
Befürchtungen
und
Warnungen in
vollem
Umfang
bestätigen.
Am 5. und 6.
Oktober 1945
fand in
Wenningsen
bei Hannover
die
ursprünglich
als
„Reichskonferenz“
deklarierte
Parteikonferenz
der drei
westlichen
Besatzungszonen
statt, an
der am 6.
Oktober (als
privates
Treffen
deklariert)
auch
Vertreter
des Berliner
Zentralausschusses
der in der
SBZ neu
gegründeten
SPD (Otto
Grotewohl,
Gustav
Dahrendorf
und Max
Fechner)
teilnahmen.
Schumacher
machte hier
noch einmal
seine
Ablehnung
einer
Einheitspartei
mit den
Kommunisten
deutlich:
„Wir
deutschen
Sozialdemokraten
sind nicht
britisch und
nicht
russisch,
nicht
amerikanisch
und nicht
französisch.
Wir sind die
Vertreter
des
deutschen
arbeitenden
Volkes und
damit der
deutschen
Nation. Wir
sind als
bewußte
Internationalisten
bestrebt,
mit allen
internationalen
Faktoren im
Sinne des
Friedens,
des
Ausgleichs
und der
Ordnung
zusammenzuarbeiten.
Aber wir
wollen uns
nicht von
einem Faktor
ausnützen
lassen.“
Diese
Haltung
bestimmte
auch sein
Verhältnis
zu einem
deutschen
Verteidigungsbeitrag
für den
Westen und
zur
Westbindung
der
Bundesrepublik.
Er wollte
keine
westdeutschen
Streitkräfte,
solange die
Chance zur
Wiedervereinigung
Deutschlands
um den Preis
der
militärischen
Neutralität
bestand und
solange
nicht die
volle
Gleichberechtigung
dieser
Streitkräfte
in
Kommandostruktur,
Ausrüstung
und
Bewaffnung
gewährleistet
schien. Bei
der Wahl zum
ersten
Deutschen
Bundestag
unterlag
Schumacher
knapp Dr.
Konrad
Adenauer und
blieb bis zu
seinem Tode
am 20.
August 1952
Wortführer
einer
konstruktiven
Opposition.
Seine letzte
Ruhestätte
fand er auf
dem Friedhof
in
Hannover-Ricklingen.
Hunderttausende
säumten
seinen
letzten Weg
von Bonn
nach
Hannover.
Noch einmal
wurde
deutlich,
daß
Schumacher
seit August
Bebel der
beliebteste
deutsche
Arbeiterführer
war. Kurt
Schumacher
gehörte zu
den
schärfsten
Gegnern der
Oder-Neiße-Linie
als
endgültiger
deutscher
Ostgrenze.
Im Oktober
1945 hatte
er auf einer
Rede in Köln
geäußert, es
sei die
Pflicht
jedes
deutschen
Sozialdemokraten,
mit
friedlichen
Mitteln um
jeden
Quadratmeter
deutschen
Bodens zu
kämpfen.
Getreu
dieser
Ansicht
verurteilte
er auch die
Annexion des
Saargebietes
durch
Frankreich,
die
Bombardierung
Helgolands
durch die
Briten und
dänische
Versuche zur
Abtrennung
von Teilen
Schleswig-Holsteins.
Am 13. Juni
1950 wies
Schumacher
darauf hin,
daß die
Oder-Neiße-Linie
nicht nur
ein
Grenzproblem
sei, sondern
auch eine
Frage des
„Rückkehr-
und
Heimatrechts
der
Ostvertriebenen,
zu dem wir
uns bekennen
müssen.“ Am
17. August
1951
erklärte er
in Berlin:
„Keine
deutsche
Regierung
und keine
Partei
können
bestehen,
die die
Oder-Neiße-Linie
anerkennen
wollen.“
Diese
Auffassung
erwies sich
als irrig,
jedoch hatte
er recht mit
seiner
Ansicht, daß
die
wirtschaftliche
und
politische
Anziehungskraft
des Westens
eine
„Magnetwirkung“
hervorrufen
würde, die
den
Zusammenbruch
der
kommunistischen
Regime in
Ostmitteleuropa
bewirkt. Im
Gedenkbuch
der
deutschen
Sozialdemokratie
findet
Schumachers
Haltung zur
Oder-Neiße-Linie
keine
Erwähnung.
Die
deutschen
Heimatvertriebenen
haben
allerdings
allen Anlaß,
sich dankbar
an Kurt
Schumacher
zu erinnern.
Lit.:
Willy
Albrecht:
Kurt
Schumacher.
Reden-Schriften-Korrespondenzen
1945–1952,
Berlin/Bonn
1985. –
Johann
Heinrich
Frömel: Die
Sozialdemokratische
Partei
Deutschlands
und die
Vertriebenenverbände
1945–1969.
Vom Konsens
zum Dissens.
Hg. von der
Kulturstiftung
der
deutschen
Vertriebenen,
Bonn 1999. –
Walter G.
Oschilewski/Arno
Scholz:
Turmwächter
der
Demokratie.
Ein
Lebensbild
von Kurt
Schumacher.
Bd. 1–3 (Bd.
1: Sein Weg
durch die
Zeit, Bd. 2:
Reden und
Schriften,
Bd. 3: Als
er von uns
ging),
Hannover
1953–1954. –
Franz
Osterroth:
Biographisches
Lexikon des
Sozialismus,
Hannover
1960. –
Peter
Merseburger:
Der
schwierige
Deutsche:
Kurt
Schumacher,
Berlin 1995.
– Fried
Wesemann:
Kurt
Schumacher.
Ein Leben
für
Deutschland,
Bonn 1952. –
Christl
Wickert (u.a.):
Der Freiheit
verpflichtet.
Gedenkbuch
der
deutschen
Sozialdemokratie
im 20.
Jahrhundert.
Mit einem
Vorwort von
Gerhard
Schröder,
Marburg
2000.
Bild:
Archiv der
sozialen
Demokratie
der
Friedrich-Ebert-Stiftung.
Johann
Heinrich
Frömel