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Die Familie
Schwantner war seit dem 16. Jahrhundert im Aupatal ansässig und
bäuerlichen Standes. Erst in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts gab es in ihr Handwerker und Kaufleute. Emil Schwantner,
am 27. August 1890 in Königshan an der schlesisch/böhmischen
Grenze geboren, lernte aufgrund seiner bildnerischen Begabung Modelleur
in der Porzellanfabrik Pohl in Schatzlar. Er erhielt ein Stipendium an
der Kunstakademie in Prag; seine Lehrer waren J. V. Myslbek, der
Schöpfer des Reiterdenkmals in Prag, und Jan Štursa, der ihn mit Rodin
bekannt machte. Bei einer Studienfahrt nach Belgien lernte Schwantner
auch das Werk Meuniers kennen, der als erster den arbeitenden Menschen,
vor allem den Bergmann, in die bildnerische Kunst einbrachte.
1912 und 1913
ging Schwantner nach Berlin und nach Leipzig, wo Franz Metzner,
ebenfalls böhmischstämmig, personelle Engpässe bei der Fertigstellung
des Völkerschlachtdenkmals hatte. Danach in Wien holte Schwantner der
Erste Weltkrieg an die Front. Von 1920 bis 1946 lebte er in Trautenau.
Als Resümee seiner bisherigen Studien und vor allem seiner
Kriegserlebnisse schuf er Denkmäler und Grabstätten, die ihre Vorbilder
in Berlin und Wien hatten, aber vor allem auch den großen Einfluß
zeigten, den Franz Metzner auf ihn ausgeübt hatte.
Trotz der
widrigen politischen Verhältnisse sind im öffentlichen Raum des
Riesengebirgsvorlandes noch mehr als 20 Zeugnisse von Emil Schwantners
Schaffen zu besichtigen, während von Franz Metzner in Berlin nur noch
eine einzige Grabstätte erhalten ist.
Es erscheint
sehr wohltuend, daß tschechische Menschen, die erst nach dem Zweiten
Weltkrieg im Riesengebirgsvorland angesiedelt wurden bzw. geboren sind,
das Werk Schwantners schätzen und schützen. In Tschechien ist das Werk
Schwantners ohnehin viel bekannter als in Deutschland. An manchen Orten,
wie in Wolta, Alt-Rognitz und Soor, sind nach den Zerstörungen der
Nachkriegszeit jetzt Repliken von zeitgenössischen tschechischen
Künstlern angefertigt worden.
Auch die seit
Mitte der neunziger Jahre in dem ältesten Trautenauer Haus eingerichtete
Städtische Galerie besitzt Werke Schwantners. Im Hohenelber Museum und
in der National-Galerie in Prag sind Werke Schwantners bereits seit den
zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorhanden
und immer wieder ausgestellt worden. In Deutschland haben die
Heimatstube Würzburg und das Riesengebirgsmuseum Marktoberdorf/Allgäu
einige Schwantner-Werke, meist aus seiner späten Schaffenszeit in
Schönebeck/Elbe, wohin er vertrieben wurde, in ihrem Besitz.
1980 gab Erwin
Schön einen Bildband über Emil Schwantner heraus. Mit der Städtischen
Galerie Trutnov hat die Autorin 1996 zum 40. Todestag ebenfalls eine
bebilderte Broschüre herausgebracht, in welcher der Nachweis geführt
wird, daß Emil Schwantner die Einflüsse der europäischen
Bildhauerschulen von Prag, Frankreich (Rodin), Belgien (Meunier) und
Berlin in seine böhmische Heimat transponierte. In den 2005 erschienenen
Bänden „Der Graben“ (Roman, verlag am park/ edition ost, Berlin) und
„Böhmische/Cesky Polka“, Gedichte (deutsch-tschechisch, Geest Verlag,
Vechta) hat die Autorin über Emil Schwantner geschrieben.
Zu seinem 50.
Todestag im Dezember 2006 wird im Haus der Begegnung der
Ahorn-Grieneisen AG Berlin-Charlottenburg eine Fotoausstellung der
Sepulkral- und Denkmalskunst von Emil Schwantner präsentiert. Eine
kleine Gedenkfeier an seinem Grab in Schönebeck/Elbe soll am 18.
Dezember 2006 stattfinden.
Daß er auch
gedichtet hat, wissen nur noch wenige, ebenso, daß er Geige spielte –
wie überhaupt jene, die ihn noch gekannt haben, fast ausgestorben sind
und seine Spuren zu verschwinden drohen. Doch ist sein Werk noch zum
großen Teil erhalten.
Anläßlich seines
50. Todestages werden in Trautenau im Vorgebirgsmuseum einige der sich
dort befindenden Werke ausgestellt, die dort einen Monat lang zu sehen
sein werden. Auf der am 12. Oktober 2006 stattfindenden Vernissage wird
die Autorin folgendes Gedicht von Emil Schwantner vortragen:
sein gor ofte menner Sehnsucht Ziel.
Wu dr ale Berggeest mit sen Zwercha
noch immer treiwa tut sei necksches
Spiel.
Wu Habmichlieb on Enzia
a Wandrer freindlich grüßa,
on selwerklore Wassalan rou eis Toul
tun schießa.
O, ich koun se nei vergassa,
de Barche on de
Hiehn.
Hür sugor eim Tram de Appe rauscha
on a Puschwend giehn.
Wenn üwer Barch on Kämme
dr Puschwend bleest on gieht,
on eim tiefa Toule
de Nawelwolke zieht,
wenn dann de Barche lechta
wieder eim schiensta Sonnaschein:
Sort ock, Ihr liew Leitlan
kouns denn wu schiener sein?
O, ich koun se nei
vergassa,
de Barche on de
Hiehn.
Hür sugor eim Tram de Appe rauscha
on a Puschwend giehn.
dr Dunner gieht on grollt,
on da drbuste Berggeest
a Menscha droht on grollt.
Wenn de Barche stiehn
ei ruter Feierschglut,
dann, Wanderschmann, ich sor drs,
bist du of dener Hut!
O, ich koun se nei
vergassa
die Barche un de Hiehn.
Hür sugor eim Tram de Appe rauscha
on a Puschwend giehn.
kehr’ ei a Baude ein.
Beim Senga on beim Tanza
werschte zofrieda sein.
Eim Kreese fruher Menscha
do fendst de die Glecke,
on ziehst de dann dervone
denkst secher Du zorecke.
Denn
konnst a Du se nei vergassa,
de Barche on de Lahn,
on kemmst ganz secher wieder,
weil se noch amol wellst sahn!
Bild:
„Der Tod regiert“, Gips-Bozetto, Emil Schwantner in seinem Atelier,
1927.
Jenny Schon
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