Nach
Absolvierung
des
Lehrerseminars
zu Werschetz
1856 war
Schwicker an
verschiedenen
Orten des
Banats als
Lehrer
tätig, bis
er 1865 die
Prüfung für
das Lehramt
an Gymnasien
in den
Fächern
deutsche
Sprache und
Literatur,
Geographie
und
Geschichte
ablegte. Im
Jahre 1869
ernannte ihn
Unterrichtsminister
József
Eötvös zum
Direktor der
Lehrerbildungsanstalt
in Ofen. Ab
1871 lehrte
Schwicker am
Gymnasium in
der
Leopoldstadt
in Pest und
ab 1872 als
Privatdozent
an der
Technischen
Universität
der
Hauptstadt
deutsche
Sprache und
Literatur.
Darüber
hinaus
entfaltete
Schwicker
eine rege
journalistische
und
wissenschaftliche
Tätigkeit
als
Mitarbeiter
mehrerer
Tageszeitungen
(Pester
Lloyd,
Wiener
Presse,
Augsburger
Allgemeine),
wissenschaftlicher
Zeitschriften
und
Kulturmagazine
und schrieb
zahlreiche
pädagogische
und
historische
Arbeiten.
Mit seinen
geschichtlichen
Werken, die
häufig eine
noch kaum
bearbeitete
Thematik
aufgriffen
und dadurch
die
ungarische
Geschichtswissenschaft
bereicherten,
wies sich
Schwicker
als ein
nicht nur
stilistisch
sehr
begabter,
wissenschaftlich
aber leider
unzureichend
gerüsteter
Schriftsteller
aus, der
dazu neigte,
seine
Quellen
unkritisch
auszuwerten
und
unbedenklich
aus älteren
Geschichtswerken
abzuschreiben.
Ganz auf
dieser Linie
liegt sein
erster
Versuch
einer
Synthese,
die sich
stark an
Francesco
Griselini
(„Versuch
einer
politischen
und
natürlichen
Geschichte
des temeswarer
Banats...“,
Wien 1780)
anlehnende
„Geschichte
des Temeser
Banats" (Groß-Betschkerek
1861, 2.
Aufl., Pest
1872),
ferner auch
seine
„Geschichte
der
österreichischen
Militärgrenze"
(Wien,
Teschen
1883), die
ohne jeden
wissenschaftlichen
Apparat
nichts
anderes als
eine gut
lesbare, auf
einen Band
gekürzte und
recht
übersichtliche
Zusammenfassung
des älteren
vierbändigen
Spezialwerkes
Franz
Vaničeks („Specialgeschichte
der
Militärgrenze...“,
Wien 1875)
darstellt.
Von ungleich
größerem
wissenschaftlichen
Wert bleiben
hier seine
drei
Vorstudien
zur
Geschichte
der
Militärgrenze,
die jeweils
Primärquellen
aus den
Wiener und
Budapester
Archiven
auswerten
und
erschließen:
„Zur
Geschichte
der
kirchlichen
Union in der
croatischen
Militärgrenze“
(Arch.
österr.
Gesch. 52
[1875]
277-400),
„Die
Vereinigung
der
serbischen
Metropolien
von Belgrad
und
Carlowitz“
(Arch.
österr.
Gesch. 62
[1881]
305-449) und
die
„Politische
Geschichte
der Serben
in Ungarn"
(Budapest
1880) im
Zeitraum von
1690 bis
1792, eine
pionierhafte
Gesamtdarstellung
der
Geschichte
der
Theiß-Maroscher
Militärgrenze
und der
illyrischen
Angelegenheiten
in Regierung
und
Verwaltung
der
Habsburgermonarchie.
Verdienstvoll
sind auch
seine zwei
weiteren
Synthesen:
„Die
Deutschen in
Ungarn und
Siebenbürgen“
(in der
Reihe: Die
Völker
Österreich-Ungarns.
Bd. 3, Wien,
Teschen
1881) und
„Die
Zigeuner in
Ungarn und
Siebenbürgen“
(Bd. 12 der
gleichen
Reihe,
1883). Beide
Werke mit
historischen
und
volkskundlichen
Kapiteln
bilden den
ersten
Versuch
einer
zusammenfassenden
Darstellung
der beiden
Themenkomplexe,
wobei
letzteres
bis heute
das einzige
seiner Art
geblieben
ist. Später
behandelte
Schwicker
noch „Die
nationalpolitischen
Ansprüche
der Rumänen
in Ungarn“
(Wien 1894)
und
veröffentlichte
eine überaus
materialreiche
„Geschichte
der
ungarischen
Literatur“
(Leipzig
1889), die
in ihrer
Ausführlichkeit
bis heute
unübertroffen
blieb. Nicht
nur die
methodischen
Mängel
seiner
Arbeiten,
sondern
gerade auch
sein betont
konservativer,
gegenüber
der Dynastie
Habsburg und
den Kirchen
sehr
freundlicher
Standpunkt,
der seiner
historischen
Interpretation
stets die
Richtung
wies, haben
die
nationalliberale
ungarische
Geschichtswissenschaft
seiner
Epoche
häufig zu
einer herben
Kritik
seiner
Publikationen
herausgefordert.
Diesen
seinen
Standpunkt
vertrat
Schwicker
auch im
politischen
Leben,
zunächst als
Verfasser
von
Aufsätzen
zur
staatspolitischen
Bildung, in
den Jahren
1887-1901
sodann als
Abgeordneter
der
Siebenbürger
Sachsen (mit
dem
Wahlkreis
Schäßburg)
im
ungarischen
Reichstag.
1884
gründete
Schwicker
die
„Zwanglose
Vereinigung
von
Literatur-
und
Kunstfreunden“,
die eine
hochgebildete,
ausschließlich
in deutscher
Sprache
verkehrende
Tischgesellschaft
in Budapest
zweimal im
Monat
vereinigte
und die sich
ihrer
Vermittlerfunktion
von
deutscher
Kultur für
Ungarn
durchaus
bewußt war.
Mit
Schwicker an
der Spitze
repräsentierte
dieser Kreis
noch über
die
Jahrhundertwende
hinaus den
damals
allerdings
bereits im
Rückzug
befindlichen
traditionellen
Typus des
Ungarndeutschen,
der nach den
Worten
Schwickers
es von jeher
verstanden
hat, „seine
Anhänglichkeit
und Liebe
zur
angestammten
Muttersprache
mit den
Pflichten
für sein
ungarisches
Vaterland in
Übereinstimmung
zu bringen“.
Gerhard
Seewann