„Elisabeth
Schwarzkopf
besitzt eine
der
schönsten
Sopran-Stimmen
ihrer
Epoche,
einmal durch
die Fülle
und Dichte
ihres
Stimmaterials,
andererseits
durch die
tief
empfundene
Beseelung
ihres
Vertrages
hervorragend“
– diese und
auffallend
ähnlich
lautende
Urteile und
Bewertungen
findet man
leicht und
reichlich,
aber nicht
etwa vor
allem in
schönfärberischen
Pressemitteilungen
eines
Schallplatten-Konzerns,
sondern in
seriösen
Musiklexika,
Musikenzyklopädien
und
einschlägigen
Sängerlexika
(hier:
Kutsch/Riemens).
Unbestreitbar
handelt es
sich um eine
der
schönsten
Sopranstimmen
der 50er und
60er Jahre.
Um so
erstaunter
nimmt man
von der
Tatsache
Kenntnis,
daß
Elisabeth
Schwarzkopf
zunächst im
Mezzo-Fach
ausgebildet
und danach
ins
Sopranfach
umgeschult
wurde. Ihre
„eigentliche“
Ausbildung –
wenn man das
so sagen
darf –
begann aber
erst nach
ihrem Debüt
(1938 als
Parsifal-Blumenmädchen
in Berlin)
und ersten
Erfolgen in
größeren
Partien:
Maria Ivogün
wurde auf
sie
aufmerksam,
und unter
der
Bedingung,
„noch einmal
mit den
Studien ganz
von vorne zu
beginnen,
Ton für Ton
ein zweites
Mal zu
erarbeiten“
– so
berichtet
uns
Elisabeth
Schwarzkopf
– wurde sie
als
Privatschülerin
angenommen.
Maria Ivogün
war
zweifellos
ihre
wichtigste
Lehrerin:
„Sie schuf
mir eine
neue
Stimme“,
urteilte die
berühmte
Schülerin
aus der
Rückschau.
Es bedarf
nur des
Hinweises,
daß der
bekannte
Klavierbegleiter
Michael
Raucheisen
der Gatte
von Maria
Ivogün war,
in sogleich
einzusehen,
daß
Elisabeth
Schwarzkopf
selbstverständlich
auch in die
Kunst
differenzierten
Liedgesangs
eingeweiht
wurde.
Sicherlich
ist nicht
zuletzt
dadurch der
Grundstein
für die
Tugenden
gelegt
worden,
durch die
sie auch ihr
Operngesang
immer wieder
auszeichnete:
Innigkeit
des
Ausdrucks,
Subtilität
der
Wortausdeutung,
Nuancenreichtum
vokaler
Farbschattierungen.
Dies waren,
zumal in
Verbindung
mit
perfekter
Technik,
überlegener
Phrasierungskunst
und
strahlender
Höhe, die
denkbar
besten
Voraussetzungen
für eine
internationale
Kamen die –
durch
widrige
Zeitläufte
verzögert –
nach dem
Ende des
Krieges von
der Wiener
Staatsoper
ausging und
mit den
Festspielen
in Salzburg
(ständige
Teilnahme
von 1947 bi
1964) und
Bayreuth
(Mitwirkung
bei der
Wiedereröffnung
1951)
untrennbar
verknüpft
ist.
Glücklicherweise
gibt es
einige
Mitschnitte
von
Festspielaufführungen,
die trotz
historischer
Aufnahmetechnik
Erfolg und
Ruhm der
Schwarzkof
nachprüfbar,
je
nachvollziehbar
machen. Zu
nennen wäre
hier –
Vollständigkeit
kann
selbstverständlich
nicht
angestrebt
werden – vor
allem die
Mitschnitte
der
Mozartaufführungen
unter
Furtwängler,
in denen sie
als „Figaro“-Gräfin
und Elvira
in „Don
Giovanni“
triumphierte,
sowie die
Bayreuther
Mitschnitte
der 9.
Sinfonie
(Sopranpart)
unter
Furtwängler
und der
Meistersinger
(Eva) unter
Karajan.
Damit haben
wir – der
Kürze des
zur
Verfügung
stehende
Raumes
willen
vorsätzlich
– den
Bereich
vorwiegend
biographischer
Angaben
bereits
verlassen,
um
wenigstens
einige ihrer
wichtigsten
Aufnahmen zu
nennen, die
sich bei
Sammlern und
Kennern
großer
Gesangskunst
höchster
Wertschätzung
erfreuen,
bis heute
von
Musikkritikern
als
maßstabsetzend
anerkannt
und
dementsprechend
oft zu
Vergleichen
herangezogen
werden. Aus
allen diesen
Gründen ist
es nicht
verwunderlich,
daß viele
ihrer besten
Schallplatten
ständig
erhältlich
sind – sei
es in
deutschen,
englischen,
französischen
oder
japanischen
Pressungen.
Dazu gehören
u.a. die
Mozartlieder
mit Walter
Gieseking
und die
Schubert-Lieder
mit Edwin
Fischer am
Klavier:
beide
Pianisten
erweisen
sich als
feinsinnige,
sensible
Mitgestaltung
höchsten
Ranges.
Nicht
zuletzt muß
auch die
Hugo-Wolf
Platte mit
Wilhelm
Furtwängler
als
einmaligem
Klavierpartner
wähnt
werden.
Grandios und
unübertrefflich
ist die
Aufnahme der
Orchesterlieder
von Richard
Strauss
einschließlich
dessen
bekannter
vier letzter
Lieder, in
denen der
Altmeister
nicht ohne
Wehmut auf
vergangene
Zeiten
zurückgeblickt
hat, aber
doch noch
einmal
unangefochten
und
ungebrochen
beweist,
welch
exzellenter
Klangzauberer
er ist:
diese wohl
bedeutendsten
Strauss-Lieder
wurden von
Elisabeth
Schwarzkopf
und George
Szell am
Pult des
Radio-Symphonie-Orchesters
Berlin
wahrhaft
kongenial
gestaltet.
Aus
Raumgründen
kann hier
die gesamte
Spannweite
ihrer
Gesangs- und
Gestaltungskunst
von Bach bis
Wolf nur
andeutungsweise
umrissen
werden. Wer
Elisabeth
Schwarzkopf
in einigen
ihr
wichtigsten
Opernrollen
kennenlernen
will, sei
auf die
Gesamtaufnahmen
der
Schallplattenindustrie
verwiesen,
in denen sie
z.B. in den
Partien der
Gräfin
(Figaro),
der
Fiordiligi (Cosi),
der Donna
Elvira (Don
Giovanni),
der Pamina
(Zauberflöte),
der
Marschallin
(Rosenkavalier),
der Ariadne
(Ariadne auf
Naxos), der
Gräfin
(Capriccio),
der Liū (Turandot)
oder der
Rosalinde
(Fledermaus)
zu hören
ist. Wer
sich mit
Arien und
Ausschnitten
begnügen
will, sei
insbesondere
auf die LP
mit
exemplarischen
Wagner- und
Weberaufnahmen
hingewiesen
– oder auch
auf die
gemischten
Arienprogramme
mit innig
gesungenen
Puccini-Kostproben.
Für
fortgeschrittene
Kunstliedfreunde
empfehlen
sich vor
allem die
Hugo-Wolf-Aufnahmen:
Elisabeth
Schwarzkopf
ist — und
wer könnte
an dieser
Feststellung
des
hocherfahrenen
und
hochkarätigen
Liedbegleiters
Gerald Moore
zweifeln? –
„von allen
Sängerinnen
die beste
Interpretin
dieses
Komponisten“.
Hans-Jürgen
Winterhoff
(1985)