„...Ihre
schöne,
beschwingte,
immer wieder
überraschende
Arbeit in
drei
Sparten! –
Bei aller
zarten
Empfindsamkeit
und trotz
der
vielfachen
Widrigkeiten
des Lebens
ist Ihnen
eine
unzerstörbare
Lebendigkeit
verblieben,
eine
Jugendlichkeit,
die von
Jahren
unabhängig
ist, da sie
vom
Geistigen
herkommt.“
Der Maler,
Kunstschriftsteller
und Freund
der
Künstlerin,
Professor
Friedrich
Ahlers-Hestermann,
hat Eva
Schwimmer
dies zum
siebzigsten
Geburtstaggeschrieben
und wichtige
Hinweise auf
ihr
Schicksal
und ihr Werk
gegeben.
Zurückgezogen
lebt sie,
doch
vielbeachtet
und geehrt,
in Berlin.
Die Etappen
ihres Weges
heißen
Ostpreußen,
wo sie auf
dem
väterlichen
Gut
Kalkstein im
Kreis
Fischhausen
zur Welt
kam,
Königsberg
(Lyzeum),
Leipzig
(Studium an
der Akademie
für
Buchgewerbe,
zuletzt als
Meisterschülerin
bei
Professor
Soltmann),
1922 Ehe mit
dem
bekannten
Graphiker
und
Illustrator
Max
Schwimmer
(zwei
Töchter),
wieder Gut
Kalkstein
(nach dem
1933
ausgesprochenen
Arbeitsverbot),
ab 1936
Berlin.
Nach ersten Illustrationsaufträgen
für
bedeutende
Verlage und
Ausstellungserfolgen
wird sie
1946
Professor an
der
Hochschule
für
angewandte
Kunst in
Berlin-Weißensee.
Aber schon
vier Jahre
danach folgt
die
Entlassung
durch die
östlichen
Machthaber.
Politisch
begründet
ist auch die
Trennung von
Max
Schwimmer
und der
Umzug nach
West-Berlin.
Da lebt sie
zunächst von
Arbeitslosenunterstützung,
erfährt
jedoch bald
neue
Aufträge und
Förderungen,
erhält
Preise, so
1952 den
Kunstpreis
der Stadt
Berlin für
Graphik,
1978 die
Ehrengabe
des
Lovis-Corinth-Preises
der
Künstlergilde.
In ihrer kleinen Dahlemer
Wohnung führt
Eva
Schwimmer
ein fast
eremitenhaftes
Leben. Zwar
nimmt sie,
soweit es
ihre
Gesundheit
zuläßt, am
sich
wandelnden
aktuellen
Kunstschaffen
Anteil,
bleibt aber
in ihre,
freilich,
bei aller
ostpreußischen
Heimatverbundenheit,
weite,
eigene Welt
eingesponnen.
Die schmale, zierlich
herbe Frau
verfügt
in ihrer
Lyrik, Prosa
und vor
allem als
Zeichnerin
über die
zartesten
Striche, die
leisesten
Nuancen,
besonders,
wenn es
darum geht,
Prosa und
Lyrik zu
illustrieren.
Sie kann
aber auch in
wenigen
Minuten mit
kraftvollen
Konturen,
breiter
schwarzer
Tinte oder
dichter
Farbigkeit
einen Kopf,
eine
Menschentype
charakterisierend
aufs Papier
werfen –
einfache
Menschen aus
ihrer
Heimat,
Berliner
Gestalten,
Randerscheinungen
der
Gegenwart –,
figurale
Szenen aus
Mythologie
und Bibel,
Großstadt
oder
ostpreußischen
Landen.
Insgesamt
verfügt sie
über die
Aussagemittel
eines frisch
und
gegenwärtig
gebliebenen
Expressionismus.
Verletzlichkeit, ja Angst,
Wissen um
die Abgründe
der Zeit und
um die Nöte
der
Einsamkeit
beflügeln
die
Phantasie
ihrer
kleinen und
mittelgroßen,
meist dabei
monumental
wirkenden
Blätter. Da
gibt es
Zeichnungen,
die etwas
Parabelhaftes,
Balladeskes
haben.
Zeitkritik
wird nicht
zur
Karikatur,
sondern zum
Konzentrat
menschlichen
Grundverhaltens.
Züge des
Vorzeitlichen,
Mythischen,
auch des
Exotischen
fehlen
ebensowenig
wie
romantische
Lyrismen.
Viele
beachtliche
Gedichte aus
eigener
Phantasie
und Diktion
hat sie mit
eigenen
Zeichnungen
umgeben. Man
begegnet
ihnen seit
Jahrzehnten
in der
„Neuen
Zeitung“,
der „Welt“,
der „FAZ“,
der „Zeit“,
im
„Tagesspiegel“,
im
„Ostpreußenblatt“.
Neben den
Zeichnungen
und
Mischtechniken
zeigen
figurale
Bronzen,
künstlerischer
Schmuck und
Gebrauchsgraphik
sowie die
bedeutende
Reihe von
Plakaten für
die Berliner
Festwochen
1953-1964,
wie
vielseitig
Eva
Schwimmers
Schaffen
ist. „Wir
wollen
nichts
verniedlichen
in dieser
fragwürdigen
Welt.“ Das
sagt Eva
Schwimmer in
ihrem
hintergründigen
Gedicht
„Kriegsende
im
Himmelbett“.
Zwischen
Zartheit und
Verletzlichkeit,
Dynamik und
lyrischer
Feinheit
bewegen sich
ihre
Zeichnungen
und Verse.
Sie sind oft
unmittelbar
aufeinander
bezogen.
Doch behält
auch bei der
Illustratorin
das
Wortgebilde
und das
zeichnerische
Gebilde
seinen
Selbständigkeitswert,
erfährt
seine
Anschaulichkeit
jeweils aus
sich selbst
heraus.
Ernst
Schremmer
(1986)