Ossip
Schubin, die
ihr
Pseudonym
nach einer
Figur aus
einem Roman
Turgenjews
wählte,
verbrachte
ihre erste
Jugend in
großer
Einsamkeit
auf einem
Gut ihrer
Eltern in
Lochkow in
Böhmen. Sie
wurde als
Sängerin
ausgebildet,
reiste seit
ihrem 18.
Lebensjahr
viel und
verbrachte
viele Winter
in Brüssel,
Paris und
Rom. Als
ihre Stimme
versagte,
begann sie
zu
schreiben.
Einigen
unbedeutenden
Novellen
folgte der
Roman „Ehre“
(Dresden),
der 1884
bereits die
3. Auflage
erlebte. Im
gleichen
Jahr
erschien die
Novelle
„Frühlingstraum*
(Augsburg).
Insgesamt
hat sie mehr
als 50
Romane
veröffentlicht,
von denen
viele später
in
Engelhorns
Romanbibliothek
erschienen
sind. Sie
spiegeln das
gesellschaftliche
Leben aus
österreichischen
Adels- und
Offizierskreisen
wieder,
wobei oft
auch auf
künstlerische
und
kulturelle
Fragen und
Erscheinungen
eingegangen
wird. Die
Zeitkritik
rühmte die
Schärfe
ihrer
Beobachtungen,
die
kaltblütige
Charakteristik
der Halb-
und
Dreiviertelswelt,
eine
Lebendigkeit
der
Darstellung
der
internationalen
Reisegesellschaft
und eine
Sicherheit
in der
Wiedergabe
des
gemütlosen,
frivolen
Tones, in
welchem sich
diese
Gesellschaft
gefiel. Ihre
Vorbilder
waren u. a.
Turgenjew,
Maupassant,
George Sand.
Die
verfallende
österreichische
Aristokratie,
die
europäische
Untergangsstimmung
erschreckte
und
faszinierte
sie. Der
Literaturhistoriker
Josef Nadler
sagt von
ihr: „Ihre
zerrütteten
Nerven
witterten
triebhaft
den Verfall
der
Gesellschaft
weit
voraus.“ Sie
prangert die
Untüchtigkeit
und
Lebensfremdheit
vieler
Künstler an,
z. B. in
„Boris
Lensky“
(1899), und
sie beklagt
und geißelt
die müde
Gesellschaft,
die sie aber
selbst
liebt, „sie
schwärmt und
ist zugleich
von
Weltschmerz
erfüllt“
(Josef
Mühlberger).
Ossip
Schubin
lebte gern
auf
Schlössern,
liebte das
Dekorative,
die Parks,
und in allen
ihren
Dichtungen
schwelgt sie
in der
Darstellung
von Farben
und Formen,
immer wieder
klingen
musikalische
und
künstlerische
Themen, das
Schicksal
scheiternder
künstlerischer
Existenzen
an (wie in
„Finis
poloniae“).
Von ihren
vielen
Romanen
seien
genannt: „O
du mein
Österreich“
(1890),
„Toter
Frühling“
(1893),
„Gebrochene
Flügel“
(1894),
„Wenn's nur
schon Winter
wär“ (1898).
Die Romane
könnte man
als
neuromantisch
klassifizieren,
sie
symbolisieren
mit ihren
mysteriösen,
skurrilen,
übersinnlichen
Bezügen das
Herkunftsland
Böhmen, wie
sie bei
Kubin,
Meyrink und
schließlich
bei Kafka
spürbar
werden:
„Unheimliche
Geschichten“
(1889),
„Vollmondzauber“
(1889) u. a.
Nach dem
unerwarteten
Tode einer
Hauptfigur
im
„Vollmondzauber“,
dem
plötzlich
ein Glas aus
der Hand
gefallen
war, heißt
es: „Der
Ratlosigkeit
der beiden
Männer nicht
achtend,
zündete der
alte Diener
die Kerze
an, stellte
sie zu
Häupten des
Toten,
faltete die
Hände leise
und
flüsterte:
,Und da
wollen sie
behaupten,
daß von
drüben
niemand
wiederkommt‘.“
So endet der
Roman.
Das letzte
Buch der
einst viel
gelesenen
Ossip
Schubin
erschien
1924 „Der
Rosenkavalier“.
Sie ist
heute nahezu
vergessen.
Victor
Aschenbrenner