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Sein Leben gehörte Genüssen aller Art, besonders den literarischen. Er
nahm teil an wichtigen Entwicklungen der expressionistischen Literatur,
– sein Mäzenatentum ermöglichte erst eine Reihe bedeutender
verlegerischer Unternehmen und Unternehmungen. Und doch ist der Name
Erik-Ernst Schwabach so sehr in Vergessenheit geraten, daß er nicht
einmal in den einschlägigen Lexika zu finden ist.
Die Biographie Erik-Ernst Schwabachs ist nur bruchstückhaft bekannt. Er
war ein Sproß der Bankiersfamilie Schwabach, die verwandtschaftlich und
wirtschaftlich mit der Familie und Privatbank Samuel von Bleichröders
verbunden war, – einer Dynastie, die ihre europäische Bedeutung nicht
zuletzt der Zusammenarbeit mit Bismarck verdankte. Schwabachs Vater Paul
stand seit 1896 an der Spitze der Bank. Dieser Welt der Wirtschaft und
Finanzen fühlte sich Erik-Ernst Schwabach wohl primär aufgrund des
ererbten Familienvermögens zugehörig, welches ihm ein unbeschwertes
Leben erlaubte. Das schlesische Schloß Märzdorf, bei Haynau,
nordwestlich von Liegnitz gelegen, und seine Berliner Wohnung in der
Tiergartenstraße boten ihm wechselnde Aufenthaltsorte.
In Berlin wurde Schwabach in die Künstlerkreise der 20er Jahre
eingeführt, die einerseits die modische Attitüde der Reichen, Literatur
als Zeitvertreib zu betrachten, verpönten, die aber andererseits
Schwabach als Förderer ihrer Aktionen zu gewinnen suchten. Schwabachs
Begeisterungsfähigkeit für Neues und Unbekanntes und seine unmittelbare
finanzielle Hilfsbereitschaft wirkten auf Künstler und Schriftsteller
wie ein Magnet. Erst später kam Schwabach resignierend zu der bitteren
Einsicht: „Denen liegt an meinem Geld mehr als an mir.“
Zu seinen bedeutenden, teils bis heute nachwirkenden Taten zählen die
Stiftung des Fontane-Preises und die Herausgabe der Weißen Blätter.
Der Literaturpreis sollte die damals wenig gewürdigten Erzähler fördern
und wurde bis 2004 verliehen. Die Weißen
Blätter profilierten sich unter einflußreichen Mitarbeitern Franz
Blei und René Schickele zur bedeutendsten expressionistischen
Zeitschrift – wobei Schwabach als Herausgeber repräsentierte
und
finanzierte, jedoch kaum konzeptionelle Betreuung zu leisten
vermochte.
Schwabachs eigene schriftstellerische Entwicklung changiert seinem
unsteten Leben entsprechend zwischen den Stilen und Inhalten. Sein Werk
spannt einen Bogen von dramatischen Einaktern, Novellen und
Romanen
(vor allem in den 20er Jahren) bis hin zu Essays, Rezensionen und
Rundfunkberichten (vor allem in den 30er Jahren). Ins allgemeine
gewendet thematisiert sein literarisches Schaffen Widersprüche in
Alltagssituationen. Der käufliche Dichter und der berechnende Liebhaber
sind darin ebenso typische Figuren wie der uneigennützige Gönner. Die
Handlungsführung, oftmals von magisch-okkulten Elementen begleitet,
verläuft einfalls- und spannungsreich. Dabei liest sich sein Werk fast
autobiographisch, wenn es beispielsweise in der Novelle Peter von
Pier, der Prophet heißt: „Es lebte in der gleichen Stadt ein
Jüngling namens Valerius, den sein Reichtum nur freigebiger und
liebenswürdiger machte, und der, obwohl er sich Schmarotzer und
Beutelschneider vom Halse zu halten wußte, bei allen geliebt und
geachtet war.“
Schwabach betrieb seine eigene publizistische Produktion erst nach
inflationsbedingten Vermögensverlusten intensiver. Treffsicherheit und
klarer Textaufbau kennzeichnen seinen journalistischen Stil ebenso wie
ein aussagestarker Witz, der auf realistischem Nebeneinanderstellen von
Alltäglichkeiten beruht. Es mag in einer gewissen inhaltlichen
Konventionalität und Schemenhaftigkeit begründet liegen, daß Schwabach
keine führende Rolle als Literat spielte. Die Bedeutung für seine Zeit
liegt zweifellos in seinem großzügigen Mäzenatentum. Die Zeugnisse
seiner Zeitgenossen, die ebenso rar und widersprüchlich sind wie die
biographischen Dokumente, zeichnen von Erik-Ernst Schwabach das Bild
eines Mäzens, der sich in Ideen und „Späße“ hineinziehen ließ, – eines
Geldgebers scheinbar ohne kulturpolitisches Bewußtsein – des Reichen mit
der „schönen, sehr weiblichen Frau“ und dem Märchenschloß ... Die Frage,
inwieweit dieses Bild eher einer Karikatur gleicht, als es dem
tatsächlichen Charakter Schwabachs nahekommt, bleibt zu klären.
Werke
(Auswahl): Das Puppenspiel der Liebe, Ein Akt. Leipzig 1914. – Der
gutbezahlte Neumann, in: Franz Blei: Das Zaubertheater, Leipzig 1915, S.
107-142. – Peter von Pier, der Prophet. Leipzig 1916. – Kleine
moralische Osterbetrachtung (Essay), in: Die Literarische Welt (LW) 6
(1930), Nr. 16/17, Beilage, S. 1. – Geburtenregelung (Aufsatz), in: LW 6
(1930), Nr. 26, S. 5-6. – Conan Doyle (Nachruf), in: LW 6 (1930), Nr.
29/30, S. 9.
Lit.:
Ingrid Bode: Die Autobiographien zur deutschen Literatur, Kunst und
Musik 1900 bis 1965. Stuttgart 1966. – Wolfram Göbel: Der Kurt Wolff
Verlag 1913-1930, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens, Bd. 15
(1975), 16 (1976), hier bes. Sp. 666-671. – Kurt Wolff. Briefwechsel
eines Verlegers 1911-1963. Hg. v. Bernhard Zeller u. Ellen Otten.
Frankfurt a.M. 1980.
Bild:
Wolfram Göbel: Der Kurt-Wolff-Verlag (wie oben), Sp. 671.
Monika Radecki
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